Metal-CD-Review: GAMMA RAY – Somewhere Out In Space (1997)

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Alben-Titel: Somewhere Out In Space
Künstler / Band: Gamma Ray (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 25. August 1997
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Noise Records

Alben-Lineup:

Kai Hansen – Vocals, Guitars
Dan Zimmermann – Drums
Dirk Schlächter – Bass
Henjo Richter – Guitars, Keyboards

Track-Liste:

1. Beyond the Black Hole (06:00)
2. Men, Martians and Machines (03:52)
3. No Stranger (Another Day in Life) (03:36)
4. Somewhere Out in Space (05:27)
5. The Guardians of Mankind (05:02)
6. The Landing (01:17)
7. Valley of the Kings (03:51)
8. Pray (04:45)
9. The Winged Horse (07:02)
10. Cosmic Chaos (00:49)
11. Lost in the Future (03:40)
12. Watcher in the Sky (05:19)
13. Rising Star (00:52)
14. Shine On (06:52)

Don’t wait for me, I won’t come back.

Es war einmal im Jahre 1997, als die deutsche Power Metal-Combo GAMMA RAY einen Auftrag zu erfüllen hatte. Es galt, das überraschend überragende Vorgängeralbum LAND OF THE FREE (1995, Review) noch zu übertreffen – was entsprechend schwierig ausfallen sollte, wurde selbiger Langspieler von vielen als bisheriger Höhepunkt in der GAMMA RAY-Diskografie angesehen. Doch man war gewappnet – nicht zuletzt mit einem markant erstarkten Kai Hansen, der nach der Übernahme des Leadgesangspostens endgültig zur Galionsfigur der Band avanciert ist. Das Ergebnis ist SOMEWHERE OUT IN SPACE, nicht unbedingt ein Konzept- aber doch Themenalbum; welches sich analog zum (grandiosen) Artwork und zur Titelwahl in geradezu sphärischen Gefilden bewegt.

Musikalisch bleibt das, was dem Hörer hier geboten wird; jedoch weitestgehend bodenständig. Bodenständig und geerdet, aber nicht unspektakulär oder belanglos – im absoluten Gegenteil. Die Hamburger haben weiter an ihrem Sound gefeilt, und beglücken die Hörerschaft nun mit einer noch wuchtigeren, abwechslungsreicheren und so gesehen effektiveren Soundkulisse. Die Folge: das, was einen hier innerhalb eines Rahmens von 14 Titeln erwartet, ist ein europäischer Power Metal der allerersten Güteklasse. Schließlich ist es ganz egal, von welcher Seite man die einzelnen Titel nun betrachtet oder auf welchen Aspekt man sie testweise reduziert – das Ergebnis ist immer zufriedenstellend. Wohlklingende, schmetternde Gitarren; grandiose Soli, ein überraschend vielseitiges Drumming, ein satter Bass und nicht zuletzt der absolut einzigartige Leadgesang lassen SOMEWHERE OUT IN SPACE zumindest gefühlt über den Dingen schweben.

Jedoch wären dies nur einzelne Elemente innerhalb des großen, mit dem Album offerierten Gesamtpaketes. Auffällig ist, dass das Album mit vergleichsweise wenigen Mitteln, das heißt den Power- oder auch Speed Metal-Grundzutaten und einem nur dezenten Einsatz des Keyboards auskommt – und dennoch eine bemerkenswerte, vielschichtig-abwechslungsreiche Gesamtwirkung erreicht wird. Den Grund braucht dafür braucht man nicht allzu lange suchen: es ist das geniale Songwriting, dass einem jeden Titel einen mal dezenten, mal explizit epischen Charakter verleiht und den Hörer immer wieder nachhaltig zu fesseln vermag. Ein feines Gespür für unverbrauchte, äußerst wirksame Melodien und der Hang zu einer enorm antreibenden Rhythmik lassen kaum noch Zweifel aufkommen: GAMMA RAY ist mit SOMEWHERE OUT IN SPACE ein wahrer Geniestreich gelungen.

Und das nicht nur, da man das überraschende Vorgängeralbum noch einmal um Längen toppen konnte. Auch ganz unabhängig betrachtet handelt es sich um ein verdammt gutes, zeitloses Power Metal-Album mit einem Hang zum epischen – ohne dabei ins allzu kitschige abzudriften. Man lauscht nur allzu gern den hier präsentierten Geschichten von einem übergeordnet-kosmischen Charakter – oder lässt sich zumindest von der unvergleichlich energetischen Wirkung einzelner Titel wie BEYOND THE BLACK HOLE gefangennehmen. Der vorläufige Höhepunkt der ekstatischen Energie-Kumulationen findet sich dann übrigens im Titeltrack SOMEWHERE OUT IN SPACE – ein solches Riff-Feuerwerk mitsamt einem wahnwitzigen Drumming-Part bekommt man nur selten auf die Lauscher. Doch auch wenn das Tempo mal reduziert wird, tut dies der Begeisterungen keinen Abbruch. Sicher sind GAMMA RAY Pioniere im Uptempo-Bereich; hört man dagegen Titel wie das majestätische VALLEY OF THE KINGS – so müsste man den Pionieranspruch definitiv noch erweitern. Aber selbst in den balladeskeren Momenten (auch die gibt es) klingen GAMMA RAY absolut stilsicher und vor allem glaubwürdig. Als eine Art Querverweis fungiert übrigens die Nummer WATCHER IN THE SKY, die später auch auf dem IRON SAVIOR-Debütalbum zu hören war.

Fest steht: GAMMA RAY waren und sind – zusammen mit HELLOWEEN – die Pioniere des europäischen Power Metals. Auch wenn die früheren Alben der Band einen mitunter essentielleren, für das Genre wichtigeren / wegweisenden Status innehaben, so ist SOMEWHERE OUT IN SPACE zweifelsohne das bisher (bis 1997) beste Werk der Hamburger. Ausreichend Anhaltspunkte für eine solche Attribuierung sind dabei reichlich vorhanden – schlicht, da man sich in allen Bereichen perfektioniert hat. Vom ausgefeilten Songwriting über die gelungenen Leistungen der einzelnen Mitglieder bis hin zum episch-hymnischen Anspruch, der das Album noch einmal zusätzlich aus der Masse hervorstechen lässt; bietet SOMEWHERE OUT IN SPACE alles, was man sich als Genre-Fan erträumt, aber bisher noch nie explizit zu wünschen gewagt hatte. Selbst die eingestreuten Interludes, die auf dem Vorgänger noch relativ zusammenhanglos und unspektakulär daherkamen; fügen sich nun perfekt in den Alben-Kosmos ein. SOMEWHERE OUT IN SPACE ist ein ganzheitliches Erlebnis – eines, welches man unter keinen Umständen missen sollte.

Absolute Anspieltipps: BEYOND THE BLACK HOLE, SOMEHWERE OUT IN SPACE, VALLEY OF THE KINGS


„Die Definition der POWER im Power Metal.“

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