Metal-CD-Review: EDGUY – Space Police – Defenders Of The Crown (2014)

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Alben-Titel: Space Police – Defenders Of The Crown
Künstler / Band: Edguy (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 18. April 2014
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal / Hard Rock
Label: Nuclear Blast

Alben-Lineup:

Jens Ludwig – Guitars (lead)
Dirk Sauer – Guitars (rhythm)
Tobias Sammet – Vocals, Keyboards
Tobias Exxel – Bass
Felix Bohnke – Drums

Track-Liste:

1. Sabre & Torch (05:00)
2. Space Police (06:00)
3. Defenders of the Crown (05:39)
4. Love Tyger (04:26)
5. The Realms of Baba Yaga (06:07)
6. Rock Me Amadeus (Falco cover) (03:20)
7. Do Me like a Caveman (04:09)
8. Shadow Eaters (06:08)
9. Alone in Myself (04:36)
10. The Eternal Wayfarer (08:50)

Lust auf ein bisschen Spaß… ?

EDGUY sind eine der wenigen Genre-Bands, die sich einen ganz besonderen Status in der Metal-Szene erarbeitet haben. Einen Status, der sich vor allem am eigentlichen Erfolg der Band festmachen lässt – nicht umsonst gelten EDGUY als bisher erfolgreichste Metalband aus Deutschland, die sich auch international eine große Fanbase erarbeitet hat. Doch noch etwas gehört zu einer Band wie dieser unweigerlich dazu: es ist ihr ureigener Stil und die damit verbundene, immer wieder markant präsentierte Kreativität. Schließlich scheint es beinahe egal, was genau EDGUY nun wieder auf die Beine stellen – es wird Erfolg haben, auch oder gerade weil sich die Geister scheiden. Im Gegensatz zu anderen Bands, bei denen sich die Bandmitglieder jede nur erdenkliche Freiheit nehmen um sich zu profilieren; konnte man den Jungs von EDGUY aber noch nie so richtig böse sein – ganz egal wie abwegig, frech oder auch dreist der eine oder andere Schritt nun gewesen sein mag. Das liegt nicht nur an der riesigen, der Band stets treuen Fanbase; die wohl so ziemlich jede EDGUY-Eskapade mitmachen würde – sondern auch daran, dass EDGUY respektive deren Mitglieder allesamt grundsympatisch sind und vieles mit einem mal mehr, mal weniger dezenten Augenzwinkern betrachten.

Und genau in diese Kerbe schlägt nun auch ihr neuestes Album mit dem etwas sperrigen Titel SPACE POLICE – DEFENDERS OF THE CROWN. Was auch immer sich EDGUY bei der Titelwahl sowie dem eigenartigen Cover-Artwork gedacht haben – es erregt Aufmerksamkeit, und hat zumindest einen interessanten Nebeneffekt: man neigt am ehesten dazu, ein Album wie dieses zu unterschätzen. Dabei sollte indes jedem klar sein, dass hinter EDGUY einige besonders talentierte Musiker stehen – allen voran das Multitalent Tobias Sammet, eine der wohl schillerndsten Figuren der deutschen Metal-Szene. Als besonders erwähnenswert ist neben seiner Tätigkeit in seiner Hauptband EDGUY sicherlich sein internationales Metal-Nebenprojekt AVANTASIA – mit welchem er zwei mittlerweile legendäre Power Metal-Alben auf den Markt gebracht hat (THE METAL OPERA Teil 1 und 2). Bevor man sich nun aber einem Album wie SPACE DEFENDERS nähert, sollte man sich über eines im klaren sein: der Sound von EDGUY hat sich mittlerweile sehr stark vom eigentlichen Ursprung der Band entfernt. Der liegt bekanntlich im Bereich des europäischen Power Metals – und während man jene Schiene zumindest noch mit AVANTASIA bedient, so sind EDGUY zu einer Art Hybrid aus Hard Rock, Comedy und Melodic Metal avanciert.

So ist SPACE POLICE in erster Line ein spaßiges gute-Laune-Album; welches weder strikte Genre-Grenzen noch eine Einschränkung der künstlerischen Freiheit vorsieht. Die Kompositionen bewegen sich dabei vornehmlich im Midtempo, klingen angenehm rockig und sind inhaltlich mal mehr (SPACE POLICE) und mal weniger ernst (DO ME LIKE A CAVEMAN) zu nehmen. Überaus auffällig ist dabei stets die Stimme des Ledsängers Sammet, der diese mit einem enormen Druck und einer neuen Form der Rauhheit inszeniert. Den Höhepunkt erreicht dieses Wagnis, dass am ehesten an den Stil des ACDC-Leadsängers Brian Johnson erinnert, im als Videosingle ausgekoppelten Track LOVE TYGER. Ganz nebenbei handelt es sich hier wohl auch um die Nummer, die am meisten polarisieren wird – präsentieren sich EDGUY hier mit einem ungewohnten Glam-Metal-Feeling. Kaum abzustreiten ist indes die enorm hymnische, antreibende und schlicht gute-Laune-verbreitende Wirkung des Songs – auch wenn es sich nicht um das innovativste handelt was EDGUY in ihrer langen Bestehenszeit erschaffen haben.

Wesentlich interessanter erscheinen indes jene Nummern, die sich schon eindeutiger am eigentlichen, ursprünglichen Stil der Band orientieren – wie der satte Opener SABRE & TORCH mit seinen Kai Hansen-artigen Riffs, das recht mächtige DEFENDERS OF THE CROWN mit seinem episch-hymnischen Anspruch; oder der wohl Power Metal-lastigste Titel des Albums, SHADOW EATERS. Doch hat das Album auch seine Schwachpunkte – wie etwa die deutlich balladesk angehauchte Nummer ALONE IN MYSELF, die nur allzu deutlich nach Mainstream schreit. Und auch der vermeintlich epische Abschluss in Form des überlangen THE ETERNAL WAYFARER gelingt EDGUY nicht wirklich gut – eher etwas monoton, sodass man beim Verlangen nach etwas epischen schnell auf DEFENDERS OF THE CROWN zurückgreifen wird. Über allen potentiellen, sicherlich diskutablen Schlechtigkeiten des Albums thront aber eine andere, ganz spezielle: die Coverversion des Falko-Klassikers ROCK ME AMADEUS. Zum ersten Male wird der Eindruck erweckt, dass sich EDGUY wohl doch nicht alles erlauben können – die Nummer wirkt nicht nur extrem deplatziert (eine Position im Bonustitel-Bereich wäre angebrachter gewesen), sie ist auch geschmacklich eine wahre Herausforderung. Wer bereits das Original hasste, wird auch mit der etwas hardrockigeren Version nicht warm werden. Ein flacher Inhalt, merkwürdig angestrengt vorgetragene deutsche Lyrics und ein schnell nervenaufreibender Refrain lassen das Ganze zu einem kleinen Alptraum avancieren – trotz des offensichtlich angestrebten Comedy-Einschubs. Dann doch lieber eine Nummer wie LOVE TYGER – denn die stammt zumindest von der Band selbst und sollte allein deswegen nicht ganz so abhängig sein von allgemeinen Musikgeschmäckern.

Fazit: Es scheint nicht nur beinahe egal, auf welche stilistische Richtung sich EDGUY nun festlegen – es ist egal, das jeweilige musikalische Produkt klingt wie im Falle von SPACE POLICE – DEFENDERS OF THE CROWN absolut reichhaltig, satt und mehr als zufriedenstellend. Insofern ist es vielleicht gar nicht schlecht, dass hier mehrere Stilrichtungen, Einflüsse und Stimmungen repräsentiert werden – das Album ist enorm abwechslungsreich; und wirkt im Gegensatz zu ähnlichen Werken anderer Genrekollegen dennoch nicht wie ein musikalischer Flickenteppich. Zudem macht es einen Heidenspaß, besitzt eine mehr als ansehnliche Produktion; kurzum: es ist empfehlenswert. Sofern man eine kleine Anzahl deutlich schwächerer Titel verschmerzen kann – sowie eventuell auch die zweite Bonus-CD, die mit einigen Instrumental-Versionen und zwei nur noch überspitzteren komödiantischen Titeln daherkommt.

Absolute Anspieltipps: SABRE & TORCH, DEFENDERS OF THE CROWN, LOVE TYGER, SHADOW EATERS

Mögliche Skip-Kandidaten:ROCK ME AMADEUS, ALONE IN MYSELF, THE ETERNAL WAYFARER

Ähnliche / Alternative Bands: AVANTASIA | HELLOWEEN  | GAMMA RAY

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„Keine Rückkehr zum Ursprung – aber ein angenehmes Album mit einigen Highlights.“

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