Filmkritik: „Bride Of Re-Animator“ (1989)

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Originaltitel: Bride Of Re-Animator
Regie: Brian Yuzna
Mit: Jeffrey Combs, Bruce Abbott, Claude Earl Jones u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 97 Minuten
FSK: keine Jugendfreigabe
Genre: Horror / Komödie
Tags: Untote | Leichen | Reanimation | Krankenhaus | Wissenschaftler | Makaber

Ein ganz und gar zauberhaftes Serum.

Kurzinhalt: Nachdem sie der Katastrophe nur knapp haben entgehen können, forschen Dr. Herbert West (Jeffrey Combs) und Dr. Dan Cain (Bruce Abbott) weiter an den Möglichkeiten, die ihnen das von Dr. West eigens kreierte Reanimations-Serum bietet. Dieses scheint sich schließlich nicht nur dafür zu eigenen, Tote wiederzuerwecken – sondern sogar einzelnen Körperteilen zu einem gewissen Lebenswillen zu verhelfen. Nachdem sie für eine Zeit untergetaucht sind, kehren sie in ihren Dienst an einem städtischen Krankenhaus zurück – und beschaffen sich, wenn auch unter heftigen Protesten von Dr. Cain; immer neue Leichenteile aus dem hauseigenen Krematorium. Doch immer dann, wenn Dr. Cain entschlossen zu sein scheint die Zusammenarbeit aufgrund von moralischen Bedenken zu beenden, schreitet Dr. West ein – und verspricht ihm, eines Tages sogar seine verstorbene Frau wieder ins Leben zurückzuholen. Da man von Dr. Cains Frau allerdings nur noch ihr Herz hat retten können, müsste man alle anderen Teile entsprechend besorgen – und mithilfe des Serums zu einem ganz und gar neuen Lebewesen verbinden. Wird es am Ende tatsächlich Dr. Cains Frau sein, die bei einem Prozedere wie diesem entsteht – oder eine gefährlich-unkontrollierbare Kreatur, die ihren Schöpfern sogleich den Garaus machen will ?

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Er ist zurück. Die Rede ist von niemand geringerem als Dr. Herbert West (Jeffrey Combs), der bereits im ersten Teil des RE-ANIMATOR-Franchise von 1985 (Link zur Kritik) sein Unwesen trieb – und als skrupelloser Arzt und Wissenschaftler so mancher Leiche wieder zu neuem Lebensmut verhalf. Das offizielle Sequel BRIDE OF RE-ANIMATOR, welches gut 4 Jahre später erschien; knüpft dabei relativ exakt an die Handlung des Vorgängers an: noch immer ist die Rede von jenen außer Kontrolle geratenen Ereignissen in der Leichenhalle des Krankenhauses; und noch immer ist Dr. West kaum von seinen perfiden Plänen abzuhalten. Dass er dieses Mal allerdings noch einen Schritt weitergehen würde, war abzusehen – und macht auch das Sequel zu einem makaberen Filmvergnügen für alle Freunde des lockeren, dezent trashig angehauchten Horrorfilms mit allerlei kuriosen Splatter-Elementen. Allerdings, und das ist der Knackpunkt: zu keinem, welches dem ureigenen und längst mit einem Kultstatus versehene Original das Wasser reichen kann. Und das hat gleich mehrere Gründe.

Der erste und vielleicht ausschlaggebendste ist dabei an einem markanten Wechsel der verantwortlichen Crew festzumachen. Für Stuart Gordon (später u.a. FORTRESS – DIE FESTUNG), der sich im ersten Teil sowohl für das Drehbuch und die Regie verantwortlich zeichnete; kam der Regie-Neuling Brain Yuzna (später u.a. THE DENTIST) – ein Kollege, der sich in den 80er-Jahren hauptsächlich als Produzent einschlägiger Genre-Werke verdingte. Und so ist es kein Zufall, dass er auch beim ersten RE-ANIMATOR-Film seine Finger im Spiel hatte und man sich entsprechend kennen- und schätzen lernte. Die Folge: für den zweiten Teil des Franchise, den vorliegenden BRIDE OF RE-ANIMATOR; war man bereit die Verantwortung für das Projekt fast vollständig an ihn abzugeben. Das war zweifelsohne ein mutiges Unterfangen – mit einem leider nicht wirklich zufriedenstellendem Ergebnis.

Somit liegt es vor allem an einem Faktor, der das Sequel überhaupt noch für Fans des Originals schmackhaft machen kann – alle wichtigen Darsteller des Vorgängers sind auch im Sequel wieder mit von der Partie. Das Ergebnis ist ein entsprechend stimmiges, zumindest für einen Großteil der Szenen: es macht einfache einen Heidenspaß, den sich immer mehr in seine Visionen zu verbeißenden, vor einem gewissen Wahnsinn nicht gefeiten Dr. West (grandios: Jeffrey Combs) zuzuschauen. Auch sein Kollege Bruce Abbott als Dr. Cain; der sowohl als Freund und Kollege, aber offensichtlich auch als schlechtes Gewissen des grenzüberschreitenden Projekts fungiert, macht seine Sache gut. Gerade die Interaktionen der beiden sind es auch, die dem Film zumindest einen Hauch von Tiefgang verleihen – stehen ihre Charaktere grundsätzlich stellvertretend für zwei völlig verschiedene Sichtweisen. Anders gesagt: ein kaum zu stoppender Forschungsdrang und eine menschenverachtende Skrupellosigkeit (West) befinden sich in einem ständigen Kampf mit dem, was an moralischen und ethischen Restzweifeln (Cain) noch übriggeblieben ist. Das Zusammenspiel dieser moralischen Auseinandersetzung mit einer interessant dargestellten, man nenne es Überredungskunst von Dr. West und den späteren Auswüchsen des injizierten Serums lassen es dann auch wieder aufkommen – das gute alte, mitunter kultverdächtig-spaßige RE-ANIMATOR-Gefühl.

Unglücklicherweise kann man beim gesamten restlichen Aufbau, das heißt bei allem was um die Charaktere herum geschieht; nicht mehr von einer gelungenen Leistung sprechen. Schließlich fällt nicht zuletzt die allgemeine Inszenierung von BRIDE OF RE-ANIMATOR überraschend langatmig aus, es finden sich zahlreiche Durststrecken und handwerkliche Fehlgriffe. Während bereits der gesamte, sich nur mühsam dahinschleppende und überraschungsarme Auftakt des Films stellvertretend für eine Diagnose wie diese stehen könnte; gesellen sich im weiteren Verlauf allerlei weitere schwächere Elemente hinzu. Sei es, dass viele Szenen viel zu dunkel ausgefallen sind und man entsprechend Mühe hat dem Geschehen zu folgen, sei es dass man auf eine vergleichsweise hektische Schnitt-Technik setzte oder es schlicht verpasste, in den richtigen Momenten für eine ansprechende akustische Hintergrundkulisse zu sorgen (die Filmmusik beispielsweise ist recht merkwürdig dosiert, oftmals herrscht eine irreführende Stille) – BRIDE OF RE-ANIMATOR fühlt sich über weite Strecken verdächtig unspektakulär an. Selbst Zuschauer, die auf ein reines Splatter-Spektakel und die potentiell abenteuerlichen wiederbelebten Kreaturen des Films aus sind, müssen recht lange warten – erst gegen Ende fährt man diesbezüglich noch einiges auf. Stellenweise aber auch schon wieder zu viel – der abgetrennte Kopf eines bereits aus dem Vorgänger bekannten Widersachers von Dr. West beispielsweise macht als unbekanntes Flugobjekt mit Fledermausflügeln keine allzu gute Figur, vor allem nicht handwerklich.

Desweiteren könnte ein ganz anderes Element den Filmgenuss von BRIDE OF RE-ANIMATOR dezent schmälern: die Tatsache, dass man eine der Haupt-Ideen bei einem allseits bekannten Genrefilm geklaut hat; nämlich aus FRANKENSTEINS BRAUT. Überhaupt erinnert das gesamte Gehabe um das Zusammensetzen von verschiedenen Körperteilen nicht von ungefähr an jene legendäre Geschichte – die Eigendynamik, die der Vorgänger durchaus noch anzubieten hatte, droht so beinahe vollständig zu verfliegen. Immerhin kann sich auch dieses Mal die Arbeit der Maskenbildner sehen lassen – obwohl allgemein an (Kunst-)Blut gespart wurde, lösen die einzelnen Körperteile oder gar abenteuerlichen biochemischen Konstruktionen (Ein Bein gekoppelt an einen Arm, ein paar Finger mit einem Auge oder die Zusammenstellung der BRIDE des RE-ANIMATORS) für einen gewissen Ekel – und ein paar Lacher beim im wahrsten Sinne des Wortes eingefleischten Genre-Publikum.

Fazit: BRIDE OF RE-ANIMATOR ist kein schlechter Genrefilm – aber ein eher zu vernachlässigendes Sequel. Wer bereits den Vorgänger kennt und vielleicht sogar entsprechend schätzt, der wird in Anbetracht der doch merklich gesunkenen Qualität der Inszenierung und der fehlenden Innovationen eher enttäuscht werden. Zieht man die vielen Durststrecken und handwerklichen Fehlgriffe einmal gedanklich ab, so bleiben im Kern hauptsächlich die spannend-makabere Auseinandersetzung der beiden Hauptprotagonisten und einige der doch noch aufgefahrenen Ideen (der wiederbelebte Hund beispielsweise) im Gedächtnis. Das reicht gerade noch für eine Empfehlung – für Fans des Genres, die über die ein oder andere Schwäche hinwegsehen können. Wer allerdings noch keinen der RE-ANIMATOR-Filme kennt, sollte lieber zum Original von 1985 greifen – und diesen Nachfolger vergessen.

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„Kein würdiger Nachfolger – aber noch immer ein solider Genrefilm.“

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