Filmkritik: „REC 3 Génesis“ (2012)

rec3_500

Originaltitel: [REC]³ Génesis
Regie: Paco Plaza
MitLeticia Dolera, Diego Martín, Àlex Monner u.a.
Land: Spanien
Laufzeit: ca. 80 Minuten
Altersfreigabe: ab 18
Genre: Horror
Tags: Rec | Sequel | Nachfolger | Hochzeit | Splatter | Zombies | Untote

Wer hätte gedacht, dass sich ausschweifende Predigten doch einmal lohnen würden…

Kurzinhalt: Eigentlich sollte es ein Tag werden, an dem sich zwei glücklich Verliebte das Ja-Wort geben – und alle ausgelassen und in einem angemessenen Rahmen feiern. Doch als ein direkter Verwandter des Hochzeitspaares (Leticia Dolera und Diego Martin) von einem Balkon stürzt und daraufhin einen anderen Gast in den Hals beißt, ist es vorbei mit der Feierlaune. Plötzlich regiert die pure Panik, alle rennen umher – und ohne zu wissen was genau eigentlich geschieht, werden die Partygäste nach und nach auf eine recht überschaubare Anzahl dezimiert. Doch die zahlreichen Toten sind nicht wirklich tot – sie werden zu blutrünstigen Gestalten, die sich kaum aufhalten lassen und erst dann in eine Art Starre verfallen, wenn kein lebender Mensch mehr in der Nähe ist. Das Hochzeitspaar wird im Verlauf des Durcheinanders getrennt, findet nach weiteren Verlusten von Verwandten und Freunden aber wieder zueinander – und versucht, dem Tollhaus zu entkommen.

rec3_00

Kritik: Achtung, Spoiler ! REC 3 ist der mittlerweile dritte Teil eines 2007 gestarteten Horror-Franchise aus Spanien, für das sich hauptsächlich die beiden Regisseure Paco Plaza und Jaume Balagueró verantwortlich zeichnen. Ein Franchise, das durchaus für Furore sorgen konnte – schließlich besteht die eigentliche Ambition der Filmemacher seit jeher darin, das Prinzip der sogenannten Fake Documentary auf das Horrorfilm-Genre zu übertragen. Da man damit allein allerdings noch kein filmisches Neuland betreten würde – man betrachte entsprechende Wegbereiter wie das nunmehr 15 Jahre alte BLAIR WITCH PROJECT – hat man sich ein ganz spezielles Subgenre des Horrorfilms ausgesucht. Ein Subgenre, das vor allem im letzten Jahrzehnt ein wahres Revival feierte und sich auch heute noch großer Beliebtheit erfreut. Die Rede ist – natürlich – vom Horror-Subgenre des Zombiefilms. Paco Plaza und Jaume Balagueró setzen dabei bewusst auf eine modern inszenierte Variante, wie sie etwa durch Zack Synders Remake von DAWN OF THE DEAD geprägt wurde – die Folge sind auch hier alles andere als langsam vor sich hin schlurfende Zombies, sondern wahre Killermaschinen die im Zusammenspiel mit einer angepassten (das heißt, vor allem rasanteren) Art der Inszenierung für ein unmittelbares Gefühl der Gefahr sorgen sollen.

Jene Kombination zweier jüngst sehr erfolgreicher Genres – das der Fake-Dokumentation und das des Zombiefilms – sorgte dafür, dass sich die beiden Regisseure schnell einen Namen machten. In Bezug auf REC 3 fallen sowohl die Geschmacksfragen als auch der Diskussionsstoff nicht ganz so ausführlich aus wie noch zuvor – und das nicht nur, weil der neueste Ableger der Reihe inhaltlich kaum noch etwas mit den beiden Vorgängern zu tun hat. Schließlich begehen die Spanier (beziehungsweise nur Paco Plaza, der dieses Mal allein Regie führt) einen erneuten Stilbruch, und setzen nur zu Beginn des Films auf das Prinzip der Fake-Dokumentation. Was sich zweifelsohne anbietet; ist die hier gezeigte Hochzeit ein Event, bei dem es nicht gerade unwahrscheinlich erscheint dass (Hand-)Kameras dabei sind. Danach jedoch, und nach etwa 20 Minuten wechselt man plötzlich zu einer gängigen Kino-Perspektive, die das Geschehen aus einer etwas distanzierteren Position heraus betrachtet. Sicher ist das der eigentliche Clou des Films; der einigen Fans der Reihe zwar sauer aufstoßen könnte – im Endeffekt aber durch die klar ersichtlichen Vorteile einen Zugewinn in Bezug auf das Erlebnis REC 3 zu verzeichnen hat. Die zwar authentisch erscheinenden, oftmals aber nur allzu hektischen und anstrengenden Wackelkamera-Bilder sind somit ebenso passé wie der oftmals unglaubwürdige Fakt, dass die Protagonisten auch in den wahnwitzigen Situationen hinter der Linse kleben – und auch mal den Tod eigener Familienmitglieder oder enger Freunde aufzeichnen. Der in REC 3 stattfindende Befreiungsschlag wirkt somit umso erfrischender – hier werden die Protagonisten entweder dazu genötigt die Aufnahmen einzustellen, oder aber sie legen die Kameras freiwillig ab.

Doch mit jenen Feststellung hat man nur einen kleinen Teil dessen betrachtet, was REC 3 ausmacht – und gleichzeitig den wohl erfolgreichsten. Alle anderen Aspekte des Films sind schon weitaus kritischer zu betrachten – und das nicht von ungefähr. Hier kann man gleich eine ganze Ansammlung von Gründen auffahren, die in diesem Fall jedoch nur auf das wesentlichste reduziert werden. Klar ist nur: das Angebot ist riesig; riesiger als es einem Film wie REC 3 zuträglich wäre. Es beginnt bereits mit der eigentlichen Auslegung des Inhalts, denn einen nennenswerten Story-Aufbau gibt es nicht – nur der im Sinne einer Hochzeit pompös ausstaffierte Ort, an dem das Schlachtfest stattfindet sorgt hier für Aufsehen. Fatal dabei ist, dass es keinen tatsächlichen Spannungsbogen gibt – eben nur einen solchen, der sich auf das Überleben oder Nicht-Überleben der einzelnen Charaktere konzentriert. Alles was darüber hinausgehen könnte – wie etwa die Andeutung, dass hinter all dem Ganzen eher ein religiöser oder besser gesagt dämonischer Hintergrund denn ein typisches Zombie-Virus stecken könnte – versickert im Nichts. Die Tatsache, dass das Ganze so gesehen hinter verschlossenen Türen geschieht und keine Interaktion mit anderen Menschen als den Hochzeitsgästen selbst stattfindet; macht es da auch nicht besser, im Gegenteil.

Analog zur fragwürdigen Auslegung des Inhalts hat man auch stark hinsichtlich der etablierten Atmosphäre zu kämpfen. REC 3 orientiert sich schließlich nicht wirklich an den Vorgängern, sondern geht eher weg vom klassischen Horror – und somit hin zu einem dezent trashig anmutendem Splatterfilm mit zahlreichen komödiantischen Einschüben. Diese können mal beabsichtigter, mal unfreiwilliger Natur sein – was den reinen Unterhaltungswert zwar merklich steigert; doch letztendlich dazu führt dass REC 3 nur einer von vielen Genrefilmen seiner Art ist. Und nicht unbedingt ein besserer, bleiben die Entscheidungsschwierigkeiten der Macher auch in Bezug auf die Charakterporträts omnipräsent. Wo zu Beginn noch der ernsthafte Versuch unternommen wird die Charaktere einzuführen und eine emotionale Bindung zum Zuschauer entstehen zu lassen; regiert später ein wahrlich unglaubwürdiges Wechselspiel. Ängstlich-schüchterne, zaghafte Charaktere werden somit urplötzlich zu brutalen Killern; diejenigen von denen man am ehesten erwartet hätte dass sie halbwegs intelligent mit der alles überrennenden Situation umgehen würden verhalten sich durchweg stumpf. Wieder stehen sich Elemente eines schnell zu verköstigenden Trashs und Elemente des auf gruselig (und bestenfalls authentisch) getrimmten Horrors gegenüber – mit einem unklaren Sieger. Vor allem aber weiß ein weiterer, nur vermeintlicher Clou des Films negativ hervorzustechen: die Tatsache, dass sich in diesem Fall zwei Liebende einer Horde von Zombies stellen, stellen müssen. Sicher, die ein oder andere dezente Lovestory kann man auch im Genre des Horror- oder auch Zombiefilms begutachten – doch hier hat man den Bogen eindeutig hinsichtlich einer gewissen Lächerlichkeit und Penetranz überspannt.

Fazit: REC 3 ist ein Wagnis – jedoch keins, welchem man mit tosendem Beifall begegnen wird. Vielmehr scheint es so, als sei das eingetreten was man keinem Macher von mehrteiligen Filmreihen wünscht – dass man sich irgendwann im Verlauf seines eigenen Konzeptes verhaspelt. Nicht nur, dass REC 3 inhaltlich und vor allem atmosphärisch mit den Vorgängern bricht, er bietet schlicht keine sinnige Alternative. Übrig bleibt ein absolut typisches Stück Film, welches durch zahlreiche Durststrecken; vor allem aber markante inszenatorische Diskrepanzen gekennzeichnet ist. REC 3 funktioniert am ehesten als reiner Splatter-Film mit einigen besonders heftigen dahingehenden Darstellungen, geradezu abstrusen Charakterporträts und einer wunderbar deplatzierten Love-Story mit einem überraschend kitschigen Ende. Das wäre an sich kein Problem; hätte man REC 3 konsequent in diesem Stil erzählt – doch die Geschichte der Vorgänger und vor allem die ersten Filmminuten im Stile einer Fake-Documentary lassen sich einfach nicht damit vereinbaren, Hinzu kommt, dass REC3 selbst als überzeichneter Splatterfilm alles andere als allein ist – wer auf eine dahingehende Unterhaltung aus ist, braucht sich nur einmal im schier unerschöpflichen Zombiefilm-Fundus der 80er-Jahre umzusehen. Denn allein die Tatsache dass sich Zombies heutzutage schneller bewegen, man analog dazu schnellere Schnittfolgen einsetzt und das Ganze mit einer Hochglanzoptik versieht; rechtfertigt noch lange nicht das Entstehen immer neuer Filme jener Machart.

border_0140button

„Da konnte sich wohl jemand nicht entscheiden.“

filmkritikborder

2 Gedanken zu “Filmkritik: „REC 3 Génesis“ (2012)

  1. Nur noch einmal zwecks eines besseren Verständnisses und der Annahme, dass es REC3 über weite Strecken doch ernst meint:

    – warum verhalten sich manche Zombies / Untote / Dämonen (um mal alle Möglichkeiten einzuschließen) so, und andere so ? Mal sind sie langsam, mal schnell; mal wie gelähmt und mal wie wilde Tiere…

    – es scheint, als infizierte man sich in diesem Fall (wie auch in vielen anderen) durch einen Biss. Doch was ist mit direkt (d.h. oral) aufgenommenem, infiziertem Blut ? Und, wenn man es ganz genau nimmt; vielleicht sogar Zahnmaterial (die heftigen Splatterszenen machen dies möglich) ?

    – warum versuchen viele Protagonisten gar nicht erst sich zu verteidigen; warum fühlen sich einige zunächst Gerettete ausgerechnet in Räumen mit offenen Türen / Glasscheiben / weiteren Zugängen sicher ?

    – warum wird die Ehefrau nicht weiter von den Zombies verfolgt, nachdem sie eine Leiter hinaufsteigt und durch ein Bodengitter zu ihrem Mann flieht ? Bereits auf der Leiter kamen ihr die Zombies doch schon verdächtig nahe ?

    – warum wirkt die ‚Predigt‘ des Pfarrers selbst in den weitläufigen Arealen der Anlage (wo doch keine Lautsprecher mehr vorhanden sein sollten) ?

    – wie kann es sein dass das Gebiet hermetisch abgeriegelt ist, aber ein kleiner Ausgang gelassen wurde durch den die beiden Protagonisten zum Schluss schreiten ? Was hilft eine Abriegelung, wenn so leicht etwas aus dem Gebiet entweichen / entkommen kann ?

    – wie kann es sein, dass man dem Ehemann zum Schluss noch reichlich Zeit zugesteht und das Ganze eher gelassen betrachtet ? Und was soll das wilde, unprofessionelle Wildwest-Geballer danach ?

    – wie kann es sein, dass die ‚Infizierte‘ am Ende urplötzlich zu einem Zombie (oder was-auch-immer), nach dem Dauerfeuer aber wieder für einen kurzen Moment sie selbst wird ?

    All das beeinflusst zwar nicht direkt die Wertung, aber dennoch…

    Liken

    1. Laber doch nicht 😉
      nur um die erste Frage zu beantworten, weil es ja auch unterschiedliche Menschen(die dann zu Zombies werden) gibt, gemeint ist das Alter oder der Charakter und deshalb vllt. agieren diese Wesen auch dann unterschiedlich. (oder wurden nur (ahhaha) leicht angesnackt)
      Biss später LOLlololol

      Liken

Über Kommentare Freut Sich Jeder.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.