Filmkritik: „Sinister“ (2012)

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Originaltitel: Sinister
Regie: Scott Derrickson
Mit: Ethan Hawke, Juliet Rylance, Fred Thompson u.a.
Land: USA, Großbritannien
Laufzeit: ca. 110 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Horror
Tags: Kind | Kinder | Dämonen | Haus | Okkult | Fluch | Gefahr | Angst

Die Geister, die ich NICHT rief.

Kurzinhalt: Der Schriftsteller Ellison (Ethan Hawke) ist nach seinem letzten, bald 10 Jahre zurückliegenden Erfolg bestrebt einen weiteren Coup in Buchform zu landen. Das Problem: seine Themenwahl bezieht sich oft auf äußerst heikle kriminalistische Fälle, die eng mit Ereignissen aus der Realität in Verbindung stehen – was sich oft zusätzlich negativ auf seine angespannte Familiensituation auswirkt. Und so hofft er durch einen Umzug, der aufgrund finanzieller Probleme ohnehin nötig war; neue Inspiration zu finden. Das Einverständnis seiner Ehefrau hat er – doch erzählt er ihr nicht die ganze Wahrheit über das neue Haus, in dem sich einst ein schreckliches Mordszenario abgespielt haben soll. Als er dann auch noch eine Kiste mit alten Filmrollen findet, scheint das Chaos perfekt. Einerseits ist Ellison froh darüber, endlich intensiv in die Arbeit an seinem Buch einsteigen zu können – doch andererseits scheint er immer mehr die Kontrolle zu verlieren, Realität und Fiktion drohen sich zu vermischen. Spätestens, als seine beiden Kinder Anzeichen einer unerklärlichen Veränderung zeigen, läuten auch bei Ellison die Alarmglocken…

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Besieht man einen Film wie SINISTER oder zahlreiche andere, ähnlich aufgemachte Filmprojekte; stellt sich vor allem eine eher kritische Frage. Kann man heutzutage überhaupt noch einen innovativen Horrorfilm drehen ? Und wenn das schon nicht zutrifft, kann man den Zuschauer zumindest mit einigen hie und da eingestreuten frischen Ideen locken ? Eine durchaus berechtigte Frage, zumindest aus Zuschauersicht – die sich viele Filmemacher und Geldgeber aus Gründen der Einfachheit aber gar nicht mehr stellen. So zumindest scheint es – Anhaltspunkte dafür gibt es beileibe genug. Zwar mag es Ausnahmen geben, doch haben selbst diese nicht automatisch das Zeug zu waschechten Kult-Titeln – wie beispielsweise INSIDIOUS; der gerne auch im Zusammenhang mit SINISTER gennant wird und bei dem zumindest die Marschrichtung stimmt. Bei SINISTER jedoch, dem 2012’er Horrorwerk von Scott Derrickson; liegen derlei Attribuierungen in einer gänzlich unerreichbaren Ferne.

Und das liegt vor allem daran, dass der Film nichts anzubieten weiß was man so oder in frappierend ähnlicher Form nicht schon einmal gesehen hätte. Wieder findet das Geschehen in einem abgelegenen Haus statt in dem sich irgendwann zuvor etwas schlimmes ereignet hat, wieder steht eine scheinbar unbekümmerte Familie im Mittelpunkt, wieder sind es deren Kinder die eine besondere Empfänglichkeit für allerlei übernatürliche und somit erst Recht gefährliche Phänomene aufzuweisen haben. Und: wieder einmal handelt es sich um eine Form von Dämonen und / oder Geistern, die aus einem ganz bestimmten Grund einen Kontakt herstellen – und für ihr Ziel selbstverständlich problemlos über (menschliche) Leichen gehen. Sicher mögen derlei simple Grundvoraussetzungen die Grundpfeiler eines so manchen (auch: besseren) Horrorfilms bilden – und auch wenn sich eine Höchstwertung so schon prinzipiell zu verbieten scheint, kommt es in solchen Fällen oftmals auf die möglichst eigenständige Szenenkomposition und die eingebrachten zusätzlichen Ideen an.

Leider hat SINISTER hier nur verdächtig wenig anzubieten, mehr noch: er versagt beinahe vollständig darin, sich eine eigene Identität aufzubauen. Viele Ideen scheinen direkt aus anderen Filmen übernommen – lediglich die neuen Orts- und Namensgebungen, sowie die Auswahl eines ganz speziellen Dämons als Dreh- und Angelpunkt der Dramaturgie heben den Film überhaupt erst von anderen ab. Und das nur äußerst marginal. Während man sich somit bereits auf der inhaltlichen Ebene einer gewissen unspektakulären Gleichförmigkeit hingibt, zieht man auch auf der handwerklichen entsprechend nach – oder besser gesagt, man passt sich an. Viele Szenen spielen sich in einer undurchsichtigen Finsternis ab, ein Großteil der Schock-Momente wird aus eben jener Finsternis generiert – oder aber entsteht aus akustischen Kniffen (mal ächzt hier eine Tür, mal stampft da jemand über den Dachboden). Die zusätzliche, man nenne es Aufgesetztheit der Schockmomente macht es dann auch nicht wirklich besser, zumal man als Zuschauer bereits im Voraus recht genau erahnen kann, wann der nächste platziert werden würde.

Das zweite große Fettnäpfchen von SINISTER liegt dagegen in seiner schieren Unglaubwürdigkeit begründet. Man kann also auch in dieser Hinsicht davon ausgehen, dass es sich um einen eher typischen Horrorfilm handelt – einer, bei man am liebsten in das Szenenbild springen möchte um den Charakteren zu erzählen, wie sie sich in Anbetracht der Situation angemessener verhalten könnten um ihr Leben und das ihrer Liebsten zumindest dezent zu verlängern. Frech: in der eigentlichen Finalszene des Films gibt es einen letzten Schock-Effekt, der in einem erheblichen Kontrast zur gesamten vorherigen Atmosphäre des Films zu stehen scheint. Aufgrund der eher peinlich-plumpen Herangehensweise könnte man hier von einem Hinweis ausgehen der vorschlägt, dass man SINISTER möglicherweise mit einem Augenzwinkern betrachten müsste damit er funktioniert. Das wiederum ergibt überhaupt keinen Sinn – da der Film gewiss nicht darauf ausgelegt ist, als Parodie des Genres zu fungieren.

Fazit: Es ist schwierig, bei einem Film wie SINISTER von einer großen Enttäuschung zu sprechen – da es eigentlich recht absehbar war, dass er kaum spektakuläres anzubieten wissen würde. Wenn man sich derart ideenlos und verkrampft an ein Projekt wie dieses heranwagt, sich auf einen entsprechenden abgenutzten Grundpfeiler stützt; dann kann schlicht nichts großartiges entstehen. Dass in diesem Fall nicht einmal etwas überhaupt nennenswertes entsteht, liegt an den zusätzlichen – und wie so oft vermeidbaren – Fehlern der Verantwortlichen. Dabei hätten bereits einige kleinere Tricks und Kniffe ausgereicht, um die Wirkung des Films zumindest teilweise zu steigern. Von einer (dann: sinnigeren) Involvierung von Außenstehenden wie den Polizisten über eine Ausweitung der okkulten Hintergründe (vor allem in Bezug auf die Zeitspanne, in der das Ganze stattfindet) bis hin zu einem besseren Timing (vor allem in Bezug auf das rasche, beinahe plumpe Ende) hätte man noch einiges drehen respektive retten können. So reicht es gerade einmal für eine zutiefst durchschnittliche Wertung mit einer deutlichen Tendenz nach unten.

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„Leider ein Fest der abgenutzten Ideen.“

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