Filmkritik: „Deadtime Stories“ (2009)

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Originaltitel: Deadtime Stories
Regie: Michael Fischa, Tom Savini
MitGeorge A. Romero, Bjorn Ahlstedt, Amy Linn Best u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 65 Minuten
Altersfreigabe: ab 16
Genre: Horror
Tags: George Romero | Horrorfilm | Kurzfilme | Sammlung | Geschichten

George A. Romero präsentiert…

Kurzinhalt: DEADTIME STORIES ist eine Horrrorfilm-Sammlung mit drei voneinander unabhängigen Kurzgeschichten, die jeweils von George A. Romero präsentiert werden. VALLEY OF THE SHADOW erzählt die Geschichte einer verzweifelten Frau, die sich auf die Suche nach ihrem verschollenen Mann macht – und in Südamerika zahlreichen Gefahren des Dschungels begegnet. Der Verbleib ihres Mannes bleibt weiterhin ungewiss, doch am Ende zählt für sie und ihr Team ohnehin nur noch eines: das eigene Überleben. WET dagegen handelt von einem Mann, der sich als Schatzsucher verdingt – und eines Tages auf eine handvoll seltsamer Schatullen stößt. Darin enthalten sind jeweils Teile eines übernatürlichen Geschöpfes, die absichtlich so vergraben wurden. Trotz der Gefahr, eine nicht unbedingt freundlich gesinnte Meerjungfrau wieder zum Leben zu erwecken; entscheidet sich der Protagonist die Kisten zu bergen und sie zu verkaufen. HOUSECALL, die letzte der drei Geschichten; porträtiert eine von Sorgen erfüllte Mutter, die ob des nicht rational erklärbaren Zustands ihres Sohnes verzweifelt. Sie zieht daraufhin einen Priester zu Rate, der sich der Sache annehmen soll. Doch scheint er nicht unbedingt darauf aus, den jungen Mann zu heilen…

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Weniger ein eigenständiger Film als vielmehr eine Anthologie aus drei Kurzfilmen ist das 2009 veröffentlichte Projekt DEADTIME STORIES – welches interessanterweise von niemand geringerem als George A. Romero präsentiert wird. Zusätzlich interessant erscheint, dass der Name des Horror- und Zombiefilm-Altmeisters hier nicht nur als bloßes Zierwerk dient; wie es des öfteren der Fall ist – er ist einer der verantwortlichen Produzenten und tritt selbst zwischen den Kurzfilmen auf, sozusagen als Moderator. Man kann also davon ausgehen, dass Romero die von ihm angekündigten und leicht scherzhaft beschriebenen Werke selbst gesehen und in irgendeiner Form abgesegnet hat. Aber bedeutet das automatisch, dass das was hier gezeigt wird von einer entsprechend erlesenen Qualität ist und selbst alteingesessenen Horror-Fans einen gehörigen Schauer über den Rücken jagen lassen wird ? Die Antwort ist leider Gottes ein eindeutiges nein – so kurios und beinahe bemitleidenswert es auch erscheinen mag

Denn nicht nur, dass das Projekt durch die dezent trashige Aufmachung stark an ebenfalls episodenartig angelegte Genrevorbilder wie GESCHICHTEN AUS DER GRUFT erinnert; zumindest zwei der gerade einmal drei enthaltenen Kurzfilme sind schlicht in allen Belangen als katastrophal zu bezeichnen. Mehr noch, das was speziell in VALLEY  OF THE SHADOW und HOUSECALL gezeigt wird; spottet letztendlich jeder Beschreibung – und lässt somit auch Romero’s Ansage zu einer regelrechten Farce verkommen. Beide Titel haben dabei eines gemeinsam: eine Storyline die klischeebehafteter und oberflächlicher nicht hätte ausfallen können; und das selbst für Kurzfilmverhältnisse. Auch die Palette der Charaktere weiß dabei mit keinem anständigen Angebot aufzuwarten – die Bandbreite der erzielten Wirkungen reicht hier von nervig, unsympathisch bis eventuell noch zweckdienlich. Noch schlimmer aber wiegt die Tatsache, dass man Ansätze wie die hier präsentierten schon hundertmal gesehen haben wird, nur eben besser ausgeführt – erst Recht als Freund des Horrorgenres. Doch auch mit den Elementen, die die beiden Filme überhaupt erst auseinanderhalten; lässt sich kein Blumentopf gewinnen. VALLEY OF THE SHADOW ist geradezu dilettantisch aufgemacht und würde nicht einmal als reines Trashwerk funktionieren – umso makaberer ist, dass die Macher es offensichtlich absolut ernst meinen mit ihrer altbackenen Geschichte um einen im Dschungel verschwundenen Ehemann. Schnitte und Effekte, die jeder Hobby-Filmer besser hinbekommen hätte, unterirdische darstellerische Leistungen und ein lächerliches Ende runden das Ganze dezent nach unten hin ab.

Etwas anders, aber nicht unbedingt besser verhält es sich mit HOUSECALL – der letzten der drei Geschichten. Mit einer derart halbherzig umgesetzten Vampirgeschichte konnte man sich eigentlich nur vergreifen – erst Recht, da der Film versucht inhaltliche und atmosphärische Missstände mithilfe von speziellen gestalterischen Maßnahmen auszugleichen. So ist nicht nur das Bildformat selbst ein anderes als bei den beiden Filmen zuvor, die Bild-Ränder sind merkwürdig geschwärzt und lassen das ohnehin eher dunkle Szenario noch schwammiger erscheinen. Mit den unpassenden Zeitlupenaufnahmen und den auf alt getrimmten Film-Filtern wollte man offenbar eine Atmosphäre etablieren, die an die frühen Glanzzeiten des Kinos anknüpft – in denen Vampire zu den wohl beliebtesten und furchterregendsten Gestalten überhaupt gehörten – doch auch jene Bemühungen schlagen fehl. HOUSECALL ist wie bereits VALLEY OF THE SHADOW alles andere als innovativ oder gut gemacht – hat aber insofern die Nase vorn, als dass man zumindest nicht das Gefühl hat als handelte es sich um ein plumpes, fälschlicherweise auf DVD gepresstes Hobbyfilm-Projekt.

Somit wäre DEADTIME STORIES eines der ärgerlichsten und qualitativ minderwertigsten Horrorprojekte überhaupt – wäre da nicht noch der zweite der drei Kurzfilme, WET. Zwar kann man auch hier – und unabhängig betrachtet – nicht von einem Horrorfilm-Kleinod geschweige denn -Meisterwerk sprechen; doch im Vergleich zu den anderen beiden Kurzfilmen wird das Niveau enorm gesteigert. Dies äußert sich nicht nur in der schon wesentlich interessanter erscheinenden Geschichte, der um ein vielfaches professioneller und stimmiger wirkenden handwerklichen Gestaltung – sondern glücklicherweise auch in Bezug auf die etablierte Atmosphäre. Erstmals kann man innerhalb der DEADTIME STORIES von einem Anflug von Horror sprechen, der sich tatsächlich auch auf den Zuschauer überträgt. Zwar kommt auch WET letztendlich nicht über den Status einer besseren X-FACTOR-Geschichte hinaus – doch immerhin muss man sich hier nicht mehr ganz so intensiv fremdschämen.

Fazit: Dass ausgerechnet jemand wie George A. Romero ein abgehalftertes Filmprojekt wie DEADTIME STORIES vorstellt und sich so gesehen für es verbürgt, ist eine Frechheit. Der Schuss, das Ganze so zumindest aus kommerzieller Sicht heraus interessanter erscheinen zu lassen, geht eindeutig nach hinten los. Nicht nur, dass zumindest zwei der drei enthaltenen Kurzfilme qualitativ absolut indiskutabel sind; der Name des ehemaligen Horrorfilm-Pioniers wird mit Ambitionen wie diesen nicht gerade in Ehren gehalten. Das ist einerseits schade, andererseits aber auch nur gerecht – warum sich George A. Romero für ein Projekt wie dieses hergegeben hat, bleibt schleierhaft.

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„Mehr als einen großen Namen hat DEADTIME STORIES nicht zu bieten.“

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