Filmkritik: „The Monkey King“ (2014)

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Originaltitel: Da Nao Tian Gong
Regie: Soi Cheang
Mit: Donnie Yen, Chow Yun-Fat, Siu-Wong Fan u.a.
Land: China, USA
Laufzeit: ca. 112 Minuten
FSK: noch nicht erteilt
Genre: Fantasy / Action
Tags: Wukong | Affenkönig | Himmel | Hölle | Dämonen | Kampf | 3D

Was für ein Affentheater.

Kurzinhalt: Seit dem Anbeginn der Zeit wachen die Götter über den Himmel und die Erde. Doch wie so oft sind die Lager gespalten – das Himmelreich und die Unterwelt befinden sich in einem ständigen Zwist. Eines Tages aber opfert sich die Göttin Nuwa bei einer weiteren verheerenden Schlacht, um den Frieden zwischen den beiden Königreichen endgültig zu bewahren. Neben einer schier undurchdringbaren und somit zweckmäßigen Energiebarriere wurde jedoch ein unberechenbares Element geschaffen: ein göttlicher Affe. Der wächst zunächst recht friedlich unter seinen Stammesgenossen auf, doch scheint er bereits früh über besondere Fähigkeiten zu verfügen. Und so wird sich seiner angenommen, auf dass ihm der richtige Weg gewiesen werden würde. Doch auch der König der Dämonen erfährt von der Existenz des Affen, und plant bereits einen erneuten Ansturm gegen die gut gesicherten Pforten des Himmels. Seine Taktik sieht dabei drei Schritte vor, bei denen auch der Affe eine wichtige Rolle spielt: er soll dahingehend manipuliert werden, dass seine Macht unkontrollierbar und er die Pforten des Himmels einreißen würde. Wird es dem Dämonenkönig dieses Mal gelingen, seinen Erzfeind zu besiegen und in das Himmelreich einzuziehen ?

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Der Kampf zwischen den guten und den bösen Mächten der Welt ist ein ewiger, ein zeitloser. Manchmal aber liegt das Schicksal in der Hand eines einzelnen, besonders mächtigen Kriegers. Die Bürde, das entscheidende Zünglein an der Waage zu sein ist eine erdrückende – doch ist sie zu ertragen, auf dass das die ein oder andere Seite den Sieg davontragen möge… nun, was wie ein Werbespruch für einen x-beliebigen Superheldenfilm anmuten könnte, trifft im Kern auch auf THE MONKEY KING zu. Nur, dass der Titelheld in diesem Fall eine Art Menschenaffe ist – ein eher ungewöhnliches Phänomen, zumindest in der westlichen Popkultur. Im fernen Osten; genauer gesagt in China ist der titelgebende Affenkönig aber tatsächlich eine Art Superheld; der in erster Linie durch eine alte, längst berühmte Geschichte bekannt wurde. Diese horcht auf den Titel JOURNEY TO THE WEST, stammt aus dem 16. Jahrhundert – und wurde hier und da bereits von einigen Künstlern aufgegriffen. Der neueste Coup, der 3D-Film THE MONKEY KING von Cheang Pou-Soi; verspricht dabei mit einem Staraufgebot und so noch nie dagewesenen Special Effects großes. Auch wenn momentan noch unklar ist, in wie weit er international vermarktet werden wird; soll an dieser Stelle schon einmal ein genauerer Blick auf jenes potentiell interessante Machwerk geworfen werden.

Und auch wenn es besonders interessant erscheint auf die Geschichte und die Charaktere von THE MONKEY KING einzugehen, stellt sich dem Zuschauer zunächst ein anderes Element in den Weg. Zweifelsohne handelt es sich dabei um eines, mit dem der Film in der jeweiligen Zuschauergunst aufsteigen oder fallen wird… die Rede ist von den optischen Aspekten. Tatsächlich setzt THE MONKEY KING ab der ersten Sekunde auf eine schiere Flut an computergenerierten Bildern, die sich durch die gesamte Kulisse ziehen. Seien es die überall umherlaufenden Tier- oder Götterwesen, die Flora und Fauna; ja selbst die Hintergründe und simpelsten Räume, Bodenbeläge und vieles mehr entstammen komplett aus der CGI-Trickkiste. Wenn man Glück hat, entdeckt man hie und da ein natürliches Element – und wenn es nur die Darsteller und deren kuriose Kostüme und / oder Masken sind. Dies führt dazu, dass THE MONKEY KING einen recht künstlichen, abgedrehten Touch erhält – was offenbar von den Machern gewollt war. THE MONKEY KING ist also vielmehr eine Art Cartoon oder Anime (wenn auch nicht im eigentlichen Sinne) als ein handelsüblicher Film – derart Over-The-Top fiel schon lange kein Fantasy-Spektakel mehr aus; selbst für Fernost-Verhältnisse wird hier so mancher Rahmen gesprengt.

Und auch wenn dies irgendwie zum Konzept und zu den sonst nur schwerlich zu lösenden Szenen (Stichwort: Kampf im Himmel) zu passen scheint, offenbaren sich bereits an dieser Stelle mehrere Probleme. Zum einen ergibt sich eine markante, bitter nötige Gewöhnungsphase – die dem Zuschauer jedoch kaum eingeräumt wird; schöpft man bereits in den Anfangsszenen des Films aus dem (künstlichen) Vollen. Zum anderen aber, und das wiegt eventuell noch etwas schlimmer; scheinen die CGI-Ergüsse nicht auf der Höhe der Zeit zu sein. Die bildlichen Gesamtkompositionen wirken oftmals wirr und durcheinander, immer wieder stechen besonders künstlich erscheinende Elemente hervor und entpuppen sich als deftige Atmosphäre-Hemmer. Entweder sind jene qualitativen Einbrüche dem Budget zuzuschreiben – oder aber einer gewissen Nachlässigkeit der Macher. In jedem Fall aber führen sie dazu, dass der Film kaum mit anderen modernen Blockbustern konkurrieren kann, die eventuell etwas weniger Effekte besitzen – dafür aber wesentlich stilsicherer wirken. Dennoch kann THE MONKEY KING dank der völlig überzeichneten und wahnwitzigen Bilder streckenweise eine makabere Faszination entfachen – zwar nicht im eigentlichen Film-Sinne, aber mindestens als erweitertes Musikvideo für den durchaus stimmigen, westlich klingenden Bombast-Soundtrack.

Doch während sich an den technischen Aspekten die Geister scheiden werden, verhält es sich in Bezug auf den eigentlichen Inhalt, die Charakterporträts und die letztendlich erzielte Wirkung leider nicht mehr ganz so ambivalent. Hier regiert die pure Einfachheit; die insofern einen Reiz hat als dass sich jegliche potentielle kulturellen Barrieren (zwischen der westlichen und östlichen Welt) erübrigen – doch ein wenig mehr Substanz hätte es schon sein dürfen in Anbetracht der klassischen Vorlage. Letztendlich besteht THE MONKEY KING aber nur aus aneinandergereihten Actionszenen und äußerst marginalen, oberflächlichen Charakterporträts – ähnlich einem Märchen. Es reicht, dass man ein ungefähres Bild vom jeweils personifiziertem Bösen und Guten erhält; selbst die Charakterzüge des Hauptprotagonisten beschränken sich entweder auf eine ausgelassen-naive Fröhlichkeit oder aber einen völligen Zerstörungswahn. Der resultiert vornehmlich aus der leichten Manipulierbarkeit des Affenkönigs – dem eigentlichen Dreh- und Angelpunkt der Story. Unklar ist indes, ob man mit jener Beschreibung einer Manipulation (die durch das personifizierte Böse erfolgt und gegen das personifizierte Gute gerichtet ist) bereits zu viel, oder eigentlich schon alles über den Film gesagt hat.

Fazit: THE MONKEY KING gibt inhaltlich nicht viel her, hat eine recht gewöhnungsbedürftige Optik und wirkt stellenweise sogar absolut lächerlich – auch in Momenten, in denen dies wohl eher nicht beabsichtigt war; beispielsweise wenn etwaige höhergestellte Götter erscheinen. Eigentlich sollte dies selbst für einen so kunterbunten und herrlich übertriebenen Film wie diesen das aus bedeuten. Doch kurioserweise wohnt im etwas besonderes inne; etwas was nur schwerlich in Worte zu fassen ist. Vielleicht hängt dies mit der eigentlichen Wirkungskraft der Buchvorlage zusammen – die zumindest stellenweise eingefangen werden konnte. In manchen Szenen, beispielsweise die in denen der eigentlich herzensgute Affenkönig unbeschwert durch die mysteriösen Götterwelten wandelt (und natürlich fliegt), dabei reichlich Schabernack treibt und hie und da mal seine Fähigkeiten unter Beweis stellt – macht der Film schlicht einen Heidenspaß und weiß verdammt gut zu unterhalten. Zwar reicht das nicht für eine uneingeschränkte Empfehlung und schon gar nicht für eine Stärkung des Gedankens, dass der Film auch international durchstarten könnte – aber immerhin bleibt es bei einem Geheimtipp für alle Fernost-Freaks und experimentierfreudige Cineasten.

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„Wenn man den Film nicht als Film versteht, klappt es.“

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2 Gedanken zu “Filmkritik: „The Monkey King“ (2014)

  1. Wo hastn den ausgegraben? 🙂 Die Chinesen dachten sich „3D? CGI? Was die Amerikaner können, können wir schon lange und besser. (sprich: übertriebener). ^^ Der zweite Screenshot, also der kleine rechts…WTF….sieht aus wie aus nem Game. lol

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    1. Ich bin doch immer offen für alles… und erst Recht, wenn Ansätze des epischen vorhanden sind. Ein witzelnder, aber äußerst kampferprobter Affenkönig im Kampf zwischen Himmel und Hölle ? Sweet^^

      In diesem Fall war es dann aber wohl doch etwas zu viel des Guten… leider. Dennoch überlege ich, mir das Ganze bei Zeiten auf Blu-Ray zu sichern… das schreit (zumindest teilweise) nach einer Slideshow, hehe 😉

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