Metal-CD-Review: SALAMANDRA – Imperatus (2014)

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Alben-Titel: Imperatus
Künstler / Band: Salamandra (mehr)
Veröffentlichungsdatum: Juli 2014
Land: Tschechien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Jaroslav Sedláček – Bass
Dan „Baalberith“ Jureček – Drums
Hanka Šlachtová – Keyboards
Pavel Slíva – Guitars
Václav Moch – Guitars
Jan „Hosta“ Bernátek – Vocals

Track-Liste:

1. Ave Imperator (01:44)
2. Imperatus (06:34)
3. Ancient Echoes (04:57)
4. Devil’s Apprentice (04:44)
5. Defence (03:51)
6. Fire and Ice (04:56)
7. Metal Fever (03:55)
8. Victorious (04:09)
9. The Sphinx (02:41)
10. My Worst Enemy (04:12)
11. Behind the Gate (03:52)
12. Coming Back Home (04:12)
13. Traveller from Nowhere (04:28)
14. Fool’s Story (03:36)

Nicht nur für Kriechtiere geeignet.

Herzlich willkommen zur vielleicht überraschendsten Metal-Rezension des Jahres 2014 – die umso überraschender ist, je mehr man sich zuvor mit einer Band wie SALAMANDRA auseinandergesetzt hat. Denn: es war lange Zeit still um die Tschechen geworden, von denen man zuletzt ihr durchwachsenes fünftes Studioalbum TIME TO CHANGE auf die Lauscher bekam. Das war 2010, also vor ziemlich genau 4 Jahren – und während man hie und da bereits geneigt war die Hoffnung aufzugeben, kommt nun plötzlich ein Album wie IMPERATUS daher. Aus dem Nichts, quasi unangekündigt – und dann auch noch als Independent-Release. Vermutlich wird es also dabei bleiben, dass die Band bei mancherlei Power Metal-Konsumenten als waschechter Genre-Geheimtipp fungiert – und international eher weniger Aufmerksamkeit bekommt. Dass das indes reichlich schade ist, weiß man spätestens seit dem legendären SKARREMAR von 2000 (Review) – und wer weiß, vielleicht schlägt auch das neue Album IMPERATUS in eine ganz ähnliche Kerbe.

In der Tat konnte man SKARREMAR als tschechisches Pendant zu allseits bekannten Combos wie RHAPSODY OF FIRE und Co. verstehen – der dargebotene Bombast im Sinne eines Fantasy-lastigen Konzept-Albums war ein ganz ähnlicher, wenn auch mit weniger symphonischen Elementen. IMPERATUS zieht indes keine allzu strenge Grenze, und setzt gleich auf die ganze Bandbreite des Genres. Stellvertretend hierfür steht eine in den Raum geworfene Hymne a’la METAL FEVER – die sich als überaus gelungen erweist. Schlicht, da sie deutlich anders klingt als man es von zahlreichen potentiellen Konkurrenzbands gewohnt ist. Bei SALAMANDRA darf es eben gerne auch mal etwas verspielter, variantenreicher und sicher auch fröhlicher zugehen – treffsichere, harte Riffs und raue Männer-Shouts treffen hier auf ein markant-melodisches Konstrukt das vieles garantiert – nur nicht das Aufkommen von schlechter Laune.

Tatsächlich haben SALAMANDRA nach wie vor genau hier ihre Stärken – geht es um Faktoren wie Eingängigkeit oder einen Ohrwurmcharakter, muss man mit den Tschechen rechnen. Heute offenbar mehr als je zuvor: sei es das flotte ANCIENT ECHOES mit einem feucht-fröhlichen Refrain, der nicht von ungefähr nach FREEDOM CALL klingt (Chris Bay hat hier einen Gastauftritt); das abgrundtief melodiöse DEFENCE mit einem weiteren Über-Refrain oder das hymnische VICTORIOUS – SALAMANDRA wissen genau, welche Regler sie wann und wo drehen müssen. Beziehungsweise eben nicht – denn trotz des Hymnen-Charakters und der schieren Eingängigkeit wirken die Songs alles andere als generisch oder wie schon zig-mal gehört. Somit gelingt der Band das schier unglaubliche – sie kreieren äußerst melodiöse Power Metal-Nummern mit sofortiger Wirkung, ohne dass sich eine Art Wiederholungseffekt einstellt. Damit haben sie auch der deutschen Konkurrenz schon mal eine Menge voraus; so typisch und Genre-orientiert aber eben doch frisch und eigenständig klingt kaum eine heute noch aktive Band.

Doch SALAMANDRA können nicht nur fröhlich, dass die Band über eine weitaus größere Bandbreite verfügt konnte sie schon auf den letzten Alben unter Beweis stellen. Auf IMPERATUS ist man nun aber erstmals so weit, die verschiedenen Stimmungen mit Leichtigkeit ineinander übergehen zu lassen. So finden sich im Alben-Verlauf immer wieder einige besonders markante Titel, die eine gänzlich andere Atmosphäre etablieren als die stellvertretenden gute-Laune-Hymnen des Albums. Der stampfende Titeltrack IMPERATUS wäre so eine Nummer, ohne Zweifel – hier treffen leicht orientalisch angehauchte Klänge auf eine straighte Instrumentalisierung im Midtempobereich. Ebenfalls interessant ist, dass dieses Mal sogar eine Ballade verdächtig gut abschneidet – das gefühlvolle COMING BACK HOME ist dies tatsächlich, und das ganz ohne Klischees.

Doch was wäre alles philosophieren über einzelne Titel und Elemente des Albums, wenn es da nicht noch etwas grundsätzlichere Faktoren gäbe – die das Hörvergnügen des Albums maßgeblich beeinflussen. In eine positive Richtung, wie sich zeigt. Denn: alle Mitglieder verstehen ihr Handwerk, was man nur allzu gerne hört. Wenn dann allerdings auch noch eine markante Symbiose wie die hier dargebotene erreicht werden kann – dann kann man durchaus von Perfektion sprechen. Währen das abwechslungsreiche, viel Raum einnehmende Riffing als eines der tragenden Elemente fungiert, werden die Kompositionen stets mit allerlei Raffinessen aufgewertet – und das nie in einem zu übertriebenen Maße. Seien es die Chorgesänge, die Keyboard-Einschübe – alles geschieht dezent und nie so, als wollte man von irgendetwas ablenken. Das hätten SALAMANDRA zwar ohnehin nicht nötig, doch wirkt es einfach ungleich effektiver unverbrauchte Melodien und engagiert vorgetragene Titel zu hören, als sie mit allerlei regelrechtem Soundmüll wie kürzlich auch bei DRAGONFORCE oder ALESTORM zugekleistert zu wissen.

Es bleibt, eine letzte Erwähnung in Richtung des Leadsängers loszuwerden. Zwar ist es einerseits schade, dass ein erneuter Wechsel stattgefunden hat – andererseits macht Jan „Hosta“ Bernátek seine Sache überaus gut. So gut und stimmig, dass man meint er müsste schon seit den Anfangszeiten der Band dabei gewesen sein.

Fazit: Wer hätte das gedacht – SALAMANDRA sind zurück, und das in beinahe voller Stärke. IMPERATUS ist ein mehr als gelungenes Genre-Album, das vor allem Freunde von ebenfalls eingängigen Combos wie WISDOM oder W. ANGELS CONQUEST begeistern wird – aber immer noch genügend Abwechslung bietet, um grundsätzlich alle Power Metal-Hörer in seinen Bann zu ziehen. Etwas wehmütig stimmt nur, dass das Album letztendlich doch weniger von einem Konzeptalbum hat als eventuell angenommen – nur ein Interlude wie THE SPHINX erinnert an alte Glanzzeiten a’la SKARREMAR. IMPERATUS ist vielmehr eine Zusammenstellung von hochkarätigen Hits denn ein Album mit einem spürbaren, sich vom Anfang bis zum Ende des Albums spinnenden roten Faden geworden. Das macht aber nichts – denn Spaß macht es trotzdem, oder gerade deswegen.

Absolute Anspieltipps: IMPERATUS, ANCIENT ECHOES, DEFENCE, BEHIND THE GATE, COMING BACK HOME

Mögliche Skip-Kandidaten: /

Ähnliche / Alternative Bands: WISDOM | HAMMERFALL | RHAPSODY OF FIRE | DREAMTALE | CONQUEST

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„Vielleicht DAS Metal-Album des Jahres 2014.“

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