Filmkritik: „Zombie 2 – Day Of The Dead“ (1986)

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Originaltitel: Day Of The Dead
Regie: George A. Romero
Mit: Lori Cardille, Terry Alexander, Joseph Pilato u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 103 Minuten
FSK: ab 18 freigegeben
Genre: Horror
Tags: Romero | Zombies | Untote | Trilogie | Splatter | Bunker | Blutig

Blutrünstige Zombies – nicht mehr, und nicht weniger.

Kurzinhalt: Nach einer verheerenden Zombie-Apokalypse ist ein Team aus Wissenschaftlern und Soldaten an der Küste Floridas unterwegs auf der Suche nach möglichen Überlebenden. Doch finden sie auch hier entweder nur verlassene Straßenzüge oder endlose Horden von Untoten, sodass sie wenig später in ihre Basis zurückkehren. Die ist recht gut gesichert und bieten der Gruppe Zuflucht – noch. Denn nicht nur die Zombies selbst sind es, die ihnen Sorgen bereiten – auch untereinander gibt es zahlreiche Reibereien und Konflikte zu bewältigen. Während insbesondere die Soldaten am Rande eines Nervenzusammenbruchs zu stehen scheinen, behalten die Wissenschaftler einen kühlen Kopf – und stellen sich gegen die militärische Willkür. Ein besonders engagierter Wissenschaftler versucht derweil, die Zombies durch verschiedenen Methoden zu zähmen und gefügig zu machen – was ihm auch teilweise gelingt. Doch spitzen sich die zwischenmenschlichen Konflikte mehr und mehr zu, sodass selbst die draußen lauernden Untoten weniger gefährlich erscheinen als so manches Teammitglied.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! ZOMBIE 2 ist entgegen des deutschen Titels der dritte Teil einer von George A. Romero ins Leben gerufenen Zombie-Trilogie, die mit dem Klassiker DIE NACHT DER LEBENDEN TOTEN von 1968 (Review) begann und erst 10 Jahre später mit ZOMBIE – DAWN OF THE DEAD (Review) fortgesetzt wurde. Bei einem Entstehungszeitraum von insgesamt knapp 20 Jahren handelt es sich nicht nur um eine der zeitlich umfassendsten Trilogien überhaupt; sondern auch um eine, an der man die Entwicklung des Zombiefilm-Genres sehr gut festmachen kann. Denn: zwischen ZOMBIE 2 und dem ersten Teil der Trilogie liegen nicht nur Jahre, sondern auch Welten – vor allem in Bezug auf die Art der Inszenierung, die zu Beginn der Trilogie noch relativ nüchtern ausfiel. Nicht zuletzt aufgrund ihrer Einzigartigkeit und neuerlichen Erscheinung aber ebnete sie den Weg für ein ganz neues Sub-Genre des klassischen Horrorfilms, und galt seit jeher als Vorbild für zahlreiche Nachahmer. Der zweite Teil, der hierzulande auch unter dem Titel ZOMBIES IM KAUFHAUS bekannt ist, verfolgte diesen Weg weiter – steigerte sich aber sowohl in Bezug auf das Ausmaß der porträtierten Katastrophe, als auch die enthaltenen Botschaften und gesellschaftlichen Querverweise.

Interessanterweise sagte George A. Romero einmal selbst, dass er gerade jenen Aussagen vielleicht etwas zu vordergründig und offensichtlich platzierte – und dem Zuschauer so weniger Raum für eigene Interpretationen offerierte. Und tatsächlich, in Bezug auf die ersten beiden Teile der Trilogie finden sich zahlreiche Elemente, die in diesem Sinne dafür sprechen. Angefangen bei den farbige Hauptcharakteren über den gesellschaftlich fragwürdigen Umgang mit fremden Elementen hin zu einer Darstellung der Zombies als tumbe Masse, die ähnlich der damaligen Konsumgesellschaft von fremden Einflüssen und Begierden gesteuert werden – wenn man nur wollte, konnte man den filmen wahrlich zahlreiche weiterführende Aspekte abgewinnen. Mit dem dritten Teil der Trilogie jedoch brach George A. Romero mit diesem Konzept – und streute derlei Analogien wenn überhaupt nur noch hintergründig oder versteckt ein. Das führt dazu, dass ZOMBIE 2 die Schwerpunkte entsprechend anders setzt – und sich somit ganz anders anfühlt als seine Vorgänger.

Aber eben nicht schwächer oder weniger aussagekräftig – im Gegenteil. Vielmehr handelt es sich um einen nachvollziehbaren Schritt, das Genre abermals neu zu definieren. Schließlich werden die ehemals vordergründigen Elemente nicht einfach nur gestrichen – sie werden durch andere, so gesehen gleichwertige ersetzt. Selbst wenn diese den Film in einem anderen Licht, und vielleicht sogar etwas trivialer scheinen lassen als seine Vorgänger, findet sich eine besonders markante Steigerung in Bezug auf den allgemeinen Unterhaltungsfaktor. Vorbei sind die Zeiten, in denen die grundsätzliche Prämisse allein (Zombies existieren und greifen die überlebenden Menschen an) für Spannung sorgte – Romero setzte im vorliegenden Werk vermehrt auf intensivere Charakterporträts und die Darstellung von zwischenmenschlichen Interaktionen. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass man vor allem in der ersten Hälfte des Films auffällig selten auf Zombies trifft – der Fokus liegt klar auf einer kleinen Gruppe Überlebender, die sich zu etwa gleichen Teilen aus Wissenschaftlern und Soldaten zusammensetzt. Gerade dies offeriert einen zusätzlichen Reiz, da die Charaktere zumindest theoretisch Großes bewegen könnten geht es um die vorherrschende Zombie-Apokalypse. Man forscht an einer Lösung, die Untoten auf irgendeine Art und Weise kontrollieren zu können – und gleichzeitig verfügt man über ausrechnend Feuerkraft, möglichen Ausschreitungen zu begegnen.

Die hieraus resultierende Dynamik ist es auch, die ZOBMIE 2 so sehenswert macht – selbst wenn es manchmal etwas anstrengend erscheint, den hitzigen, lauten und einstweilen auch explizit nervigen Dialogen zu folgen. Ebenfalls neu ist die Ambition, sich jeweils intensiver mit den Hintergründen (hier steht ein besonders fähiger, aber skrupelloser Arzt Pate für etwaige wissenschaftliche Ansätze) als auch den; man nenne es möglichen Folgen der Auseinandersetzung zwischen Mensch und Zombie zu befassen. In der Folge ergeben sich einige heftige Gewalt- und Splatterszenen, die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung zwar nicht mehr als revolutionär bezeichnet werden konnten – aber allemal das Zeug hatten und haben, selbst eingefleischte Genre-Fans zu schockieren. Gut also, dass man hinsichtlich der Szenengestaltung und insbesondere der Maskenarbeit ein entsprechendes Händchen bewies – und den Film auch aus einer technisch-handwerklichen Sicht heraus mehr als zufriedenstellend inszenierte. Das Schauspiel und die Filmmusik bewegen sich dagegen jeweils leicht an der Grenze zur Übertreibung – doch stört dies nicht den allgemeinen Filmfluss.

Fazit: ZOMBIE 2 ist der fulminante Abschluss der 1968 von George A. Romero ins Leben gerufenen Zombiefilm-Trilogie. Jener letzte Teil ist nicht nur ob der offensichtlichen, besonders gut veranschaulichten Veränderungen und Weiterentwicklung innerhalb des Genres sehenswert, sondern auch aufgrund des spürbar erhöhten Unterhaltungsfaktors. ZOMBIE 2 ist auf eine merkwürdige Art und weise facettenreicher als seine Vorgänger, und wurde nicht zuletzt weitaus spannender inszeniert. Etwas plumper vielleicht, aber schlicht zweckdienlicher; ist man auf einen besonders hohen Unterhaltungswert aus. Und genau darum sollte es – etwaige gesellschaftskritische Ansätze hin oder her – bei einem Genrefilm wie diesem auch vordergründig gehen. Ein markanter Drive, zahlreiche gute Ideen, eine tolle Maske, furiose Splattereffekte und verrückte bis interessante Charakterporträts runden den gelungen Gesamteindruck ab. Wichtig: die folgende Wertung gilt ausschließlich für die ungeschnittene Fassung des Films – um alle anderen sollte man einen großen Bogen machen.

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„Der Abschluss der Trilogie markiert gleichzeitig deren Höhepunkt.“

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Ein Gedanke zu “Filmkritik: „Zombie 2 – Day Of The Dead“ (1986)

  1. Höhepunkt? Kann jeder sehen wie er will…für mich persönlich erreicht keiner der Nachfolger diese Atmosphäre, wie es der „erste Teil“ zu schaffen vermochte. Aber ich finde sie ALLE, also die komplette Trilogie (wenn man sie denn so sehen will), für sich gesehen gut.

    Auch „Day“ liefert alle Grundelemente der vorrangegangen Teile…ein abgeschnittenes Areal…hier vielleicht sogar in seiner klaustrophobischsten Art, weil sich ein Großteil unterirdisch abspielt, verschiedene Charaktere bzw. Gruppierungen von „Good Ones“ und „Bad Ones“ und natürlich die Zombies. ^^ Hier wird wohl am deutlichsten die Diskrepanzen der Mitmenschen untereinander herausgestellt und dass es so etwas wie „gutartige“ Zombies geben kann. (Frankenstein’s Monster lässt grüßen) Wohl der comichafteste und überzeichnetste Film von allen. Wenn man die Trilogie nochmal in Subgenres abstufen müsste ergäben sich wohl 3 völlig abweichende Genre…“Night“ = Grusel/Drama, „Dawn“ = Action und „Day“ = Comic/Funsplatter. Je nachdem was einem wohl mehr liegt, wird man hier seinen Favoriten finden. Mein Favorit ist wohl (obwohl ich ja Funsplatter nicht abgeneigt bin^^) die nüchterne Inszenierung des ersten Teils, der mehr auf den Schwerpunkt „Angst“ setzt. Man kann aber durchaus sehen, dass „Day“ den Weg für nicht mehr so ganz ernstzunehmende Zombiefilme ebnete…[siehe „Braindead“ (Meisterstück!“)]…wobei diesem „The Return of the living Dead“ allerdings noch zuvor kam. ^^

    8/10

    (macht für die komplette Trilogie 9+8,5+8 einen Trilogie Gesamtscore von 8,5/10 🙂 )

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