Filmkritik: „Land Of The Dead“ (2005)

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Originaltitel: Land Of The Dead
Regie: George A. Romero
Mit: Simon Baker, Asia Argento, Dennis Hopper u.a.
Land: Frankreich, USA, Kanada
Laufzeit: ca. 93 Minuten
FSK: ab 18 freigegeben
Genre: Horror
Tags: Zombies | Untote | Hochhaus | Überlebende | Apokalypse | Tod

Auch Untote sind lernfähig.

Kurzinhalt: Im Zuge einer gravierenden Zombie-Apokalypse haben sich die letzten Überlebenden in kleinen Gruppen zusammengeschlossen, um ein halbwegs soziales und sicheres Leben zu führen. Doch nicht alle haben es so gut wie der skrupellose Geschäftsmann Kaufman (Dennis Hopper), der sich ein riesiges Hotel zu eigen gemacht hat und nun mit eiserner Hand über seine zumeist wohlhabenden Mieter herrscht. Die Durchschnittsbevölkerung lebt dagegen auf der Straße, und setzt auf den Schutz durch zahlreiche bewaffnete Freiwillige – wie etwa Riley (Simon Baker), der sich von Kaufman abgewandt hat und selbst in den dunkelsten Zeiten an das gute in den Menschen glaubt. Dumm nur, dass sich sein Kollege Cholo (John Leguizamo) immer mehr von ihm abzuwenden scheint – und einen Feldzug gegen Kaufman beginnt. So kommt es auch, dass Cholo eines der wichtigsten Fahrzeuge der Gruppe stiehlt, einen schwer gepanzerten Bus. Der ist nicht nur eine fahrende Festung, sondern verfügt zudem über eine handvoll besonders starker Raketen – Waffen, die Cholo gegen Kaufman und sein vermeintlich sicheres Luxus-Gebäude einsetzen will, wenn dieser nicht für eine noch offene Schuld aufkommen würde. Kaufman bleiben nicht mehr viele Optionen – entweder er würde das Geld auszahlen, oder aber er müsste Cholo unschädlich machen. Dafür setzt er ausgerechnet auf den alles andere als skrupellosen Riley, den er kurzerhand dazu überredet ihm sein Fahrzeug wiederzubeschaffen. Wie wird er sich entscheiden ?

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Und er macht gnadenlos weiter… die Rede ist von George A. Romero, einem der Mitbegründer des modernen Zombiefilm-Genres. Nach seiner überaus erfolgreichen und für das Genre maßgebenden Zombie-Trilogie, die im Jahre 1968 mit DIE NACHT DER LEBENDEN TOTEN (Review) begann, ist sein 2005’er Werk LAND OF THE DEAD quasi der vierte Teil der Reihe – und somit der (wenn auch inoffizielle) Nachfolger zum 1986’er Film ZOMBIE 2 – DAY OF THE DEAD (Review). Dass die Filme aber wenn überhaupt nur thematisch  zusammengehören, merkt man spätestens nach den ersten Minuten des neuen Films. Denn: nicht nur George A. Romero hat sich weiterentwickelt, auch das Genre selbst. In diesen Zeiten noch etwas halbwegs neues, frisches auf die Beine zu stellen war sicher eine interessante Aufgabe – aber wenn es der Schöpfer des Zombiefilms (so wird er manchmal betitelt) nicht schaffen sollte, wer dann ?

Und so geht LAND OF THE DEAD über weite Strecken neue Wege. Nicht unbedingt für das mittlerweile kunterbunte Genre, aber zumindest in Hinblick auf George A. Romeros bisherige Filmografie. Denn: die ehemals trägen, lediglich ihren Urinstinkten folgenden Zombies avancieren erstmals zu halbwegs intelligenten Wesen, die durch eine Art Anführer geleitet werden. Somit ist es den Kreaturen nicht nur möglich, recht organisiert vorzugehen – auch sind sie in der Lage, einiges dazuzulernen und durch eine angedeutete kollektiv-Intelligenz denselben Fehler nicht zweimal zu begehen. Es ist reichlich spannend, George A. Romeros Interpretation dieser neuen Untoten zu erleben; insbesondere da etwaige gesellschaftliche Seitenhiebe nun noch deutlicher zum Vorschein kommen. Dass Romero auch dieses Mal eine wichtige Rolle mit einem farbigen Darsteller besetzte, ist dabei sicher kein Zufall – wer also schon bisher etwas mehr in seinen Filmen sah als eine bloße, blutige Zombie-Hatz; der wird auch dieses Mal voll auf seine Kosten kommen.

Das Problem ist nur, dass eine derartige Aufwertung der Zombies förmlich nach einer guten Story schreit – die man in LAND OF THE DEAD jedoch nicht wirklich serviert bekommt. Die grundsätzliche Plot-Idee mag noch akzeptabel sein, doch spätestens mit der Umsetzung fängt das Desaster an. Weder erhält man als Zuschauer ein gutes Gefühl für die Charaktere und ihre (festgefahrene) Situation, noch ist man geladen wirklich tief in die hier gezeichnete Welt vorzudringen, respektive sich atmosphärisch auf die einzustellen. Zweifelsohne liegt das an der eher oberflächlichen und viele Logikfehler zulassenden Erzählweise, die den Fokus stets auf die vielen kleineren Ereignisse legt – das potentielle große Ganze aber vollkommen außer Acht lässt. Gerade das gelang Romero in früheren Zeiten deutlich besser. LAND OF THE DEAD wirkt über weite Strecken wie ein verkapptes Kammerspiel, dass auf einen besonderen (menschlichen) Zweikampf als Höhepunkt ausgerichtet ist – in dem die Zombies fatalerweise eine eher untergeordnete Rolle spielen.

Aber auch hinsichtlich der Atmosphäre funktioniert längst nicht mehr alles so direkt und stimmig wie dereinst. Zu großen Teilen regiert eine bedrückende, apokalyptische Stimmung – die im Zusammenspiel mit der schwachen Beleuchtung dafür sorgt, dass sich LAND OF THE DEAD stark an das eigentliche Horrorgenre annähert. Auch die eher ernsthafte Ambition der Darsteller, sowie die explizit ausgeführten zwischenmenschliche Konflikte lassen einen gerne mal an einen Horrorfilm mit explizitem Charakterbezug denken – aber nicht wirklich an einen klassischen Zombiefilm. Gerade im späteren Verlauf aber wird dann doch noch das Kunstblut ausgepackt – hier reiht sich die eine heftige Splatter-Szene an die nächste. Der Unterhaltungswert wird entsprechend gesteigert, George A. Romero ist in seinem Element – doch wirklich harmonisch und szenentechnisch aufeinander abgestimmt wirkt der Film im Gegensatz zu seinen Vorgängern nicht mehr. Mal wirkt der Film geradezu peinlich ernst, mal wird eine beherzte Grusel-Stimmung etabliert, mal regiert der pure Slapstick – das Ergebnis ist eine bunte Ansammlung von Szenen, die auf ein vergleichsweise schwaches Story-Gerüst bauen und letztendlich in keinster Weise wirklich überzeugen können.

Auch die sich hart am Rande des Overactings bewegenden, und zudem etwas unpassend erscheinenden Darsteller können das Ruder nicht mehr herumreißen. Zu charmant und bubihaft wirkt der eigentliche Hauptdarsteller Simon Baker, während sein bester Freund und späterer Gegenspieler John Leguizamo den machohaften Bad-Boy gibt – und zwar durchgehend. Ihre stereotypen, stark reduzierten Charakterporträts werden nur noch durch die übertrieben-comichafte Zeichnung des Oberbosses Kaufman getoppt – Dennis Hopper scheint zwar optisch in das Konzept zu passen; von einem wie auch immer gearteten Schauspiel ist indes kaum zu sprechen. Doch auch die technische Komponente des Films lässt zumindest teilweise zu wünschen übrig: die Effekte (Feuereffekte, duplizierte Zombies in Massenszenen) wirken verdächtig plump, die Kameraführung ist hektisch – was im Zusammenspiel mit der allgemeinen Dunkelheit nur selten tief blicken lässt. All das wäre vielleicht noch gar nicht so schlimm, hätte man zumindest einige Schlüsselszenen intelligenter inszeniert – wie etwa die Momente, in denen die Zombies durch Zäune oder Türen brechen. Denn: so wie es im Film dargestellt wird, wird kaum ersichtlich warum die Überlebenden überhaupt Probleme damit haben, etwaige Angriffe zurückzuschlagen.

Fazit: LAND OF THE DEAD ist zwar ein Film des Zombie-Altmeisters George A. Romero, aber auch ein Film zahlreicher Probleme. Die mitunter gravierendsten sind dabei die zahlreichen inhaltlichen Missstände und der fehlende Feinschliff hinsichtlich einer eindeutigen Marschrichtung. Weder kann ihm eine durchgehend ernstgemeinte Ambition (wie zu den Anfangszeiten des Genres), noch ein nennenswerter Unterhaltungsfaktor zugeschrieben werden – LAND OF THE DEAD pendelt irgendwo dazwischen und fühlt dabei nicht selten etwas gezwungen und / oder plump an. Potentielle gesellschaftliche Seitenhiebe hin oder her – ein Zombie-Film wie dieser sollte nicht gleich all seine Grundsätze über Bord werfen. Denn: an das klassische Zombiefilm-Genre erinnert hier nur noch wenig. Die ’neuen‘, nun wesentlich intelligenter agierenden Zombies hätte man sicher noch vernünftig in ein gutes Konzept einbauen können – doch die vielen Logikfehler, die unzähligen unglaubwürdigen Handlungen und Ereignisse sowie die allgemeine Vorhersagbarkeit machen den Film zunichte. Dann doch lieber die Orginal-Trilogie – sollte Romero eine weitere planen, nimmt diese schon einmal keinen guten Anfang.

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„Neue Wege gehen ja – aber nicht um jeden Preis“

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4 Gedanken zu “Filmkritik: „Land Of The Dead“ (2005)

        1. Du meinst wohl „Diary of the Dead“…schwierig…ich hab ihn zwar tatsächlich auch schon gesehen, aber ich erinnere mich da so wenig daran, dass ich keine ernsthafte Wertung abgeben kann derzeit. Aber in der Tat, ich habe ihn auch nicht gerade positiv in Erinnerung. ^^

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