Filmkritik: „Boot Camp“ (2007)

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Originaltitel: Boot Camp
Regie: Christian Duguay
Mit: Mila Kunis, Gregory Smith, Peter Stormare u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 98 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Thriller / Drama
Tags: Bootcamp | Jugendliche | Teenager | Probleme | Eltern | Streit | Insel

Resozialisierung oder eine Fahrkarte in die Hölle ?

Kurzinhalt: Nicht wenige Teenager wollen sich in ihrem jugendlichen Leichtsinn ausprobieren – und geraten dabei des öfteren mit ihren Eltern aneinander. Im Falle der jungen Sophie (Mila Kunis) nehmen aber nicht nur etwaige problematische Exzesse seitens des rebellischen Teenagers zu – sondern auch der Wunsch ihrer Eltern, so schnell wie möglich irgendetwas tun zu müssen. Im Angesicht der schwierigen Situation versteifen sie sich immer mehr in einer ungewöhnlichen Idee; einer die Sophie vermutlich weniger gefallen würde. Und dann ist es eines Tages tatsächlich so weit: Sophie wird von unbekannten Männern scheinbar entführt – und auf eine verlassene Insel gebracht. Schnell wird klar, dass es sich um keine gewöhnliche Entführung handelt – sondern um eine von den Eltern eingefädelte Maßnahme, die Sophie auf den richtigen Weg bringen soll. Schließlich befindet sich auf jener Insel eine Art Bootcamp, welches von Norman Hails (Peter Stormare) geleitet wird. Hier sollen die aus ihrem Leben gerissenen Teenager wieder lernen sich unterzuordnen – Disziplin, Sport und Übungsaufgaben stehen von nun an der Tagesordnung; aber wie es scheint auch körperliche und seelische Qualen. Nur Sophie’s Freund Ben (Gregor Smith) scheint noch zu seiner Freundin zu halten, und plant sie aus dem Camp und den Fängen des perfiden Norman zu befreien.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Wahrlich, mit seinem 2007’er Filmprojekt BOOT CAMP hat sich Christian Duguay (u.a. THE ART OF WAR) keine leichte Aufgabe vorgenommen. Oder eben doch – es kommt schließlich ganz darauf an, wie man es dreht. So wird beispielsweise sehr schnell klar, worauf die verantwortlichen Drehbuchschreiber mit einer Geschichte wie dieser hinauswollten. Die Botschaften des Films liegen auf der Hand, sind für jedermann direkt greifbar – und durchaus ehrenwert; will man nicht weniger als auf potentielle Missstände innerhalb sogenannter Resozialisierungsprogramme für Teenager hinweisen. Auch wenn sich entsprechende, oftmals schlicht als Bootcamp bezeichnete Projekte besonders in den USA einer fragwürdigen, manchmal sogar dezent pervers erscheinenden Beliebtheit erfreuen; wird auch die internationale Brisanz des Themas schnell offenbar. Schließlich sind derlei Szenarien wie das hier vorgestellte alles andere als weit hergeholt und lassen sich problemlos auf alle erdenklichen Gesellschaftsformen projizieren, in denen die Menschen möglich gut funktionieren sollen oder auch müssen.

Die Schwierigkeit der Aufgabe, ein derart anprangerndes und verurteilendes Werk möglichst sinnig in Filmform aufzuarbeiten, wird im Falle von BOOT CAMP aber bereits auf dem eigentlichen Weg zur Botschaft ersichtlich. Denn offenbar konnte man sich hier kaum entscheiden, welche Schwerpunkte man setzen wollte. Sollte das Augenmerk doch eher den pseudo-dokumentatorischen Ansätzen gelten, hätte man den Film eher still und authentisch zeichnen sollen ? Oder sollte es doch eine gehörige Portion Hollywood sein, die das eigentliche Thema zwar noch anschneidet; grundsätzlich aber auch als beliebige Action-Kost für jedermann durchgeht ? Der Weg, den man letztendlich eingeschlagen hat, ist eine Mischung aus beidem – und wirkt entsprechend halbherzig und unausgegoren. Nicht nur die auffälligen inhaltlichen Diskrepanzen sprechen dafür, sondern auch die handwerklichen Aspekte – es sind hier schließlich nicht nur die ständig wechselnden Stilmittel und Kamera-Spielereien die sich dem Zuschauer regelrecht aufdrängen; sondern auch ein recht unpassend erscheinender Soundtrack aus modernen Pop- und Rockmusikstücken. Im Zusammenspiel mit der ohnehin reichlich konstruiert und unglaubwürdig erscheinenden, obligatorischen Love-Story entsteht so schnell das Gefühl, als wolle man sich mit BOOT CAMP bei einer möglichst jungen Zielgruppe anbiedern. Das Konzept mag zwar aufgegangen sein – nur ist der dafür zu zahlende Preis ein entsprechender.

So bleibt das eigentliche Problem, wie genau man einen Film wie diesen anfassen sollte; bestehen. Für ein ernstzunehmendes, sozialkritisches Drama ist BOOT CAMP bei weitem zu stumpf, überzeichnet und somit gar verharmlosend ausgefallen – um das Ganze als reinen Psycho-Triller betrachten zu können betrachten fehlt es an Spannung, Intelligenz und vielleicht auch Witz. Und betrachtet man das Ganze – als mitunter letzte Möglichkeit – als Actionfilm der etwas anderen, das heißt psychologischen Art – so wird man sich gegen Ende und mit den eingeblendeten Tatsachenberichten reichlich vor den Kopf gestoßen fühlen. Alles, was hier auf die Beine gestellt wurde wirkt eben nicht sonderlich geschickt – sondern eher verkrampft. Das spiegelt sich auch in den recht spärlichen Charakterporträts, den etwas lustlosen (aber immerhin solide agierenden) Darstellern und der Tatsache wider, dass man ausgerechnet einen guten, aber eben nur für spezielle Projekte geeigneten Darsteller wie Peter Stormare zu einem regelrechten Gott über eine abgelegene Insel und allen sich darauf befindenden Jugendlichen machte. Jugendliche, die zudem und allgemein deutlich älter wirken als vielleicht gedacht – offenbar wollte man sich auch hier nicht zu weit aus dem Fenster lehnen und auf Nummer sicher gehen.

Fazit: BOOT CAMP ist schon ein kurioses Stück Film – eben weil die eigentliche Qualität des Films und die der allgemein zu unterstützenden Aussage in keinem Verhältnis stehen. Will man sich tatsächlich über ein Thema wie das hier angeschnittene informieren, empfehlen sich eher fundierte Dokumentationen oder einschlägige Literatur – der Versuch, das Ganze auch einer breiteren Zuschauerfront zugänglich zu machen, wirkt dezent fehlgeleitet und einstweilen sogar etwas peinlich. Auch erinnert der Film nicht von ungefähr an potentielle Vorbilder wie FORTRESS – der eine ganz ähnliche, wenn auch nicht direkt auf Jugendliche bezogene Botschaft enthält; dabei aber wesentlich zielgerichteter und stilsicherer vorgeht. Und; der auch keinen Hehl daraus macht eher auf eine gradlinige, einstweilen etwas trashig anmutende Action ausgerichtet zu sein. Immerhin könnte das ungleich ernstere Machwerk BOOT CAMP dafür sorgen, dass sich auch eigentlich nicht für das Thema interessierende einmal mit der Materie auseinandersetzen und Anregungen für weiterführende Diskussionen erhalten. Dafür, und für die zumindest ansatzweise aufkommende psychologische Spannung auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau – gibt es eine Wertung im Mittelfeld.

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„Ein typischer weder-noch-Film im Spannungsfeld zwischen Hollywood-Überzeichnung und bodenständiger Aussage.“

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