Filmkritik: „Das Zweite Gesicht“ (1993)

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Originaltitel: The Good Son
Regie: Joseph Ruben
Mit: Macaulay Culkin, Elijah Wood, Wendy Crewson u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 87 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Thriller / Horror
Tags: Sohn | Junge | Kind | Freundschaft | Gefahr | Dämonisch | Tod

Das Böse lauert auch da, wo man es nicht vermutet.

Kurzinhalt: Irgendwo in einem stillen, ruhigen Örtchen in den USA meint es das Schicksal nicht gut mit dem jungen Mark (Elijah Wood). Bereits wenige Tage nachdem seine Mutter gestorben ist und er sich noch immer mit Selbstvorwürfen quält, entschließt sich sein Vater zu einer wichtigen Geschäftsreise – und lässt seinen Sohn allein zurück. Für die geplanten 2 Wochen quartiert er seinen Sohn bei seinem Bruder und dessen Familie ein, und hofft dass Mark so auf andere Gedanken kommen könnte. Tatsächlich schließt er schnell Freundschaft mit dem etwa gleichaltrigen Henry (Macaulay Culkin) – dem er sich anvertraut und mit dem er einige spannende Tage verbringt. Doch als sich Henry im Laufe der wenigen noch verbleibenden Tage zunehmend merkwürdiger benimmt und sogar zu brutalen Ausbrüchen neigt, weicht die Idylle schnell einer alles beherrschenden Angst. Die Erwachsenen jedoch scheinen nicht allzu viel davon mitzubekommen…

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Kritik: Achtung, Spoiler ! DAS ZWEITE GESICHT setzt wie viele Filme einer vergleichbaren Machart auf eine vergleichsweise simple Prämisse, die man am ehesten mit den Begriffen Wissen und Halbwissen umschreiben kann. Ein Charakter weiß von einem anderen, dass er nicht das ist für das er sich ausgibt – der andere jedoch schafft es stets, nicht aufzufliegen. Im Gegenteil, er bringt den Wissenden selbst in eine bedrohliche Lage – indem er alle ihn umgebenden Menschen an der Nase herumführt. Das ist im Grunde ein Stoff für einen handelsüblichen Thriller; wäre da im Falle von DAS ZWEITE GESICHT nicht der Umstand, dass es sich um zwei kindliche Protagonisten handelt. Das wiederum führt den Zuschauer näher an die Stimmung und Ausgangslage von Filmklassikern wie DAS OMEN heran; welcher ebenfalls einen unschuldigen Jungen in der Rolle des personifizierten Bösen vorsah. Und doch ist es schwierig, DAS ZWEITE GESICHT in eine vorgefertigte Schublade zu stecken – denn auch im Horrorgenre fühlt er sich nicht wirklich wohl; zumindest nicht ausschließlich. Denn auch wenn sich der Film meilenweit von einem Drama bewegt; besitzt er doch dezente, diesbezüglich relevante Einschübe – etwa in Bezug auf die vergleichsweise intensiven Charakterporträts und mögliche Indizien für das Verhalten der jeweils betroffenen.

Das heisst, dass dem Film neben den expliziten Thriller- und Horroranleihen auch eine dezente psychologische Komponente innewohnt – die jedoch niemals vollständig ausgearbeitet wird. Auch wenn sich so einstweilen das Gefühl einstellen kann er wäre weder Fisch noch Fleisch respektive etwas unentschlossen; vermag er es überraschenderweise den Zuschauer gut und spannend zu unterhalten. Vielleicht ist es so gesehen auch ganz gut, dass ihm durch die in diesem Falle auflockernde (man will nicht sagen verharmlosende) Horror-Atmosphäre ein wenig an Zündstoff genommen wird, und man sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnt. Dies wird auch durch den allgemeinen technischen Part untermauert, der überraschend versiert ausfällt und dem Zuschauer immer dann visuell und akustisch hochwertiges präsentiert, wenn sich erzählerische Lücken ergeben; ergeben könnten. Die sind jedoch kaum auf eine Nachlässigkeit der Macher zurückzuführen, sondern vielmehr auf die selbst auferlegten Beschränkungen durch das zugrundeliegende Konzept.

Letztendlich hat man also doch das Gefühl, als hätten die Macher alle Möglichkeiten ausgeschöpft, und DAS ZWEITE GESICHT zu einem vor allem auch optisch und akustisch ansprechenden Gesamtwerk gemacht. Die stimmig eingefangenen Bilder, die stets von einem passenden (und nicht allzu reißerischen) Soundtrack untermalt werden; werden zudem noch von besonders markanten darstellerischen Leistungen gekrönt. Elijah Wood und Macaulay Culkin sind zwei Kinderdarsteller über die man sagen kann was man will – doch wenn das Filmteam ein entsprechendes war, haben diese durchaus beeindruckende Leistungen erbracht. Es reicht eben nicht, sich allein auf die Tatsache zu verlassen dass das Involvieren von Kinderdarstellern an sich schon ein Garant für einen funktionierenden Film wie diesen ist – und man den Rest einfach dem Zufall überlässt. Genau das ist bei DAS ZWEITE GESICHT nicht der Fall; der Film wirkt über weite Strecken durchdacht und vergleichsweise anspruchsvoll.

Fazit: THE GOOD SON ist wie ein fleischgewordener Kompromiss. Grundsätzlich als Horrorfilm einzustufen, wehrt er sich einerseits gegen allzu genretypische Oberflächlichkeiten – andererseits aber kommt er nicht über den Status einer reichlich konstruiert und zurechtgebogen wirkenden Geschichte hinaus. Auch wenn man mehr Einblicke in die Seelenwelten der Charaktere erhält als üblich, sollte man ihn beileibe nicht als Charakterstudie begreifen – sondern eher als Horrorthriller des etwas anderen, da zumindest zu weiterführenden Gesprächen anregenden Art. Was ist eher als überspitzte, eventuell sogar religiös angehauchte Zeichnung der Begriffe von Gut und Böse (im Sinne einer Vorlage wie DAS OMEN) zu begreifen, was dagegen könnte so oder so ähnlich eher der menschlichen Natur entspringen und somit durchaus nachvollziehbar erscheinen ? Genau das ist die Frage, die man sich in Anbetracht eines Films wie THE GOOD SON unweigerlich stellen wird – und muss. Da der Film am ehesten als Klassiker zu verstehen ist und er auf allzu plumpe, reißerische oder gar blutige Elemente verzichtet (im Gegensatz zu vielen späteren Werken einer ähnlichen Machart) kann eine Empfehlung ausgesprochen werden.

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„Psycho-Thriller trifft auf Horror trifft auf Drama mit grandiosen Kinderdarstellern.“

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