Filmkritik: „Der Goldene Nazivampir Von Absam 2“ (2007)

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Originaltitel: Der Goldene Nazivampir Von Absam 2
Regie: Lasse Nolte
Mit: Daniel Krauss, Götz Burger, Endrik Martz: u.a.
Land: Deutschland
Laufzeit: ca. 46 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Komödie
Tags: Nazi | Nazis | Nazisploitation | Vampir | Schloss | Blazkowicz | Agent

Nazivampire gibt es schon länger – aber goldene ?

Kurzinhalt: Im Jahre 1942 steht der US-Militärgeheimdienst vor einem Problem. Aufgrund zahlreicher Einsätze in Nazi-Deutschland gehen ihnen langsam die Agenten aus – was sich als besonders dramatisch erweist, da die Deutschen vor einem weiteren Durchbruch zu stehen scheinen. Keinem wissenschaftlichen, zumindest nicht direkt – vielmehr handelt es sich um alarmierende Erfolge der Okkoltismus-Abteilung der Waffen-SS. Ein hoch dekorierter SS-General namens Otto von Grimm ist offenbar in Besitz der Zähne des legendären Graf Dracula, und will sich mithilfe dieser zu einem schier unbezwingbaren, vampirischen Nazi-Soldaten machen. Nach Auffassung des US-Genrels Donovan liegt es nun allein an Agent Blazkowicz – einem eher ängstlichen Mitglied der Armee der sich ebenfalls intensiv mit dem Okkultismus befasst – für schnelle Abhilfe zu sorgen. Prompt wird dieser ins österreichische Absam geschickt, um Undercover in die sogenannte Alpenfestung einzudringen und den aufstrebenden Nazi-Mächten Einhalt zu gebieten.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Das sogenannte Trashfilm-Genre ist mittlerweile ein großes und beliebtes. Hauptsächlich unterscheidet man dabei zwischen Filmen, die aus verschiedenen Gründen eher unbeabsichtigt in eine solche Schublade gerutscht sind – und solchen, die sich den Trash explizit auf die Fahne schreiben. Ein solcher Titel ist auch DER GOLDENE NAZIVAMPIR, ein Film von Studenten der Hochschule für Fernsehen und Film München. Wenn man wollte, könnte man auch den kompletten Filmtitel (siehe Überschrift) zu Rate ziehen – doch ist das eher ungünstig, da die hinten angehängte 2 nicht für einen zweiten Teil steht, sondern aus rein marketingtechnischen Gründen erdacht wurde. Das von Regisseur Lasse Nolte dirigierte Machwerk ist dabei insofern besonders, als das man von Anfang an auf Öffentlichkeitsarbeit setzte, und mit einem vergleichsweise geringen Budget auskommen musste. Umso größer waren dagegen die Ambitionen, mit wenigen Mitteln möglichst unterhaltsames Futter für all jene zu liefern, die mit gängigen Komödien eher weniger anfangen können – und im besten Falle sowohl Freunde des Trashs als auch der sogenannten Nazi-Sploitation anzusprechen. Schließlich beinhaltet DER GOLDENE NAZIVAMPIR nicht wenige dahingehende Klischees, und erinnert von seinem Setting und Atmosphäre her dezent an gewisse mittlerweile indizierte Spieleklassiker.

Bereits von vornherein erscheinen zwei Aspekte des Films besonders interessant, oder auch gewagt – schrauben sie die Erwartungshaltung nicht von ungefähr markant in die Höhe. Zum einen wäre da der Fakt, dass der Film mit einer Gesamtlaufzeit von etwa 46 Minuten weder als gängiger Kurz- noch als kompletter Spielfilm fungiert – und sich stattdessen irgendwo dazwischen einen Platz sucht. Und zum anderen schmückt man sich damit, einige bekannte Gaststars für die Produktion gewonnen zu haben – wie etwa Oliver Kalkofe oder die deutsche Spongebob-Stimme Santiago Ziesmer. Das klingt zwar gut und führt automatisch zu einem gewichtigeren Cast – doch wie man weiss kommt es weitaus häufiger vor, dass sich die bei einer Independent-Produktion mitwirkenden Gaststars unter Wert verkaufen. Und tatsächlich bildet auch DER GOLDENE NAZIVAMPIR hier keine Ausnahme – inhaltlich hätte man sich jene Gastrollen komplett sparen können, sie sorgen nicht einmal für den ein oder anderen Extra-Lacher – es bleibt beim kommerziell wirksamen Namenseffekt.

Besonders ärgerlich oder gar tragisch erscheint dabei, dass ausgerechnet für Oliver Kalkofe kein Dialog vorgesehen ist – ein fatales Eigentor, dass sich nur insofern erklären lässt, als dass man den anderen, eigentlichen ‚Stars‘ des Films mehr Raum zugestehen wollte. Ein hehres Ziel, sicherlich – doch unglücklicherweise bleibt gerade die Leistung des Hauptdarstellers Daniel Krauss absolut überschaubar. Mehr noch, mit dem von ihm gespielten Charakter schrammt man des öfteren an der Grenze zur absoluten Nervigkeit; einer Nervigkeit die weit über manchmal zweckmäßige dahingehende Darstellungen im Trashfilmgenre hinausgeht. Weitaus angenehmer verhält es sich dagegen mit dem fleischgewordenen Ober-Nazivampir des Films, der von Götz Burger gespielt wird. Zwar erreicht er nicht die Klasse eines Udo Kier’s, der des öfteren in ganz ähnlichen Rollen zu sehen ist – aber immerhin. Das eigentliche Problem von DER GOLDENE NAZIVAMPIR ist aber ohnehin nicht im Cast zu suchen, sondern in der Inszenierung an sich.

Denn: wer eine wirklich stimmig inszenierte, fundierte Nazisploitation erwartet, wird enttäuscht. Zwar lassen die teils aufwendig wirkenden Kulissen und Kostüme vermuten, dass man früher oder später doch noch richtig gute Unterhaltung serviert bekommen würde – doch tritt dieser Fall einfach nicht ein. Die Gags bleiben selbst für Genre-Verhältnisse verdächtig platt, die Charaktere sowie letztendlich auch ein Großteil der eher amateurhaft agierenden Darsteller unfreiwillig nervig; und die Story selbst ist eben… zweckdienlich, mehr aber auch nicht. Es bleibt fraglich, warum man nicht mehr hat machen können aus einem zumindest visuell sehr ansprechenden Werk wie diesem – inhatliches Fingerspitzengefühl oder ein besonderes Gespür für die in einem Genre wie diesem unverzichtbare Komik lässt DER GOLDENE NAZIVAMPIR beinahe komplett vermissen.

Fazit: DER GOLDENE NAZIVAMPIR zeigt vor allem eines auf – dass es nicht reicht sich auf eine stimmige Optik, aufwendige Szenenaufbauten und nette Kostüme zu verlassen. Wo bei anderen allein aufgrund der absurden Prämisse ein wahres Trash-Feuerwerk entstanden wäre, bleibt der von der Hochschule für Fernsehen und Film München realisierte Film über weite Strecken handzahm und uninspiriert. Vor allem aber, und das wiegt vielleicht noch etwas schwerer; bietet er trotz seiner geringen Gesamtlaufzeit einige bemerkenswerte Längen und arg gestreckte Szenen, die das ohnehin kaum vorhandene Tempo weiter drosseln. Das mag auch an der wohl beabsichtigten FSK-Einstufung liegen: einen Trashfilm wie diesen zu inszenieren, ohne dabei tatsächlich Elemente der Erwachsenenunterhaltung einzuplanen, kann eigentlich nur nach hinten losgehen. Es bleiben einige Restpunkte für die Kulissen, die Kostüme und den kauzigen Charakter des Otto von Grimm.

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„Müde Nazi-Sploitation mit peinlichem Humor.“

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