Metal-CD-Review: FREEDOM CALL – Legend Of The Shadowking (2010)

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Alben-Titel: Legend Of The Shadowking
Künstler / Band: Freedom Call (mehr)
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Steamhammer

Alben-Lineup:

Chris Bay – Vocals, Guitars, Keyboards
Dan Zimmermann – Drums, Vocals (backing)
Samy Saemann – Bass, Vocals (backing)
Lars Rettkowitz – Guitars, Vocals (backing)

Track-Liste:

1. Out of the Ruins 04:21
2. Thunder God 03:31
3. Tears of Babylon 03:38
4. Merlin – Legend of the Past 04:17
5. Resurrection Day 03:34
6. Under the Spell of the Moon 05:08
7. Dark Obsession 04:45
8. The Darkness 05:06
9. Remember! 04:21
10. Ludwig II – Prologue 02:19
11. The Shadowking 05:13
12. Merlin – Requiem 02:34
13. Kingdom of Madness 03:59
14. A Perfect Day 03:58

Doch noch die Kurve gekriegt ?

Wahrlich, mit den beiden vor LEGEND OF THE SHADOWKING veröffentlichten Alben konnten die Nürnberger Jungs von FREEDOM CALL nicht gerade Großes bewegen. THE CIRCLE OF LIFE (2005, Review) erschien ob seiner merkwürdigen Art der Tributzollung mindestens gewöhnungsbedürftig, während man mit DIMENSIONS (2007, Review) sogar einen eigentlich kaum denkbaren Tiefpunkt erreichte. Auch wenn unklar ist, in wie weit die zahlreichen negativen Kritiken das weitere Schaffen der Band beeinflussten; man hat sich erneut zusammengesetzt und einem Album gewerkelt. Herausgekommen ist LEGEND OF THE SHADOWKING – ein Album, mit welchem man offenbar nicht nur von der Covergestaltung her neue Wege zu gehen scheint. Was FREEDOM CALL hier in 14 Titeln verpacken, wirkt nicht nur wesentlich ausgefeilter, strukturierter und anspruchsvoller als das gesamte Material der zwei oder drei vorherigen Alben zusammen – in Bezug auf den Faktor der Spielfreude und den Grad der Innovation orientieren sich die Nürnberger eindeutig an ihrem Debütalbum, welches nicht zu Unrecht für einen großen Überraschungseffekt sorgte.

Das beutetet vor allem, dass das auf LEGEND OF THE SHADOWKING dargebotene Material eines ist: abwechslungsreich. Vorbei scheinen die Zeiten, in denen sich ein und dieselbe Stimmung durch ein gesamtes Album zog – es darf eben auch gerne mal etwas vielfältiger zugehen. Dabei hört man dennoch sofort, dass es sich um FREEDOM CALL handelt – die eng mit der Band verbundenen (und durch sie geprägten) Begriffe der Unbeschwertheit und vielleicht auch ausgelebten Fröhlichkeit im Bereich des Power Metal bilden auch hier die eigentliche Essenz und Identität der Band. Mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass man sich nicht mehr allein auf etwaige beschwingte, mitreißende Elemente verlässt – sondern auch die Kompositionen im Gesamten wesentlich stimmungsvoller ausschmückte. Vor allem aber agieren FREEDOM CALL nach dem geradezu parodistisch anmutendem DIMENSIONS wieder vollständig glaubwürdig. Allzu simple Genre-Hymnen mit reichlich Kitsch und Pathos bleiben aus – stattdessen erwartet den Hörer eine halbwegs erlesene Auswahl von Titeln einer jeweils ganz unterschiedlichen Natur.

Das lässt sich bereits dem durchaus gelungenen Auftakt entnehmen: während OUT OF THE RUINS eine typische Power Metal-Nummer im Uptempo und allen dazugehörigen Elementen (reichlich Doublebass, Mitsing-Refrain) ist, bewegt man sich mit dem darauf folgenden THUNDER GOD schon in deutlich rockigeren, AOR-lastigen Bereichen. TEARS OF BABYLON schlägt dann eine Brücke zwischen beiden Stimmungen, uns präsentiert sich als erstes Highlight des Albums – mit einem pompösen, aber keinesfalls überladenen Refrain, der einem so schnell nicht mehr aus dem Kopf gehen wird. Überhaupt fällt bereits zu diesem Zeitpunkt auf, dass FREEDOM CALL ganz allgemein an ihrem Sound geschraubt haben. Die hintergründigen (Männer-)Chöre klingen nun wesentlich markanter, das Keyboard erhält eine nicht mehr ganz so weitläufige Spielwiese, die Gitarren wirken knackiger. Nicht zuletzt das Songwriting profitiert von der offensichtlichen Weiterentwicklung der Band. Sicher, etwaige Klischees werden noch immer bedient – doch in einem weitaus angenehmeren Maße. LEGEND OF THE SHADOWKNG ist zudem weder vorhersehbar noch langatmig, die Band sorgt immer wieder für Überraschungen und markante Aha-Momente.

Tatsächlich scheinen FREEDOM CALL mit ihrem 2010’er Album erwachsener geworden zu sein, ohne dass etwaige musikalische Wurzeln verleugnet werden. Im Gegenteil. Der Sound wirkt ganz allgemein wesentlich griffiger, die Kompositionen nachhaltiger, die Stimmungen sind abwechslungsreicher und werden intensiver transportiert. Zumindest gilt das insbesondere für den ersten Alben-Teil – der zweite kann diesbezüglich nicht mehr wirklich mithalten. Zu gezwungen und schlicht merkwürdig wirken neue musikalische Experimente a’la UNDER THE SPELL OF THE MOON, das düstere aber wenig atmosphärisch vorgetragene DARK OBSESSION. Dass FREEDOM CALL aber auch in den etwas düstereren Momenten überzeugen können, zeigt sich durch Titel wie THE DARKNESS – einer jener Momente, in denen man die Band erst kaum wiedererkennen wird. Überaus interessant ist auch das Interlude LUDWIG II, in welchem erstmals eine deutschsprachige Gesangspassage Einzug hält. Die entspricht ebenfalls nicht gerade dem, was man von FREEDOM CALL erwarten würde – und macht das Album noch etwas vielfältiger. Das große Finale, welches mit dem eher peinlichen A PERFECT DAY zelebriert wird, hätte man dagegen lieber streichen sollen. Auch wenn man offenbar Spaß bei der Aufnahme hatte, hätte jener plumpe Poser-Track viel eher zum letzten Album der Band gepasst.

Fazit: Sicher ist LEGEND OF THE SHADOWKING nicht das Beste Album der Nürnberger, doch nach den letzten eher enttäuschenden Outputs gleicht es einem wahren Segen. Man hat sich hörbar weiterentwickelt, und somit auch einige der besonders auffälligen Schwächen der letzten Alben relativiert. Fans der Band, die besonders mit den ersten zwei oder drei Alben der Band zufriedengestellt werden konnten, werden sich auch an LEGEND OF THE SHADOWKING erfreuen. Nicht zuletzt, da man offenbar wieder über ausreichend Ideen verfügt und zur (unverbrauchten) Spielfreude von dereinst zurückgekehrt ist, ohne sich zu wiederholen. Denn auch die neuen Einflüsse, die die Band-typischen Hymnen mit kultverdächtigen Mitsing-Refrains um eine zusätzliche Komponente ergänzen, machen eine mehr als gute Figur. Bei 14 Titeln stehen lediglich drei oder vier schwächere (aus der zweiten Albenhälfte) einem ganzen Arsenal aus empfehlenswerten, äußerst abwechslungsreichen und schlicht durch-und-durch schmackigen Nummern entgegen – eine absolute Empfehlung, nicht nur für beinharte FREEDOM CALL-Fans.

Absolute Anspieltipps: OUT OF THE RUINS, TEARS OF BABYLON, RESURRECTION DAY, DARKNESS


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„So stark klangen FREEDOM CALL schon lange nicht mehr.“

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