Filmkritik: „M.A.R.K. 13 – Hardware“ (1990)

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Originaltitel: Hardware
Regie: Richard Stanley
Mit: Dylan McDermott, Stacey Travis, John Lynch u.a.
Land: Großbritannien
Laufzeit: ca. 90 Minuten
Altersfreigabe: ab 18
Genre: Science Fiction / Horror
Tags: Mark 13 | Roboter | Künstliche Intelligenz | Endzeit | Ödland | Wüste

Das Leben in der Post-Apokalypse ist doch auch so schon schwer genug…

Kurzinhalt: In einer post-apokalyptischen Welt der Zukunft haben die wenigen überlebenden Menschen mit katastrophalen Lebensbedingungen zu kämpfen. Nicht nur, dass die Temperatur durch die zerstörte Ozonschicht enorm angestiegen ist, eine erhöhte Radioaktivität macht es enorm gefährlich selbst harmlos erscheinende Spaziergänge zu unternehmen. Doch es gibt sie dennoch, Sammler die durch das Ödland streifen um den ein oder anderen Schatz zu erbeuten – wie ein namenloser Nomade, der auf einer seiner Touren seltsame Teile eines Roboters findet. Diese verkauft er an einen Händler, von wo aus sie zu Moses gelangen – einem Soldaten, der seiner Freundin ein Geschenk machen möchte. Schließlich verdingt sich diese als Hobby-Künstlerin, und kann jedes noch so kurios erscheinende Teil für eine ihrer größeren Skulpturen gebrauchen. Als der Händler jedoch Nachforschungen anstellt und herausfindet, dass es sich bei dem Roboterkopf um ein Überbleibsel eines Projektes der Regierung handelt, schlägt er Alarm – und warnt Moses vor möglichen Gefahren. Doch scheint es bereits zu spät – die Maschine entwickelt ein Eigenleben, zapft etliche Energiequellen des Hauses an – und baut sich einen neuen Körper. Daraufhin scheint sie nur ein Ziel zu verfolgen: alle Menschen, die sich in seiner Nähe zu befinden, zu töten…

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Kritik: Achtung, Spoiler ! M.A.R.K. 13, oder im englischen Original schlicht HARDWARE ist einer jener relativ unbekannten Nischen-Filme aus Großbritannien, die sich explizit auf ein postapokalyptisches Setting beziehen und relativ eindeutig unter dem Oberbegriff des Endzeitfilms rangieren. Doch nicht nur die relative Nähe zu früheren – und insgesamt betrachtet eher seltenen – Werken, die sich eine weltumfassende Katastrophe (wie in diesem Fall einen Atomkrieg) zur Prämisse machen, lässt das Projekt des Drehbuchautors und Regisseurs Richard Stanley interessant erscheinen. Auch die Tatsache, dass der Film auf der überaus bekannten Comicserie 2000 AD basiert und zudem mit Gastauftritten von Lemmy Kilmister von MOTÖRHEAD (musikalisch, aber auch in einer kleinen Rolle) oder Iggy Pop (als Stimme des Radiosprechers) geschmückt wird; lässt schnell den Gedanken an einen potentiellen Kultfilm aufkommen. Einen Kultfilm, der insofern besonders wäre als dass er weniger Wert auf die Darstellung einer typischen Endzeitfilm-Dystopie legt – als vielmehr auf ein fremdes, hochtechnisiertes Objekt inmitten eines apokalyptischen Szenarios. Und jenes Objekt ist der Titel-gebende MARK 13 – eine Art Superroboter, der von der Regierung mit einem ganz bestimmten Ziel entwickelt wird.

Doch so spannend das Ganze klingt, die sich damit anbietenden Möglichkeiten werden in HARDWARE kaum ausgenutzt – was nicht zuletzt an der eigentlichen Genre-Ausrichtung liegt. Denn nicht nur dass die Macher ihren Blick nur allzu selten oder überhaupt nicht auf das wie und warum der neuen Welt legen – grundsätzlich weichen alle potentiell interessanten inhaltlichen Aspekte der allgegenwärtigen Atmosphäre eines Horrorfilms. Eines etwas anderen zwar, dafür sorgt allein das Setting – doch erscheint es etwas ärgerlich, dass die Macher so wenig aus den gegebenen Möglichkeiten gemacht haben und den Film letztendlich auf ein einzelnes Element reduzieren. Auch, wenn der Titel des Films dies bereits dezent andeutet. Neben der einstweilen doch bemerkenswerten Grusel-Atmosphäre (die ein wenig an die Wirkung von ALIEN erinnert) ist eine der unausweichlichen Folgen für HARDWARE somit, dass man als Zuschauer kaum mit den hier angebotenen Porträts der Welt und den darin lebenden Charakteren warm werden wird – trotz des relativ langen Einführungsteils. Die Darstellung des furchterregenden Kampfroboters (der immerhin schick aussieht) verkommt somit beinahe zu einem reinen Selbstzweck – wäre da nicht der Grund für die Existenz desselben, der eng mit der vorherrschenden Endzeit-Situation zu tun hat. Allerdings wird der erst gegen Ende des Films offenbar – und wirkt durch die fehlende inhaltlichen Bezüge etwas aus der Luft gegriffen.

Doch nicht nur in Bezug auf seinen Inhalt wird HARDWARE zu einer knallharten Geschmacksfrage werden – und sich somit immer weiter vom Status eines unanfechtbaren Kult-Titels entfernen. Eine mitunter erhebliche Rolle spielt die gesamte audiovisuelle Gestaltungsarbeit des Films – die alles andere als gewöhnlich ist, und mit ihrer merkwürdigen Dosierung sowohl für Aufsehen, als auch für dezente Anflüge von Frust sorgen kann. Es beginnt bereits mit der eigentlichen Farbgestaltung, schließlich passt sich HARDWARE auch optisch der atomar verseuchten Endzeitwelt an. So hat das Bild über die gesamte Laufzeit des Films einen markanten Rotstich, der nur hie und da von noch düstereren Eindrücken abgewechselt wird – wie etwa in der Wohnung, in der ein Großteil des Geschehens spielt. Auch wenn es scheint, dass die Macher durchaus Wert auf einen gewissen Detailreichtum und die Ausarbeitung der Kulissen gelegt haben wird es einstweilen schwer, den Überblick zu behalten und einen genaueren Eindruck der Wohnsituation der Endzeit-Protagonisten zu erhalten. Analog dazu sorgt der reichlich durchtriebene Soundtrack für den ein oder anderen kuriosen, leider nur allzu selten wirklich stimmigen Moment. Und wenn beides exzessiv kombiniert wird – denn auch das geschieht in HARDWARE, wenn auch nur in einer einzelnen, dafür umso prägnanteren Szene – entsteht eine merkwürdige Symbiose, die dem Ganzen einen Hauch von Surrealismus verleiht. Das ist gleichermaßen mutig wie gewöhnungsbedürftig, zweifelsohne – doch will all das nicht wirklich mit den vorhergegangenen, eher auf Realismus getrimmten Eindrücken zusammenpassen.

Ein letzter Wermutstropfen ist dann die Tatsache, dass die Gastauftritte nicht wirklich solche sind – wenn man einmal davon absieht, dass tatsächlich hier und da MOTÖRHEAD-Klänge ertönen. Lemmi Kilmister selbst hat nur eine absolut unbedeutende, kurze Rolle als Taxifahrer inne; während Iggy Pop ein unspektakuläres Charakter-Dasein als niemals tatsächlich auftretender Radiosprecher fristet. Das wiederum lässt den anderen, eigentlichen Hauptdarstellern mehr Raum – der allerdings nur bedingt ausgenutzt wird; denn eine Glanzleistung liefert keiner der Beteiligten ab.

Fazit: HARDWARE ist einer jener weder-noch Filme, die sich durch die Vermengung verschiedener Genres auszeichnen, respektive selbst ins Abseits befördern. Denn wirklich harmonisch wirkt die Kombination aus Elementen der Science Fiction, des Horrors und teilweise sogar Surrealismus in diesem Fall nicht. Besonders schade ist, dass man offenbar keinen Wert auf eine vernünftige, nachvollziehbare Zeichnung der Endzeitwelt gelegt hat in der das Setting nun einmal angesiedelt ist – und sich stattdessen dem hier nur teilweise aufgehenden Konzept eines Creature- respektive Cyborg-Horrorfilms widmet. Immerhin gerät die zweite Filmhälfte so merklich spannender – die langatmige Einführung, die aufgrund der fraglichen Schwerpunktsetzung ohnehin überflüssig wird, verlangt einiges vom Zuschauer ab. Nach wie vor fraglich ist, ob es sich tatsächlich lohnt das Ganze bis zum Ende auszuhalten – bis auf ein oder zwei markantere Splatterszenen und den etwas abstrus und befremdlich wirkenden Kampf Super-Roboter gegen Mensch gibt es auch hier nicht mehr viel zu holen.

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„Langatmiger, visuell gewöhnungsbedürftiger Horrorfilm in ungenutztem Endzeitgewand.“

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Ein Gedanke zu “Filmkritik: „M.A.R.K. 13 – Hardware“ (1990)

  1. Auch in diesem Fall sind einige inhaltliche Unstimmigkeiten (die nicht in die Wertung einfließen) aufgefallen, ob beabsichtigt oder nicht:

    – warum geht der leicht voyeuristisch angehauchte Nachbar in die Wohnung der Künstlerin, obwohl er genau sieht was für eine Gestalt dort gerade herumturnt (Spanner-Fernrohr sei Dank) ? Und wieso ist er trotz allem so gelassen und versessen darauf, die bereits Vergebene zu verführen, wenn er dabei eindeutig sein Leben riskiert ?

    – wie groß ist die Wohnung, in der die Künstlerin lebt; tatsächlich ? Kann sich hier ein sich langsam wieder zusammenbauender Riesen-Roboter ‚verstecken‘ ? Und wieso scheint er hier und da zu zögern, wenn es um die Eliminierung der Künstlerin geht ?

    – warum ist der schier unzerstörbare Roboter so anfällig für… Wasser, ausgerechnet WASSER ? Warum scheint er regelrecht zu ‚leiden‘ wenn er damit in Berührung kommt, und analog dazu: warum steigt er nicht einfach aus Duschkabine ? Handelt es sich schlicht um eine lächerlich in Szene gesetzte Symbolik, Stichwort Bibelzitate und (Weih-)Wasser versus böse Kreatur ?

    – warum macht es dem Roboter soviel aus, wenn man ihn mit einem kraftlos geschwungenen Baseballschläger trifft – sogar eine Pumpgun scheint hier weniger effektiv zu sein ?

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