Filmkritik: „Beware – Children At Play“ (1989)

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Originaltitel: Beware: Children At Play
Regie: Mik Cribben
MitMichael Robertson, Rich Hamilton, Robin Lilly u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 94 Minuten
Altersfreigabe: ab 18
Genre: Horror
Tags: Verschwinden | Kinder | Mord | Gefahr | Wütender Mob | Brutal

Die wollen doch nur spielen…

Kurzinhalt: Nachdem sich in einer kleinen US-Amerikanischen Ortschaft mehrere Fälle von plötzlich verschwundenen Kindern häufen, setzt die örtliche Polizei alles daran, hinter das Geheimnis der mysteriösen Ereignisse zu kommen. Nachdem die üblichen Ermittlungsarbeiten jedoch kaum von Erfolg gekrönt sind und sich der Druck der Bevölkerung weiter erhöht, versucht man notgedrungen das Problem auf eine eher unkonventionelle Art in den Griff zu kriegen. Der örtliche, sichtlich verzweifelte Sheriff holt dafür einen alten Freund ins Boot, der sich als Autor von abgehalfterten Grusel- und Science Fiction-Geschichten verdingt. Man hofft; dass sein teils rein fantastisches, teils aber auch fundiertes Wissen dazu beitragen könnte den Fall zu lösen – wenn es sein muss auch unter Einbeziehung etwaiger übernatürlicher Faktoren. Während man der Wahrheit tatsächlich Schritt für Schritt näherkommt, verschwinden weitere Kinder – so auch die eigene Tochter des hinzugezogenen Experten. Die aufgebrachten Bürger wollen nicht länger warten – sie organisieren sich und planen, der Sache ohne staatliche Hilfe auf den Grund zu gehen.

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Das kann ja nur ein großer Spaß werden… oder ?

Kritik: Achtung, Spoiler ! BEWARE – CHILDREN AT PLAY ist ein Werk aus der berühmt-berüchtigten Filmschmiede Troma, die vor allem in den 80er – und 90er Jahren eine wahre Flut an mal mehr, mal weniger erfolgreichen Filmen herausgebracht hat. Und auch wenn die Palette der bedienten Genres eine relativ bunte ist, wird ein Großteil der entstandenen Werke dem sogenannten (wenn auch nicht wirklich existentem) Trashfilm-Genre zugeordnet – der Einfachheit halber, aber sicher auch zu Recht. Doch entstand jener mittlerweile von vielen geschätzten Troma-Trash nicht als Zufallsprodukt, vielmehr war er seit jeher gewollt und fest in der Grundidee der Produktionsfirma verankert. Es sollten schnell produzierbare Filme entstehen, die trotz geringer Budgets und ohne große Namen eine gewisse Wirkung erzielten – und sei es, dass sie einfach nur gut unterhalten. Ein gewagtes, offenbar aber bestens funktionierendes Konzept; das in etwa mit den heutigen Ambitionen der ebenfalls diskutablen Produktionsfirma THE ASYLUM vergleichbar ist. Mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass man bei TROMA nicht so häufig direkt abkupfert – und weniger auf Dreistigkeit, dafür aber hie und da auch auf eigene Ideen setzt.

Und nun kommt ein Film wie BEWARE – CHILDREN AT PLAY ins Spiel, der während der Troma-Blütezeit entstand und zu gleichen Teilen Ideen aus berühmten Film-Vorbildern wie KINDER DES ZORNS übernimmt, als auch reichlich eigens erdachte Kuriositäten ins Feld führt. Das Ergebnis ist ein quasi-Horrorfilm – in dem das obligatorische Böse mal nicht von besonders furchterregenden Gestalten vertreten wird; sondern von einer Gruppe unschuldig dreinschauender Kinder. Das klingt zwar gewagt, ist aber auch nicht wirklich neu – da derlei Prämissen schon vor dem betreffenden Entstehungsjahr 1989 in gängigen und oftmals sogar massentauglichen Werken verarbeitet wurden. DAS OMEN ist das wohl bekannteste Beispiel, oder aber das teils heftig umstrittene Werk TÖDLICHE BEFEHLE AUS DEM ALL als weiterer, sehr früher Genrevertreter. Zumindest in diesem Fall aber bekommt das Konzept eine zusätzlich interessante Komponente spendiert, schließlich hält BEWARE – CHILDREN AT PLAY auch erstmals eine explizite Antwort auf die Gründe für die makaberen Entwicklungen parat. Das ist vergleichsweise selten – und ohne bereits auf jene präsentierten Gründe einzugehen, führt es dazu dass der Film zunächst in zwei Teile gegliedert werden kann; und vielleicht auch muss.

Der eine besteht dabei vornehmlich aus jenen Ereignissen, die vor der eigentlichen Enthüllung stattfinden – das heißt, dem gesamten Einführungsteil und dem darauf folgenden Bestreben der erwachsenen Protagonisten, hinter das groß postulierte Geheimnis des Verschwindens der Kinder zu kommen. Hier fühlt sich BEWARE… noch an wie ein typischer, entsprechend billig produzierter Horrorfilm. Einer, der weniger auf möglichst skurrile Elemente oder gar komödiantische Einschübe setzt; und stattdessen versucht eine teils bedrohliche, teils geheimnisvolle Atmosphäre zu etablieren. Was aber schon hier nur äußert bedingt funktioniert; schließlich sorgen nicht zuletzt die schwachen produktionstechnischen Aspekte für allerhand Eindrücke, die dem entgegenwirken. Neben der simplen Szenengestaltung ist beispielsweise der Soundtrack ein schrecklich plump klingender, dezent übertrieben in Szene gesetzter – einer, der viel besser zu einem vielleicht nicht ganz so ernstgemeinten Troma-Werk gepasst hätte. Was ernst gemeint war und was nicht, wird wohl auch die Frage sein wenn man einmal zum zweiten Teil des Films gelangt; der sich letztendlich nur auf die eigentliche Endszene des Films beschränkt. Und bei der zog man bei TROMA mal wieder alle Register – und verstörte folglich einige Zuschauer, wohl nicht von ungefähr.

Denn hier schlägt der Film urplötzlich doch noch eine ganz andere Marschrichtung ein – indem er sowohl den beteiligten Protagonisten als auch den Zuschauern klarmacht, dass jene hier stattfindenden Ereignisse alles andere als einen übernatürlichen oder gar dämonischen Ursprung haben. BEWARE… distanziert sich somit doch noch von ähnlichen Vorbildern, und bewegt sich entsprechend nah an der Realität. Um dies zu veranschaulichen, oder auch um zusätzlich zu provozieren bedient man sich hierbei mindestens zweier psychologischer Komponente. Zum einen zielen diese auf eine leichte Beeinflussbarkeit einer fehlgeleiteten, nach Antworten suchenden Menschenmasse ab – und zum anderen auf den Effekt, den man mit einer ganz bestimmten Gewaltdarstellung beim Zuschauer erzielen würde. Was man diesbezüglich zu sehen bekommt, ist dann auch tatsächlich nur schwer verdaulich: im Endeffekt zeigt BEWARE… auf, wie ein fehlgeleiteter Mob eine ganze Gruppe von Kindern tötet – darunter auch die jeweils eigenen. Das ist einerseits geschmacklos, andererseits der eigentliche Dreh- und Angelpunkt des Films; dem man im besten Fall unterstellen kann, dass er auf eine nur allzu leichte Beeinflussbarkeit der Menschen – eventuell auch im Zusammenhang mit religiösem Fanatismus – aufmerksam machen wollte. Dies wiederum wäre ein hehres Ziel für eine Produktionsschmiede wie Troma – und eher unwahrscheinlich.

Lässt man jedoch einmal gänzlich außen vor, was die Macher dem Zuschauer möglicherweise mit diesem Werk sagen wollten oder auch nicht – so bleibt ein verdächtig fades, geradezu langatmiges Stück Film zurück. Ein Film, der sich kaum für ein einzelnes Genre entscheiden kann und somit starken Stimmungsschwankungen ausgesetzt ist. Mal herrscht eine doch recht bedrohliche Atmosphäre vor, mal regiert die pure Langeweile – und nicht gerade selten wird die Szenerie durch geradezu peinliche, lachhafte Elemente geschmückt. Diese kommen vor allem dann vor, wenn es um die Gewaltdarstellungen (mit Ausnahme des Finales) oder die Interaktion der Erwachsenen mit den Kindern geht. Hier erhält BEWARE… dann doch noch den eindeutigen Touch eines Trashfilms, der eher auf reine, simple Unterhaltung denn auf einen möglichst verstörenden Gesamteffekt abzielt. Auch die absolut unglaubwürdigen Charakterporträts im Zusammenspiel mit dem unterirdischen Schauspiel, die zahlreichen Logikfehler und der zaghafte Versuch, die Gruppendynamik unter den Kindern anzudeuten unterstreichen jenen Eindruck. Das Ende, respektive das finale Schlachtfest will einfach nicht zu den hier etablierten Eindrücken passen, schlicht da es selbst für Trash-Verhältnisse ein stückweit zu makaber und abstoßend daherkommt. Doch nicht nur das, nichts von dem hier Gezeigten ergibt Sinn oder ist auch nur ansatzweise nachvollziehbar; die vermeintlichen ‚Erklärungen‘ und gezogenen Schlüsse sind durchweg hanebüchen. Logisch hätte ein Film wie dieser vielleicht nicht aufgebaut sein müssen – aber bitte auch nicht derart stümper- und amateurhaft. Trotz allem wird der Zuschauer aufgrund der reinen Schock-Wirkung (die somit zu einem Selbstzweck verkommt) unnötigerweise dazu auffordert, sich intensiver mit dem Gezeigten zu beschäftigen. Ob sich dabei einfach nur ekeln oder ärgern; das Gesehene gar als belanglos einstufen wird spielt dabei kaum eine Rolle. Fakt ist wohl nur, dass man die Kompetenzen und vielleicht auch die Aufgabe des Trashfilms in diesem Fall eindeutig falsch eingeschätzt hat.

Fazit: BEWARE… ist einer jener Filme, der- ganz unabhängig davon, ober er aus der Filmschmiede Troma stammt oder nicht – neben einem großen, in diesem Falle reichlich verstörenden ‚Highlight‘ nicht viel zu bieten hat. Genauer gesagt, gar nichts – denn weder wird man sich in Anbetracht der merkwürdigen Grundstimmung des Films gruseln, noch wird man in einem bemerkenswerten Maße unterhalten. Eine Story ist nicht wirklich vorhanden, die Charaktere verhalten sich unendlich unglaubwürdig, alle handwerklichen Elemente (Schauspiel, Bild, Ton) sind unter aller Kanone. Jene Elemente des unterhaltsamen Trashs, die Troma seit jeher auszeichneten sind zwar auch hier präsent, zumindest im Ansatz – doch können sie in diesem Fall nicht für Belustigung sorgen. Sie verkehren sich eher ins Gegenteil und sorgen dafür, dass die eigentliche Botschaft des Films noch geschmackloser transportiert wird. Eine fragliche Botschaft, die ohnehin nur zu sehen ist wenn man es will und entsprechend großzügig ist. Vielleicht wollten die Macher ihre Zuschauer tatsächlich nur auf eine plumpe, bisher aber nie dagewesene Weise schocken. Das ist ihnen zweifelsohne gelungen – zu welchem Preis, das steht auf einem ganz anderen Blatt.

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„Das wohl geschmackloseste, was Troma zu bieten hat – im negativen Sinne.“

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