Metal-CD-Review: GAMMA RAY – Power Plant (1999)

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Alben-Titel: Power Plant
Künstler / Band: Gamma Ray (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 23. März 1999
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Noise Records

Alben-Lineup:

Kai Hansen – Vocals, Guitars
Dan Zimmermann – Drums
Dirk Schlächter – Bass
Henjo Richter – Guitars, Keyboards

Track-Liste:

1. Anywhere in the Galaxy (06:37)
2. Razorblade Sigh (05:01)
3. Send Me a Sign (04:07)
4. Strangers in the Night (06:04)
5. Gardens of the Sinner (05:57)
6. Short as Hell (03:57)
7. It’s a Sin – Pet Shop Boys Cover (04:58)
8. Heavy Metal Universe (05:25)
9. Wings of Destiny (06:26)
10. Hand of Fate (06:12)
11. Armageddon (08:48)

Das Teil zündet einfach Anywhere In The Galaxy.

Oha, das wird nicht leicht... so oder so ähnlich müssen die Hamburger Power-Metaller von GAMMA RAY gedacht haben, als sie an ihrem 1999’er Album POWER PLANT arbeiteten – dem Nachfolger zu ihrem 1997’er Output SOMEWHERE OUT IN SPACE (Review). Schließlich war dieses nicht nur ganz allgemein ein sehr gutes Genrealbum geworden, sondern fungierte (und fungiert) bei vielen auch als das vielleicht beste der gesamten bisherigen GAMMA RAY-Diskografie. Wie also sollte man also am besten in diese selbst auferlegten Fußstapfen treten ? Das Ergebnis, dass heißt das 11 Titel starke POWER PLANT; macht dabei schnell zweierlei klar. Einerseits, und das ist ein kleiner Wermutstropfen; können die Hamburger die mit dem Vorgängeralbum etablierte Wirkung mit POWER PLANT nicht toppen – andererseits aber geben sie sich auch keine Blöße. Nach wie vor ist das, was hier auf dem Silberling Platz gefunden hat, ein energetischer Power Metal der besten (europäischen) Güteklasse.

Doch wo auf dem Vorgänger noch diverse musikalische Feuerwerke gezündet wurden, wird es nun eben etwas stiller, bedächtiger – und vielleicht auch unspektakulärer. Das Songwriting ist nach wie vor solide, und auch Kai Hansen macht seine Sache einmal mehr mit Bravour – doch irgendwie hat POWER PLANT leichte Anlaufschwierigkeiten. Eventuell liegt der nicht mehr ganz so schnell und einfach von statten gehende Zugang in der Tatsache begründet, dass das Album nicht mehr ganz so Themen-spezifisch ausgerichtet ist wie der Vorgänger. Bei einem Album wie SOMEWHERE OUT IN SPACE dachte man unweigerlich an… eben; genau das was bereits im Titel steht – und bekam eine entsprechend sphärisch angehauchte musikalische Kost serviert. Bei POWER PLANT muss man – trotz des wieder einmal genialen, geradezu hypnotischen Cover-Artworks – erst einmal genauer hinhören, um in den musikalischen Kosmos des Albums einzusteigen.

Dass man dabei zusätzlich – und erstmals – auch auf eine Cover-Version eines bekannten Titels zurückgegriffen hat, macht es nicht unbedingt besser. Im Gegenteil, GAMMA RAY’s Interpretation des PET SHOP BOYS-Titels IT’S A SIN wirkt etwas zusammenhanglos und leicht befremdlich; während es auch rein musikalisch nicht unbedingt zu den besten Metal-Coverversionen aller Zeiten gehört. Hier hätte es sich einfach eher angeboten, den Titel an das Ende des Albums zu verfrachten; anstatt ihn gleich in der ersten Hälfte zu platzieren. Um noch einen weiteren, potentiell negativen Fakt anzuberaumen sollte man die (übrigens oft erwähnte) Unterstellung hinzuziehen, dass sich GAMMA RAY auf POWER PLANT weitaus weniger eigenständig zeigen als noch zuvor. Tatsächlich werden einem – je nachdem, wie intensiv man sich bisher mit dem Genre befasst hat – die ein oder anderen Elemente und Klang-Momente bekannt vorkommen. Seien es JUDAS PRIEST, BLIND GUARDIAN oder gar MANOWAR – offenbar wurde hier tatsächlich so mancher Tribut vollzogen, ob explizit gewollt oder nicht. Das macht das Album zwar nicht schlechter, aber eben doch ein wenig unorigineller als die bisherigen.

Gerade der MANOWAReske Titel HEAVY METAL UNIVERSE beschreibt dabei einen der deutlich schwächeren Momente des Albums. Nicht nur, dass der hier angepeilte Stil nicht wirklich zum restlichen Eindruck des Albums passen will, GAMMA RAY gehen hier schlicht ein wenig zu plump vor. Dennoch gibt es genügend Gründe, das Album zu mögen. Angefangen beim flotten, leicht düsteren Opener ANYWHERE IN THE GALAXY (der genauso gut vom Vorgängeralbum hätte stammen können) über den absolut kultverdächtigen Melodic-Metal-Stampfer SEND ME A SIGN über das verdammt epische STRANGERS IN THE NIGHT ist vor allem innerhalb der ersten Albenhälfte einiges zu finden. Im späteren Verlauf überrascht dann vor allem die Ballade A WHILE IN DREAMLAND – ein höchst emotionales Stück mit einer minimalistischen Instrumentalkulisse, bei der Kai Hansen einmal mehr zeigen kann, was für ein stimmgewaltiger Sänger er ist. Davon abgesehen findet sich bei vielen Nummern auch ein eher klassischer, rockiger GAMMA RAY-Touch (mit LONG LIVE ROCK’N ROLL als Aushängeschild), der vermehrt an die Anfangszeiten der Band erinnert. So können nicht nur Fans des Vorgängeralbums zufriedengestellt werden, sondern auch jene; die seit den Anfangszeiten der Band dabei sind.

Fazit: Letztendlich steht POWER PLANT gar nicht so weit hinter dem kongenialen Vorgänger SOMEWHERE OUT IN SPACE zurück. Auch hier erwartet den Hörer ein wahres Fest des europäischen Power Metals – und wer will bei einem solch hochkarätigen Gastgeber wie GAMMA RAY schon nein sagen ? Lediglich zwei oder drei explizit schwächere Nummern, die teils auffälligen Band-Anleihen und / oder Tributzollungen und der nicht ganz so prägnante Gesamteindruck führen dazu, dass sich POWER PLANT doch noch unter dem bisherigen Meilenstein der Band einordnet. In Bezug auf die Gesamtwertung hat das aber keine allzu großen Auswirkungen – das Album hat im Vergleich zu den Outputs unzähliger Genrekollegen einfach noch immer die Nase vorn. Und das überdeutlich…

Absolute Anspieltipps: SEND ME A SIGN, STRANGERS IN THE NIGHT, A WHILE IN DREAMLAND

Mögliche Skip-Kandidaten: IT’S A SIN, HEAVY METAL UNIVERSE

Ähnliche / Alternative Bands: HELLOWEEN | BLIND GUARDIAN | IRON SAVIOR | PRIMAL FEAR

80button

„Wunderbar schmackiges, abwechslungsreiches Genrealbum“

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