Filmkritik: „Come Out And Play – Kinder Des Todes“ (2012)

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Originaltitel: Come Out and Play
Regie: Makinov
Mit: Ebon Moss-Bachrach, Vinessa Shaw, Daniel Giménez-Cacho u.a.
Land: Mexiko
Laufzeit: ca. 87 Minuten
FSK: ab 18 freigegeben
Genre: Horror
Tags: Kinder | Insel | Ehepaar | Verlassen | Geheimnis | Morde | Tod

Die wollen doch nur spielen… oder ?

Kurzinhalt: Eigentlich könnte es nicht besser laufen für Francis (Ebon Moss-Bachrach) und Beth (Vinessa Shaw). Das junge Paar ist glücklich, und gerade auf dem Weg auf eine einsame Insel in der Karibik. Hier wollen sie noch einmal einen ausgiebigen, entspannten Urlaub machen; bevor die hochschwangere Beth ihr Kind bekommen würde. Tatsächlich finden sie auf der Insel alles, was es für eine erholsame Atmosphäre braucht: das Wetter ist traumhaft, Touristen gibt es keine; und auch sonst scheint alles wunderbar ruhig zu sein. Etwas merkwürdig erscheint da nur, dass die beiden hier lediglich auf spielende Kinder treffen – und keine anderen Erwachsenen. Doch sind sie nicht hergekommen, um sich den Kopf zu zerbrechen – man will sich entspannen, und setzt alles daran auch genau das zu tun. Später jedoch werden die beiden Zeugen einer gleichermaßen merkwürdigen wie erschreckenden Tat: ein junge Mädchen schlägt mit einem Gehstock auf einen alten Mann ein, und das unter schallendem Gelächter. Was wirklich auf der Insel vor sich geht, bleibt schleierhaft – klar erscheint nur, dass man vielleicht doch schneller als geplant wieder von hier verschwinden sollte. Doch dafür ist es möglicherweise schon zu spät..

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Der Gründe, eine Neuverfilmungen eines bekannten Stoffes realisieren zu wollen; gibt es bekanntlich viele. Im besten Fall könnte man von einer Art Tributzollung ausgehen, die dem Geist des jeweiligen Originals treu bleibt aber dennoch genügend neue Ideen hinzufügt – und im schlimmsten Fall von einer dreisten Ausschlachtungsstrategie, bei der man sich auf einen potentiell großen und bekannten Namen stützt. Doch gibt es auch schwieriger zu kategorisierende Projekte, wie etwa COME OUT AND PLAY – ein Remake, das sich offensichtlich auf das aus dem Jahre 1976 stammende Originalwerk EIN KIND ZU TÖTEN (Link zum Review) bezieht. Kurios erscheinen dabei gleich mehrere Dinge, denn: warum die Verantwortlichen ausgerechnet ein vergleichsweise umstrittenes Werk wie dieses auserkoren haben, warum sie sich vielmehr auf den Film als die schon damals zugrundeliegende Buchvorlage gestützt haben und was genau sie mit dieser Neuverfilmung bezwecken; das liegt nicht unbedingt auf der Hand.

So wird vor allem Kennern des entsprechenden Originals eine Frage auf der Seele brennen – nämlich die nach dem, was ein Remake unbedingt braucht um auch als solches zu funktionieren. Eine Frage, die offenbar auch die Macher von COME OUT AND PLAY nicht sinnig zu beantworten wussten – auch wenn man ihnen schon einmal nicht unterstellen kann, dass sie auf einen großen kommerziellen Erfolg aus waren. Fakt ist, und das liegt nicht zuletzt an der eher gegen den Mainstream gerichteten Grundidee des Films; dass sich hierfür ganz andere – wenn nicht gar alle – Vorlagen besser geeignet hätten als ein Film wie EIN KIND ZU TÖTEN. Aber selbst wenn man in diesem Fall die vielleicht schlimmste aller potentiellen Remake-Ambitionen ausschließen kann, ändert das nichts an der Fragwürdigkeit des Projekts.

Es beginnt bereits damit, dass man im Grunde nichts anderes macht als das Original direkt zu kopieren – und mit Ausnahme der Umstände die sich zwangsläufig verändern mussten (in Bezug auf die Schauplätze, die Kulissen und die allgemeine Optik) so gut wie keine neuen, eigenen Ideen hinzufügt. Das wird besonders in Bezug auf das Drehbuch und das Timing offenbar, das offenbar eins-zu-eins übernommen wurde – und sei es in Bezug auf kleinste Anwandlungen der Charaktere. Das führt verständlicherweise dazu, dass das Remake vor allem Kennern des ebenfalls nicht gerade überraschenden Originals sauer aufstoßen wird – und das nicht nur, da eine jegliche Spannung somit vollständig verpufft. Denn analog zur Ideenarmut der Neuverfilmer gesellt sich die Tatsache, dass man mit einer Methode wie dieser nicht nur alle potentiellen Stärken des Originals übernimmt – sondern auch alle Schwächen. Und das waren in diesem Fall gar nicht mal wenige – wobei es vor allem das unglaubwürdige Verhalten der Charaktere in Ausnahmesituationen sein sollte; welches eine jegliche Dynamik zunichte machte.

Aber anstatt diese Schwächen nunmehr auszubügeln, die Szenen neu zu interpretieren und darzustellen; schlicht einige neue Elemente hinzuzufügen – macht man dieselben ärgerlichen Fehler noch einmal. Dass die Macher den damals verantwortlichen so gesehen ein unumstößliches Können attestieren, mag ehrenhaft erscheinen – doch zeugt es nicht unbedingt vom berühmt-berüchtigten Lerneffekt und lässt das Remake als solches nur noch schlechter dastehen. Sicher kann man einem Werk auch Tribut zollen wenn man es verändert – was man vielleicht sogar muss. Denn eine bloße Kopie, die wird weder dem eigentlichen Schöpfer noch den Zuschauern helfen.

Der eigentliche Knackpunkt aber folgt erst noch, denn wenn die Rezension an dieser Stelle enden würde könnte man zumindest noch von einem ärgerlichen, zu vernachlässigenden Remake ohne eine jegliche Identität ausgehen. Jedoch, und das ist bezeichnend; haben die Macher die Inhalte von EIN KIND ZU TÖTEN nur zu gefühlten 90 Prozent kopiert. In jenen restlichen 10 Prozent, in denen die Verantwortlichen doch noch etwas Eigeninitiative zeigen konnten oder wollten, liegt indes die Crux begraben. So ist der gesamte Auftakt von COME OUT AND PLAY eine reine Farce, die die letzten Ansprüche der Glaubwürdigkeit des Vorgängers endgültig zu den Akten gelegt. Im Remake bekommt der Zuschauer einen weitaus hektischeren Einstieg präsentiert, der nicht einmal mehr einen Grund für die Reise der beiden Hauptprotagonisten liefert. Auch fehlt das im Original heraufbeschworene, trügerisch-idyllische Urlaubsgefühl – hier geht es vergleichsweise schnell und verdammt plump zur Sache.

Weiter geht es dann mit der vollständigen, wenn man so will Verleumdung aller Inhalte die dem Zuschauer im Original zwecks einer Interpretationsmöglichkeit angeboten wurden. COME OUT AND PLAY wird auf allein auf sein Dasein als Horrorfilm ohne einen jeglichen Hintergrund zurechtgestutzt – vielleicht auch, da man den Kindern hier mit einer noch größeren Härte begegnet, den allgemeinen Ekel-Faktor noch einmal ein stückweit angezogen hat ? Durch den Abzug aller gesellschaftskritischen, politischen und letztendlich auch dezent übernatürlichen Hintergründe aber gerät das Ganze zu einem Gemetzel, das nicht mehr wirklich verstörend ist – sondern einfach nur pervers. 

Auch handwerklich hat COME OUT AND PLAY nicht viel zu bieten, bis auf die nette Kulisse vielleicht – das Schauspiel wirkt im Vergleich mit dem Original ungleich hölzerner, die allgemeine Hochglanz-Optik gerät der allgemeinen Atmosphäre sogar eher zum Nachteil. Lediglich mit dem Soundtrack hat man sich in Anbetracht der sonstigen qualitativen Maßstäbe des Films selbst übertroffen. Das ist etwas überraschend und sorgt für eine Wertung, die die Skala nicht bis ins bodenlose sprengt – es ändert aber letztendlich nichts an der schieren Unerträglichkeit des Films.

Fazit: Es erscheint schwierig zu entscheiden, worin die größten Fehltritte der Verantwortlichen hinter COME OUT AND PLAY lagen. Klar ist nur, dass es derer nicht wenige waren – und das Remake vor allem Kennern des Originals einen regelrechten Faustschlag ins Gesicht verpasst. Angefangen von der plumpen Strategie einer ideenlosen eins-zu-eins Kopie des Originals inklusive aller damaligen Schwächen über absolut unverständliche Kürzungen (der Auftakt, alle potentiell weiterführenden Elemente) bis hin zu einem deutlich drastischeren, kontextloseren Gewaltgrad wirkt vieles nicht nur enttäuschend – sondern derart fehlgeleitet, dass man sich fragen muss warum ein Film wie dieser überhaupt erschienen ist. Wer auch immer seinen Segen für ein Projekt wie dieses gegeben hat gehört bestraft – und wenn auch nur mit entsprechenden Kritiken und Wertungen. Zuschauer, die sich auch nur ansatzweise für die Grundidee interessieren und keinen pervertierten, nicht einmal spannenden oder gut inszenierten Horror-Slasher sehen wollen, sollten einen großen Bogen um die Neuverfilmung machen und zum zeitloseren Original greifen. Das hat zwar ebenfalls seine Schwächen, offenbart durch seine gesellschaftskritischen Ansätze aber zumindest einen gewissen Grad an Ambivalenz.

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„Gutes Anschauungsmaterial – in Bezug auf das, was man bei einem Remake alles falsch machen kann.“

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3 Gedanken zu “Filmkritik: „Come Out And Play – Kinder Des Todes“ (2012)

  1. Oh…so schlecht? „Ein Kind zu töten“ war ein hervorragender Film und es ist schon richtig mutig davon überhaupt ein Remake zu drehen.

    „vielleicht auch, da man den Kindern hier mit einer noch größeren Härte begegnet, den allgemeinen Ekel-Faktor noch einmal ein stückweit angezogen hat ?“

    Das ist das was ich am Original noch sehr gut fand, man hat hier auf ein bewusstes sinnloses Gemetzel verzichtet…enttäuscht mich, dass man hier absichtlich eine krassere Schiene fährt und somit womöglich die völlig falsche Klientel zu bedienen versucht.Da schlägt das Ding mehr in die Kerbe von Filmen wie dem lachhaften „The Children“ und dem überaus hassenswerten Streifen „Baby Blues“ (aka. Cradle will fall).

    Naja mal sehen ob ich mir den Streifen überhaupt noch reinziehen werde…

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    1. Würde mich schon mal interessieren, was Du von einem Remake wie diesem hier denkst… von daher, tu es Dir ruhig mal an^^

      Aber sag nicht ich hätte Dich nicht gewarnt. Wobei, vielleicht siehst Du das Ganze ja ganz anders ? Problematisch fand ich halt nur, dass man das Original fast eins-zu-eins kopiert hat, mit Ausnahme des gesamten wichtigen Einstiegs (Kriegsberichte mit makaberem Kinderlachen, die ersten Tage des Urlaubs + der Grund um überhaupt zur Insel zu fahren et cetera)…

      Im Remake fand ich es einfach nur kurios, wie der Hauptdarsteller zu Beginn des Films irgendwie total hektisch durch die Straßen zieht (auch hier findet gerade ein Straßenfest statt) und auf der Suche nach einem Boot ist. Wer er ist, was er da gerade macht und vor allem wieso – das wird nicht wirklich transportiert. Hauptsache, es herrscht schon hier eine (vergleichsweise düstere) Thriller-Stimmung. Oder auch eine Art Phantomspannung, das trifft es vielleicht besser. Dabei wäre es doch ein leichtes gewesen, wenn man das Original schon kopiert – mal irgendwie darauf hinzuweisen dass die beiden gerade Urlaub machen, sich entspannen wollen etc^^ Das Spiel mit den verschiedenen Stimmungen (Urlaub, der zum Horrorurlaub wird) bleibt also weitestgehend aus.

      Und nochmal in Bezug auf die Gewalt… da man sich wie gesagt streng an das Original hält, sind zumindest der Zeitpunkt und auch die Länge der Szenen gleich geblieben. Nur die Art der Darstellung hat sich verändert, was besonders markant bei der Frau in der Kirche ausfällt. Damals noch zusätzlich provozierend, aber auch wesentlich glaubhafter dargestellt (Stichwort kindliche Neugier) sieht das Ganze nun aus wie eine Szene aus irgendeinem Folterfilm – inklusive offenem Brustkorb, zerfetztem Gesicht etc… -.-

      Spätestens beim Ende dann findet aber das statt, was ich bereits im Review angedeutet hatte… im Original war es noch eher die Masse der Kinder, die dem Mann Probleme bereitete. Zwar wurde auch hier schonmal kräftig zugelangt, doch letztendlich haben ihn die Kinder sozusagen (fast) erdrückt. Und nun ? Alle kommen einzeln angerannt, kriegen einen ordentlichen Hieb mit einem Holzbalken verpasst…und wenn sie am Boden liegen, ja; da hört das Ganze eben nicht wirklich auf. Stichwort Grenzüberschreitung: neben A SERBIAN FILM würde ich in dieser Hinsicht auch dieses Remake hier zu Rate ziehen. Mit Kunst hat das jedenfalls nichts mehr zu tun, hier sogar noch deutlich weniger.

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    2. Das Original “Ein Kind zu töten” kenne ich auch, der war passabel, gilt sogar als kultig. Überraschend an dem Streifen war, dass er komplett am helligtenTag gespielt hat.

      Offtopic; Prometheus: Bodai!

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