Filmkritik: „In Time – Deine Zeit Läuft Ab“ (2011)

in-time_500

Originaltitel: In Time
Regie: Andrew Niccol
Mit: Amanda Seyfried, Justin Timberlake, Cillian Murphy u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 109 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Science Fiction / Thriller
Tags: Zeit ist Geld | Zeitwährung | Zukunft | Futuristisch | Dystopie

Armbanduhren sind überflüssig.

Kurzinhalt: In der nahen Zukunft ist den Wissenschaftlern ein gewaltiger Coup gelungen. Sie schafften es, den Alterungsprozess der Menschen aufzuhalten – was vielen ein längeren Leben ermöglicht. Doch nicht jeder profitiert von der potentiellen Unsterblichkeit. Um der Überbevölkerung entgegenzuwirken, wurde die Zeit kurzerhand als neue Währung eingeführt – Menschen zahlen nicht mehr aus ihrem Portemonnaie, sondern indem sie ihren Arm und die darin enthaltene Zeituhr scannen lassen. Der aus ärmlichen Verhältnissen stammende Will Salas (Justin Timberlake) trifft eines Tages auf einen Mann, der noch mehr als Hundert Jahre auf seiner Lebensuhr hat – und beschützt ihn vor einigen besonders hartnäckigen Dieben. Als Dank erhält er die Hundert Jahre, kurz bevor der mysteriöse Fremde Selbstmord begeht – und sich die Behörden an Will’s Fersen heften. Die erleben zwar so manches, doch glauben sie nicht an ein derart großzügiges Geschenk eines Fremden – und nehmen die Will geschenkte Zeit in Gewahrsam. Der sieht fortan keine andere Möglichkeit, als die wohlhabende Bankierstochter Sylvia Weis (Amanda Seyfried) zu entführen – und deren mächtigen Vater (Vencent Katheiser) zu erpressen. Jedoch entwickelt sich aus der zufälligen Begegnung der beiden immer mehr… sie kommen sich näher, und bilden als ungleiches Duo eine plötzliche erstarkende Widerstands-Front gegen die korrupte Zeit-Gesellschaft.

in-time_00

Kritik: Achtung, Spoiler ! Zwischen guten und schlechten Filmen gibt es eine riesige Grauzone. Eher eine Seltenheit aber sind Filme, denen eine oder mehrere explizite Frechheiten innewohnen – bei denen man sich nicht einmal die Mühe macht diese geschickt zu tarnen. Eine solche Ausnahme in Filmform ist nun auch IN TIME. Zwar bleibt es hier bei nur einer einzelnen Frechheit – doch wiegt sie in Anbetracht dessen dass sie sich Prämisse schimpft, ungleich schwerer. Denn auch wenn die Idee einer futuristischen Gesellschaft mit einer Art Zeitwährung auf eine krude Art und Weise interessant erscheint; sie wird in diesem Fall mehr als unausgereift umgesetzt. Das liegt hauptsächlich daran, dass der Film keinerlei Anstalten macht das Gezeigte auch nur ansatzweise zu erklären respektive eine stimmige Erzählkulisse zu schaffen – so unglaubwürdig und konstruiert etwaige Inhalte auch erscheinen, man ist angehalten sie kommentarlos hinzunehmen. Und das bereits ab der ersten Minute des Films – der sofort und unvermittelt beginnt, nachdem die futuristisch-unglaubwürdige Ausgangssituation in einem kleinen Nebensatz abgehandelt wurde. Wie genau man die Möglichkeit eines vermeintlich unendlichen Lebens verwirklicht hat, wie die neue Zeit-Währung an sich funktioniert, welche Manipulationsmöglichkeiten sich ergeben; all das sieht IN TIME nicht vor zu erwähnen. Die Folge ist, dass sich der Film innerhalb einer Rekordzeit selbst disqualifiziert – und wer auf Besserung hofft, wird im weiteren Verlauf ebenfalls enttäuscht.

Gut, man sollte von einem (Hollywood-)Film wie diesem vielleicht auch kein allzu ausgefeiltes Science-Fiction-Konzept erwarten – doch wenn sich die Darstellungen durch die stark vereinfachte und schlichtweg plumpe Herangehensweise derart einer unfreiwilligen Lächerlichkeit preisgeben, dann wurde die ein oder andere Grenze bereits überschritten. Sicher könnte man nun dahergehen und sagen, dass mit der erwähnten Prämisse vielmehr eine Sensibilisierung des Zuschauers erreicht werden soll und sie allein dafür nicht durch und durch stichhaltig ausfallen muss. Sicher erreicht man dies auch, man wird automatisch dazu angehalten sich mit Begrifflichkeiten wie Armut (in mehrerlei Hinsicht) oder sozialer Ungerechtigkeit auseinanderzusetzen. Dies entschuldigt aber noch lange nicht die absolute Dreistig- und Ideenlosigkeit, mit der die Macher vorgegangen sind. Denn: um das Gefälle zwischen arm und reich zu thematisieren, hätte man die Story theoretisch auch komplett ohne den nunmehr fehlgeschlagenen Science Fiction-Rahmen zeichnen können. Stichwort Macher: von einem Regisseur, der unter anderem für überdurchschnittliche, ebenfalls nicht ganz (Gesellschafts-)Kritik-freie Dramen wie GATTACA verantwortlich war, hätte man wesentlich mehr erwarten können.

Damit IN TIME also überhaupt noch eine Chance hat, bleibt nur ein gedanklicher Schachzug: man muss die krude Prämisse komplett ausblenden. Dass dies kein besonders schweres Gedankenexperiment darstellten würde, zeigt sich schließlich auch an der restlichen Welt von und in IN TIME. Bis auf die grellgrün-leuchtenden Unterarme mit der verbleibenden Restzeit der Menschen lässt hier nur wenig darauf schließen, dass sich das Ganze in der Zukunft abspielt – eher scheint gegenteiliges der Fall zu sein. Selbst wenn dies unter Umständen so beabsichtigt war, zeugt es nicht gerade von einem visionären Geist der Verantwortlichen – die an der hier gezeichneten Welt so gut wie gar nichts verändern mussten; es sei denn man zählt das Sperren einiger Straßenzüge zu besonders aufwendigen Maßnahmen. Lässt man also all jene Elemente in den Hintergrund rücken und reduziert den Film auf das, was er im Kern auch ist – so bleibt ein halbwegs flotter Action-Thriller, der durch die beiden grundverschiedenen Hauptprotagonisten eine gewisse BONNIE & CLYDE-Atmosphäre erhält.

Allerdings auch kein besonders guter – denn alles was sich hier abspielt, hat man so schon in ähnlicher Form auf der Leinwand gesehen. Ein junger Mann aus ärmlichen Verhältnissen, der sich langsam einen Weg zur ‚Obrigkeit‘ bahnt und Gerechtigkeit einfordert – und eine junge, hübsche und reiche Höhergestellte, die langsam aber sicher genug hat von ihrem eintönigen Luxusleben und sich nur allzu gerne vom Abenteuer und der Gefahr leiten lässt. Nicht nur, dass es sich dabei um  absolute Standard-Zutaten handelt; die gesamte weitere Aufmachung des Films offenbart auch keinerlei weitere Überraschungen. Die Charakterdarstellungen bleiben wie die Dialoge weitestgehend flach, die Interaktionen zwischen nunmehr gesetzlosen und der Exekutive des Staates handzahm und unspektakulär. Vielmehr ist es so, dass der Film aus einigen sich stets wiederholenden Elementen zusammensetzt – die sich vor allem auf die immer wieder stattfindenden Blicke auf die (Lebens-)Uhren sowie etwaige Verfolgungsjagden beziehen. Die somit erzeugte, verdächtig künstlich anmutende Spannung wird dabei nicht einmal von einem besonders furiosen Finale gekrönt – IN TIME bleibt stets vorhersehbar, und trotz seiner Ambition alles andere als weltbewegend in seiner Wirkung.

Eine positive Überraschung, mit der man unter Umständen eher nicht gerechnet hätte; gibt es dann aber doch noch. Tatsächlich scheinen die Rollen für IN TIME perfekt gecastet worden zu sein; selbst der Hauptdarsteller Justin Timberlake agiert für seine Verhältnisse recht überzeugend. Die hier dezent puppenhaft anmutende Amanda Seyfried gibt einen starken Counterpart; während auf der Seite der Bösewichte vor allem Vencent Katheiser als Vater und Cillian Murphy als Time-Cop positiv auffallen. Leider gilt: die hier beteiligten ergeben zwar einen guten und potentiell stimmigen Cast, doch bleiben sie aufgrund des Drehbuchs weit hinter ihren eigenen Möglichkeiten zurück. Optik und Sound von IN TIME sind mit den Merkmalen anderer mittelmäßig groß angelegter Hollywood-Produktion zu vergleichen – ein allzu hohen Budget wurde nicht verpulvert, dafür halten sich die reinen Schauwerte in Grenzen. Ein etwas zu glattgeschliffener Eindruck und eine 08/15-Kameraarbeit führen indes dazu, dass weitere Atmosphäre-Einbußen Einzug halten – was vom manchmal etwas zu pompösen Soundtrack unterstrichen wird.

Fazit: IN TIME ist absolut nichts für eingefleischte Science Fiction-Jünger, die neben interessanten Charakteren und einer halbwegs attraktiven Grundgeschichte auch ein wenig Stoff zum Träumen und Phantasieren serviert bekommen möchten. Den Machern ist somit etwas gelungen, was man so nicht für möglich gehalten hätte: es ist weitaus inspirierender sich in Bezug auf die Zeit-Prämisse (s)eine ganz eigene Geschichte auszumalen, als sich die ausgeführte Version mit IN TIME anzusehen. Im besten Fall kommen hier Thriller-Fans auf ihre Kosten – sofern sie kein Problem mit einer generellen Ideen-Armut haben, sich nicht an den lediglich plump angeschnittenen Sci-Fi-Elementen stören und desweiteren auf einen stimmig umgesetzten Spannungsbogen verzichten können. Alles in allem bleibt der Film weit hinter seinen Möglichkeiten zurück, und bietet dem Publikum nunmehr genau das, was man sich eher nicht gewünscht hätte: absolut standardisierte Genrekost mit zahlreichen Logik-Fehler oder eher -Lücken.

border_01

„IN TIME, oder: eine relative Zeitverschwendung, leider.“

filmkritikborder

Über Kommentare Freut Sich Jeder.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.