Metal-CD-Review: DARK MOOR – Shadowland (1999)

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Alben-Titel: Shadowland
Künstler / Band: Dark Moor (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 1999
Land: Spanien
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Arise Records

Alben-Lineup:

Elisa C. Martín – Vocals
Roberto Peña de Camús – Keyboards
Jorge Sáez – Drums
Anan Kaddouri – Bass
Albert Maroto – Guitars
Enrik García – Guitars

Track-Liste:

1. Shadowland (00:36)
2. Walhalla (06:57)
3. Dragon Into the Fire (05:05)
4. Calling on the Wind (05:04)
5. Magic Land (04:58)
6. Flying (06:40)
7. Time Is the Avenger (07:11)
8. Born in the Dark (05:06)
9. The King’s Sword (05:50)
10. The Call (bonus track) (06:51)

Es war einmal…

Es gibt mindestens zwei Arten von Debütalben später enorm bekannt gewordener Bands. Die einen gelten als nahezu perfekt und unantastbar, gehen so gesehen direkt in die (Band-)Geschichte ein – und die anderen könnten rückblickend betrachtet noch etwas mehr Feinschliff vertragen. Zu welcher Kategorie das 1999’er Album SHADOWLAND der spanischen Symphonic Power Metal-Combo DARK MOOR gehört, liegt auf der Hand. Denn schon bevor man dazu kommt auf den eigentlichen musikalischen Inhalt einzugehen, stellt sich ein mitunter recht auffälliges Element in den Vordergrund – eines, welches den Hörgenuss leicht zu trüben vermag. Die Rede ist von der Produktionsqualität, die für ein Debüt einer damals noch recht unbekannten Bandcombo sicherlich recht passabel ist, sich im direkten Vergleich mit den Debüts anderer Genrebands aber kaum messen kann. Bei härteren Genrevertretern ist oftmals die Rede von einer ‚Garagenproduktion‘ – ein Begriff, den man auch auf SHADOWLAND anwenden könnte. Die durchaus vorhandenen symphonischen Komponente kommen durch den allgemein schwachbrüstigen Klang kaum zur Geltung, die Drums klingen arg artifiziell und programmiert; der Mix im gesamten ist wenig zufriedenstellend und lässt viele Wünsche offen.

Aber: dass das Album viele Wünsche offen lässt, ist so gesehen ein gutes Zeichen – zumindest in diesem Fall. Das Songwriting von und auf SHADOWLAND ist überraschenderweise geradezu phänomenal, die Abwechslung und Spielfreude enorm. Legt man ein Album wie dieses ein, ist ein frischer Wind vorprogrammiert – und das trotz oder gerade wegen der eher typischen, äußerst stimmig vorgetragenen Fantasy-Inhalte. SHADOWLAND bietet eine Ansammlung von potentiellen Genre-Hymnen mit antreibenden Tempi, flotten Riffs und recht dick, aber nur selten zu dick aufgetragenen symphonischen Elementen – und wird zudem durch die absolut einzigartige Stimme der Frontfrau Elisa C. Martin veredelt. Jene spanische Rockröhre war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung von SHADOWLAND bisher nur in der Band SABATAN tätig – sollte später aber zu einem echten Geheimtipp in der Metal-Szene avancieren. Und das zu Recht: bereits hier kann man hören, dass Frau Martin nicht nur unverwechselbar kräftig klingt, sondern alle Inhalte stets mit einer enormen Passion vorträgt. Diese Einzigartigkeit sollte es auch sein, die die nächsten Alben von DARK MOOR ausmachen sollte – den Grundstein dieses Werdegangs näher zu ergründen ist spannend und nicht zuletzt rein akustisch ein Genuss.

Wenn, ja wenn einem da nicht dieser eher unvorteilhafte Produktionsfaktor in den Weg käme. Die Gesangsparts schneiden hier allerdings noch deutlich besser ab als die instrumentalen – auch wenn hie und da etwas merkwürdige Hall-Effekte zum Vorschein kommen (TIME IS THE AVENGER). Der stellenweise auftretende Chorgesang aber bleibt deutlich hinter den Erwartungen zurück, das Ganze klingt eher plump und mehr als ausbaufähig – auch hier ist der sonst recht markante Titel TIME IS THE AVENGER als Paradebeispiel zu nennen. Doch selbst wenn man sich einstweilen etwas anstrengen und seine Fantasie anberaumen muss um in den vollen Genuss des Albums zu kommen, so wissen doch zumindest die Tricks und Kniffe an den Gitarren (gespielt vom Duo Albert Maroto und Enrik García) vollends zu überzeugen. Die hier transportierten Stimmungen wirken zudem etwas düsterer und vielleicht auch ernsthafter als die so mancher Genrekollegen – was man durchaus als Vorteil auslegen könnte. Sicher, auf eine gewisse Art und Weise klingen auch DARK MOOR eingängig, verspielt und hymnisch – und nähern sich somit schnell an potentielle Vorbilder wie RHAPSODY an. Doch sind sie weit mehr als eine bloße Kopie. Sie erfinden den symphonischen Power Metal nicht neu, was sie auch nicht unbedingt müssen – doch kommen zumindest mit einer verdammt erfrischenden Interpretation jener beliebten Spielart daher.

Wäre da nicht der markant störende, oder zumindest negativ auffallende Faktor der schwachen Produktion; so hätte aus SHADOWLAND ein weiteres jener kultigen Debütalben werden können, die man in so mancher Diskografie heutzutage etablierter Symphonic Power Metal-Bands findet. Sei es drum – es ist allemal besser das Album in dieser Form in der Hand halten zu können, als auf eine Remastered-Version mit den aktuellen Mitgliedern der Band zurückzugreifen. Die gibt es (noch) nicht, aber wer weiß; ob das Material nicht doch noch einmal aufgearbeitet werden wird. Verdient hätte es das allemal – doch ohne Elisa C. Martin wäre es vermutlich nur halb so schön und weitaus weniger prägnant. Alle Gerne-Fans und jene, die an der Diskografie von DARK MOOR interessiert sind, sollten dieses Album also definitiv in ihren Regalen haben – auch wenn der nötige Feinschliff fehlt. SHADOWLAND ist ein typisches, aber irgendwie doch herausragendes Genrealbum; welches stimmig inszeniert wurde und ein nachhaltiges Gefühl für die hier vorgetragenen Fantasy-Sagen vermittelt.

Absolute Anspieltipps: WALHALLA, DRAGON INTO THE FIRE, MAGIC LAND, THE KING’S SWORD


60button

„Ein einzigartiges Debütalbum, dem lediglich der nötige Feinschliff fehlt.“

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