Metal-CD-Review: ALESTORM – Sunset On The Golden Age (2014)

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Alben-Titel: Sunset On The Golden Age
Künstler / Band: Alestorm (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 01. August 2014
Land: Schottland
Stil / Genre: Folk / Power Metal
Label: Napalm Records

Alben-Lineup:

Dani Evans – Guitars
Christopher Bowes – Vocals, Keyboards
Gareth Murdock – Bass, Vocals (backing)
Peter Alcorn – Drums
Elliot „Windrider“ Vernon – Keyboards

Track-Liste:

1. Walk the Plank (04:07)
2. Drink (03:23)
3. Magnetic North (03:47)
4. 1741 (The Battle of Cartagena) (07:18)
5. Mead from Hell (03:41)
6. Surf Squid Warfare (03:59)
7. Quest for Ships (04:34)
8. Wooden Leg! (02:45)
9. Hangover (Taio Cruz Cover) (03:41)
10. Sunset on the Golden Age (11:26)

Da segeln sie wieder.

Es gibt Bands, die wie jeweils keine zweite für eine ganz bestimmte Spielart des Metals stehen – ob ein entsprechendes, dazu passendes Subgenre offiziell existiert oder nicht. POWERWOLF verbindet man automatisch mit kirchlich-sakralen Klängen und Stimmungen, SABATON mit allerlei musikalischer Kriegsuntermalung und -Reflexion,  MANOWAR mit einer diskutablen True Metal-Attitüde – und ALESTORM ? Die stehen wie niemand sonst für eine ganz bestimmte Themenausrichtung innerhalb des Power- und Folk Metal-Genres. Dabei trifft man es am besten, wenn man auf einen so nicht unbedingt existenten Genrebegriff zurückgreift: den Pirate Metal. ALESTORM verinden seit jeher die Trademarks ihres Heimatlandes Schottland mit munteren Seefahrer-Geschichten – in denen es um Piratentum, persönliche Eroberungen, Handgemenge, Saufgelage und noch vieles mehr geht. Eben genau so, wie man sich eine musikalische Fleischwerdung von Filmen wie FLUCH DER KARIBIK – hier allerdings in einer nicht jugendfreien Version – vorstellen würde. Den bisherigen Höhepunkt erreichten die Schotten dabei mit ihrem letzten Studioalbum BACK THROUGH TIME von 2011 (Review) – gute 3 Jahre und eine etwas missglückte Single (IN THE NAVY) später legen es die raubeinigen Recken erneut darauf an, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

Das entsprechende Vorzeigewerk horcht in diesem Fall auf den vielversprechenden Namen SUNSET ON THE GOLDEN AGE, und wurde bereits im Vorfeld heiß umworben. Was aber ist wirklich dran am neuesten Werk der Schotten ? Ganz oberflächlich betrachtet hinterlässt das Cover-Artwork schonmal einen markanten Eindruck; und auch die Tatsache dass alle Beteiligten des letzten Albums wieder mit von der Partie sind, lässt auf gutes hoffen. Legt man SUNSET ON THE GOLDEN AGE dann aber tatsächlich ein, so stellt sich schnell Ernüchterung ein. Zum einen, da ALESTORM kaum noch auf Überraschungseffekte setzen und sich schlicht so geben, wie sie es auch auf den letzten Alben taten – und zum anderen, da bereits in der Auftakt-Phase des Albums allerlei auffällig schwache Titel präsentiert werden. Während man bei WATCH THE PLANK noch von einem soliden, wenn auch eher zu vernachlässigendem Opener sprechen kann; sieht es spätestens mit den ersten Klängen von DRINK oder MAGNETIC NORTH reichlich düster aus. Analog dazu erscheint es mehr als fraglich, warum ALESTORM ausgerechnet DRINK als Videoauskopplung wählten.

Sicher, ALESTORM geben sich auch hier noch feucht-fröhlich und heiter wie eh und je – doch weiß das munt’re Trinklied selbst die bisher einfachsten ALESTORM-Texte noch um ein vielfaches zu unterbieten. Und nicht nur das, auch musikalisch geht es nicht gerade anspruchsvoll zu – der Text wirkt eher plump vorgetragen als gesungen, der Refrain ist lahm und repetitiv, Riff-technisch ist so gut wie nichts zu holen. Besieht man dazu auch noch das passende Video, dass unverständlicherweise nichts mehr vom Fun-Faktor eines SHIPWRECKED zu bieten hat; so folgt auf die Ernüchterung schnell ein innerer Ärger. Ein Ärger, der es sicherlich schwieriger macht mit den noch verbleibenden Titeln des Albums umzugehen – doch auch unabhängig davon sieht es nicht gut aus für SUNSET ON THE GOLDEN AGE. Das hat mehrere Gründe; die umso deutlicher werden je mehr man das Album mit seinen nicht herausragenden, aber doch rundum gelungenen Vorgängern vergleicht. Denn: jene Elemente, die die Band einst auszeichneten; wirken nunmehr plump und aufgesetzt. Warum genau das so ist, bleibt fraglich – es mag daran liegen, dass den Schotten schlicht die Ideen oder aber die Spielfreude und Energie ausgegangen ist.

Auch wenn es grundsätzlich gut ist, dass das Album Ecken und Kanten aufweist; wissen viele Faktoren den Hörgenuss eher zu trüben als aufzuwerten. Die hie und da eingestreuten härteren Elemente (in Form von eingeworfenen Growls), experimentell wirkende 8-Bit-Klänge (zu Beginn von 1741), absolut nervtötende Refrains in sonst annehmbaren Titeln wie WOODEN LEG – Spaß macht all das nicht wirklich. Wie passend erscheint es da, dass ALESTORM ausgerechnet einen Titel von TAIO CRUZ coverten und ihn in den regulären Kontext des Albums packten – HANGOVER wird wohl zu einem der umstrittensten Titel überhaupt avancieren. Sicher, er geht schnell ins Ohr und passt auch textlich zu ALESTORM wie die Faust aufs Auge – doch ob die Band sich damit wirklich einen Gefallen getan hat, wird sich zeigen.

Fazit: Letztendlich enttäuscht SUNSET ON THE GEOLDEN AGE eher, als dass es geneigte Hörer tatsächlich in glorreich-goldenen Gefilde entführt. Auffällig ist die Anzahl von geradezu unterirdischen Nummern, die man sonst höchstens vereinzelt auf einem ALESTORM-Album angetroffen hätte – hier reihen sich gleich mehrere aneinander. Zwischen einigen wirklich miesen Einzel-Titeln, einer mehr als ärgerlichen Videoauskopplung (DRINK) und einer fragwürdigen Cover-Version (HANGOVER) finden sich dann aber doch noch eine handvoll ansprechender Nummern, die zumindest eingeschworene ALESTORM-Fans bedienen können – und das recht gut. MEAD FROM HELL als Akkordeon-unterstützte Spaßmacher-Granate a’la SHIPWRECKED, QUEST FOR SHIPS als verspäteter ASSASSIN’S CREED BLACK FLAG-Soundtrack, der Rausschmeißer und Titeltrack SUNSET ON THE GOLDEN AGE als immerhin etwas ausgefeilterer Titel mit Überlange und entsprechenden Variationen. Doch selbst hier und insgesamt wirken die Melodien dezent verbraucht, die Piraten-Attitüde leicht übergehört, die musikalischen Elemente (vor allem die Gitarren) wenig grandios. Vielleicht war es des Mets doch etwas zu viel… oder zu wenig, je nachdem aus welcher Sicht man es betrachtet.

Absolute Anspieltipps: MEAD FROM HELL, QUEST FOR SHIPS, SUNSET ON THE GOLDEN AGE

Mögliche Skip-Kandidaten: DRINK, MAGNETIC NORTH, WOODEN LEG, SURF SQUID WARFARE

Ähnliche / Alternative Bands: KORPIKLAANI, TURISAS, BATTLEHEART, GLORYHAMMER

50button

„Der Schwung ist definitiv raus.“

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