Filmkritik: „Iron Doors“ (2010)

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Originaltitel: Iron Doors
Regie: Stephen Manuel
MitAxel Wedekind, Rungano Nyoni
Land: Deutschland
Laufzeit: 80 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Thriller
Tags: Bunker | Raum | Eingeschlossen | Gefangen | Rätselhaft | Ausbruch

Löse das Geheimnis des Bunkers, oder gehe daran zugrunde. Blöd nur, wenn es gar keines gibt…

Kurzinhalt: Ein junger Mann (Axel Wedekind) erwacht nach einer durchzechten Nacht in einem hermetisch abgeriegelten Raum, der an einen übergroßen Tresor erinnert. Er hat keine Erinnerungen daran, wie er in diese Lage hineingekommen ist – und kann sich auch nicht vorstellen, wer dafür verantwortlich sein könnte. Zunächst nimmt er seine Lage noch mit einer spielerischen Gelassenheit hin, und denkt an einige Freunde die ihm einen Streich spielen könnten – doch als sich die Tür auch nach vielen Stunden nicht öffnet, dämmert ihm sein scheinbar unausweichliches Schicksal. Mit dem will er sich jedoch nicht abfinden – und versucht alles, der misslichen Situation zu entkommen. Dabei hat er allerdings nicht viel zur Verfügung – mit Ausnahme eines Schweißgerätes sowie einem Hammer samt Meißel. Er beginnt, ein Loch in die Wand zu schlagen – doch der Durst und Hunger lassen ihn immer wieder taumeln.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! IRON DOORS ist ein deutscher Thriller, der sich nicht nur inhaltlich fernab des Mainstreams bewegt – sondern auch sonst alle Voraussetzungen für eine Attribuierung als waschechtes Independent-Werk mitbringt. Hinter dem Projekt stehen ein geringes Budget (welches von den Verantwortlichen selbst getragen wurde), ein minimaler Aufwand beim Dreh, ein mehr als übersichtlicher Cast – und nicht zuletzt ein ambitionierter Regisseur, der bisher noch keine allzu große Aufmerksamkeit auf sich ziehen konnte. Würde es ihm also jetzt, und mit einer eigens ausgewählten Drehbuchvorlage von Peter Arneson gelingen, für ein wenig Gesprächsstoff zu sorgen ? Bevor man jedoch zur Beantwortung jener Frage schreiten sollte, stellt sich eine weitere – eine, mit der sicher auch der Regisseur Stephen Manuel beschäftigt hat. Was braucht ein vergleichsweise günstig und schnell produzierter Independent-Film wie IRON DOORS am nötigsten, um zu funktionieren ? Ist es ein gutes Drehbuch mit vielen Ideen; oder ist es die letztendliche Umsetzung, die einen Film wie diesen ausmacht – und im gegebenen Fall vielleicht sogar retten kann ?

In gängigen Szenarien sollte man diesbezüglich wohl am ehesten von einer Patt-Situation ausgehen. Ein gutes Drehbuch kann man – wenn es in die falschen Hände gelegt wird – immer noch versauen. Oder andersherum: wenn schon das Drehbuch nichts hergibt, kann man sich noch so engagieren oder tricksen – ein Meisterwerk, ein filmischer Meilenstein würde nicht entstehen. Welchen Werdegang dabei ein Film wie IRON DOORS vorlegt, liegt dabei nicht wirklich auf der Hand – vielmehr ist eine Mischung aus beiden Faktoren; mit einer leicht ausschlagenden Tendenz hin zur zweiten Variante. Denn es scheint nicht gerade so, als hätte das Drehbuch als unerschöpfliche Inspirationsquelle gedient, im Gegenteil – vielmehr wirkt es, als hätte man aus den wenigen vorhanden Ideen das beste herauskitzeln wollen. Dass das etwas schwierig werden würde, zeigt sich aber bereits in Bezug auf die simplen Prämissen. IRON DOORS sieht lediglich zwei Charaktere vor, die  sich nach und nach durch 3 ähnliche Räume bewegen – auf dass sie einen finalen Ausweg aus ihrem temporären Gefängnis finden. Das war es dann auch schon gewesen – weitere Informationen erhält man als Zuschauer nicht. Nicht nur, dass dies auffällig an eine abgespeckte Variante eines Genre-Kultfilms a’la CUBE erinnert, es stellte zudem eine enorme Herausforderung an alle Beteiligten dar. Eine Herausforderung, die man vielleicht mit vielen guten Ideen und einer soliden Erfahrung hätte meistern können – doch findet man nichts davon, sowohl in Bezug auf den Regisseur als auch seinen Hauptdarsteller.

Denn wie sollte man mit einer Vorlage wie dieser umgehen; welche Identität würde man dem Film trotz der fehlenden inhaltlichen Elemente verpassen ? Der Weg, den der (leidlich vorgeschädigte – u.a. DER LETZTE LUDE) Regisseur letztendlich gegangen ist, wirkt zumindest ansatzweise beherzt. Schließlich schafft er es, selbst in einer desolaten Szenerie wie dieser ein durchaus nennenswertes Maß an Spannung zu etablieren – auch wenn das hauptsächlich an der ausweglosen Situation selbst liegt, in die man sich als Zuschauer automatisch hineinversetzt. Problematisch wird es aber spätestens dann, als sich das Ganze doch als eine Art auferlegtes Rätsel oder Durchhalteprobe herausstellt – dessen Lösungen offenbar willkürlich daherkommen. Oder zumindest merkwürdig und schwer nachvollziehbar – wie etwa in Bezug auf eine Tür, die sich nur öffnet wenn die beiden eingeschlossenen nicht hinsehen. Immerhin sorgen das Spiel mit den Lichtverhältnissen sowie die Kameraführung für einige bemerkenswerte Eindrücke – die jedoch, und das ist das Problem; einen Film wie diesen nicht allein tragen können. Zumindest nicht über die gesamte Spieldauer, denn jene erst positiv auffallenden Elemente nutzen sich recht schnell ab; werden aber nicht von anderen, dies möglicherweise ausgleichenden abgelöst.

Wenn es schon nicht explizite Inhalte oder weiterführende Ideen sind, die das Publikum bei der Stange halten sollen; dann doch zumindest der eigentliche Hauptcharakter – doch gerade hier zeigt sich, dass IRON DOORS doch mit einigen Problemen zu kämpfen hat. Positiv ist, dass die Wandlung von einem gerade erst eingesperrten hin zu einem völlig erschöpften jungen Mann glaubwürdig dargestellt wurde – durch die Maske, und auch teilweise durch das Schauspiel. Doch davon abgesehen sieht es eher düster aus: man erfährt so gut wie nichts über den Hauptcharakter, durch sein pöbelndes Gebaren bleibt er durch und durch unsympathisch, seine Verhaltensmuster sind selbst für eine Ausnahmesituation wie diese äußerst merkwürdig und nicht immer nachvollziehbar. Eine völlig aus dem Kontext gerissene Sex-Szene setzt dem Ganzen dann noch die Krone auf – sollte das Drehbuch tatsächlich irgendeine Bedeutung vorgesehen haben, wird diese gnadenlos verheizt. Doch hören die Probleme hier nicht auf. Da es so gut wie keine Filmmusik gibt, sollte man meinen dass die Macher vor allem ein Auge darauf geworfen haben was und vor allem wie der Hauptcharakter es sagt – doch weit gefehlt. Der Film ist an vielen Stellen nicht lippensynchron (und offenbar nachsynchronisiert), die unangenehm gekünstelte Betonung des Hauptdarstellers sorgt bestenfalls für ein paar unfreiwillige Lacher. Da muss man gar nicht erst zu dem voranschreiten was er sagt – auch hier stellt sich schnell Ernüchterung ein. Bis auf ein paar zusammenhanglose Selbstvorwürfe und ein ständiges, frauenfeindliches Fluchen gibt es auch hier nichts zu holen.

Fazit: Ein nicht gerade viel hergebendes Drehbuch und eine ambitionierte, aber in vielerlei Hinsicht stillose Umsetzung machen IRON DOORS zu alles anderem als zu einer Independent-Perle. Zwar schafft man es über weite Strecken eine angenehme Spannung zu etablieren, doch die anschließende Ernüchterung trifft einen umso härter. Wie, ja wie kann man einen Film wie diesen machen; der so gut wie keinen Inhalt und nur halbgare, zudem reichlich unsympathische Charakterporträts anbietet ? Das wissen wohl nur die Macher – für den Zuschauer jedenfalls ist es eine äußerst ermüdende Angelegenheit. Da rettet auch das plötzlich eingeschobene, visuell absolut unterirdische Ende nichts mehr – die Parabel in Bezug auf die Geschichte von Adam und Eva wirkt einfach nur unpassend und an den Haaren herbeigezogen. Restpunkte gibt es daher nur für die Kamera-Arbeit und die Tatsache, dass aus wenigen (oder sollte man eher sagen keinen) Mitteln etwas geschaffen wurde, dass man durchaus als Film bezeichnen kann. Fernab einer jeden Logik – und nicht zuletzt des guten Geschmacks – bewegt sich das Ganze aber trotzdem.

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„Vermeintlicher Mystery-Thriller ohne Story und vielen stilistischen Patzern.“

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