Metal-CD-Review: CYRAX – Reflections (2013)

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Alben-Titel: Reflections
Künstler / Band: Cyrax (mehr)
Veröffentlichungsdatum: Oktober 2013
Land: Italien
Stil / Genre: Progressive / Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Antonio Rubuano – Guitars
Paolo Musazzi – Guitars
Marco Cantoni – Vocals
Cesare Ferrari – Bass
Paolo Biocchi – Drums

Track-Liste:

1. Doom Against True Hell (04:33)
2. My Kingdom for a Horse (04:06)
3. The Moor of Venice (04:58)
4. Fight (04:49)
5. Thunderlight (04:12)
6. Last Call (06:13)
7. Feel the Essence of Blues (04:23)

Einmal gut durchgemischt, bitte.

CYRAX – das ist der Name eines interessant anmutenden, erst 2012 gegründeten Bandprojektes aus dem Herzen Italiens. Interessant erscheint das Ganze nicht nur, da die 5-köpfige Band voller Energie und Tatendrang zu stecken scheint – sondern auch, da die angepeilte Spielart eine eher ungewöhnliche ist. Grob kann die erstmals auf der vorliegende EP REFLECTIONS präsentierte Musik unter dem Begriff des progressiven Power Metals eingeordnet werden – doch wird das vermutlich nicht ausreichen. Hat man die insgesamt 7 Titel nämlich erst einmal komplett gehört und eventuell auch schon teilweise verinnerlicht, so wird schnell klar dass CYRAX recht vielfältige musikalische Einflüsse in ihrer Musik verarbeiten. Und das scheint noch untertrieben formuliert, avanciert ein jeder Titel zu einem kleinen Abenteuer voller verschiedener Eindrücke und Stimmungen. Sofern man sich denn darauf einlässt, versteht sich. Denn eines steht jetzt schon fest: für wenig experimentierfreudige Metal-Puristen scheint REFELCTIONS eher weniger geeignet.

Bereits der Aufakt in Form von DOOM AGAINST TRUE HELL macht dabei deutlich, wie man sich den Sound von CYRAX in etwa vorzustellen hat. Hier wird eine längere Intro-Phase von einem vollwertigen Opener abgelöst – der nicht nur deutlich hörbare schwermetallische Aspekte, sondern auch einige elektronische und progressiv-verspielte Momente bereithält. Zusätzlich zur gewagten Genre-Mixtur kommen noch allerlei Eigenheiten hinzu, wie etwa der dezent aggressiv angehauchte Leadgesang (der von mehreren Backing-Stimmen unterstützt wird), Verzerreffekte oder der mächtige, von einer weiteren Frauenstimme unterstützter Refrain – der auch einem episch angelegten symphonischen Power Metal-Stück entsprungen sein könnte. Man sieht, es kommt bereits hier einiges zusammen – was zunächst durchaus gewöhnungsbedürftig erscheint. Auch der Folgetrack MY KINGDOM FOR A HORSE schlägt in eine ganz ähnliche Kerbe. Einerseits wirkt das Ganze wie eine Parodie, andererseits aber auch wieder nicht – klar ist nur, dass hier vermehrt metallische Komponente Einzug halten und dabei besonders das Riffing und Drumming überzeugen können.

Und dann folgt THE MOOR OF VENICE, das nun plötzlich mit stärkeren klassischen Einflüssen daherkommt und sich bald darauf zu einem kunterbunt-verrückten Metal-Stück in bester Zirkus-Manier mausert. Irgendwie klingt das Ganze – auch durch die grundsätzlich ansprechenden Chor-Einwürfe – nach einer Mischung aus DARK MOOR, NIGHTWISH und einer großen Portion bunter Pillen. Was nichts schlechtes bedeuten soll, gestaltet sich die Nummer mehr als interessant – wobei es wieder die gelungenen Grundzutaten seitens des Drummers und der Gitarristen sind, die durchweg überzeugen. Es folgt ein Schnitt – und dann geschieht es. Das schon etwas gradlinigere FIGHT zündet direkt als erste Power Metal-Nummer durch und durch – wobei man leichte Parallelen zu den Kollegen von DIGNITY ziehen könnte. In der Tat klingen CYRAX hier erstmals außergewöhnlich gut – der grandiose Arbeit an den Gitarren sei Dank. Und auch das rein instrumentale Stück THUNDERLIGHT beschwört noch einmal einige glanzvolle, melodische Metal-Stimmungen herauf – was Laune macht und die perfekte Ergänzung zum vorhergehenden FIGHT darstellt.

Es folgen aber noch zwei Nummern – die gleichzeitig die wohl außergewöhnlichsten des Albums sind. Die eine, LAST  CALL; ist ein auf episch getrimmtes Stück Musik, welches mit Chören und einer vollen Breitseite an Keyboard-Elementen garniert wurde. Doch dort wo man sonst gerne dahergehen und eine Vergleichsband wie RHPASODY OF FIRE zu Rate ziehen möchte, klappt das bei CYRAX nicht wirklich – zu eigenständig, zu außergewöhnlich und vielleicht auch zu verrückt klingt ihr musikalisches Schaffen, um sich auch nur ansatzweise vergleichen zu lassen. Dafür steht sicher auch der Rausschmeißer FEEL THE ESSENCE OF BLUES – der, wie es der Titel bereits verrät; eine waschechte Blues-Nummer geworden ist. Wer also dachte, dass mit der Einführung des gradlinigen FIGHT eine Marschrichtung beibehalten würde, liegt falsch – CYRAX präsentieren hier eine weitere musikalische Seite, die sie überraschend gut meistern. Allerdings gilt hier mehr als sonstwo: es ist alles eine Geschmacksfrage. Doch man denke nur an die Jungs von FREEDOM CALL, die mit ihrer Hilbilly-Version von ROCKIN‘ RADIO auf ganz ähnlichen Pfaden wandelten.

Fazit: Mit ihrem Debüt REFELCTIONS servieren die Italiener von CYRAX wahrlich eine bunte Musik-Palette – die einige abschrecken könnte, doch zeigt das Album besonders nach mehreren Durchläufen eine erstaunliche Konsequenz. Und Kompetenz – denn wider erwarten wird man hier nicht auf ein zu belächelndes Spaß-Projekt treffen, sondern auf ein ambitioniertes Werk durchaus talentierter Musiker. Wer einmal mehr auf der Suche nach neuen musikalischen Eindrücken ist, ist mit CYRAX sehr gut beraten – in Bezug auf das vorliegende Debüt, aber auch auf das was eventuell noch folgen wird. Wenn es die Band dann auch noch schafft, einen deutlicheren roten Faden (innerhalb des entsprechenden Alben-Kosmos) zu spinnen; steht dem Erfolg nichts mehr im Wege. Eines haben CYRAX aber schon jetzt geschafft: ihre Musik ist handwerklich anspruchsvoll, macht Lust auf mehr – und ist schlicht einzigartig.

Absolute Anspieltipps: THE MOOR OF VENICE, FIGHT, THUNDERLIGHT, LAST CALL


80button

„Ein wahrhaft fulminantes musikalisches Experiment.“


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