Metal-CD-Review: FRETERNIA – Warchants & Fairytales (2000)

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Alben-Titel: Warchants & Fairytales
Künstler / Band: Freternia (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 2000
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Loud ’n‘ Proud

Alben-Lineup:

Tomas Wäppling – Bass
Mikael Bakajev – Guitars
Patrik von Porat – Guitars
Stefan Svantesson – Drums
Pasi Humppi – Vocals
Tommie Johansson – Keyboards

Track-Liste:

1. The Worst of Enemies (05:03)
2. Ride With the Wind (04:42)
3. The War of the Crown (04:32)
4. Mistress of the Deep Black Sea (05:17)
5. Guardians of the Night (04:40)
6. The Woods of the Elvenking (03:48)
7. Dragonsong (04:55)
8. Friends in Enemyland (05:50)
9. The Flame (05:20)

Krieger aller Herren Länder, vereinigt euch.

Puh, braucht es wirklich noch ein Album wie WARCHANTS & FAIRYTALES ? Immerhin, die schwedische Bancombo FRETERNIA liefert hier ihr Debütalbum ab; doch wirklich neu erscheint das vorgestellte Konzept auch für das Jahr 2000 nicht. Wieder einmal schmücken Drachen ein Artwork und kommen auch textlich des öfteren vor, wieder einmal geht es um allerlei glorreiche Heldentaten und kriegerisch-hymnischen Singsang; wieder ahmt eine aufstrebende Band alteingesessene Genre-Größen nach ohne etwas neues zu wagen…

Ein Zusammenspiel von Vorurteilen, das man jäh unterbrechen sollte – und das nicht nur, weil man möglichst unvoreingenommen an ein jedes zu bewertendes Werk herangehend sollte. WARCHANTS & FAIRYTALES braucht sich wahrlich nicht hinter anderen Genre-Veröffentlichungen zu verstecken, ganz im Gegenteil – sollte die Band entsprechende Vorbilder oder Inspirationsquellen gehabt haben, so haben sie deren Niveau bereits mit ihrem Debütalbum erreicht. Kurios dabei ist, dass FRETERNIA so gesehen tatsächlich nichts anbieten, was man so oder in ähnlicher Form nicht schon einmal gehört hätte – doch ist es die erzielte Wirkung, die mitunter wesentlich von der eventuell erwarteten abweicht.

So kommt der Frische-Kick dieses Mal nicht in Form möglichst atemberaubender, experimenteller oder noch nie dagewesener Konzepte daher; sondern vielmehr in Form einer Ausdruckskraft und Glaubwürdigkeit, die ihresgleichen sucht. FRETERNIA spielen ihren Power Metal ohne großartige Schnörkel oder zusätzliche Spielereien – und sorgen so für ein recht puristisches Gesamtbild. Einen Großteil des Raums nehmen hierbei die Gitarren ein, nicht selten entstehen exzellente und nachhaltig wirkende Riff-Passagen. Ebenfalls bemerkenswert ist das vergleichsweise organisch klingende Schlagzeug – das man mal energetisch-antreibend in Szene setzt, mal aber auch eher dezent. Kommen beide Elemente zusammen, entsteht die perfekte Instrumentalkulisse – eine, die kontinuierlichen Variationen ausgesetzt ist und geradezu spielerisch mit verschiedenen Stimmungen hantiert. Man braucht also kein stupides Doublebass-Dauerfeuer erwarten – FRETERNIA wissen genau, wann und wie lange sie welches Element verwenden um sowohl den Abwechlungsreichtum als auch die immer wieder auftretenden Überraschungseffekte zu garantieren.

Das man mit Pasi Humppi auch noch einen außergewöhnlichen Leadsänger als Frontmann vorzuweisen hat – einen, der zwar in recht hohen Lagen singt, das aber ohne eine gewisse Aggressivität vermissen zu lassen – macht die Sache nur noch runder. So fällt es auch vergleichsweise schwer, einzelne Titel als Highlights herauszupicken – grundsätzlich ist die hier etablierte Qualität eine, die keine Wünsche offen lässt. Sei es das epische RIDE WITH THE WIND mit seinen Tempi-Wechseln und den schmackigen Chor-Elementen, das vergleichsweise simpel gestrickte GUARDIANS OF THE NIGHT mit seinem wuchtigen Refrain und dem überaus engagierten, kräftigen Leadgesangspart; der eher balladeske DRAGONSONG als gefühlvolles Zwischenspiel oder der mit Soundeffekten gespickte Rausschmeißer THE FLAME – das Album macht von der ersten bis zur letzten Sekunde einen Heidenspaß. Wie auch immer FRETERNIA es geschafft haben sowohl Langeweile und Eintönigkeit auf der einen, wie auch einen allzu aufdringlichen Sound auf der anderen Seite zu vermeiden – das Endprodukt profitiert wesentlich von der eher bodenständigen Inszenierung. Es gibt keinen unnötigen Bombast, keine extravaganten Spielereien – nur einen glasklaren, schön flotten und enorm Riff-dominierten Sound.

Fazit: Es ist schon faszinierend, was für Perlen das Genre des Power Metals für den geneigten Hörer bereithalten kann. Ein weiteres solcher absolut vorzeigbaren Paradebeispiele ist auch WARCHANTS & FAIRYTALES – ein Album, das stimmiger und kräftiger nicht hätte ausfallen können. Gerade Power Metal-Puristen sollten hier voll auf ihre Kosten kommen, legen FRETERNIA einen großen Wert auf wuchtige Riffs, schmackige Männerchöre und großartige Melodien – die bestens ohne zusätzlichen Schnickschnack auskommen. Die typischen Erzählungen von Heldensagen, Ruhmestaten und natürlich Drachen gibt es dennoch obendrauf – man sieht, es geht auch ohne eine Extraportion Kitsch und Pathos. Und auch wenn mancher an dieser oder anderer Stelle trotzdem ‚Klischee‘ schreien wird; haben jene Klischees noch sie so schön und vor allem glaubhaft geklungen. Wer braucht schon MANOWAR, wenn man stattdessen mit FRETERNIA in den (imaginären) Krieg ziehen kann ?

Absolute Anspieltipps: RIDE WITH THE WIND, GUARDIANS OF THE NIGHT, DRAGONSONG, FRIENDS IN ENEMYLAND

Mögliche Skip-Kandidaten: /

Ähnliche / Alternative Bands: PERSUADER | IRONWARE | CRYONIC TEMPLE | MOB RULES

95button

„Eine der edelsten, ungekünstelsten Perlen aus dem Reich des Vergessens.“

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