Spieletest: MAX PAYNE 2 – The Fall Of Max Payne (2003, PC)

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Originaltitel: Max Payne 2
Veröffentlichungsdatum: 22. Oktober 2003
Entwickler: Remedy Entertainment
Publisher: Take 2 Interactive
USK: Ab 18 freigegeben
Genre: Action / Third-Person-Shooter
Tags: Max Payne | Bullet-Time | Valkyr | Mona Sax | Alfred Wooden

Eine Film-Noir-Love-Story – und noch viel mehr.

Inhalt: Max Payne hat in seiner Laufbahn als New Yorker Detective schon einiges gesehen und erlebt. Zu den besonders einschneidenden Erlebnissen gehören dabei sicher der Verlust seiner Frau und seines neugeborenen Kindes – welche von einer Bande von berauschten Kleinkriminellen ermordet wurden. So zumindest schien es für eine lange Zeit – doch Max kam nach und nach immer neuen Enthüllungen auf die Spur, die ihn zu immer mächtigeren Parteien vordringen ließen. Die zahlreichen undurchsichtigen Verbindungen der Verantwortlichen sind aber auch nach Monaten noch nicht gänzlich aufgedeckt, sodass seine Suche weitergeht – und er kaum noch weiß, wem er trauen kann und wem nicht. Zu allem Überfluss kommt nun auch noch eine Frau ins Spiel, Mona Sax – die sowohl Max‘ undurchsichtige Gegenspielern als auch halbwegs vertraute Geliebte ist. Kann er in diesem Wirrwarr der Gefühle endlich seinen Frieden mit dem Geschehenen machen – und endlich alle Verantwortlichen der Schandtat zur Strecke bringen ?

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Schon ein Jahr nach dem mittlerweile legendären PC-Titel MAX PAYNE (Link zum Review) legte man nach – und präsentierte einen ähnlich vielversprechenden Nachfolger, der sich einmal mehr auf die neuartigen Finessen der sogenannten Bullet-Time spezialisierte. Doch handelt es sich bei MAX PAYNE 2 um mehr als einen lauwarmen Neuaufguss des Vorgängers – man war fleißig, und hat weiter an den schon zuvor beeindruckenden Spiel-Elementen geschraubt. Die Folge ist so gesehen ein neues altes MAX PAYNE, das sich ebenso erfrischend anfühlt und gut spielen lässt wie der Vorgänger – gleichzeitig aber auch mit einigen Updates die Engine und das Spielerleben betreffend daherkommt.

Ein wichtiges, wenn nicht gar ein ausschlaggebendes Merkmal von MAX PAYNE war indes die atmosphärisch dichte Story und ungewöhnliche Erzählweise im Film-Noir-Stil – die auch dieses Mal wieder zum Einsatz kommt. Zwar kann man nun nicht mehr mit einem ganz so überragenden Überraschungseffekt rechnen, die große Innovation oder gar Revolution von einst bleibt verständlicherweise aus – doch auch jener hier präsentierte neue Story-Abschnitt lässt sich sehen und strotzt nur so vor atmosphärischen Ideen. Da man – das Durchspielen des ersten Teils vorausgesetzt – nun schon mit der Hauptfigur und dessen Vorgeschichte vertraut ist, wirkt das Geschehen nun auch etwas greifbarer. Was aber auch Nachteile hat; war gerade das Abstrakte, das Unbekannte ein wesentlicher Faktor innerhalb des Vorgängers. MAX PAYNE 2 kann man dagegen nun als inhaltlich etwas, man nenne es zahmeren Nachfolger betrachten; der auch allgemein etwas zugänglicher erscheint.

Einer der neuen Kniffe ist derweil recht dicht mit der Storyline verwoben: MAX PAYNE bekommt Gesellschaft, und zwar durch die bereits im ersten Teil auftretende Mona Sax. Nicht nur, dass die ungewöhnliche Zusammenarbeit (oder auch gefährliche Hassliebe) der beiden eines der Hauptmerkmale des Spiels bilden wird, die Macher sind sogar das Wagnis eingegangen den Spieler einen der Abschnitte als Mona spielen zu lassen. Eine Idee, die letztendlich sehr gut aufgegangen ist, stört sie das Spielerleben nicht und lässt den Spieler einen einzelnen Handlungsstrang einmal anders, das heißt aus zwei Perspektiven erleben. Schade ist nur, dass man Mona nicht mehr eigenständige Fähigkeiten spendierte – es macht kaum Unterschiede ob man nun Max oder Mona steuert, beide bewegen sich ähnlich agil und verfügen (in etwa) über das gleiche Waffenarsenal.

Eine noch auffälligere Neuerung ist so gesehen keine wirkliche – gemeint ist schlicht das Grafik-Update, das noch einmal alles aus der Engine herausholt und den ohnehin schon einzigartigen, guten Look des Spiels erneut veredelt. So gibt es nun wesentlich mehr Partikel und Details zu sehen, teils gescriptete Ereignisse (wie etwa der Einsturz eines Gebäudes oder das Ausbrechen von Feuer) sehen nun wesentlich besser aus als im Vorgänger. Markant: sollte es einmal mehr heiß hergehen fliegen überall kleinere Partikel umher, lösen sich Bruchstücke von den Decken, explodieren Fässer und reissen Löcher in die Wände – MAX PAYNE 2 sieht in solchen Momenten einfach nur atemberaubend aus. Im Zusammenspiel mit der nun etablierten Bullet-Time und den leicht verbesserten Charakter-Design ist es somit auch schnell wieder da, jenes unverkennbare Spielgefühl – welches eben auch stark mit der optischen Inszenierung des Spiels zusammenhängt. Wo der Vorgänger jene Wirkung vor allem aus den aufgeräumt erscheinenden, kunstvoll in Szene gesetzten Schauplätzen entstehen ließ, geht es im Nachfolger schon wesentlich ‚dreckiger‘ und vielleicht auch etwas authentischer zu – wofür vor allem der erhöhte Detailgrad verantwortlich ist.

Keine nennenswerten Unterschiede finden sich indes in Bezug auf die spaßigen, effektvollen und perfekt in Szene gesetzten Ballereien – welche neben der Story nach wie vor das Aushängeschild der Reihe sind. Ob man sich nun im ersten oder zweiten Teil geschmeidig von einem Raum in den nächsten wirft, mit dem Zeitvorteil der Bullet-Time Gegner zielgenau ausschaltet oder auch mal effektvoll sein (Spieler-)Leben lässt – gepaart mit der guten Physik-Enginge des Spiels ergeben sich zahlreiche denkwürdige Momente. Eine kleine Neuerung gibt es dann aber doch: Max Payne kann nach einem getanen Bullet-Time-Sprung nun am Boden liegenbleiben und den somit entstanden Vorteil der Deckung weiter nutzen. Das wirkt nicht nur sinnig, es erspart dem Spieler auch einige potentielle Frust-Momente des Vorgängers; wo die Spielerfigur selbst inmitten von schwersten Ballereien nach einer jeden akrobatischen Einlage schnell wieder aufstehen musste um nicht direkt weiterfeuern zu können und direkt zur Zielscheibe zu werden.

Bleibt noch ein weiteres zu nennendes Aushängeschild des ersten Teils, welches glücklicherweise auch den Weg in den Nachfolger gefunden hat – das grandiose Leveldesign. Wie schon im Vorgänger sind die einzelnen Abschnitte perfekt aufgeteilt, bietet sich eine enorme optische und spielerische Abwechslung, wirken ein Großteil der Handlungsorte extrem stimmig und trotz des recht linearen Aufbaus spannend inszeniert. Auch dieses mal haben sich – wohl analog zu den (Alp-)Traumlevels des Vorgängers wieder einige besonders markante Momente eingeschlichen – wie etwa in Bezug auf ein verlassenes Kirmesgebäude mit aufklappenden Pappfiguren und Fallen, eine Polizeistation in der man erst seinem polizeilichen Arbeitsalltag nachgeht um danach die Kollegen und Gefangenen gegen einen Überfall zu verteidigen; oder ein Abschnitt bei dem man einen alten Bekannten in einem Riesenkostüm gegen Angreifer verteidigen muss. Auch MAX PAYNE 2 strotzt nur so vor guten Ideen, die sich vor allem auf das Design auswirken und dem Spieler so kaum eine Atempause gönnen. Was gut ist, zumindest in diesem Fall – hat man das Spiel erst einmal begonnen, wird man für die nächsten paar Stunden kaum die Finger von der Tastatur lassen können.

Das hat jedoch keine allzu großen Auswirkungen auf die Umwelt – denn auch dieses Mal ist das Spiel eher kurz und knackig ausgefallen; wirklich lange ist man mit einem Titel wie diesem nicht beschäftigt. Immerhin haben die Entwickler nun – und analog zu den freischaltbaren höheren Schwierigkeitsgraden – neue Modi eingebaut, die man nach einem einmaligen Durchspielen antesten kann – wie etwa das recht spannende Dead Man Walking, bei dem die Zeit gemessen wird wie lange man einer immer größer werdende Gegnerschar standhalten kann.

Einen weiteren Überblick über alle potentiellen Positiv- und Negativaspekte des Spiels soll folgende Übersicht geben:

Inhalt / Story
  • Neuer Max-Payne-Storyabschnitt
  • Etwas andere, klischeefreie Film-Noir-Lovestory
  • Überraschende Entwicklungen und gut portionierte Enthüllungen
  • Expliziter Fokus auf den Hauptcharakter
  • Stimmige Selbstreflexionen
  • Markante Nebenfiguren und Gegenspieler
  • Nicht mehr ganz so ureigen-intensive Atmosphäre

8.5/10

Grafik / Design
  • Hübsche, stimmige Texturen
  • Viele kleine Details (Einschusslöcher, Partikeleffekte)
  • Tolle Waffen-, Explosions- und Feuereffekte
  • Besondere Ästhetik durch Bullet-Time
  • Aufwendiges Leveldesign
  • Wettereffekte
  • Schaurig-schön gestaltete Traumsequenzen

9.0/10

Sound
  • Kultverdächtiger MAX PAYNE-Sprecher
  • Tolle Waffen- und Effektsounds
  • Atmosphärischer Soundtrack
  • Stimmige Titelmelodie

10/10

Spielwelt, Umfang, Atmosphäre
  • Legendäre Bullet-Time (sieht hübsch aus und spielt sich gut)
  • Besonders einprägsame, kultige Levelabschnitte
  • Abwechslungsreiches, erfrischendes Leveldesign
  • Spiel ist schön fordernd, aber selten unfair
  • Großes Waffenarsenal inklusive Granaten, Molotov-Cocktails
  • Alternatives Erleben aus Mona’s Perspektive
  • Spaßig-Fordernde Spielmodi nach einmaligen Durchspielen

9.5/10

Bedienung, Komfort, Bugs
  • Kurze Eingewöhnungszeit, intuitive Bedienung
  • Freies Speichern jederzeit möglich
  • Frei belegbare Tasten
  • Komfortables, zweigeteiltes Menü (Vorab und Ingame)
  • Größtenteils überspringbare Zwischensequenzen
  • Höhere Schwierigkeitsgrade erst nach einmaligen Durchspielen freischaltbar

9.0/10

Ungefähre Spielzeit in Stunden: 11

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Fazit: MAX PAYNE 2 kann als Nachfolger des legendären Kult-Titels durchaus an dessen markanten Eindruck anknüpfen – diesen verständlicherweise aber nicht mehr übertreffen. Das, was man an dezenten spielerischen Neuerungen und durchaus auffälligen grafischen Aufwertungen vorgenommen hat, wird durch die nicht mehr ganz so inteniv-fesselnde Story und Atmosphäre wieder wettgemacht – sodass unter dem Strich ein ebenfalls sehr guter, aber leicht weniger ergreifender Third-Person-Shooter zurückbleibt. Ob nun MAX PAYNE 1 oder 2 – man sollte beide Titel einmal gespielt haben, da hier Spielgeschichte in einem geradezu historischen Ausmaß geschrieben wurde; und das nicht nur in Bezug auf die Implementierung der Bullet-Time. Ein weiterer Vorteil: sowohl das Original als auch der Nachfolger sind durch die zeitlose Art der Inszenierung kaum nennenswerten Alterserscheinungen ausgesetzt, sodass die Titel auch nach mehreren Jahren immer noch sinnig anfühlen und schlicht einen Heidenspaß machen.


90button

„Ein toller Nachfolger, der kaum hinter dem legendären Status des Originals zurückbleibt.“

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