Metal-CD-Review: DRAGONFORCE – Valley Of The Damned (2003)

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Alben-Titel: Valley Of The Damned
Künstler / Band: Dragonforce (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 27. Januar 2003
Land: England
Stil / Genre: Power Metal
Label: Sanctuary Records

Alben-Lineup:

ZP Theart – Vocals
Vadim Pruzhanov – Keyboards, Piano
Didier Almouzni – Drums
Sam Totman – Guitars, Vocals (backing)
Herman Li – Guitars, Vocals (backing)

Track-Liste:

1. Invocation of Apocalyptic Evil (00:13)
2. Valley of the Damned (07:11)
3. Black Fire (05:46)
4. Black Winter Night (06:19)
5. Starfire (05:44)
6. Disciples of Babylon (07:06)
7. Revelations (06:57)
8. Evening Star (06:39)
9. Heart of a Dragon (05:26)

Der Ursprung der Drachenkraft.

Irgendwann hat jeder einmal angefangen – so auch die aus London stammende Bandcombo DRAGONFORCE, die sich im Laufe der letzten Jahre einen respektablen Status innerhalb der Metal-Szene erarbeitet hat. Und das nicht nur aufgrund der teils wahnwitzigen Gitarrensoli – auch wenn es hauptsächlich eben diese und die generell etwas angezogene Geschwindigkeit sein sollten, welche die wohl bekanntesten Wiedererkennungsmerkmale der Band stellen sollen. Auch auf dem aus dem Jahre 2003 stammenden Debütalbum VALLEY OF THE DAMNED sind jene technisch anspruchsvollen Frickeleien schon sehr gut herauszuhören – wobei markant ist, dass sich bis heute nichts an der Besetzung (zumindest nicht der Gitarren) geändert hat. Sam Totman und Herman Li stehen nach wie vor ihren Mann und duellieren sich das eine ums andere mal in geradezu epischen instrumentalen Konfrontationen, die später auch in allerlei Bandvideos und bei den zahlreichen Live-Performances zu einem waschechten Aushängeschild avancieren sollten.

Somit ist es umso spannender, auch einmal den Ursprung einer Band wie DRAGONFORCE zu erkunden – und zu erfahren, wie die Engländer auf ihrem Debüt geklungen haben. Eines steht dabei relativ schnell fest: die DRAGONFORCE-Grundzutaten, wie sie später auf so gut wie jedem Album zu finden sein sollten; sind bereits hier vorhanden. Das sind in erster Linie die bereits erwähnten Versatzstücke in Form der Gitarrensoli, der feurig-lebendigen Rhythmusgitarren und der antreibenden Geschwindigkeit (die in BLACK FIRE erstmals ihren Höhepunkt findet) – aber auch auf den harmonische Leadgesang und die dezent-hintergründigen Chor-Elemente wurden bereits hier ein wichtiges Augenmerk gelegt. Der einzige Unterschied zu späteren DRAGONFORCE-Produktionen besteht wohl darin, dass alle hier aufgefahrenen Titel noch nicht ganz so bombastisch inszeniert werden – was nicht zuletzt an der hier noch stark ausbaufähigen, allgemein etwas blechernen Produktionsqualität liegen mag. Besonders der Leadgesang von ZP Theart klingt hier manchmal merkwürdig hintergründig und wird beinahe von der allgemeinen Wucht der Instrumente erschlagen.

Dennoch weiß das Album grundsätzlich zu überzeugen – und das nicht nur, da es sich um das erste DRAGONFORCE-Album und somit um einen wichtigen Meilenstein handelt. Die Qualität des Songwritings ist enorm, die abgelieferte handwerkliche Arbeit beeindruckend. Fakt ist auch, dass ein Album wie VALLEY OF THE DAMNED eben doch weitaus mehr zu bieten hat als eine Ansammlung von wahnwitzigen Uptempo-Nummern und Blast-Beats. Wenn, und das ist der potentielle Knackpunkt; man sich auch auf den Sound der Band einlassen kann und keine Probleme mit einem vergleichsweise hektischen Anspruch und vielleicht auch einer Portion Kitsch hat. Ein Kitsch, der sich vor allem darin äußert; dass man sich mit dem Album einer typisch europäischen Spielart widmet und man die Musik von DRAGONFORCE nicht wirklich als hard oder heavy bezeichnen kann. Wahnsinnig schnell, technisch vertrackt, hymnisch und allgemein verspielt; das trifft es vermutlich schon eher.

Denn auch wenn man so gut wie immer auf das Gaspedal drückt, lässt man noch genügend Raum für allerlei ansprechende Melodien, kleinere Intermezzi und Verschnaufpausen. Die größere derer findet sich dann wohl in der Ballade STARFIRE, die mit den Klängen eines Klaviers und eines plätschernden Bächleins eingeläutet wird – und erst einmal so gar nicht in den Kontext des Albums passen will. Doch tatsächlich hat ein Album wie VALLEY OF THE DAMNED Momente wie diese absolut nötig – und auch wenn es sich sicher nicht um die beste Power-Ballade handelt die jemals geschrieben wurde, wird man sich für die somit eingestreute Abwechslung bedanken. Das gleiche gilt im übrigen auch für die Folgenummer DISCIPLES OF BABYLON – die zwar als typischer Uptempo-Brecher startet, im weiteren Verlauf mit einer vergleichsweise abenteuerlichen, fast schon jazzigen Instrumentalsektion aufwartet.

Nach diesen Nummern ist es dann allerdings vorbei mit der Ruhe und Abwechslung – es geht wieder stark nach vorn. Das Problem hierbei ist nur, dass weder das flotte REVELATIONS noch das rasante EVENING STAR wirklich nachhaltige Momente offerieren. Die Ansätze sind da, doch letztendlich reihen sich Nummern wie diese – zusammen mit BLACK FIRE – in die Riege der schnellen, aber eher unspektakulären Titel ein bei denen auch die Soli nicht mehr viel reißen können. Deutlich markanter klingt da schon der Rausschmeißer HEART OF A DRAGON – der erstmals auf einen zusätzlichen hymnischen Anspruch setzt und ein wenig klingt wie FREEDOM CALL auf Speed. Es muss eben immer das ein oder andere Element geben, das im Gedächtnis bleibt – und sei es ein besonders herausragender Refrain; ansonsten wird es schwer die einzelnen Titel überhaupt auseinanderzuhalten.

Fazit: VALLEY OF THE DAMNED ist nicht nur ein wegbereitendes Debütalbum einer damals aufstrebenden jungen Band – sondern auch allgemein ein Laune-machendes Genrealbum mit einem Hang zu atemberaubenden Geschwindigkeiten und interessanten technischen Frickeleien. Ein kleiner Wermutstropfen ist nur, dass sich einige der Titel noch zu gleichförmig anfühlen – auch wenn man mit der Ballade STARFIRE durchaus für (dringend benötigte) Abwechslung sorgt. Doch allein der starke Auftakt mit dem Titeltrack, das herrlich melodische BLACK WINTER NIGHT und der Rausschmeißer HEART OF A DRAGON machen klar, dass DRAGONFORCE hier durchaus einen Meilenstein abgeliefert haben. Für sich, für alle Geschwindigkeitsfanatiker – und für alle die sich bisher nicht vorstellen konnten, dass eine Band mit einem leicht klischeebehafteten Namen diesem auch tatsächlich gerecht werden würde.

Absolute Anspieltipps: VALLEY OF THE DAMNED, BLACK WINTER NIGHT, DISCIPLES OF BABYLON, HEART OF A DRAGON


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„Fulminates Debütalbum mit noch ausbaufähigen Stärken.“

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