Metal-CD-Review: DRAGONFORCE – Maximum Overload (2014)

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Alben-Titel: Maximum Overload
Künstler / Band: Dragonforce (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 18. August 2014
Land: England
Stil / Genre: Power Metal
Label: earMusic

Alben-Lineup:

Marc Hudson – Vocals (lead)
Herman Li – Guitars, Vocals (backing)
Sam Totman – Guitars, Vocals (backing)
Frédéric Leclercq – Bass, Vocals (harsh)
Vadim Pruzhanov – Keyboards, Vocals (backing)
Dave Mackintosh – Drums, Vocals (backing)

Track-Liste:

1. The Game (04:56)
2. Tomorrow’s King (04:13)
3. No More (03:50)
4. Three Hammers (05:50)
5. Symphony of the Night (05:19)
6. The Sun Is Dead (06:34)
7. Defenders (05:45)
8. Extraction Zone (05:06)
9. City of Gold (04:43)
10. Ring of Fire (Johnny Cash cover) (03:15)

Eine maximale Hörerfahrung – oder die letzte Überdosis ?

Wer noch nie etwas von DRAGONFORCE gehört hat, hört entweder keinen Power Metal – oder hat schlicht eine Bildungslücke. Die nunmehr weltweit bekannten Londoner sind bereits seit 1999 aktiv (damals noch unter dem alten Bandnamen DRAGONHEART), und haben die internationale Metal-Szene das ein ums andere Mal reichlich aufgemischt. Ein Grund dafür sind sicher auch die typischen Markenzeichen der Band, wie etwa die Vorliebe stets einen exzessiven Hochgeschwindigkeits-Metal zu inszenieren – und die technisch ausgefeilten Frickeleien in Form von verspielten Gitarrenduellen und -Soli. Vor allem die ersten Alben kamen überdurchschnittlich gut in der Szene an – während nach dem teils umstrittenen ULTREA BEATDOWN von 2008 eine weitere heiße Phase begann. Denn nach einigen kleineren Veröffentlichungen gab es ein durchaus einschneidendes Band-Ereignis: Ende 2011 stellte sich mit Marc Hudson ein neuer Leadsänger vor. Trotz teilweise aufkommender Befürchtungen fand er sich schnell in seinen neuen Posten ein – und konnte relativ problemlos in die Fußstapfen des ehemaligen Frontmanns ZP Theart treten. Den ersten handfesten Beweis dafür lieferten DRAGONFORCE mit dem 2012 veröffentlichten THE POWER WITHIN (Review) – das nicht nur aufgrund der Frische des Leadgesangsparts auffiel; sondern auch durch die ausgewogene Mischung aus Uptempo-Nummern und für DRAGONFORCE-Verhältnisse eher zurückhaltenden Stampfern wie CRY THUNDER.

Nun, und gute 2 Jahre später schickt man bereits den nächsten Kandidaten ins Feld. MAXIMUM OVERLOAD heißt die neue Scheibe, die im Gegensatz zu ihrem Vorgänger – und wie es der Titel verspricht – wieder vermehrt auf wuchtige Uptempo-Brecher setzt und zudem mit einigen Neuerungen im Soundgewand daherkommt. Stellvertretend dafür steht die vorab veröffentlichte Single THE GAME, die mit einer Gastgesangsperformance von Matt Heafy (TRIVIUM) aufwartet. Wenngleich sofort erkennbar ist, dass es sich hierbei zweifelsfrei um Material von DRAGONFORCE handelt; gibt es auch neues zu entdecken – wie die nun etwas schwerer klingenden Gitarren oder hintergründige Growls. Jene neuen Anflüge einer metallischen Härte stehen dabei eher im Gegensatz zu den gewohnten, zumeist hymnisch-eingängigen Soundelementen der Band – ein Wagnis, dass im Endeffekt besser funktioniert als erwartet. Eingängig ist das Ganze noch immer, und das nicht zuletzt durch den typisch hochtrabenden Refrain und die Chor-Elemente – doch die Verpackung kommt nun mit etwas mehr Ecken und Kanten daher, was der Band eindeutig zum Vorteil gerät.

Das Problem; sofern man denn eines sehen möchte; liegt bei MAXIMUM OVERLOAD aber ohnehin ganz woanders. Beinahe unumstößlich scheint, dass sich das Album vor allem an beinharte, alteingesessene Fans der Band richtet – wer zu diesem Zeitpunkt neu einsteigt, sollte zumindest eine gewisse Toleranz gegenüber einem explizit angezogenen Tempo und einer gewissen Verspieltheit mitbringen. Eine Verspieltheit, die sich vor allem auch in Bezug auf die teils enorm überladen wirkenden Kompositionen äußert, und einige Momente des Albums zu einer nervlichen Herausforderung werden lassen kann. TOMORROW’S KING beispielsweise ist nicht nur verdammt schnell; so schnell dass insbesondere der Drumming-Part zu einem einzigen Haufen Sound-Matsch verkommt – sondern auch reichlich mit zusätzlichen Soundelementen vollgestopft. Auch wenn schon immer klar war, dass DRAGONFORCE eher nicht zu den puristisch agierenden Power Metallern zählen, so hat man es hier vielleicht doch ein wenig übertrieben.

Und wo früher auch mal Nummern zum Durchatmen folgten, legt es MAXIMUM OVERLAD wahrlich darauf an, dem Hörer die maximale DRAGONFORCE-Erfahrung näherzubringen – offenbar ganz gleich, mit welchen damit einhergehenden Qualitätsabstrichen. Sicher, ein Großteil der Nummern geht schnell ins Ohr, bleibt da aber nicht allzu lange – wirklich nachhaltige Momente bleiben aus. Eine Ausnahme bildet hier das schon deutlich abwechslungsreichere, beinahe majestätisch klingende THREE HAMMERS – der wohl stärkste Titel des Albums. Schließlich wirkt es einfach ungleich effektiver, wenn man sich ein gewisses Spiel mit dem Tempo erlaubt – und den Hörer nicht von ersten bis zur letzten Sekunde mit Blastbeats und Doublebass-Attacken konfrontiert. Schade auch, dass man in diesem Zusammenhang eher weniger aus einer Nummer wie SYMPHONY OF THE NIGHT gemacht hat – jene hier präsentierten Elemente des Symphonic Power Metals wollen irgendwie so gar nicht zu DRAGONFORCE passen. Alles weitere ergibt sich, beziehungsweise eben nicht. DEFENDERS hat einen hie und da durchschimmernden, epischen Anspruch – lässt diesen aber wieder zugunsten des schier wahnsinnigen Tempos links liegen. Den negativen Höhepunkt erreicht man dagegen erst im Finale: das Cover des JOHNNY CASH-Titels RING OF FIRE stellt sich als waschechter Fehlgriff heraus; hier scheint es vorne und hinten nicht zu passen.

Fazit: MAXIMUM OVERLOAD bietet eingefleischten DRAGONFORCE-Fans genau das, was sie sich eventuell erhofft haben – neues Songmaterial, dass einerseits zweifelsfrei mit den typischen Band-Trademarks einhergeht, andererseits aber auch eine handvoll neuer Elemente einbringt. Mit von der Partie; und das ist mitunter das größte Problem des Albums, ist eine schier wahnwitzige Portion Tempo – das derart angezogen wird, dass es schwerfällt ein Gespür für die eigentliche Qualität der Titel zu entwickeln. Anders gesagt, die Geschwindigkeit und vor allem die exzessiven Drumming-Parts lenken nicht selten vom Wesentlichen ab, und führen dazu dass ein Großteil der hier dargebotenen Titel in einer Art Einheitsbrei versinkt. Einem Hochgeschwindigkeits-Einheitsbrei zwar, doch auch das rettet nichts. Während das Riffing noch als DRAGONFORCE-typisch zu bezeichnen ist und die nur noch selten wirklich melodischen Soli als gewöhnungsbedürftig eingestuft werden können; sind letztendlich nur zwei Titel des Albums positiv hervorzuheben. Zum einen THE GAME mit seinem interessanten Anspruch Härte, Eingängigkeit und die typischen Band-Merkmale zu verbinden – und THREE HAMMERS als sehr gut funktionierender, melodischer Stampfer mit vielen Variationen.

Absolute Anspieltipps: THE GAME, THREE HAMMERS

Mögliche Skip-Kandidaten: TOMORROW’S KING, NO MORE, DEFENDERS, RING OF FIRE

Ähnliche / Alternative Bands: POWER QUEST | CELLADOR | CELESTY | ASCENSION

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„Doch lieber einen Gang zurückschalten.“

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