Metal-CD-Review: CRYSTALLION – Hundred Days (2009)

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Alben-Titel: Hundred Days
Künstler / Band: Crystallion (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 03. Oktober 2009
Land: Deutschland
Stil / Genre: Melodic Power Metal
Label: Dockyard 2 Records

Alben-Lineup:

Thomas – Vocals
Manuel – Keyboards
Martin – Drums
Stefan – Bass
Patrick – Guitars

Track-Liste:

1. Cloak and Dagger (02:22)
2. The Sleeping Giant (05:49)
3. A Cry in the Night (04:22)
4. Sole Survivors in Ligny (05:39)
5. Nations Falling (06:42)
6. Hougoumont (05:09)
7. Under Heavy Fire (04:51)
8. We Stand Aligned (06:19)
9. Hundred Days (04:56)
10. The Bravest of the Brave (06:03)

Die Geschichte von 100 denkwürdigen Tagen erzählt in 52 Minuten.

Gerade einmal ein Jahr nach einem der wohl bemerkenswertesten und intensivsten, aber leider gern vernachlässigten Metal-Alben des Jahres 2008 (Hattin – siehe Review) erschien mit HUNDRED DAYS bereits das nächste Konzeptalbum aus der Feder der Bayrischen Power Metal-Combo CRYSTALLION. Dabei hatten die Jungs die besten Voraussetzungen, um an den Erfolg des in mancherlei Kreisen legendären Albums über das Aufeinandertreffen der Christen und Muslime in Jerusalem anzuknüpfen. Das hierzu anberaumte neue musikalisch zu behandelnde Thema könnte sich dafür wohl kaum besser eignen: wieder geht es um eine äußerst geschichtsträchtige Periode, die sich weniger auf ein einzelnes Ereignis denn vielmehr auf ganz bestimmte bekannt gewordene Persönlichkeiten oder länger währende Zeitabschnitte bezieht. Dieses Mal geht es – und das verrät bereits das Cover, wenn auch nur dezent; um die sogenannte Herrschaft der 100 Tage durch den aus dem Exil zurückgekehrten Napoleon Bonaparte.

CRYSTALLION wären jedoch nicht CRYSTALLION, wenn sie sich nicht auch diesmal für eine besondere Art der musikalischen Inszenierung entschieden hätten: wie auf HATTIN wird das Geschehen aus zwei Ich-Perspektiven beleuchtet, die sich quasi gegenüberstehen und die Ereignisse auf ihre ganz eigene Art und Weise interpretieren. Gut ist, dass es dabei auch dieses Mal kein richtig oder falsch im eigentlichen Sinne gibt. CRYSTALLION lassen offen, ob sie für eine der beiden Seiten einstehen oder nicht; und nutzen diese Taktik eher als Form der akustisch erlebbaren – und durch die zwei Perspektiven so gesehen wieder recht neutralen – Nacherzählung.

Steigt man dann einmal tiefer in den Alben-Kosmos ein, ist aber doch eine dezente Veränderung festzustellen; wenn auch eher auf der musikalischen denn auf der inhaltlich-erzählerischen Ebene: HUNDRED DAYS wirkt insgesamt deutlich kompakter und auch etwas weniger spektakulär als der Vorgänger. Das bedeutet indes nicht, das die Qualität der einzelnen Titel eine ebenfalls niedriger anzusetzende ist – sondern nur, dass sich ein Großteil der Songs im Midtempo bewegt, die Refrains nicht mehr ganz so mitreißend sind und man sich des öfteren eher am Melodic- denn am Power Metal orientiert. So klingt HUNDRED DAYS schlicht etwas rockiger und vielleicht auch zugänglicher. Dennoch stehen bei CRYSTALLION weiterhin zwei Faktoren an der vordersten Front, und das nicht ohne Grund: der markant-starke Leadgesang von Thomas Strübler  sowie die gelungene Gitarrenarbeit von Patrick Juhász.

Dabei sind es vor allem die Riffs, die für einen ordentlichen Eindruck sorgen – und im Zusammenspiel mit dem zwar häufig, insgesamt aber relativ dezent genutzten Keyboard für eine ansprechende und atmosphärische Soundkulisse sorgen. Schade erscheint nur, dass CRYSTALLION dieses Mal komplett auf eingeschobene Uptempo-Nummern verzichten und das neue Soundgewand zu keinem Zeitpunkt durchbrechen. Das bedeutet: hat man die ersten drei oder vier Nummern gehört, wird man ungefähr wissen was noch auf einen zukommen würde; Überraschungen folgen keine mehr. Handwerklich ist das Ganze zwar zu jedem Zeitpunkt über alle Zweifel erhaben, doch spätestens nach den letzten gemäßigten Nummern und dem (noch langsameren) Rausschmeißer THE BRAVEST OF THE BRAVE wird einem klar, dass CRYSTALLION hie und da vielleicht doch etwas mehr Kraft, Tempo und Druck hätten anberaumen sollen.

CRYSTALLION’s HUNDRED DAYS reiht sich damit nahtlos in die Riege der besseren Power Metal-Alben ein, denen man so etwas wie einen historischen Anspruch unterstellen könnte. Einen bodenständigen, aber dennoch äußerst unterhaltsamen und musikalisch beinahe perfekt untermalten – wären da nicht die unüberhörbaren Längen und die insgesamt wenig packende Gesamtwirkung. Im direkten Vergleich mit dem legendären HATTIN kann HUNDRED DAYS somit nicht mithalten – es fehlt hie und da einfach an den nötigen i-Tüpfelchen oder einer handvoll Titel, die wirklich und nachhaltig aus der Tracklist hervorstechen. Dennoch bleibt es bei einem soliden Album, das man als Fan der Vorgänger keinesfalls missen sollte.

Absolute Anspieltipps: A CRY IN THE NIGHT, SOLE SURVIVORS IN LIGNY, UNDER HEAVY FIRE, HUNDRED DAYS


70button

„Ein gutes Konzept und ein guter Ansatz – nur wirkliche Highlights, die fehlen.“

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