Metal-CD-Review: DERDIAN – Human Reset (2014)

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Alben-Titel: Human Reset
Künstler / Band: Derdian (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 23. Juli 2014
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Enrico „Henry“ Pistolese – Guitars, Vocals
Marco „Gary“ Garau – Keyboards
Salvatore Giordano – Drums
Dario Radaelli – Guitars
Luciano „Lucio“ Severgnini – Bass
Ivan Giannini – Vocals

Track-Liste:

1. Eclipse (01:14)
2. Human Reset (05:52)
3. In Everything (06:16)
4. Mafia (06:40)
5. These Rails Will Bleed (02:48)
6. Absolute Power (05:26)
7. Write Your Epitaph (04:08)
8. Music Is Life (06:25)
9. Gods Don’t Give a Damn (05:44)
10. After the Storm (04:58)
11. Alone (07:23)
12. Delirium (01:15)
13. My Life Back (06:34)

Zeit für einen Neuanfang.

Rumms, da sind sie wieder – gut ein Jahr, nachdem die Italienischen Power Metaller von DERDIAN ihre Hörerschaft mit LIMBO (Review) begeisterten, schicken sie ihr mittlerweile fünftes Studioalbum ins Feld: HUMAN RESET. Wobei, vom fünften Album sollte man in diesem Fall vielleicht gar nicht sprechen – sondern eher vom zweiten der neuen DERDIAN-Ära, die 2012 und mit der Verpflichtung des neuen Leadsängers Ivan Giannini begann. Dementsprechend ist es vor allem die Leistung eben jenes Frontmannes, die nun auch HUMAN RESET auszeichnet und unverkennbar macht – seine innerhalb des Genres doch recht einzigartige Stimme, die perfekt mit den DERDIAN-Instrumentalarrangements harmoniert; kann zweifelsohne als das Aushängeschild der Band bezeichnet werden. Doch glücklicherweise bleibt es nicht allein dabei – schließlich zeigten DERDIAN schon in den letzten Jahren auf, dass sie allemal das Zeug dazu haben sich von der Masse an italienischen (und sicher auch internationalen) Konkurrenzbands abheben können.

Zum einen wäre da der Klang und die Qualität des Drumsounds von Salvatore Giordano, und zum anderen das ständige Engagement des Bandgründers Enrico Pistolese – der sich auch dieses Mal für das Songwriting verantwortlich zeichnet. Gemeinsam mit dem melodischen Gespür von Marco Garau an den Keyboards ist der Grundstein für gleichermaßen stilsichere wie unverbraucht klingende Arrangements schnell gelegt – was sich auch durchaus auf HUMAN RESET und in seinen 13 Titeln bemerkbar macht. Oder 11, zieht man die beiden reinen Instrumentalstücke ECLIPSE und DELIRIUM ab – die aber ebenfalls nicht von schlechten Eltern sind und das Album noch ein stückweit vielfältiger gestalten. Ein weiteres Schmankerl des Albums sind aber wieder einmal die Lyrics – die zusammen mit der teils apokalyptisch anmutenden Instrumental-Stimmungen eine ganz und gar beeindruckende Atmosphäre heraufbeschwören. Es geht nicht selten um Themen, die man sowohl als aktuell als auch zeitlos bezeichnen könnte – und gerade jener bodenständige Touch, der sich fernab von klischeebehafteten Fantasy-Geschichten bewegt; zeichnet DERDIAN auch inhaltlich aus.

Aber, und bei aller Liebe zur Aussagekraft und Wirkung der Lyrics – letztendlich ist es vor allem an der Gesamtverpackung, die den Hörer im besten Fall vollständig zu fesseln vermag. Tatsächlich sieht es diesbezüglich sehr gut aus für HUMAN RESET, dass sich somit schon einmal nicht hinter dem überraschenden Vorgänger LIMBO verstecken braucht. Sicher, der Überraschungseffekt in Bezug auf den neuen Leadsänger und die neue Sound-Ausrichtung der Band ist nun nicht mehr ganz so groß – doch dafür erwarten den Hörer durch und durch gelungene Power Metal-Titel mit zahlreichen Variationen. Gleich der Opener und Titeltrack HUMAN RESET startet dabei mit allerlei interessanten Elementen durch – wie etwa dem wuchtigen Background-Chorgesang, der ein wenig an ALESTORM’s Piratensingsang erinnert; aber eine für das Album passige Wirkung entfalten kann.

Der nächste Brecher ist dann MAFIA, der mit einem schon beinahe trashig anmutenden Auftakt daherkommt. Flotte, abwechslungsreiche Riffs und eine vielfältige Instrumentalkulisse mit markanten Breaks sowie die besondere Rhythmik der Vocals lassen einen schnell aufhorchen – und auch der behandelte Inhalt ist ein eher ungewöhnlicher, unterhaltsamer. Überhaupt wissen DERDIAN auf HUMAN RESET reichlich Futter für Gitarren-Fetischisten feilzubieten – auch ohne, dass man sich allzu exzessiven Gelagen wie bei DRAGONFORCE hingibt. Die zahlreichen Soli sind technisch anspruchsvoll, strotzen aber vor Melodiösität. Auch die Tatsache, dass sich DERDIAN vieles erlauben können ohne dass sich qualitative Einbußen bemerkbar machen, sollte hervorgehoben werden. Ein Titel wie THESE RAILS WILL BLEED kommt beispielsweise mit einer Laufzeit von weniger als drei Minuten daher, fühlt sich aber dennoch an wie ein vollwertiger Titel – und mit den Gesängen im Refrain von ABSOLUTE POWER hätte sich jede andere Band ein Eigentor geschossen; nicht jedoch DERDIAN.

Leicht problematisch wird es dann nur im weiteren Verlauf, und mit der schieren Dichte der hier offerierten Titel. Der Weg von WRITE YOUR EPITAPH (das dezent an THEOCRACY erinnert) hin zum Rausschmeißer MY LIFE BACK ist lang, was noch kein Problem ist – doch im Gegensatz zum Beginn des Albums reiht sich hier nicht mehr die eine Überraschung (und sei es in Form von eingeworfenen Textpassagen, die in der Landessprache der Italiener dargeboten werden) an die nächste. Spätestens mit dem wuchtigen Instrumental DELIRIUM und dem überzeugenden MY LIFE BACK aber läuft alles wieder konform.

Demnach setzen DERDIAN ihre Erfolgsserie konsequent fort – und geben sich auch auf HUMAN RESET keine Blöße. Auch der Nachfolger des Überraschungsalbums LIMBO avanciert so nicht von ungefähr zu einem Anwärter auf den Metal-Thron des Jahres 2014; wobei die Chancen bis dato recht gut aussehen. Alle Fans des Genres, denen RHAPSODY OF FIRE zu eingefahren, PATHFINDER zu überladen oder DRAGONFORCE zu schnell daherkommen; könnten in diesem Album eine Form der Erfüllung finden – da DERDIAN eine ausgewogene Mischung aus Elementen feilbieten, die so in kaum einer anderen einzelnen Band zusammenkommen. Die Instrumentalarbeit ist phänomenal, die Leistung von Ivan Giannini weiterhin markant und einzigartig, der Abwechslungsreichtum generell enorm. Wer bisher noch nichts von der Band gehört hat, sollte dringend mal einen Blick riskieren.

Absolute Anspieltipps: HUMAN RESET, IN EVERYTHING, MAFIA, ABSOLUTE POWER, GODS DONT GIVE A DAMN


90button

„Ein rundum gelungener Nachfolger und ein weiterer Meilenstein in der DERDIAN-Diskografie.“

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