Filmkritik: „Conjuring – Die Heimsuchung“ (2013)

Originaltitel: The Conjuring
Regie: James Wan
Mit: Vera Farmiga, Patrick Wilson, Ron Livingston u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 110 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Horror
Tags: Conjuring | Heimsuchung | Dämonen | Kirche | Kinder | Präsenz

Der neuste Streich des INSIDIOUS-Schöpfers.

Kurzinhalt: Die 7-köpfige Familie der Perrons will noch einmal von vorne beginnen – was die Eltern Roger und Carolyn (Ron Livingston, Lili Taylor) dazu veranlasst, mit den fünf Töchtern von nun an ein beschauliches Leben auf dem Land zu führen. Ein neues Haus ist schon gekauft – und der sehnlichst erwartete Einzug verläuft friedlich. Doch schon nach kurzer Zeit häufen sich allerlei merkwürdige Ereignisse, die die Eltern um die Sicherheit ihrer Kinder bangen lassen. Scheinbar gibt es keine rationale Erklärung für die teils furcheinflössenden Vorkommnisse – sodass die Perrons Hilfe hinzuziehen. Diese kommt in Form von zwei ganz speziellen Experten, den Eheleuten Ed (Patrick Wilson) und Lorraine Warren (Vera Farmiga) – die sich als Dämonologen bezeichnen und bereits einige Erfahrungen auf diesem Gebiet sammeln konnten. Gerade die sensible und empfängliche Lorraine, die zudem über hellseherische Fähigkeiten verfügt; spürt schnell das mit dem Haus etwas nicht in Ordnung sein kann. Schnell kommt man auf eine dämonische Präsenz – die die Familie aus einen ganz bestimmten Grund heimzusuchen scheint.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! THE CONJURING ist einer jener US-Amerikanischen Horrorfilme, die auch weltweit geradezu bemerkenswerte Kritiker- und Zuschauerreaktionen hervorrufen konnten. Mehr noch: die Pressemitteilungen und -Meinungen überschlugen sich förmlich ob der durchgehend positiven Kritiken, und auch die berühmt-berüchtigte Mundpropaganda sorgte in den letzten Monaten dafür, dass der Film in aller Munde war und noch immer ist. Somit stellt sich die Frage, was wirklich dran ist an den geradezu verschwörerischen Rufen. Um diesbezüglich Klarheit zu erhalten, könnte man zunächst die nüchternen Fakten besehen – die nicht gerade für einen Film wie THE CONJURING sprechen. Da ausgerechnet das Horrorfilm-Genre jüngst einen enormen Boom erlebte (auch, beziehungsweise gerade in Hollywood), die veröffentlichten Filme kaum noch zu überschauen sind und es immer schwerer wird, sich mit einem entsprechenden Werk von der Masse abzuheben; soll es ausgerechnet ein im Jahre 2013 produziertes, amerikanisches Werk sein welches für neuen Schwung im Genre sorgt ? Etwaige Zweifel scheinen berechtigt; aber immerhin konnte mit James Wan ein interessanter Regisseur verpflichtet werden, der zuletzt mit seinen beiden INSIDIOUS-Filmen für Furore sorgte. Auch der Fakt, dass THE CONJURING auf einer angeblich wahren Begebenheit basiert (was durch entsprechende Textinformationen unterstrichen wird); lässt als potentieller Grusel-Garant die Erwartungen dann doch wieder nach oben schnellen.

Und doch gibt es einen Unterschied zwischen dem was einen Film ausmacht, und dem wie ein Film wirkt. Während der erste INSIDOUS-Streifen locker noch aus der Sicht beider Perspektiven überzeugen konnte (siehe Review), macht man es sich mit THE CONJURING schon deutlich schwerer. Denn: grundsätzlich funktioniert er nur über die Wirkungsebene; die sich aus den Elementen der Spannung, Atmosphäre und eventuell noch Authentizität zusammensetzt. Warum den Machern gerade diese Aspekte so gut gelungen sind, hat zweierlei Gründe: zum einen orientierte man sich stark an etwaigen Genre-Vorlagen und beschränkte sich auf die absoluten Grund-Elemente eines dämonisch angehauchten Horrors (was eher ein übernommenes Prinzip denn eine vollbrachte Leistung ist), und zum anderen bewies man durchaus Fingerspitzengefühl in der Inszenierung. Die Kamerafahrten sind wie die gesamte Szenerie stimmig, spezielle Zooms und Nahansichten lockern das Ganze atmosphärisch auf, der Soundtrack erfüllt seinen Zweck, die Darsteller geben ihr bestes (und machen ihre Sache wirklich gut – allen voran Vera Farmiga). Somit zieht sich der Grusel-Faktor dank der geschickt genutzten technischen Komponente konstant über die gesamte Spieldauer. Ein kleiner Wermutstropfen aber bleibt: all dies sind Elemente, die man am ehesten schon zu einem Standard-Repertoire eines Genrefilms zählen würde. Anders gesagt: es sind quasi die Grundvoraussetzungen für das Funktionieren eines Schockers wie THE CONJURING.

Die wahre Enttäuschung lauert aber ohnehin in einem anderen Bereich. Denn: THE CONJURING ist überraschend seelenlos – was sowohl den eigentlichen Inhalt (Die Story und deren Umsetzung), die Charakterporträts und die letztendliche Quintessenz (das nachhaltige, das Gefühl wenn man den Kinosaal verlässt) betrifft. Und tatsächlich: um eine Story wie die hinter THE CONURING zu kreieren, bedarf es keines großen Könnens. Es wurde sich auf das absolut nötigste reduziert, während man gleichzeitig tief in die Genre-Klischeekiste gegriffen hat – fertig ist das Porträt eines scheinbar willkürlich agierenden Dämonen, der wie immer eine friedliebende Familie terrorisiert. Hintergrundinformationen gibt es kaum, die Handlung wirkt wenig durchdacht und eher lieblos hingeworfen. Das äußerst sich vor allem auch im Umgang mit den beteiligten lebenden und toten Personen – die plötzlich in den Fokus gerückt werden, nur um kurz darauf wieder komplett aus der Aufmerksamkeit des Zuschauers zu verschwinden. Dies betrifft grundsätzlich alle Charaktere – selbst jene, von denen man ausgehen sollte dass sie eine Art Hauptrolle innehaben. Besonders enttäuschend und bezeichnend wirkt da der Fakt, dass man in THE CONJURING nicht nur einen (Haupt-)Dämonen eingeplant hat, sondern gleich mehrere Präsenzen – die im Endeffekt jedoch völlig unter den Tisch gekehrt werden und im großen Finale überhaupt keine Rolle mehr spielen.

Stichwort Finale: THE CONJURING macht es sich auch hier verdammt einfach, und präsentiert dem Zuschauer somit eines der enttäuschendsten und überraschungsärmsten Enden der letzten Jahre. Besonders aufregende Twists und Wendungen oder große emotionale Momente sucht man vergebens; während auch die vermeintliche ‚Lösung‘ des Problems recht unspektakulär von statten geht. Alles wirkt enorm standardisiert – was erst Recht wie ein Schlag ins Gesicht wirkt, zieht man James Wan’s INSIDIOUS zu Rate. Hier hatte sich der Regisseur noch richtig verausgabt, mit so manchem gängigen Klischee gebrochen – und ein verdammt intensives Grusel-Spektakel erschaffen. Diese Zeiten scheinen nun vorüber – THE CONJURING ist nicht mehr als ein lauwarmes Aufguss jener Elemente, die INSIDIOUS einst auszeichneten. Nur, dass sie längst einiges von ihrer Wirkungskraft eingebüßt haben. Selbst der (einst erfrischende) Fakt, dass nicht nur eine isolierte Familie terrorisiert wird, sondern ein Team von Außenstehenden hinzugezogen wird kann in diesem Fall nichts mehr reissen – gerade hier stellt sich das Gefühl einer allzu dreisten INSIDIOUS-Kopie ein. Sicher, es handelt sich so gesehen um eine Eigenkopie des Regisseurs – doch macht das THE CONJURING wirklich besser ?

 

Fazit: Was für eine Enttäuschung – THE CONJURING ist entgegen vieler vorherrschender Meinungen und Kritiken ein absolutes Standardwerk des Horrors. Dieses ist zwar gut gemacht und bedient sich sinnigerweise an der Basis des Genres, ohne dabei auf unnötig moderne Elemente zurückzugreifen – doch wurde jener Faktor der Zurückhaltung auch auf die inhaltlichen Aspekte übertragen. James Wan’s Werk ist optisch und handwerklich ansprechend inszeniert und über weite Strecken spannend gehalten – kratzt man jedoch auch nur einmal an der dünn aufgetragenen Oberfläche, kommt ein ganz großes Nichts zutage. Alle hier behandelten Inhalte und Themen hat man so schon zigmal in anderen Genrefilmen gesehen, nur wesentlich geschickter und fundierter verpackt. Die Charaktere bleiben leblos und absolut austauschbar; selbst die dämonischen Präsenzen wirken beliebig und werden ebenso schnell und unspektakulär wieder weggewischt wie sie eingeführt wurden. Nicht zuletzt der Fakt, dass letztendlich alles auf einen vorhersehbaren Kampf zwischen dem Guten und Bösen hinausläuft – in diesem Fall sogar ganz explizit mit den Vertretern und Symbolen der christlichen Kirsche auf der einen, und allen fremden Erscheinungen auf der anderen Seite – gibt dem Ganzen einen enorm schalen Beigeschmack. THE CONJURING kann wahrlich nur absolute Genre-Neulinge begeistern – alle, die sich schon etwas länger in den Gefilden des Horrorfilms bewegen, werden enttäuscht sein. Wie auch immer die zahlreichen guten Kritiken zustande gekommen sind, etwaige dahingehende Argumente sind einfach nicht haltbar.

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„James Wan goes Hollwood, und zwar endgültig.“

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