Metal-CD-Review: QANTICE – The Phantonauts (2014)

Alben-Titel: The Phantonauts
Künstler / Band: Qantice (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 12. März 2014
Land: Frankreich
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Radtone Music

Alben-Lineup:

Tony Beaufils – Guitars
Yosh Otias – Violin
Aurélien Joucla – Drums
PelleK – Vocals
Christine Lanusse – Bass

Track-Liste:

1. Bygones (00:56)
2. Epic Fail (04:35)
3. Hoverland (04:44)
4. Phantonaut (04:10)
5. Slayers‘ Jig (04:27)
6. The Last Circus (05:28)
7. Giant of Embers (05:10)
8. Swansong by Syphelia (01:40)
9. The Gest of Nekroxyter (08:55)
10. Stars (05:20)
11. Mild Illusion (02:57)

Auf zum zweiten großen Schlag.

Es gibt noch nicht allzu viele Power Metal-Combos die von sich behaupten, sich in den Gefilden des noch relativ frischen Genres des Cinematic Metals zu bewegen. Grundsätzlich handelt es sich dabei um einen von LUCA TURILLI geprägten Begriff – der aus der von ihm heißgeliebten Symbiose aus einem kräftigen Symphonic Power Metal, orchestralen Elementen und der Filmmusik geboren wurde. Doch auch wenn er wie kein zweiter für jenes neue, so gesehen ganzheitlich-episches Metal-Erlebnis Pate steht, gibt es auch noch andere Bands die auf ähnlichen Pfaden wandeln. QANTICE, eine 2002 gegründete Bandcombo aus Frankreich, ist ein solches Beispiel. Analog zu ihrem 2009’er Debütalbum THE COSMOCINSEY veröffentlichten sie eigens erstelle Musikvideos mit entsprechend fantastischen Filmszenen; im Anschluss wurde sogar ein Roman über jene im Albenkontext erzählten Geschichten veröffentlicht. Auch wenn das Album nicht unbedingt als weit verbreitet bezeichnet werden kann, bekam es weitestgehend Zuspruch von denjenigen, die es erreichen konnte.

Und nun endlich veröffentlicht die Band ihr zweites Studioalbum, THE PANTONAUTS – mit einem ganz ähnlichen Versprechen. Wieder soll eine möglichst fantastische und weitreichende Sage erzählt werden, die es den Hörern nicht schwer machen sollte sich die entsprechenden Bilder zur Musik auszumalen – man nenne es einen Power Metal der Marke Kopfkino. Und doch gibt es ein Problem, welches sich – zumindest theoretisch – in den Weg des Albums stellen könnte; selbst bevor man es überhaupt eingelegt hat. Denn: es gab einen nicht unerheblichen Besetzungswechsel bei QANTICE. Der ehemalige Leadsänger Vincent Pichereau verließ die Band im Jahre 2013 – für ihn kam niemand geringer als PELLEK, der sich durch seine stetiges Engagement immer mehr einen Namen in der Metal-Szene macht. Das ist nur gut und schön, schließlich werden die wenigsten abstreiten dass er über ein bemerkenswertes Talent verfügt. Doch offenbart gerade dieses gleich zweierlei Probleme in Bezug auf seine Mitarbeit bei QANTICE. Zum einen hat er bereits 2 eigene große Musikprojekte am Start (DAMNATION ANGEL’S und PELLEK), sodass es etwas merkwürdig erscheint ihn nun auch bei QANTICE zu erleben – nicht zuletzt die räumliche Distanz zwischen den einzelnen Mitgliedern lässt die neue Besetzung etwas unvorteilhaft erscheinen. Zum anderen, und das wiegt noch deutlich gravierender, ist PELLEK eben PELLEK – das heisst, ein unverwechselbarer Sänger mit einem ureigenen Stil. Ihn nun in die musikalische Welt von QANTICE zu verfrachten, ist ein Wagnis.

Und tatsächlich scheinen die Gesangsparts nicht besonders gut mit den Instrumentalkulissen zu harmonieren. Zumindest wesentlich schlechter, als dies noch mit dem ehemaligen Leadsänger Vincent Pichereau der Fall war. Es fühlt sich vielmehr so an, als würde PELLEK sein ganz eigenes Ding durchziehen, komme was wolle – sodass die Instrumentalparts und der Leadgesang keine wirkliche Einheit bilden. Eher handelt es sich um zwei voneinander getrennte Elemente, die an und für sich – das heißt, einzeln betrachtet – gut funktionieren, in der Gesamtheit aber deutlich hinter dem eigentlichen Potantial von QANTICE zurückbleiben. Doch das ist nicht das einzige Problem des Albums, das vor allem auch Schwächen hinsichtlich des Songwritings offenbart. Wirklich prägnante Refrains, Soli oder atmosphärische Highlights bleiben aus – selbst die hier und da auftretenden Instrumentalpassagen wirken etwas flach und uninspiriert. Gerade das hätte bei einem Album wie diesem keinesfalls passieren dürfen – doch es ist eben, wie es ist. Somit fällt es auch ungleich schwerer als noch auf dem Debüt, in den (inhaltlichen) Mikrokosmos des Albums einzusteigen – bis auf das recht interessante Cover-Artwork macht man kaum Anstalten, den Hörer explizit an das Material zu fesseln.

Und noch etwas fällt auf: auch wenn das Konzept des Cinematic Metals durchaus seinen Reiz hat, kann oder sollte sich wahrlich nicht jeder in diesem Bereich austoben. Was QANTICE auf dem Vorgänger noch recht gut gelungen ist, wirkt hier eher wie ein Album, welches nach einem bunten Baukasten-Prinzip aufgebaut worden ist. Selbst ohne den Gesang können die Instrumentalen Kulissen nicht durchgängig überzeugen – zu gewollt, zu künstlich wirken etliche Anleihen und Einschübe. Überhaupt hätte dem Album ein etwas düsterer oder explizit epischer Touch sicher gut getan – doch gerade unter der Mitwirkung von PELLEK avanciert das Ganze zu einer recht fröhlichen Veranstaltung. Zu allem Überfluss gesellen sich in manchen Momenten auch noch einige Stimmexperimente der eher störenden Art hinzu – die verzerrende Effekte im Titeltrack THE PHANTONAUTS sind einfach nur peinlich und geradezu schrecklich anzuhören. Kurzum: sie vermögen es, beinahe den kompletten Titel zu zerstören.

Aber auch Titel, die auf den ersten Blick nichts falsch machen und grundsätzlich das Potential hätten zu zünden, schaffen oftmals genau das nicht. Ein sehr gutes Beispiel ist hier SLAYER’S JIG mit seinen interessanten Riffs, denen das übermäßig genutzte Keyboard und eine mindestens fragwürdige symphonische Komponente (unpassende klassische Samples, schiefer Chorgesang) entgegensteht. Das darauffolgende LAST CIRCUS dagegen hat weniger mit der instrumentalen, als mit der gesanglichen Komponente zu kämpfen – PELLEK kann zwar vieles, aber um einen Titel wie diesen zu stemmen braucht es wohl noch etwas. Etwas spannender wird es dann erst im späteren Verlauf des Albums, etwa mit dem vielschichtigen THE GEST OF NEKROXYTER. Hier kann man erstmals von einer Art musikalischen Reise sprechen, auf die man als Hörer mitgenommen wird – entsprechende akustische und emotionale Berg- und Talfahrten inklusive.

Schlussendlich muss THE PHANTONAUTS so leider als dezent enttäuschendes Album bezeichnet werden. Zweifelsohne liegt das an der regelrechten One-Man-Show von PELLEK auf der einen, und an der längst nicht mehr so gelungenen kompositorischen Arbeit (im Vergleich zum Debütalbum) auf der anderen Seite. Die hier vertretenen Titel wollen schlicht nicht wirklich zünden – was aber nicht an potentiellen Zugangsschwierigkeiten liegt, sondern vielmehr an der Qualität des Songwritings selbst. Sicher ist das reichlich schade, aber selbst bei einer derart grundsympatischen Bandcombo wie QANTICE einfach nicht zu leugnen. Gegen die mächtige internationale (aber auch heimische, siehe beispielsweise KERION) Konkurrenz können QANTICE so jedenfalls nicht viel ausrichten.

Absolute Anspieltipps: EPIC FAIL, THE GEST OF NEKROXYTER


45button

„Bei weitem nicht so glorreich, wie es hätte werden können.“

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