Filmkritik: „A Million Ways To Die In The West“ (2014)

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Originaltitel: A Million Ways To Die In The West
Regie: Seth MacFarlane
Mit: Seth MacFarlane, Charlize Theron, Amanda Seyfried u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 117 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Komödie
Tags: Ted | Family Guy | Western | Parodie | Hommage | Duell | Romanze

Es geht wieder mal heiß her im wilden Westen.

Kurzinhalt: Der schüchterne Schafzüchter Albert (Seth MacFarlane) lebt ein eher unspektakuläres Leben in der Wildwest-Stadt Old Stump. Glücklich ist er dennoch, da er mit Freundin Louise (Amanda Seyfried) eine äußerst gute Partie an seiner Seite hat – zumindest bis zu dem Tag, an dem sie sich plötzlich von ihm trennt. Sie will offenbar mehr als ein ruhiges, tristes Leben als Gattin eines Landwirten zu führen; sodass sie kurz darauf mit dem reichen und angesehenen Schnurrbart-Träger Foy (Neil Patrick Harris) anbändelt. Albert schäumt vor Wut, gibt die Hoffnung aber noch nicht auf. Er entscheidet sich stattdessen, für seine große Liebe zu kämpfen – selbst, wenn das bedeuten würde dass er sich eines Tages mit Foy duellieren müsste. Schießen kann er aber nicht besonders gut – sodass die Chancen eher schlecht stehen. Doch plötzlich erhält er unerwartete Unterstützung in Form der hübschen Anna (Charlize Theron), die scheinbar aus dem Nichts auftaucht und Albert einige Kniffe beibringt. Das ungewöhnliche Duo entdeckt immer mehr Gemeinsamkeiten, woraufhin Albert nach und nach einsieht; dass er an Louise vielleicht doch nicht so viel hatte wie gedacht. Doch wenn es tatsächlich eine neue Liebe geben sollte hätte Anna’s noch-Ehemann, ein berühmt-berüchtigter Revolverheld der Region (Liam Neeson); sicher etwas dagegen…

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Kritik: Achtung, Spoiler ! A MILLION WAYS TO DIE IN THE WEST sollte die nächste große Nummer des anarchistischen Multi-Talents Seth MacFarlane werden – jenem Mann, der mit TED (Review) gute 2 Jahre zuvor einen plüschigen aber alles andere als jugendfreien Überraschungserfolg ablieferte. Schließlich konnte MacFarlane nicht nur alteingeschworene Fans von Serien wie FAMILY GUY zufriedenstellen – sondern auch eine Menge neuer Zuschauer, die einem aberwitzigen Wechselspiel von eher anziehenden und eher abstoßenden Inhalten gegenüberstanden. Auch mit der Entscheidung, TED ein wenig weg vom reinen Comedy-Nischendasein hin zu einem leinwandtauglichen Spektakel für so gut wie jeden Zuschauer zu bringen; konnte man bestens leben – litt weder der anarchistische Humor darunter, noch die ureigene Identität des Films. Und dann kommt plötzlich ein Werk wie A MILLION WAYS TO DIE IN THE WEST daher – mit dem MacFarlane offenbar einen ganz ähnlichen Weg einschlagen wollte. Will heißen: der Film sollte sowohl ein typischer MacFarlane werden, als auch möglichst viele unvorbelastete Zuschauer ansprechen.

Dass ihm diese Aufgabe im vorliegenden Fall offenbar nicht mehr ganz so leicht von der Hand ging, hat mehrere Gründe. Zum einen erscheint das Setting insgesamt deutlich weniger ansprechend als das von TED – eine verkappte Western-Komödie inklusive einer guten alten Love-Story würde sicher weniger Zuschauer anziehen als ein lebendiger Plüschteddy, der in einem Großstadtdschungel und an der Seite seines chaotischen besten Freundes die ein oder andere Nacht durchmacht. Doch damit nicht genug, setzt MacFarlane auch nicht mehr auf ein oder zwei besonders markante Hauptfiguren mit einem hohen Wiedererkennungswert – sondern wagt einen gänzlich anderen Schritt. Tatsächlich spielt er die Rolle des Titelhelden Albert gleich selbst – was von seinen durchaus vielfältigen Ambitionen zeugen mag, aber möglicherweise eine fatale Fehlentscheidung war. Denn: man hat nicht selten das Gefühl, als würde man hier Seth MacFarlane kennenlernen, und nicht seinen durch ihn verkörperten Charakter Albert – den man genauso gut hätte Seth nennen können. Mit einem wie auch immer gearteten Schauspiel hat das ganze jedenfalls verdächtig wenig zu tun.

Doch analog zum relativ unspektakulären Eindruck der Grundidee und der Tatsache, dass das Ganze nunmehr zu einer Art One-Man-Show avanciert; gesellen sich weitere Probleme – die bereits mit den durch den Filmtitel implizierten Inhalten beginnen. Kurios dabei ist, dass man tatsächlich auf verschiedene Arten des Ablebens eingeht, speziell in Bezug auf den Wilden Westen – dabei aber grundsätzlich nur gängige Klischees bedient und sich kaum aus dem Fenster lehnt. Wer also (vielleicht zu Recht) erwartet, dass einem hier laufend kuriose Ideen bezüglich eines möglichst makaberen Ablebens zahlreicher Film-Figuren präsentiert werden; wird bitter enttäuscht. Das wäre indes vielleicht noch gar nicht so gravierend, würde der Film davon unabhängig ein ähnlich aberwitziges Filmspektakel zelebrieren wie auch TED eines war – doch A MILLION WAYS TO DIE IN THE WEST bleibt über weite Strecken auffallend langatmig und wirkt sogar erschreckend platt – in allen Belangen.

Es beginnt bereits mit der simplen Story, die im Grunde nicht viel mehr ist als eine typische Liebesgeschichte in einem angestaubten Western-Setting – eine relativ überraschungsarme, wenig geistreiche noch dazu. Doch auch hinsichtlich vieler anderer Elemente scheint MacFarlane eher einen gehörigen Schritt zurückgegangen zu sein. Wirklich durchdachte, kurios-witzige oder einfach nur im Gedächtnis bleibende Dialoge beispielsweise gibt es nicht; ebenso wenig wie nachhaltig wirkende Figuren. Lediglich Schafzüchter Albert respektive MacFarlane selbst offeriert einen funken Ambivalenz, er entwickelt sich auch als Charakter weiter – während alle anderen in ihren zugewiesenen Verhaltensweisen und Klischees steckenbleiben. Merkwürdig erscheint, warum man ausgerechnet einen guten, aber eher humorlosen Darsteller wie Liam Neeson engagierte – der seine Rolle entsprechend bierernst spielt und die lockere Atmosphäre des Films unnötig versteift.

Das eigentliche Tüpfelchen auf dem i aber markiert die Qualität des Humors. Schließlich ist der nicht nur weitaus weniger anarchistisch als alles, was man bisher von MacFarlane kannte; sondern auch sonst eher peinlicher Natur. Ein besonderes Augenmerk galt, und das ist enttäuschend; offenbar dem allseits beliebten Fäkalhumor, der sich durch ein Großteil der Szenen zieht. Gepaart mit anderen vergleichsweise flachen Gags (wie Folgen einer Trunkenheit, Umfallen oder Stoßen an Gegenständen) entsteht so ein zutiefst merkwürdiger Eindruck. Einer, den man so nicht von Seth MacFarlane erwartet hat – und einer, bei dem man schlicht nicht weiß ob man nun doch noch ein krampfhaftes Lächeln auf die Lippen bringen oder sich doch lieber abgrundtief fremdschämen soll. Das gilt im übrigen auch für das befreundete Paar des Hauptprotagonisten, das noch nie Sex hatte – obwohl die Dame der Beziehung eine… nun, sehr geschäftstüchtige Frau ist. Eher schlechte Ideen wie diese finden sich zuhauf – gute Einfälle, die im Gedächtnis bleiben dagegen nicht. Jenen Platz werden viel eher die endlos langen Durststrecken einnehmen, die sich nicht erst beim Blick auf die Gesamtspieldauer erahnen lassen sondern omnipräsent spürbar sind.

Somit verbleiben für A MILLION WAYS TO DIE IN THE WEST nur eine handvoll positiver Aspekte, die den Film vor dem Totalausfall bewahren. Die allgemeine Western-Atmosphäre kommt durch die gute Schauplatzwahl, die schön eingefangenen Landschaften und die Kostüme gut zum Tragen – wobei viele Szenen eine Art Reminiszenz an frühere Genre-Perlen darstellen. Auch die darstellerischen Leistungen lassen sich – mit Ausnahme der des eigentlichen Hauptdarstellers – sehen. Insbesondere das weibliche Duo aus Charlize Theron und Amanda Seyfried weiß hier gekonnt zu überzeugen. Schade nur, dass man Neil Patrick Harris und Giovanni Ribisi keinen größeren Spielraum zugewiesen hat – beide bleiben weit hinter ihren Möglichkeiten zurück, und quetschen sich so gut es eben geht in die ihnen zugeschriebenen Rollen-Klischees.

Fazit: Dass A MILLION WAYS TO DIE IN THE WEST nur ein Schatten eines Films wie TED sein würde, war eventuell noch abzusehen – dass es sich aber auch davon unabhängig um eine relativ mäßige, enorm ideenlose und mitunter sogar durch und durch peinliche Komödie handelt, dagegen nicht. Die irreführende Titelvergabe, die Entscheidung MacFarlane selbst die Titelfigur spielen zu lassen, die mehr als flachen Gags – so richtig zündet hier keine der erschreckend abgehalfterten Ideen. Die Folge: im Zusammenspiel mit der viel zu langen Spieldauer ergibt sich eine Komödie der eher anstrengenden Art. Sollte MacFarlane weiterhin an Projekten wie diesen arbeiten, sollte er vielleicht lieber hinter der Kamera bleiben – ansonsten könnte es das Aus für seine Karriere bedeuten. Aber auch sonst muss an vielen Ecken und enden geschraubt werden – nicht zuletzt damit ein Reinfall wie A MILLION WAYS TO DIE IN THE WEST nicht wiederholt werden wird.

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„Als Western-Hommage gerade noch tauglich – als Komödie ein schlechter Witz.“

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5 Gedanken zu “Filmkritik: „A Million Ways To Die In The West“ (2014)

  1. Der Film ist die reinste Peinlichkeit, das stimmt, aber dann gleich sooo schlecht? (glaub mir…gibt übleres) Als jemand der dem Westerngenre nicht abgeneigt ist, hatte ich mir allerdings auch weitaus mehr versprochen als ein paar witzige Szenen. Vor allem als ausgesprochener How I met your Mother Hasser gingen mir so sämtliche Szenen mit Neil Patrick Harris auf den Keks, der „Höhepunkt“ war die Durchfallszene am Schluss…hmmmmm…auch so ein ziemlich ausgelutschter Gag.

    „Denn: man hat nicht selten das Gefühl, als würde man hier Seth MacFarlane kennenlernen, und nicht seinen durch ihn verkörperten Charakter Albert…“

    Stimmt, als ob Seth MacFarlane in einer Family Guy Westernepisode gelandet wäre wo er mit seinen eigenen Figuren interagiert.

    „Merkwürdig erscheint, warum man ausgerechnet einen guten, aber eher humorlosen Darsteller wie Liam Neeson engagierte – der seine Rolle entsprechend bierernst spielt und die lockere Atmosphäre des Films unnötig versteift.“

    Liam Neeson wurde unnötig verheizt. Als Charakterdarsteller wirkt er völlig deplaziert und verkommt in dieser Laienspieltruppe wie in einer schlechten Schulaufführung von der der Lehrer glaubt es sei witzig.

    „Eher schlechte Ideen wie diese finden sich zuhauf – gute Einfälle, die im Gedächtnis bleiben dagegen nicht.“

    EINE (naja viel besser ZWEI neben der Szene mit Doc Brown) Szene wird mir auf Ewigkeit in Erinnerung bleiben, das werden aber viele (schon allein durch die schlechte Synchronumsetzung in der Szene) nicht erkennen und das ist als Albert den muslimischen Totengesang (?) anstimmt und dabei die Melodie Baltimora’s „Tarzan Boy“ anstimmt. ^^ (eine Italo-Disco Nummer aus den 80ern) Ich konnte es GERADE noch in der Deutschen Synchro heraushören, Sicherheit bekam ich aber erst durch die Bestätigung in den Credits als der Song dort gelistet war, obwohl er scheinbar nirgendwo im Film vorkam. 🙂 Jede andere Landessynchro hat diese Melodie besser hinbekommen, als die Deutsche, wo ich vermute man hat den Gag schlicht und einfach nicht mitbekommen. Seth MacFarlane ist ein Nerd und arbeitet viel mit Insider Nerdwitzen, das macht ihn mir persönlich sehr sympathisch, leider war von dieser Art Humor im Film viel zu wenig zu sehen.

    „Insbesondere das weibliche Duo aus Charlize Theron und Amanda Seyfried weiß hier gekonnt zu überzeugen. Schade nur, dass man Neil Patrick Harris und Giovanni Ribisi keinen größeren Spielraum zugewiesen hat – beide bleiben weit hinter ihren Möglichkeiten zurück, und quetschen sich so gut es eben geht in die ihnen zugeschriebenen Rollen-Klischees.“

    Charlize Theron hat mir auch gut gefallen, Giovanni Ribisi spielt wie immer einen merkwürdigen Vogel, der nicht besonders auffällt und ich bin FROH, dass es nicht mehr von Neil Patrick Harris Charakter gab, irgendwie war das Barney Stinson im Wilden Westen und ich mag Barney Stinson im heutigen Amerika schon nicht. ^^

    Wertung: 4,5/10
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    Da wirkt Ted schon richtig gut dagegen, obwohl ich den jetzt auch nicht so gut fand…total überbewertet wie Hangover und der ganze Quatsch. Und kommt mir nicht mit Melissa McCarthey (Völlig abgezockt, Taffe Mädels, Tammy, Mike & Molly pipapo), die z.Zt. in aller Munde ist…die Frau versucht den Comedy Stil von Whoopie Goldberg zu kopieren, gleichzeitig praktiziert sie bis zum Abwinken den gleichen Ich-bin-dick-Humor immer und immer wieder…leidlich komisch.

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    1. Die einzig richtig gute Szene im Film….^^ (ich liebe Seth’s popkulturellen Seitenhiebe auf die 80er, das ist das einzige was er wirklich drauf hat)

      Tarzan Boy Seth:

      Tarzan Boy Original:

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      1. Omg, ja; den Song kenne ich auch noch. Hammer Teil^^ Im Film habe ich ihn allerdings nicht erkannt, von daher Danke. Da gab’s sicherlich noch mehr derartige Anspielungen, allein in der späteren ‚Indianersprache’… mit Ausnahme von Mila Kunis, das habe selbst ich gehört^^

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  2. Hmmm komisch, was war denn da los, hast du dich nicht auf den film eingestellt bzw. eingelassen, ich fande den recht lustig, teils übertrieben, aber nie mals sooo schlecht !??!?! na ja geschmackssache, aber besser auf jeden FALL !!
    cu

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