Metal-CD-Review: MOONLIGHT AGONY – Silent Waters (2007)

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Alben-Titel: Silent Waters
Künstler / Band: Moonlight Agony (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 26. März 2007
Land: Schweden
Stil / Genre: (Progressive) Power Metal
Label: Dockyard 1 Records

Alben-Lineup:

Christer Pedersen – Bass
David Åkesson – Vocals
Martin Mellström – Keyboards
Rikard Petersson – Guitars
Kalle Landin – Guitars
Robert Willstedt – Drums

Track-Liste:

1. Leaving Solitude (04:13)
2. You Betrayed Me (04:24)
3. Soulless (04:14)
4. Through the Desert Storm (04:22)
5. The Dark Era (04:54)
6. I’m Alive (04:18)
7. Room 101 (03:29)
8. Different Stories (05:51)
9. Bloodred Sails (04:00)
10. Solemn Waters (05:06)

Stille Wasser können tief sein… müssen es aber nicht.

MOONLIGHT AGONY sind eine jener Bandcombos, die innerhalb ihrer eigentlichen Schaffensperiode nicht allzu viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen konnten, danach völlig in der Versenkung verschwanden – und noch später wieder von einigen eingefleischten Genrefans entdeckt wurden. Offenbar gilt auch in diesem Fall die magische oder eher kritische Zahl 2 – denn  auch MOONLIGHT AGONY veröffentlichten bisher nur zwei Studioalben; eine Zahl, bei der es vermutlich auch bleiben wird. Somit gesellen sie sich zu einst ähnlich hoffnungsvollen Bands wie OLYMPOS MONS oder GALLOGLASS, die in Anbetracht des wenigen aber doch hochkarätigen Material eventuell viel zu früh von der Bildfläche verschwanden. Beide eben genannten Vergleichsbands hatten beziehungsweise haben jedoch eines gemeinsam: es war vor allem das jeweilige Debütalbum, was überzeugte – die Nachfolger konnten nicht mehr wirklich mithalten. Wird dies auch bei MOONLIGHT AGONY und deren SILENT WATERS der Fall sein, oder konnte man sich vielleicht sogar noch steigern ?

Man braucht nicht lange um den heißen Brei herumzureden: nein, das konnten sie nicht. Definitiv nicht – denn der Vorgänger ECHOES OF A NIGHTMARE (Review) war ein waschechtes Über-Album, welches das Power Metal-Genre ordentlich aufmischte. Zweifelsohne lag das auch daran, dass man mit aus Sri-Lanka stammenden Chitral Somapala ein mehr als hervorstechendes Gesangstalent verpflichtete, und dem Album nicht zuletzt dadurch einen immensen Wiedererkennungswert verlieh. 3 Jahre später aber sah das Lineup von MOONLIGHT AGONY zwei dezente Veränderungen vor: für Chitral Somapala kam der unbekannte, aus Schweden stammende David Akesson; und Christer Pedersen ersetzte Christofer Starnefalk am Bass. Wenngleich es keine Seltenheit ist dass sich Lineups ändern, fällt es in diesem Falle besonders markant auf – allerdings in einem eher negativen Sinne. Denn analog zu den Lineup-Veränderungen schraubte man auch am eigentliche Stil respektive der Spielart der Band – die sich nun eher einem progressiven Power Metal widmete. Auch ein solcher kann verdammt gut klingen – doch ist es ungleich schwieriger, wenn zuvor bereits ein entsprechend straightes Power Metal-Album mit zahlreichen Genrehymnen veröffentlicht wurde.

Und so braucht SILENT WATERS vor allem eines: eine ansehnliche Eingewöhnungszeit. Doch auch nach dieser sieht es nicht allzu rosig aus für das Album, welches über weite Strecken arg düster gehalten ist und nicht mehr durch dezente melodische oder symphonische Komponente aufgelockert wird. Es zieht sich ein recht gleichförmiger, wenn man so will sogar monotoner Eindruck durch die gesamten 10 Titel – wirkliche Highlights gibt es nicht, dafür aber immerhin eine handvoll grundsolider Nummern – wie etwa der Opener LEAVIN SOLITUDE. Problematisch wird es ohnehin erst im weiteren Verlauf – obwohl man der Band ein gewisses Gefühl für Harmonie sinnige Strukturen nicht abstreiten kann. Aus THE DARK ERA hätte beispielsweise ganz locker ein äußerst atmosphärischer, stimmiger Brecher werden können (der hie und da sogar an die musikalische Raffinesse des Debütalbums erinnert) – doch die allzu langatmigen progressiven Strukturen, der schier einschläfernde Refrain und der noch ausbaufähige Leadgesang lassen noch zu viel Spielraum nach oben offen. Auch I’M ALIVE hat mit ähnlichen Problemen zu kämpfen, auch wenn es sich um eine vergleichsweise simple Tributzollung an das Genre handelt und der Titel auch mal in Sachen Tempo anzieht – umso schlechter schneidet der schwache und merkwürdig aggressiv klingende Leadgesang ab.

Fazit: SILENT WATERS hat mehrere Probleme, von denen – neben der fehlenden Originalität – vermutlich der Leadgesang ganz oben rangiert. Erst Recht, wenn man die Leistung des neuen Sängers mit der des alten vergleicht. Immerhin sorgen MOONLIGHT AGONY mit diesem Werk insofern für eine Überraschung, als dass sie sich stilistisch um 180 Grad gedreht haben – und nur noch wenig von der Ausgangsstimmung des Debütalbums vorhanden ist. Einerseits ist das ein erfrischender Schritt – andererseits aber auch verdammt ernüchternder, kann man mit dem Nachfolger kaum an den vormals etablierten, keine Wünsche offen lassenden Eindruck anknüpfen. SILENT WATERS ist demnach ein absolut typisches, unspektakuläres Power Metal-Album mit starken progressiven Anleihen – aber allgemein wenig musikalischen Reizen. Somit werden auch MOONLIGHT AGONY in die Geschichte der 2-Alben-Bandwunder eingehen, die ein immens starkes Debütwerk abgeliefert und sich kurz vor dem Verschwinden einen nicht ganz so guten Nachfolger gegönnt haben.

Absolute Anspieltipps: LEAVING SOLITUDE, YOU BETRAYED ME, I’M ALIVE

50button

„Leider weit entfernt vom Glanz des Vorgängers.“

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