Spieletest: DEAD SPACE (2008, PC)

dead-space-original_500

Originaltitel: Dead Space
Veröffentlichungsdatum: 06. November 2008
Entwickler: EA Redwood Shores Studio
Publisher: Electronic Arts
USK: Ab 18
Genre: Action / Horror
Tags: Weltraum | Isaac Clarke | Stase | Marker | Monster | Horror

Eine neue Dimension des Grauens.

Inhalt: In einer weit entfernten Zukunft wird ein Bergungsteam in ein entferntes Sonnensystem ausgesandt, um das Abbauschiff USG ISHIMURA zu untersuchen. Offenbar hatte die Crew des Weltraumriesen den Auftrag, die Rohstoffe eines besonders ergiebigen Planeten zu gewinnen – doch im Laufe der Operation brach der Funkkontakt vollständig ab. So liegt es an Weltraum-Ingenieur Isaac Clarke und seinem Team, herauszufinden was auf dem Schiff passiert ist. Einmal auf der Ishimura angekommen, müssen sie jedoch feststellen dass keine Menschenseele zu sehen ist – und selbst auf den Scannern keine Lebenszeichen zu erkennen sind. Die schlimmsten Befürchtungen werden wahr, als plötzlich schrecklich entstellte Wesen auftauchen und das Bergungsteam attackieren. Isaac und seine Begleiter können sich mit Ach und Krach retten, um den ersten Schrecken zu verdauen – doch ihre eigentliche Mission hat gerade erst begonnen…

dead-space-original_00

Was, ja was kann man dem verwöhnten PC-Spieler von heute noch besonderes bieten ? Sogenannte, nicht selten etwas stumpfe Ballerspiele gibt es zuhauf, taktisch angehauchte Schleich-Titel mit einer zusätzlichen Portion Atmosphäre ebenfalls. Was aber geschieht, wenn man beide Prinzipien kombiniert; und das Ganze mit einer Extraportion Horror als Sahnehäubchen serviert ? Dieses Experiment wagt man bei Electronic Arts nun mit DEAD SPACE, einem Horrorshooter wie er im Buche steht – beziehungsweise eben nicht. Denn bis auf eventuell vergleichbare Vorgängertitel wie DOOM 3 steht das Spiel auf einem recht verlorenen Genre-Posten – schlicht, da es sich um alles andere als einen gewöhnlichen Shooter handelt. Eben darauf setzte man bei Electronic Arts, wobei der Mut zu Neuem definitiv belohnt wurde. DEAD SPACE kann eine schier bahnbrechende Spiel-Erfahrung sein – sofern, und das ist die einzige Bedingung; man sich auch vollständig auf das Spiel einlässt. Kann man das nicht oder nur teilweise, beispielsweise indem man das Spiel auf dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad spielt oder relativ unbeeindruckt durch die Levels rennt – dann verpufft ein Großteil der mitunter einzigartigen Wirkung von DEAD SPACE. Wenn man sich dagegen vollständig auf die Welt und Atmosphäre des Spiels einlassen kann und man eventuell noch gewillt ist, über kleinere Schwächen hingwegzusehen- dann wird man hier einem Top-Titel begegnen.

Gründe dafür gibt es schließlich reichlich, und die beziehen sich nicht allein auf die zum Schneiden dicke Horror-Atmosphäre – auch wenn letztendlich alle Wege wieder bei jenem Oberbegriff zusammenlaufen werden. Beispielsweise ist das gesamte Design des Spiel äußerst stimmig, die Vermengung von extravaganten futuristischen und eher bodenständigen Horror-Elementen weiß von Anfang an zu gefallen. Im gleichen Atemzug sollten auch das klaustrophobische, düstere Leveldesign und die wahrlich erschreckend gestalteten Gegner-Kreaturen genannt werden. Diese begeistern nicht nur durch eine detaillierte, stimmige Grusel- respektive Ekeloptik, sondern auch durch die geschmeidigen Animationen und die schiere gestalterische Vielfalt. Im Zusammenspiel mit einem nicht gerade zimperlich inszenierten Gewaltgrad und der Tatsache, dass man so gut wie immer allein unterwegs ist in der anberaumten Spielwelt; entsteht so schnell ein mulmiges Gefühl. Ein makaberes, so gesehen reichlich unschönes; das in etwa vergleichbar ist mit dem Gefühl, das man möglicherweise als Kind beim (natürlich unerlaubten) Ansehen eines Horrorfilms hatte. Doch hat man genau damit das Ziel erreicht – DEAD SPACE lässt einen zumindest für die Spieldauer nicht mehr los.

dead-space-original_01

Da spielt es eigentlich auch kaum eine Rolle, wie es sich mit der Story und den inhaltlichen Aspekten verhält – sollte man meinen. Doch anders als eventuell erwartet wartet DEAD SPACE mit einer recht ansehnlichen, ausbaufähigen Storyline auf – die zumindest in der Theorie so komplex wäre, dass man locker mehrere Teile oder allerlei Spin-Offs inszenieren könnte. Im Spiel schimmert davon allerdings nur ein kleiner Hauch durch, nur allzu oft geizt man mit Hintergrundinformationen und verlässt sich allein auf die aufkommende, niemals vollständig aufgelöste Ungewissheit beim Spieler. Aber auch das funktioniert in diesem Fall auffällig gut, da zumindest noch immer genügend Anhaltspunkte offeriert werden um den Spieler nicht vollständig im Regen stehen zu lassen. Nicht nur die schicken Cutscenes sorgen hier für Spannung, auch die eher unscheinbaren Elemente wie in den Levels verstreute Text- und Audiologs – die man unbedingt lesen und hören sollte, will man noch tiefer in die Atmosphäre des Spiels einsteigen. Im Gegensatz dazu funktioniert das Charakter-Konzept von DEAD SPACE aber nicht ganz so gut. Schließlich haben diese keinen allzu großartigen Einfluss auf das Spielerlebnis und bleiben relativ blass, während der eigentliche (vom Spieler gesteuerte) Hauptprotagonist Isaac Clarke sogar völlig stumm bleibt – und das über das gesamte Spiel. Dies führt zu einigen merkwürdigen Situationen, in denen man sich einfach wünscht dass seine Spielfigur endlich etwas von sich geben sollte – und sei es nur ein Ausruf hier und da. Immerhin: wenngleich Isaac nicht spricht, nicht sprechen will und vielleicht auch nicht soll; atmet er – und das zumeist hörbar. Sollte man also schneller laufen, verletzt werden oder in einem Raum mit Monstern stehen, wird man dazu angehalten den körperlichen Zustand des Avatars nachzuempfinden – was nur allzu gut funktioniert.

dead-space-original_02

Das Leveldesign, obwohl im großen und Ganzen streng linear aufgebaut; erfüllt seinen Zweck – und sorgt dafür, dass man als Spieler so manches Mal überrascht werden wird. Auch wenn der Detailreichtum – mit Ausnahme der Gestaltung der Kreaturen – nicht immens ist, sorgen ein stimmiges Spiel aus Licht und Schatten sowie allerlei Verzierungen (sei es in Form von Blutlachen, Trümmerteilen oder Alien-Material) für den ein oder anderen Aha-Moment. Das ist auch nötig, hat das Spiel davon abgesehen nicht allzu viele Eyecatcher zu bieten. Mit einer Ausnahme, die wiederum nur teils auf die Spielwelt an sich zu beziehen ist. Denn die hie und da auftretenden Boss-Monster, die teilweise mit der Umgebung verschmolzen sind; machen einiges her – auch wenn sie keine allzu große spielerische Herausforderung darstellen. Innerhalb der eigentlichen Spielmechanik gibt es dann aber doch noch den ein oder anderen Hingucker; wie beispielsweise die beiden Gimmicks Stase und Kinese. Erstere kann benutzt werden, um Gegner und Objekte zu verlangsamen – was hie und da auch nötig ist, um einen Spielabschnitt zu meistern. Ganz ähnlich verhält es sich mit der Kinese, mithilfe derer man verschiedene Objekte bewegen kann. Auch hier gilt: manchmal kommt man nicht darum herum, die Fähigkeit zu benutzen – doch viel öfter kann man selbst entscheiden. Habe ich noch genügend Munition, oder sollte ich vorsichtshalber Gegenstände benutzen um die Gegner auszuschalten ? Eine interessante Idee, die in ihrer Ausführung reichlich Spaß macht – sofern man sich nicht durch den bereits erwähnten, recht hohen Gewaltgrad abschrecken lässt.

Auch nett sind die sogenannten Werkbanken, an denen man sein Waffenarsenal verbessern kann – mithilfe von gefunden Energieknoten, die man möglichst geschickt in den Waffen verbauen muss. Wem das nicht reicht, dem bieten sich futuristische Shop-Terminals an, an denen man neue Waffen oder Ausrüstungsgegenstände käuflich erwerben kann. Das funktioniert natürlich nur gegen Geld – das aber recht häufig in den Levels verstreut ist, nimmt man die entsprechenden Möglichkeiten wahr auch Nebenräume zu betreten und alles abzusuchen. Denn auch überflüssige Gegenstände können an den Terminals zu Geld gemacht werden, das man dann wiederum in brauchbarere Gegenstände oder sogar Energieknoten investieren kann. Eine der wichtigsten Investitionen aber wird der Anzug sein – von dem es insgesamt 5 Ausführungen gibt, deren Verbesserungen sich stark bemerkbar machen. Mehr Inventarslots, eine größere Robustheit – hier handelt es sich um eine unverzichtbare Anschaffung.

dead-space-original_03

Bei den Waffen herrschen dagegen gemischte Gefühle vor. Immerhin; das Arsenal scheint genau richtig dosiert, von 7 verfügbaren Waffen kann man bis zu 4 gleichzeitig mit sich tragen – mit jeweils 2 Feuermodi. Wichtig ist, den entsprechenden Mutionstyp nicht zu vergessen – denn eine jede Waffe benötigt so gesehen andere Ressourcen. Bis auf die Standart-Waffe, den Plasma-Cutter nämlich; sowie eventuell noch das Impulsgewehr gehen die Schießeisen aber eher als kurzweilige Experimente denn als brauchbare Helfer durch. Der Grund: ein Großteil der Waffen ist im Vergleich zum Plasma-Cutter schlicht zu ineffektiv. Manche benötigen vergleichsweise seltene und teure Munition (wie die Energiekanone), manche sind zu langsam (wieder die Energiekanone); manche selbst bei immensem Munitionsverbrauch auffällig schwach (Flammenwerfer). Eine Waffe wie der Ripper beschreibt dabei am besten, wie es sich mit jenen eher unpraktischen Gerätschaften verhält: sie sehen nett aus, haben mitunter kuriose Effekte (schonmal eine mutierte Kreatur mit einer in der Luft schwebenden Kreissäge auseinandergenommen ?) – doch letztendlich fühlt es sich einfach sinniger an, die garstigen Kreaturen aus halbwegs sicherer Entfernung mit dem Plasma-Cutter zu bearbeiten.

Analog dazu gibt es einen weiteren, kleinen Wermutstropfen zu vermelden: grundsätzlich entsteht kein großartiger Reiz, etwaigen Sammelleidenschaften nachzugehen. Die Gegner lassen oftmals nur die immer gleichen Gegenstände (wie Medipacks oder Munition) fallen, auffindbare (und für den Fortschritt absolut notwendige) Quest-Gegenstände bilden bereits des höchste der Weltraumsammler-Gefühle. Schade – hätte man sich beispielsweise aus gefunden Teilen selbst etwas zusammenschustern können (Weltraumschrott gibt es bekanntlich reichlich)  – dann hätte es noch mehr Spaß gemacht, wirkliche jede Ecke der Levels zu erkunden. Davon abgesehen offenbart DEAD SPACE aber so gut wie keine nennenswerten Schwächen, wie die folgende Aufstellung zeigt:

Inhalt / Story
  • Interessante Geschichte um ein mysteriöses Artefakt
  • Häppchenweise angebotene ‚Wahrheit‘
  • Hinweise und Gimmicks mit Hintergrundinformationen (Logs)
  • Stimmige Gliederung des Spiels in 12 Kapitel
  • eher blasse Nebencharaktere (mit Ausnahme zweier später erscheinenden Figuren)
  • Durch und durch stummer Hauptprotagonist

8.0/10

Grafik / Design
  • Faszinierende, futuristisch und düster anmutende Spielwelt
  • Beengtes, treffendes Leveldesign
  • Wahnwitziges, detailliertes und effektives Creature-Design
  • Beeindruckende Boss-Monster
  • Geschmeidige Animationen
  • Intensives Spiel mit Licht und Schatten
  • Stimmige Level-Verzierungen und Design-Elemente
  • Makaberer, stimmig inszenierter Gewaltgrad
  • Teils matschige Texturen
  • Kaum Eyecatcher
  • Einzelne Design-Elemente wiederholen sich

9.0/10

Sound
      • Authentische, glaubwürdige Sprecher
      • Atmosphärische Umgebungsgeräusche
      • Atmen und Keuchen des Hauptcharakters
      • Gruseliger, gut dosierter Soundtrack
      • Gute Ortbarkeit der Gegner
      • Soundtrack stellenweise zu laut und aufdringlich

9.0/10

Spielwelt, Umfang, Atmosphäre
  • Einzigartige Grusel-Atmosphäre
  • Schaurige, animalisch vorgehende Gegner
  • Taktisches Vorgehen durch Trefferzonen
  • Stase und Kinese als zusätzliche Spiel-Elemente
  • Momente der Schwerelosigkeit, Vakuum
  • Verschiedene Munitionstypen, Ressourcenmanagement
  • Werkbanken und Shopsystem als Unterstützung
  • Dezente, atmosphärische Script-Momente
  • Hoher Wiederspielwert durch freischaltbaren Schwierigkeitsgrad
  • Streng linearer Story- und Levelaufbau
  • Zu wenig sammelbare Gegenstände
  • Viele Waffen eher wenig effektiv

9.0/10

Bedienung, Komfort, Bugs
  • Einstellbarer, sich deutlich auswirkender Schwierigkeitsgrad
  • Hübsche, gut bedienbare Haupt- und Ingame-Menüs
  • Fair gesetzte Speicherpunkte, manuelle Speicherstationen
  • Viele Grafik-Optionen
  • Geringe Ladezeiten
  • Steuerung wirkt insgesamt etwas schwammig und schwerfällig

9.0/10

Ungefähre Spielzeit in Stunden: 20

dead-space-original_04

Fazit: Mit DEAD SPACE ist den Verantwortlichen vor allem eines gelungen; nämlich einen höchst gelungenen Horror- respektive Survialshooter im unverbrauchten Weltraumsetting auf die Beine zu stellen. Die extrem dichte Atmosphäre sucht ihresgleichen; ebenso wie die etablierte Spannung durch die interessante Hintergrundgeschichte und dem Aufdecken immer mehr einzelner Puzzleteile auf dem Weg zur Wahrheit. Vom schaurig-schönen Creature-Design und dem gelungenen Trefferzonen-System braucht man erst gar nicht zu sprechen – hier haben sich die Macher schlicht selbst übertroffen. Der wahre Clou des Spiels aber ist dass man sich auf der einen Seite beherzt gruseln kann, andererseits aber auch die Shooter-Elemente und die ausgefeilte Spielmechanik im Gesamten gelungen wirken. Anders gesagt: die einzelnen Spiel-Elemente spielen sich nicht gegenseitig aus – sondern bilden ein rundum gelungenes Ganzes. Die wenigen Schwächen sind, auch wenn sie vorhanden sind; insgesamt eher zu vernachlässigen – sie vermögen es nicht, das Spielerlebnis in einem nennenswerten Maß zu trüben. DEAD SPACE ist ein Muss für alle, die Wert auf eine gelungene Storyline sowie ein Höchstmaß an Atmosphäre legen, dabei aber auch in den Genuss eines guten Shooters kommen möchten.


90button

„Einzigartiger Grusel-Shooter mit toller Story, dichter Atmosphäre und frustfreier Mechanik.“

Über Kommentare Freut Sich Jeder.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.