Filmkritik: „Jack Der Bär“ (1993)

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Originaltitel: Jack The Bear
Regie: Marshall Herskovitz
Mit: Danny DeVito, Robert J. Steinmiller Jr., Miko Hughes u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 99 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Drama
Tags: Jack | Familie | Sohn | Söhne | Einsamkeit | Alkohol | Entführung

Trauer, Wut und Verzweiflung… und ein bestimmtes Kinderlied.

Kurzinhalt: Kalifornien in den frühen 1970er Jahren. Nachdem sie aus New York weggezogen sind, lebt die Familie der Laery’s in einem kleinen Einfamilienhaus in einem idyllischen Vorort. Tatsächlich haben John (Danny DeVito) und seine beiden Söhne Jack (Robert J. Steinmiller Jr.) und Dylan (Miko Hughes) aber mit zahlreichen Problemen zu kämpfen – ganz besonders nach dem plötzlichen Tod der geliebten Ehefrau und Mutter. So ist das Familienleben teils enormen Spannungen ausgesetzt; während sich John hauptsächlich um seinen Job als Unterhaltungsmoderator in einer abendlichen TV-Sendung verdingt. Der führt auch dazu, dass er in der Nachbarschaft bereits wohlbekannt ist – die vielen hier lebenden Kinder kennen seine Auftritte und wollen das von ihm gespielte TV-Monster so oft es geht hautnah erleben. Es scheint, dass die Familie eine Menge Leben in die eher verschlafene Gegend brächte – doch geschieht dies nicht zur Freude aller Anwohner. Besonders der sture Patriot und Nationalist Norman (Gary Sinise) beäugt die Familie mit einem kritischem Blick. Eines Tages versucht er, John von seinen merkwürdigen politischen Ansichten zu überzeugen – scheitert jedoch spätestens in dem Moment, als er sieht dass John eine schwarze Hausfrau angestellt hat. John, der zum Leidwesen seiner Kinder des öfteren zu viel Alkohol trinkt, spürt den Hass in Norman – und macht seiner Wut in einer seiner weiteren Sendung Luft, indem er Norman öffentlich denunziert. Obwohl er sich später für seinen Auftritt entschuldigt, scheint sich bei Norman ein Schalter umgelegt zu haben – er erklärt John zu seinem Feind und begeht bald darauf eine folgenschwere Tat…

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Kritik: Achtung, Spoiler ! JACK DER BÄR basiert auf einem gleichnamigen Buch des US-Autors Dan McCall, und ist entgegen des dezent verniedlichten Filmtitels und den teilweise kursierenden Trailern alles andere als eine Feel-Good-Familienkomödie. Bereits durch das Buch wurde offenbar; dass es sich um ein äußerst persönliches, emotional tiefgreifendes Familiendrama mit einer zusätzlichen Thriller-Komponente handeln würde – hier noch explizit aus der Erzählperspektive der kindlichen Hauptfigur. Die im Jahre 1993 verwirklichte Realverfilmung geht das Ganze zwar etwas anders an; beispielsweise indem sie den kindlichen Erzählfokus etwas lockert und den Zuschauer in eine nicht mehr ganz so nahbare Beobachterperspektive versetzt – aber dennoch wissen sowohl das Buch als auch der Film in beinahe jedem Moment zu überzeugen. Das liegt vor allem daran, dass die behandelten Problematiken innerhalb einer Familienkonstellation zweifelsohne als universell zu bezeichnen sind, andererseits aber dennoch mit einer markanten persönlichen, einzigartigen Note vorgestellt werden. Sicher gibt es zahlreiche Dramen, die sich in irgendeiner Art und Weise mit dem Verlust von Familienmitgliedern beschäftigen – doch das hier präsentierte Setting, die besonderen Eigenheiten der Charaktere und der tragisch-dramatische Zusatz einer Kindesentführung verpassen JACK DER BÄR einen ganz besonderen Feinschliff. Einen intensiven, glaubwürdigen; und nicht zuletzt einen äußerst unterhaltsamen und bewegenden.

Besonders auffällig ist, dass der Film in der Lage ist eine bemerkenswerte erzählerische Dichte und Atmosphäre zu etablieren, die durch die stimmig eingefangenen, sommerlich-süffigen Bilder noch unterstützt wird. Auch führt ein gewisser Hang zur Retrospektive dazu, dass man sich schnell mit den Charakteren identifizieren kann – und sei es, dass man sich dabei teilweise auf eigene Kindheitserinnerungen stützt. Und auch wenn das nicht der Fall sein sollte, wird man kaum unberührt bleiben vom Schicksal der hier vorgestellten Familie – für die man relativ schnell eine enorme Empathie entwickeln wird; trotz oder gerade wegen der vielen persönlichen Ecken und Kanten. JACK DER BAR zeigt dem Zuschauer einmal mehr auf, wie gut und intensiv ein Drama inszeniert werden kann – wenn man sich nur auf die richtigen Zutaten besinnt und ein gewisses Händchen für die Inszenierung beweist, was Regisseur Marshall Herskovitz zweifelsohne gelungen ist. Schließlich funktioniert das Zusammenspiel von teils sommerlich-lockeren, teils emotional aufgeladenen Bildern und dem ergreifenden Soundtrack tadellos – und führt nie dazu, dass ein gekünstelter oder allzu gezwungen wirkender Eindruck entsteht. Besonders herausragend fallen in diesem Zusammenhang auch die Darsteller auf, und das nicht nur in Bezug auf den allseits bekannten Mimen Danny DeVito. Während Miko Hughes als kleiner Bruder von Jack zwar die Rolle einer wichtigen Schlüsselfigur innehat, aufgrund seines jungen Alters aber kaum über den Eindruck eines Statisten hinauskommt – ist es vor allem Robert J. Steinmiller Jr. dem ein großes Lob zugesprochen werden muss. Seine Darstellung des innerlich zerrissenen Jack ist bemerkenswert und bewegend; mehr noch: vermutlich trägt er einen Großteil der etablierten Wirkung des Films allein auf seinen Schultern.

Fazit: JACK DER BÄR ist nicht nur als äußerst gelungenes Drama zu bezeichnen – sondern auch als äußerst persönliches, lebensnahes und glaubhaftes. Wer sich auch nur ansatzweise für die Thematik eines familiären Verlusts und den damit verbundenen Folgen für die Angehörigen interessiert, für den ist der Film ein Muss – allein aufgrund der gelungenen Charakterporträts und der emotional aufgeladenen, aber letztendlich doch angenehm bodenständigen Inszenierung. Als quasi-Zugabe beinhaltet der Film glücklicherweise einen ebenfalls überragenden technischen und darstellerischen Part, sowie eine (beinahe unnötige, aber doch für weitere emotionale Höhepunkte sorgende) Entführungsgeschichte und schließt somit den Kreis. Der einzige Wermutstropfen, der wohl allein für die Kenner der Buchvorlage gilt; ist in der etwas zahmen und allgemein hinsichtlich einer besseren Zugänglichkeit getrimmten Art der Inszenierung zu sehen – das Buch schlug hier wesentlich rebellischere Töne an, erzeugte aber eine ganz ähnliche Wirkung. Aber wer weiß – vielleicht hätte es den Film gar nicht erst gegeben, hätte man keine dahingehenden Zugeständnisse an die Produzenten gemacht. Ein klassisches, aber dennoch herausragendes Familiendrama mit einem ergreifenden emotionalen Unterton – JACK DER BÄR macht ebenso glücklich wie er zu Tränen rührt.

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„Unverwechselbar, universell und intensiv.“

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Ein Gedanke zu “Filmkritik: „Jack Der Bär“ (1993)

  1. Kann ich nur unterstreichen. Einer meiner „heimlichen“ (weil bei der Aufzählung von Favorites manchmal etwas in Vergessenheit geratener Film) Lieblingsfilme. Umso trauriger stimmt es mich, dass Robert J. Steinmiller Jr. bis auf diesen Film, neben „Bingo – Kuck mal wer da bellt“ (auch in meinem Besitz) kaum etwas bekanntes mehr hervorgebracht hat. Ein bisschen erinnerte er mich auch an Jimmy Bennett (flüster: in diesem Film sogar noch eine Stufe besser ^^) …leider ist es keine umfangreichere Karriere mehr geworden. Schade, es fällt mir oft auf, dass wirklich sehr gute Kinderdarsteller nach 1 – 2 (wenns hoch kommt 3 – 4) Filmen scheinbar plötzlich mit dem Schauspielen aufgehört haben, aber man im Gegensatz dazu auch oft mit nervigen untalentierten maltretiert werden. 🙂

    Wertung: dito…9 / 10.

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