Metal-CD-Review: TWILIGHT FORCE – Tales Of Ancient Prophecies (2014)

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Alben-Titel: Tales Of Ancient Prophecies
Künstler / Band: Twilight Force (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 06. Juni 2014
Land: Schweden
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Black Lodge Records

Alben-Lineup:

Borne – Bass
Roberto – Drums
Christian Hedgren – Vocals
Felipe – Guitars, Lute
Daniele – Keyboards, Piano, Violin, Cembalo

Track-Liste:

1. Enchanted Dragon of Wisdom (04:43)
2. The Power of the Ancient Force (05:03)
3. Twilight Horizon (04:59)
4. The Summoning (00:43)
5. Whispering Winds (00:51)
6. Fall of the Eternal Winter (04:54)
7. Forest of Destiny (04:06)
8. In the Mighty Hall of the Fire King (00:55)
9. Made of Steel (04:46)
10. Sword of Magic Steel (01:05)
11. Gates of Glory (03:55)

Da rauscht etwas kraftvolles heran…

Mit ihrem Debütalbum TALES OF ANCIENT PROPHECIES legen die Schweden von TWILIGHT FORCE zweifelsohne eines der interessanteren Releases des Metal-Jahres 2014 vor. Nicht unbedingt, da etwas gänzlich neues versprochen wird; sondern vielmehr da sich das Album an Fans und Freunde von alteingesessenen Symphonic Power Metal-Combos wie RHAPSODY OF FIRE oder DRAGONLAND richtet und dementsprechend in ein ganz ähnliches Soundgewand gehüllt ist. Doch wollen TWILIGHT FORCE offenbar nicht nur aufzeigen, dass sie einen guten Musikgeschmack haben – das Konzept des Albums, das retrolastig-hübsche (und dezent kitschige) Artwork sowie die Zusammenarbeit mit Joakim Brodén von SABATON lassen schnell darauf schließen, dass man es durchaus ernst meint und bereit ist, sich mit der Konkurrenz zu messen. Die aber schläft bekanntlich niemals, und droht den geneigten Genre-Hörer in Anbetracht ihrer Masse geradezu zu erschlagen – sodass sich die Frage stellt, ob TWILIGHT FORCE tatsächlich das Zeug dazu haben sich ausreichend zu profilieren.

Zumindest auf den ersten Blick spricht offensichtlich mehr dagegen als dafür. Nicht nur, dass Fantasy-Konzeptalben aus dem Genre des Symphonic Power Metals heutzutage nicht gerade selten sind; die extrakitschige Herangehensweise (inklusive Drachen auf dem Cover, wenig einfallsreicher Titelbezeichnungen, reichlich Genre-typischer Textinhalte) sowie die Tatsache, dass TWILIGHT FORCE scheinbar aus dem Nichts aufgetaucht sind; lassen einen schnell an eine musikalische Eintagsfliege denken. Oder aber an eines der vielen Tribut-Projekte, die die Musik ihrer großen Vorbilder nachahmen und dabei bestenfalls eingeschworene Fans ein Lächeln abringen können. Doch die Entwarnung folgt sogleich: über diesen Status kann sich TALES OF ANCIENT PROPHECIES locker heben. Dafür sprechen nicht zuletzt die mitunter grandiosen handwerklichen Leistungen an den Instrumenten, der stimmige (und absolut Genre-typische) Leadgesang und die vergleichsweise gute Produktionsqualität. Wie ein Garagenprojekt wirkt das Album also keinesfalls – was auch reichlich fatal wäre bei den größtenteils heraufbeschworenen Eindrücken von epischen Heldensagen und allerlei Geschichten über Mut, das Schicksal und was sonst noch so zu einem guten Symphonic Power Metal-Album mit Fantasy-Anstrich dazugehört.

Es bleibt also die Frage, wie es sich mit den einzelnen Stücken und deren Wirkungskraft verhält. Auf dem Album enthalten sind insgesamt 11 Titel, wobei man jedoch einige Abstriche vornehmen muss: ganze 4 Interludes sind dabei, die die Gesamtspielzeit der restlichen ‚echten‘ Titel auf eine gute halbe Stunde zusammenschrumpfen lassen. Doch nicht nur, dass sie einstweilen etwas überflüssig und deplatziert erscheinen – sie tendieren von ihrer musikalischen Aufmachung her in eine eher unerträgliche Richtung. Gleich 3 Mal kommen hier Sprecher zum Einsatz, bei denen man nicht so Recht weiß ob sie nun für eine ernstzunehmende Atmosphäre oder aber für einen komödiantischen Einschub sorgen sollen – immerhin, das verbleibende Interlude bietet eine annehmbare symphonische Soundkulisse. Somit finden sich 7 Nummern im Kern des Albums, die man einwandfrei dem Genre des Symphonic Power Metals zuordnen kann. Stilistische Ausbrüche sind keine vorgesehen, sodass sich TALES OF ANCIENT PROPHECIES wie bereits vermutet an Die-Hard Fans des Genres richtet. Von einer temporeichen, mit einem wummernden Double-Bass unterstützten Grundinstrumentierung über ausschweifende Keyboardverzierungen und dem Einsatz einiger klassischer Instrumente bis hin zu herrlich hochtrabenden Refrains ist hier alles vertreten, was man sich vom Genre wünscht – oder eben nicht. Nur eines ist klar: wer allgemein eher auf Klischees verzichten kann, sollte einen großen Bogen um dieses Album machen.

Alle anderen jedoch erwartet eine grundsolide musikalische Kost, die manchmal sogar mehr ist als das: hier und da lassen TWILIGHT FORCE etwas durchschimmern, was sich nach etwas ganz und gar großem anfühlt. Sind es die doch sehr gelungenen Soli-Parts, die netten Haupt- und Hintergrundchöre ? Sind es die überaus eingängigen, aber dennoch unverbraucht klingenden Refrains ? Oder ist es die Leistung des Leadsängers, die sich als recht variabel herausstellt und selbst in den höchsten Registern überzeugt (auch wenn er insbesondere bei einem Titel wie FALL OF THE ETERNAL WINTER klar an seine Grenze kommt) ? Irgendwie kommt hier ein wenig von allem zusammen – sodass besonders Titel wie das mächtige, abwechslungsreiche THE POWER OF THE ANCIENT FORCE einen mehr als passablen Eindruck hinterlassen. Auf der Minusseite stehen dagegen die bereits erwähnten Interludes; aber auch der einstweilen etwas zu überbordernde Einsatz des Keyboards, die nicht ganz ausgefeilte Produktionsqualität und – wie sollte es anders sein – der fehlende Innovationsfaktor.

TALES OF ANCIENT PROPHECIES ist dennoch eine kleine Überraschung – zumindest dann, wenn man sich als Fan des Genres bezeichnen würde und eine Art abgehalftertes Tribut-Album erwartet hätte. Denn das ist es mitnichten, zumindest nicht ausschließlich. Die Schweden machen ihre Sache gut, auch wenn man wie kein zweiter in den großen Genre-Klischeetopf gegriffen hat. Am ehesten ist jene Herangehensweise mit einem Projekt wie GLORYHAMMER zu vergleichen – die auch musikalisch und thematisch einen ganz ähnlichen Weg gehen. Wer auf groß angelegte Heldensagen, Drachen und eine gehörige Portion Abenteuer steht, sollte sich diese Scheibe nicht entgehen lassen.

Absolute Anspieltipps: THE POWER OF THE ANCIENT FORCE, TWILIGHT HORIZON, GATES OF GLORY


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„Ein schmackiges, aber eben auch absolut typisches Debütalbum.“


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