Metal-CD-Review: GAMMA RAY – No World Order (2001)

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Alben-Titel: No World Order !
Künstler / Band: Gamma Ray (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 10. September 2001
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Metal-Is Records

Alben-Lineup:

Kai Hansen – Vocals, Guitars
Henjo Richter – Guitars, Keyboards
Dan Zimmermann – Drums
Dirk Schlächter – Bass

Track-Liste:

1. Induction (00:59)
2. Dethrone Tyranny (04:15)
3. The Heart of the Unicorn (04:46)
4. Heaven or Hell (04:17)
5. New World Order (05:00)
6. Damn the Machine (05:04)
7. Solid (04:24)
8. Fire Below (05:34)
9. Follow Me (04:43)
10. Eagle (06:06)
11. Lake of Tears (06:48)

Sag NO zur New World Order.

GAMMA RAY sind nicht nur eine der bekanntesten Power Metal-Formationen aus deutschen Landen, sondern auch eine Art Institution von der man lernen kann – und mit der man rechnen muss. Entweder seit dem kultigen Debüt HEADING FOR TOMORROW (1990, Review), oder aber seit dem nunmehr legendären LAND OF THE FREE (1995, Review). Denn nach der nicht ganz so durchschlagenden Ära von Ralf Scheepers hatte Kai Hansen hier seinen ersten Auftritt als Leadsänger und künftige Galionsfigur der Band – eine Tradition, die bis heute fortgesetzt werden sollte. Mit jener neuen Besetzung entstanden einige weitere hochkarätige Genrealben, wie etwa das mächtige SOMEWHERE OUT IN SPACE oder POWER PLANT – aber auch das heute behandelte NO WORLD ORDER.

Und auch wenn die Hamburger Jungens entsprechend vorgelegt haben, gelang ihnen mit jenem 2001 erschienen Werk noch einmal ein großer Paukenschlag. Zwar hat man wohl ungefähr erahnen können, dass das was hier präsentierte Material ein markanter europäischer Power Metal der allerersten Güteklasse werden würde – doch dass sich GAMMA RAY noch einmal (und um ein vielfaches) selbst übertreffen würden, wohl eher nicht. NO WORLD ORDER ist das bisher bezeichnendste, herausragendste, schlicht brillanteste Album der Band – da hier von vorne bis hinten einfach alles stimmt. Zwar traf dies unter Umständen auch schon auf das grandiose SOMEWHERE OUT IN SPACE zu, doch dieses Mal ist der Eindruck noch ein stückweit prägnanter. Vielleicht auch, da man sich erstmals explizit auf die Fahne schrieb, was man inhaltlich auf einem GAMMA RAY-Release am ehesten erwarten könnte – rebellische, wenn man so will enthüllende und bittere Wahrheiten verkündende Botschaften; die einmal mehr in ein perfektes musikalisches Gewand gepackt wurden.

Jener NO WORLD ORDER zu lauschen, ist also gleich in mehrerlei Hinsicht ein Genuss – da man sowohl auf der inhaltlichen, als auch der musikalischen Ebene schnell einen Zugang erhält und zahlreiche Bezüge herstellen kann. Ebenfalls schön ist, dass sich GAMMA RAY hier nicht mehr ganz so ausufernd inszenieren – sondern eher bodenständig, stets rhythmisch und eher klassisch rockend (SOLID, FIRE BELOW, FOLLOW ME) – ohne allzu große Schnörkel oder ablenkende Elemente. Die haben GAMMA RAY ohnehin nicht nötig – allein die wohlklingende Instrumentalkulisse aus den organischen Drums, dem wummernden Bass und den antreibenden Gitarren reichen hier aus, um den Hörer über weite Strecken verdammt gut zu unterhalten. Dass dann noch ein Leadgesang wie der von Kai Hansen hinzukommt, ist dann quasi das Tüpfelchen auf dem i – seine Stimme ist nach wie vor unverkennbar, absolut stilsicher und sorgt im Zusammenspiel mit der gewaltigen Instrumentalkulisse für ein äußerst harmonisches Gesamtbild.

Glücklicherweise erübrigt es sich, bei einem Album wie diesem über etwaige Produktionsfaktoren zu sprechen – da es diesbezüglich keine Wünsche offen lässt; ebenso wenig wie die Leistung der einzelnen Mitglieder. Viel eher lohnt es sich da schon, einen Blick auf die einzelnen Titel und die transportierte Vielfalt zu werfen – auf dass ersichtlich wird, warum es sich hierbei um ein absolutes Kult-Album handelt. Bereits das Intro und der Opener DETHRONE TYRANNY passen perfekt zusammen, und eröffnen das Album mit einer geradezu apokalyptischen, aber dennoch hymnischen Atmosphäre – der man sich schwerlich entziehen kann. Zweifelsohne werden hier Erinnerung an das ebenfalls geniale MAN ON A MISSIONS als Uptempo-Vergleichstrack wach – doch DETHRONE TYRANNY legt mit seinem geradezu überirdischen Refrain noch eine ordentliche Schippe drauf. Was dann folgt, ist eine trotz der geringen Titelzahl recht abwechslungsreiche Ansammlung von weiteren Hymnen – die sich jedoch nicht wiederholen, sondern stets etwas andere Grundzüge besitzen. THE HEART OF THE UNICORN kommt eher düster und mit einer wahnwitzigen Performance von Kai Hansen daher, HEAVEN OR HELL ist ein klassischer GAMMA RAY Midtempo-Stampfer mit tollem Refrain, der Titeltrack besitzt wie alle anderen schier atemberaubende Riffs.

Fazit: Selten gab es ein Power Metal-Album welches einerseits absolut ‚catchy‘ und leicht zugänglich ist, andererseits aber verdammt durchdacht und sowohl inhaltlich als auch musikalisch verdammt innovativ ausfällt. GAMMA RAY scheinen einen Spagat wie diesen problemlos zu meistern; und begeistern einmal mehr mit einer fleischgewordenen Perfektion, die ihresgleichen sucht. Man könnte nun dahergehen und die Zusammenstellung dessen erörtern, was jene Perfektion ausmacht (sind es die Riffs, der Leadgesang, die tollen Strukturen und Melodien, der unverbrauchte Gesamteindruck ?) – doch am besten gelingt es, wenn man das komplette GAMMA RAY-Paket auf sich wirken lässt. Spätestens mit diesem Album sollte jedem klar werden, warum die Band eine derart führende Position innehat – und das längst nicht nur in Bezug auf die deutsche Metal-Szene. Wer dieses Album noch nicht besitzt, sollte dies dringend ändern… es lohnt sich.

Absolute Anspieltipps: DETHRONE TYRANNY, HEAVEN OR HELL, SOLID, EAGLE

Mögliche Skip-Kandidaten: /

Ähnliche / Alternative Bands: IRON SAVIOR | HELLOWEEN | HEAVENLY | BLIND GUARDIAN

95button

„Ein echter Genre-Schatz, den man immer wieder neu entdecken kann.“

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