Filmkritik: „Gantz – Spiel Um Dein Leben“ (2010)

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Originaltitel: Gantz
Regie: Shinsuke Sato
Mit: Kazunari Ninomiya, Kenichi Matsuyama, Yuriko Yoshitaka u.a.
Land: Japan
Laufzeit: ca. 124 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Action / Sci-Fi
Tags: Gantz | Kugel | Außerirdische | Mysterium | Tod | Leben | Spiel

Da hat sich jemand GANTZ großes vorgenommen…

Kurzinhalt: Die beiden ehemaligen Schulfreunde Kei (Kazunari Ninomiya) und Masaru (Kenichi Matsuyama) treffen sich nach langer Zeit auf einem U-Bahnhof in Tokyo wieder. Die Zeit reicht jedoch kaum aus, um das Wiedersehen zu feiern – denn die Umstände wenden sich schnell zum dramatischen. Einer der Freunde stürzt auf die Gleise, während der andere versucht ihn noch rechtzeitig vor dem herannahenden Zug hochzuziehen – doch reicht seine Kraft nicht aus, auch er landet auf den Gleisen und somit direkt vor dem Zug. Was dann geschieht, können beide nicht so recht fassen: obwohl einen solchen Zusammenstoß wahrlich niemand hätte überleben können, wachen sie gemeinsam in einem seltsamen Raum auf. In diesem befinden sich nicht nur einige andere Personen, die von ähnlichen Nahtoderfahrungen berichten und sich die Lage ebenfalls nicht erklären können – sondern auch eine mysteriöse schwarze Kugel. Diese hört auf den Namen GANTZ und erteilt den verwirrten Anwesenden plötzlich eine Aufgabe – sie sollen ein außerirdisches, unter den Menschen lebendes Wesen aufspüren und eliminieren. Schaffen sie es, winken ihnen je nachdem wie gut sie die Aufgabe gelöst haben, virtuelle Punkte – schaffen sie es nicht, riskieren sie aus dem Spiel zu fliegen oder sogar getötet zu werden. Doch offenbare wäre selbst dieser Tod nicht endgültig, haben die Spieler die Möglichkeit gefallene Kameraden wiederzubeleben – wenn sie erst einmal einen Punktestand von 100 erreicht haben. Andererseits bietet ihnen dieser auch die Option, aus dem Spiel auszusteigen und in ihr altes Leben zurückzukehren…

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Es ist bekanntlich immer so eine Sache mit Manga- oder auch Anime-Realverfilmungen aus Japan. Schließlich gelten bei Projekten wie diesen, und damit auch der Realverfilmung des Kult-Mangas GANTZ gan(t)z andere Gesetze als allgemein in der Filmbranche üblich. Einer der großen Knackpunkte ist die Tatsache, dass es kaum möglich ist den jeweiligen Originalstoff eins zu eins zu übernehmen – und die Macher somit einer wahren Herausforderung gegenüberstehen. Sie müssen sowohl den Geist des Ursprungsmaterials erhalten, als auch dem Medium Film an sich gerecht werden – ein Spagat, den sicher nicht jeder in der Lage ist zu meistern. Wenn er aber gelingt, erhält man ein Produkt welches sowohl eingeschworene Fans der Vorlage zufriedenstellen, als auch – und das ist der indirekte (Marketing-)Clou – neue Interessenten für das bereits vorhandene, oftmals einige Jahre ältere Material sensibilisieren kann. Dabei zeigt die Vergangenheit auf, dass das Verhältnis von geglückten und gescheiterten Portierungen ein bestenfalls ausgewogenes ist – jedoch nicht da ein Großteil der Filme durchschnittlich wäre; vielmehr scheinen die Macher mit ihren Ambitionen entweder positiv zu überraschen oder komplett zu scheitern. Das kann verschiedene Gründe haben: nicht wenige Manga- oder Animeportierungen wirken unfreiwillig komisch, werden geradezu überkandidelt inszeniert, haben große Probleme hinsichtlich der Darstellerwahl, den Dialogen oder den Charakterzeichnungen – der Möglichkeiten zu versagen gibt es wahrlich viele. Auch wenn für Machwerke dieser Art spezielle Regeln gelten und man sie nicht immer in einen Topf mit anderen, eher unvorbelasteten Filmen vergleichen kann; gilt es niemals zu vergessen was man da eigentlich macht – einen Film, nicht mehr und nicht weniger. Ob dieser seinen Ursprung im Bereich des Anime hat oder nicht, es werden nicht automatisch alle gängigen Regeln außer Kraft gesetzt, ein gewisses Fingerspitzengefühl bleibt weiterhin gefragt.

Die Realverfilmung von GANTZ schneidet dabei vergleichsweise gut ab, vor allem auf den ersten Blick. Das Setting wirkt eher wenig abgedreht und erscheint sofort nachvollziehbar, während das große unbekannte Element namens GANTZ schnell für Spannung sorgt – und dem Film zusätzlich zur markanten Mystery-Thriller-Komponente ein klare Identität und somit auch Unverwechselbarkeit verleiht. Mindestens genauso schnell wird offenbar, dass das Potential der Vorlage ein recht mannigfaltiges zu sein scheint – die Grundidee ist faszinierend und unverbraucht, während die ersten Interaktionen zwischen den totgeglaubten Menschen und der ominösen schwarzen Kugel für ein wohliges (er-)Schaudern auf Seiten der Zuschauer sorgen. Ebenfalls bemerkenswert erscheint die gesamte optische Aufmachung, die sich durchaus mit weitaus teureren Blockbustern messen kann – auch wenn der Film im allgemeinen vergleichsweise dunkel gehalten ist. Die Darsteller scheinen ebenfalls gut gewählt und überzeugen mit einem recht glaubhaften Spiel. Selbst die Arbeit der Maskenbildner und des Spezialeffekte-Teams gibt keinen Anlass zur Kritik: dort wo man anderen Werken eines ähnlichen Ursprungs oftmals ein geringes Budget ansieht oder man schlicht zu übertrieben agiert, bleibt GANTZ eher bodenständig und setzt auf sowohl wohldosierte Effekte, als auch nett anzuschauende Masken und Kostüme. Am markantesten bleibt natürlich GANTZ selbst, jene mysteriöse schwarze Kugel mit dem verwirrenden Eigen- und Innenleben – auch wenn man sich hier gestalterisch eher weniger austoben konnte und musste. Es reicht, dass sie da ist – und den Zuschauer sofort mit entsprechenden Fragen konfrontiert.

Genau das führt indes zum ersten großen Problem an und in GANTZ: Hintergrundinformationen oder Erklärungen gibt es keine, wer glaubt das Mysterium hinter der Kugel aufschlüsseln zu können; wird bitter enttäuscht werden. Der Zuschauer ist einzig und allein angehalten, sich mit den Charakteren zu beschäftigen – und wie sie jeweils mit den für sie neuen, verstörenden Erfahrungen umgehen. Das Bild, welches man dabei in der Lage ist zu erhalten, ist allerdings auch nicht wirklich komplex oder tiefgründig – vordergründig geht es um die Überwindung von Ängsten, die typisch-japanische Selbstfindung und die Frage nach einer Moral; hier in einer besonders kuriosen Konstellation. Schließlich nehmen die Beteiligten das Geschehen recht schnell hin, und beginnen die Aufträge auszuführen – die Frage ist nur, ob dies in irgendeiner Art und Weise gerechtfertigt erscheint und vor allem: zu welchem Preis. Wirklich intensiv steigt man auch hier nicht in das Thema ein, zumal GANTZ keinen greifbaren Gegenspieler hat und auch die neu gewonnenen, man nenne sie Probanden sich kaum erwehren oder versuchen, mehr über GANTZ herauszufinden. Dies führt auch zu einem weiteren, vielleicht noch schwerwiegenderem Kritikpunkt: GANTZ hat enorme Probleme, eine stimmige Atmosphäre zu etablieren. Das geht so weit, dass sich der Film stellenweise geradezu falsch anfühlt. Eine unfreiwillige Komik, kaum nachvollziehbaren Anwandlungen der Charaktere und eher plumpe Dialoge sind hier nur der Anfang vom Lied – fraglich bleibt, warum man sich überhaupt derart offensichtliche Fehlgriffe erlaubte. Vielleicht bewegte man sich in diesem Falle ausnahmsweise mal zu nah an der Vorlage, die ein lesen zwischen den Zeilen schon eher möglich machte – die durch das Medium Film gegebenen Möglichkeiten aber hätte man viel besser ausnutzen müssen. So aber reiht sich eine Unstimmigkeit an die nächste, selbst die oftmals in japanischen Werken dieser Art aufkommende unterschwellige (Lebens-)Philosophie wirkt hier arg bemüht und stellenweise deplatziert.

Fazit: GANTZ besitzt grundsätzlich gute Voraussetzungen, um sowohl Neueinsteiger als auch alteingesessene Fans des Franchise zu begeistern. Der Film wirkt eigenständig, entfernt sich aber auch nicht zu weit von der Vorlage – und besitzt besondere Alleinstellungsmerkmale, die ihn von der Konkurrenz abzuheben wissen. Allein die Prämisse der Existenz von GANTZ selbst, sowie die damit zusammenhängenden Mystery-Elemente um den (offenbar umkehrbaren) Tod und die Interaktion zwischen der Kugel, den gefangenen Spielern und den Aliens schreit geradezu nach ganz großen Kino – schade ist nur, dass man sich offenbar allzu sehr auf derlei Grundlagen verlassen hat, weiter ausgeführt, hinterfragt oder gar erklärt werden sie nicht. Es kommt, wie es kommen muss: während der Film hie und da eine gewisse Spannung etablieren kann, geht er geradezu frech mit typischen, in Filmen wie diesen wichtigen Elementen um, wobei besonders schwer wiegt dass weder die Handlungen der Charaktere noch deren Gefühls(er)leben nachvollziehbar erscheinen. Ein nennenswerter Grad an Empathie wird somit nicht aufkommen, ebenso wird man die Fragen nach Sinn, Zweck und Logik der Geschichte schnell hinten anstellen – da es schlicht keine Hintergrundinformationen gibt, nicht einmal erkennbare Ansätze hinsichtlich einer Interpretation werden geliefert. Die Folge: man wird den Film und dessen Inhalt schnell wieder vergessen – Nachhaltigkeit sieht anders aus.

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„GANTZ schön gewagt – aber nicht wirklich zufriedenstellend.“

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Ein Gedanke zu “Filmkritik: „Gantz – Spiel Um Dein Leben“ (2010)

  1. Find dein Fazit recht treffend.

    Ich selbst hab vorher noch nie was mit dem Franchise zutun gehabt und fand den Anfang (1/3) des Films ganz interessant, aber späterstens beim 2ten „Level“ wars dann schnell wieder aus. Diesen Komiker mit seinem „Atomatem“ fand ich einfach nur unfreiwillig komisch während gleichzeitig – wie du schon erwähnt hast – keinerlei Empathie zu den Gefangen entsteht sodass es einem nur wenig tangiert was mit denen da passiert.

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