Filmkritik: „Das Fünfte Element“ (1997)

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Originaltitel: The Fifth Element
Regie: Luc Besson
Mit: Bruce Willis, Gary Oldman, Ian Holm u.a.
Land: Frankreich, USA
Laufzeit: ca. 126 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Science Fiction / Action
Tags: Zukunft | Weltuntergang | Elemente | Außerirdische | Weltraum

Fünf Elemente auf Abwegen.

Kurzinhalt: Im New York des Jahres 2214 sieht alles ein klein wenig anders aus als man es kennt. Die Wolkenkratzer sind um ein vielfaches gewachsen, der Stadtverkehr führt nun nicht mehr durch die Straßen – sondern durch die Luft. Dies ist auch der Arbeitsplatz des ehemaligen Militärs Korben Dallas (Bruce Willis), der sich hier als Taxifahrer verdingt. Eines Tages fällt ihm dabei ein blinder Passagier in den Schoß – es ist die hübsche Leeloo (Milla Jovovich), die offenbar von den Behörden verfolgt wird. Korben entschließt sich, ihr zu helfen – und erfährt bald darauf, was es mit dem mysteriösen Mädchen auf sich hat. Angeblich ist sie nicht weniger als ein höheres Wesen, welches auf die Erde entsandt wurde um sie vor einer großen Gefahr zu retten – einer außerirdischen Gefahr, die alle 5000 Jahre erscheint und die Existenz allen Lebens bedroht. Der zweifelnde Korben kann kaum glauben, was er da hört – doch die zahlreichen Verfolger, zu denen sich nun auch noch ein seltsamer Geistlicher (Ian Holm) mit seinem Assistenten gesellt, scheinen dem Mädchen Recht zu geben. Um dem Rätsel auf die Spur zu kommen, werden jedoch noch 4 mächtige Artefakte benötigt; 3 in Steinform gemeißelte Elemente. Und so machen sich Korben und seine neue Bekanntschaft auf, um die Steine von einer außerirdischen Opernsängerin zu erhalten… dumm nur, dass bereits einige vom geplanten Übergabeort wissen.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Luc Besson’s DAS FÜNFTE ELEMENT lässt sich wahrlich nicht vorschnell in eine vorgefertigte Kategorie stecken. Doch was bei anderen Filmen schnell zu einer Art Ausschlusskriterium werden kann, setzt sich in diesem Falle zu einem überraschend stimmigen Ganzen zusammen – trotz, oder gerade wegen der vielen verschiedenen Anleihen. Irgendwo zwischen dem Dasein eines durchaus stilvollen Slapstick-Actioners, einer fantastischen Science Fiction-Opera und einem nur allzu irdischen (Liebes-)Drama entfaltet der Film seine Wirkung – die nicht so leicht zu beschreiben ist, in jedem Fall aber mit einem immensen Unterhaltungswert einhergeht. Schön ist, dass der Film mit so mancher Tradition bricht und dabei mehr als eine handvoll rebellischer, frischer Elemente einstreut. Somit kann DAS FÜNFTE ELEMENT sowohl den eher glattgeschliffenen Glanz eines Hollywood-Blockbusters transportieren; als auch das Flair einer unabhängigen, merklich raueren Independent-Produktion. Dass das überhaupt möglich ist, liegt zweifelsohne an Luc Besson und seiner Ambition, seinen ehemaligen Kindheitsraum respektive europäischen Film für ein breiteres Publikum zugänglich zu machen. Auch hier gilt: was anderswo ein Sakrileg gewesen wäre, verstärkt in diesem Fall die positiven Aspekte des Films. Denn: Besson biedert sich nicht an oder schaltet sich gleich, er passt lediglich einige Elemente dem internationalen Filmmarkt an (vor allem, in dem er auf einen in bester STIRB LANGSAM-Manier agierenden Bruce Willis zurückgreift) – und zieht dennoch sein ganz eigenes Ding durch.

Jedoch sollte man darauf gefasst sein, dass DAS FÜNFTE ELEMENT seine Stärken weniger aus einer inhaltlichen Stichhaltigkeit bezieht – sondern vielmehr aus einer Ansammlung von allgemeinen Kuriositäten. Der zugrundeliegende Plot ist somit fast vollständig zu vernachlässigen; viel mehr als dass wieder einmal die Welt gerettet werden muss braucht man eigentlich nicht zu wissen. Dabei scheinen es ausgerechnet die vielen eher schlechten Ideen zu sein, die den Film zu dem machen was er ist. Sei es, dass man ein Lebewesen (und die dazugehörige Seele, wenn man so will) aus einem minimalen biologischen Restbestand vollständig wiederherstellen kann, sei es dass der Bösewicht ein geradezu selbstzerstörerisches Ziel verfolgt; sei es dass die wichtigen Elementen-Steine im Körper (!) einer Außerirdischen verborgen sind, die gerade im rechten Moment ihr Leben lässt… all das ergibt nur verdächtig wenig Sinn, wird aber von einem äußerst unterhaltsamen Aufbau umgeben. Somit ist es keinesfalls die Story selbst welche den Grundpfeiler dieses Films bildet – sondern das gesamte Drumherum. Wichtig erscheint daher zu erwähnen, dass der Film weniger für Science Fiction-Puristen geeignet ist – selbst wenn diese eine Vorliebe für einen gewissen Humor der Marke Over-The-Top hegen – und er am ehesten zündet, wenn man ihn als (Slapstick-)Actionfilm vor einer etwas anderen Kulisse betrachtet.

Ein Actionfilm, der seine Wirkung vor allem aus den optischen Schauwerten bezieht – die in diesem Fall entsprechend kunterbunt und manchmal sogar nachhaltig beeindruckend ausfallen. Die Abwechslung hinsichtlich der Schauplätze ist enorm, die Sets sind stets liebevoll ausgestattet; die Actionszenen an sich (fliegende Autos, Schießereien, Weltraumszenen) sind rasant und niemals allzu plump inszeniert. Selbst die Effekte sind trotz ihrer Alterserscheinungen grandios und vermitteln eine zeitlose Wirkung – vor allem, da sie perfekt in die allgemeine Szenerie integriert werden. Und auch in den nicht ganz so hübsch anzusehenden Momenten macht der Film eine gute Figur – alles, was hier einen Platz gefunden hat scheint perfekt in das Konzept des Films zu passen. DAS FÜNFTE ELEMENT nimmt sich schließlich nicht allzu ernst (was fatal wäre), sondern ist ein wildes Spaß-Projekt durch und durch. Und doch lassen sich – wenn man so will – gewisse Seitenhiebe entdecken, die man beispielsweise auf die Medienlandschaft beziehen könnte. Dafür steht in diesem Fall vor allem Chris Tucker als selbstverliebt-abgedrehter Radiomoderator Pate, der stets eine gute Show bringen will – komme was wolle. Gerade sein Spiel ist es auch, welches teils hart an etlichen Zuschauer-Nerven zerrt – doch selbstverständlich handelt es sich auch hier um knallhartes Kalkül.

Fazit: Nein, DAS FÜNFTE ELEMENT ist kein absoluter Geniestreich – sondern vielmehr der fleischgewordene Kindheitstraum eines extravaganten französischen Regisseurs. Dass er dennoch und derart aus der Masse an auf Hochglanz polierten Effektfilmen hervorsticht, ist nicht nur seiner inhaltlichen Vielfalt zu verdanken – sondern auch der schöpferischen Freiheit und dem offensichtlichen Ideenreichtum der Macher. Ob man sich hier so manches von potentiellen Vorbildern abgeschaut hat oder nicht – alle Beteiligten scheinen sich ordentlich ausgelassen zu haben. Vor allem die Drehbuchschreiber, der Regisseur und die Darsteller; aber sicher auch das Effekt-Team sowie die Masken- und Kostümbildner. Das Ergebnis ist ein entsprechend buntes, zeitloses Stück Film; welches allein von der Geschichte her keine neuen Wege geht – aber aufgrund der Art der Inszenierung und des ganz speziellen, deutlich spürbaren Flairs eine Empfehlung wert ist.

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„Frankreich trifft auf Hollywood trifft auf bunte Pillen. Wenn dieser Film kein Unikat ist, welcher dann ?“

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