Metal-CD-Review: DRAGON GUARDIAN – Cyushingurakitoden (2014)

dragon-guardian-Cyushingurakitoden

Alben-Titel: 忠臣蔵鬼倒伝 / Cyushingurakitoden
Künstler / Band: Dragon Guardian (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 15. Januar 2014
Land: Japan
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Kouta – Guitars
Teru – Guitars
Arthur Brave – Lyricist, Composer, Arranger, Programming, Guitars
Leo Figaro – Vocals

Track-Liste:

1. 鬼灯 (02:19)
2. いつの日か (04:35)
3. 天誅 (04:36)
4. お団子とお抹茶 (04:25)
5. 殿中刃傷 (04:52)
6. 永遠の願い (05:02)
7. 宴 (01:44)
8. 赤穂浪士 (04:10)
9. 決戦、討ち入り (09:36)
10. Kanzashi (04:17)

Fernost-Geschichten a’la DRAGON GUARDIAN.

Sie sind wieder da – jene besonders für westliche Ohren durchtriebenen musikalischen Ergüsse der japanischen Bandcombo DRAGON GUARDIAN. Nach einigen mehr oder weniger interessanten, in jedem Fall aber gewagten EP’s und Mini-Veröffentlichungen (sieh hier) folgt mit dem hierzulande unaussprechlichen CYUSHINGURAKITODEN wieder ein längeres Studio-Album – was angemessen erscheint, liegt das letzte Album SEIMAKEN VALKYRIAS (Review) schon über 3 Jahre zurück. Jenes Album ist dabei insofern denkwürdig, als dass es schlicht um ein vielfaches hörenswerter war (und ist) als die darauf folgenden Experimente – sodass man in Anbetracht des neuen Albums wieder hoffen kann, dass DRAGON GUARDIAN zu alten Stärken zurückfinden werden.

Nach wie vor ist ein Mann mit einem passend erscheinenden (Künstler-)Namen der kreative Kopf der Band: Arthur Brave. Gemeinsam mit dem im japanischen Power Metal sehr häufig auftretenden Sänger Leo Figaro, dem ebenfalls schillernden Gitarristen Teru (JUPITER, VERSAILLES) und Kouta (DRAGON EYES, LIGHTNING) bildet er eine starke Einheit – oder versucht es zumindest; denn nicht wenige sehnen sich nach den Anfangszeiten von DRAGON GUARDIAN zurück, in denen eine gewisse Fuki den Leadgesang übernahm. Jene Fuyuki Tenge, wie sie tatsächlich heißt; widmet sich nun aber ihrem eigenen Projekt LIGHT BRINGER – sodass man bei DRAGON GUARDIAN seit ihrem Ausstieg auf einen männlichen Leadgesang setzt. Allerdings, und das ist kurios; wohl auch nur auf dem Papier respektive im festen Lineup. Auf CYUSHINGURAKITODEN ist Leo Figaro nicht zu hören,  die Hauptrolle übernimmt eine nicht im Lineup geführte Sängerin. Aber das passt ja auch irgendwie besser zum quirligen Cover und Artwork, dass im verspielten Manga-Design daherkommt.

Ebenfalls mit von der Partie sind die KNIGHTS OF ROUND – die schön des öfteren mit DRAGON GUADRIAN zusammengearbeitet haben. Bei all dem Durcheinander und den wenigen international vorhandenen Informationen ist es schwierig, die genauen Zusammenhänge zu erarbeiten – aber im Endeffekt geht es ja ohnehin eher um die Musik. Und die ist, wie sollte es anders sein; geradezu DRAGON GUUARDIAN-typisch. Eines ist aber gewiss bemerkbar: die Band hat sich gesteigert, und das mitunter enorm. Die Instrumentalparts sind nach wie vor absolut eingängig, bekommen durch die extrem gelungenen Riffs und die gute Abmischung aber einen zusätzlichen Schliff – der so noch auf keinem Album der Japaner zu hören war. Wenngleich es sich hier um die eine, wohl bemerkenswerteste Stärke der Band handelt; ist es vor allem die Gesamtverpackung die den Ausschlag geben wird. Und die ist wieder einmal recht durchwachsen – zahlreiche Sprechpassagen, die in Bezug auf ihre Wirkung direkt aus einem Anime-Synchronisationsstudio stammen könnten; schmücken das Album an allen Ecken und Enden.

Ob man dergleichen nun gut oder schlecht finden soll; dass muss ein jeder für sich selbst beantworten. Sicher ist nur, dass etwaige ausführlich erzählte Geschichten und / oder Dialoge den internationalen Fans weniger bringen werden. Beispielsweise kann man das Intro als nicht-Kenner der japanischen Sprache komplett vernachlässigen; bevor es dann mit dem Opener ITSUNOHINIKA erstmals in die Vollen geht. Bei diesem, und beinahe einem jeden Titel markant sind die zusätzlichen instrumentalen Komponente, die dezent im Hintergrund zu hören sind und die ohnehin starke Instrumentalkulisse zusätzlich aufwerten. DRAGON GUARDIAN ziehen ihr Ding durch, soviel ist klar – und wenngleich man über die Art der Inszenierung streiten kann, ist das eigentliche Qualitätslevel der dargebotenen deutlich angestiegen. Und das so sehr, dass etwaige Sprachbarrieren kaum noch eine Rolle spielen – zumindest nicht in den regulären Titeln respektive Abschnitten. Denn auch inmitten vollwertiger Titel wird man das ein oder andere mal auf eingeworfene Sprachpassagen treffen.

So sollte das Album schon jetzt eine Empfehlung sein – für alle Fans der Band, die eine markante Qualitätssteigerung bemerken werden; für alle Freunde der Japan-Kultur und experimentierfreudigen (Power-)Metaller, die mal wieder Lust auf etwas außergewöhnliches haben. Ein Problem gibt es dann allerdings doch; und das ist nicht unbedingt klein – die Rede ist vom Leadgesang im allgemeinen. Nicht nur, dass die weibliche Front-Stimme recht gewöhnungsbedürftig erscheint; durch zusätzliche Maßnahmen, Spielereien und eine recht vordergründige Abmischung gerät das Ganze einstweilen zu einer waschechten nervlichen Zerreißprobe. Beispielsweise dann, wenn die Sängerin in einer Art kleine-Mädchen-Stimmlage vor sich hinträllert, wie in ODANGO TO OMACCYA. Titel wie DENCYUINJOH setzen sogar noch einen drauf, und präsentieren eine wilde Mischung aus Soundtrack, Anime-Dialog, Metal-Growls und süß-süffigem Power Metal. Kann das gut gehen ? Offenbar ja, zumindest aus der Sicht von DRAGON GUARDIAN.

CYUSHINGURAKITODEN ist damit alles andere als typische Genre-Kost für Power Metaller. Schließlich wird ein Album wie dieses dem Hörer einiges abverlangen – erst Recht, wenn er nicht aus Japan stammt oder zufällig die hiesige Landessprache beherrscht. Doch nicht nur die Sprachbarrieren, die vor allem in den häufig vorkommenden Sprechpassagen für Verwirrung sorgen werden wissen den Hörgenuss des Albums leicht zu trüben. Zwar haben sich DRAGON GUARDIAN vor allem instrumentell und hinsichtlich der Abmischung und Produktion gesteigert; doch gilt das nicht unbedingt für den Gesang. Die hier dargebotenen Leistungen sind nicht schlecht; aber eben des öfteren allzu verspielt inszeniert – und liegen allein dadurch meilenweit hinter dem zurück, was man einst mit einer Fuyuki Tenge auf die Beine stellen konnte. Auch schade ist, dass Leo Figaro keinen Auftritt hat – auch wenn gerade das zum Konzept des Albums gehört. CYUSHINGURAKITODEN ist ein Album, welches man ausschließlich eingefleischten Fans von DRAGON GUARDIAN empfehlen kann – oder Leuten, die einfach mal etwas absolut ungewöhnliches hören wollen. Der Überraschungseffekt wird dabei umso größer sein, je weniger sich man bisher mit der japanischen Popkultur auseinandergesetzt hat.

Absolute Anspieltipps: ITSUNOHINIKA, TENCYU, EIN NO NEGAI


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„Geniale Instrumentalparts und schmackige Riffs verpackt in einem zutiefst gewöhnungsbedürftigen Gewand.“

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