Filmkritik: „Das Zauberflugzeug“ (2005)

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Originaltitel: L’avion
Regie: Cédric Kahn
Mit: Roméo Botzaris, Isabelle Carré, Vincent Lindon u.a.
Land: Frankreich
Laufzeit: ca. 100 Minuten
FSK: ab 0 freigegeben
Genre: Drama / Fantasy
Tags: Flugzeug | Magie | Vater | Tod | Verlust | Angst | Forscher | Wahrheit

Ein Modellflugzeug mit Herz.

Kurzinhalt: DAS ZAUBERFLUGZEUG beschäftigt sich mit dem jungen Charly (Roméo Botzaris) und dessen Familie. Charly’s Vater ist Pilot und Ingenieur, der nur selten bei seiner Familie sein kann. Gerade deshalb möchte er seinem Sohn ein außergewöhnliches Weihnachtsgeschenk machen – ein selbstgebautes Modellflugzeug. Da Charly sich aber viel lieber ein Fahrrad gewünscht hat, ist er entsprechend enttäuscht – die Tatsache, dass der Vater kurz darauf schon wieder beruflich unterwegs sein würde, macht es da nicht besser. Dann aber geschieht ein viel größeres Unglück: Charly’s Vater stirbt bei einem tragischen Unfall. Fortan müssen sich Charlie und seine Mutter Catherine (Isabelle Carré) alleine durchschlagen, und lernen mit der großen Trauer umzugehen. Doch kurz darauf scheint das von Charly zunächst wenig beachtete Flugzeug zum Leben zu erwachen. Wer oder was steckt dahinter ? Es bleibt nicht viel Zeit dies herauszufinden, denn ein ehemaliger Kollege von Charly’s Vater, Xavier (Nicolas Briançon) ist dem Geheimnis längst auf der Spur. Er vermutet, dass sich das letzte große wissenschaftliche Projekt seines Kollegen in jenem simplen Modellflugzeug manifestiert hat…

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Cédric Kahn’s DAS ZAUBERFLUGZEUG war einer der großen Gewinner des 2005’er LUCAS-Kinderfilmfestivals – und das offenbar nicht zu Unrecht. Denn was zunächst wie ein typischer, leicht märchenhaft angehauchter Kinderfilm anmutet, entpuppt sich im weiteren Verlauf als allgemein verständliche Analogie auf das schwierige Thema des Verlusts. Eine sehr emotionale noch dazu – die dazu führt, dass DAS ZAUBERFLUGZEUG sowohl als Kinderfilm mit Botschaft, aber auch als handfestes Familiendrama mit einer dezenten fantastischen Komponente betrachtet werden kann. Dabei fällt besonders die eigentliche Machart positiv auf: wo besonders hierzulande gerne mal ein allgemeiner, oftmals eher leidiger Klamauk Einzug hält; versteht sich DAS ZAUBERFLUGZEUG als vergleichsweise bodenständiges französisches Werk, welches allein durch seine intensive, glaubhaft transportierte Atmosphäre, die interessanten Charakterporträts und den alles umfassenden Spannungsbogen mehr als genügend inhaltliche Anreize bietet. Solche, die eben nicht mehr von etwaigen fragwürdigen filmischen Zusätzen garniert werden müssen. Schließlich werden sich auch die Erwachsenen Zuschauer schnell von der fantastischen Geschichte in den Bann ziehen lassen, und herausfinden wollen was es mit dem titelgebenden Flugzeug und der vermeintlichen Hinterlassenschaft des Vaters auf sich hat.

Dass DAS ZAUBERFLUGZEUG schon allein durch seine Ausgangsidee eine vergleichsweise mannigfaltige Atmosphäre etablieren kann, liegt dabei hauptsächlich an der gelungenen Umsetzung. Für die Titelfigur Charly ist es die Seele des verstorbenen Vaters welche das Flugzeug lebendig macht, also etwas sehr persönliches – für die ehemaligen Arbeitskollegen des Vaters dagegen ist es ein schier unglaubliches, bahnbrechendes wissenschaftliches Projekt welches einer Aufklärung bedarf. Genau auf diesem Gegensatz und der daraus entstehenden Jagd nach der Wahrheit baut der Film auf – und das macht er sehr, sehr gut. Viele Kinderfilme beschränken sich schließlich auf nur eine der eben genannten Herangehensweisen – DAS ZAUBERFLUGZEUG jedoch kombiniert beide, und sorgt so für eine wechselseitige Rückendeckung. Vor allem werden die fantastischen, übersinnlichen Elemente so durch einen wissenschaftlichen Hintergrund gestützt; die aus dem Film weit mehr machen als ein typisches Märchen oder einen allzu typischen Kinderfilm. Es geht um familiären und freundschaftlichen Zusammenhalt, welcher durch schlimme Ereignisse und Lügen auf die Probe gestellt wird – und natürlich es geht um Verlust und Verlustängste. Immer mit dem Hinweis, dass wir selbst es sind, die die Zügel in der Hand halten – doch dass es auch noch so etwas wie ein Schicksal gibt, mit dem wir uns möglicherweise arrangieren müssen.

Der mitunter einzige Wermutstropfen des Films ist – selbst in Anbetracht der Lobgesänge auf die Macht der Magie und die Kraft des einzelnen – dass es dennoch einige inhaltliche Unstimmigkeiten gibt. Über die werden vor allem die jüngeren Zuschauer hinwegsehen, doch da ein Film wie DAS ZAUBERFLUGZEUG es offensichtlich anstrebt möglichst universell zu sein und generationsübergreifend zu funktionieren; hätte man an einigen Punkten andere Lösungen finden können. Als Paradebeispiel fungiert hier sicherlich die Tatsache, dass ein einzelnes Kind in der Lage ist in eine Art Hochsicherheitstrakt vorzudringen und das Modellflugzeug zu stehlen. Jene Darstellungen sind zwar immer auch als Analogien zu verstehen (die Wissenschaftler, denen offenbar nichts heilig ist und sogar in eine zerrüttete Familie eindringen um zu bekommen was sie wollen; das Kind, welches versucht jene Ungerechtigkeit wieder wettzumachen und es eigentlich nur schafft, weil es eben gerecht erscheint) – doch ein wenig mehr Glaubhaftigkeit hätte dem ZAUBERFLUGZEUG an dieser oder anderen Stellen sicherlich gut getan. Der guten Grundidee, der insgesamt gelungenen Ausführung und kleineren inhaltlichen Schwächen steht letztendlich aber noch ein äußerst markanter handwerklicher Part zur Seite – der das Ganze nach oben hin abrundet. Von den stimmigen, aufwendigen Kamerafahrten über die satten Farben, die speziell ausgeleuchteten Nachtszenen hin zu den liebevoll gestalteten Innen- und Aussensets – vor allem optisch entsteht ein reichhaltiger Eindruck. Einer, der sowohl von den musikalischen Kompositionen und den Leistungen der Darsteller unterstützt wird. Besonders der junge Roméo Botzaris als Charly liefert eine schier unglaubliche Performance ab – wenn man bedenkt dass es seine erste ist, kann man nur den Hut ziehen.

Fazit: Bei einem Film wie diesem fällt es schwer, ein Fazit zu ziehen ohne noch größere Spoiler einzupflegen als ohnehin schon. Dennoch sollte auch das Ende eine Erwähnung verdienen, welches mitunter (und überraschenderweise) die Stimmung eines Literaturklassikers wie DER KLEINE PRINZ einfängt und somit zu einem äußerst emotionalen, nachhaltigen Eindruck beiträgt. Davor begeistert vor allem das Zusammenspiel aus bodenständigen Drama-Elementen und die geschickte Verbindung derer mit dem übersinnlichen, fantastischen. Jene beiden Aspekte oder auch Herangehensweisen gehen oft fließend ineinander über, was in einem Groß der Szenen überraschend gut funktioniert. Eine übersinnliche (aber eben nicht religiös angehauchte) Form der ‚Magie‘ die Einzug hält in die harsche, teils brutale Realität; und sei sie nur einigen wenigen zugänglich – das ist doch eine wunderbare Vorstellung.

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„Ein geradezu ZAUBERHAFTER Kinderfilm, dem auch Erwachsene etwas abgewinnen können.“

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