Filmkritik: „Die Nacht Der Lebenden Toten“ (1968)

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Originaltitel: Night Of The Living Dead
Regie: George A. Romero
Mit: Duane Jones, Karl Hardman, Judith O’Dea u.a.
Land: USA
Laufzeit: 96 Minuten
FSK: Ab 16 Jahren freigegeben
Genre: Horror
Tags: Gräber | Zombies | Untote | Wandelnde Tote | Epidemie | Seuche

Altes Eisen rostet nicht. Oder doch ?

Kurzinhalt: Als die beiden Geschwister Barbara und Johnny das Grab ihres Vaters besuchen, geschieht etwas unerwartet schreckliches. Erst machen sich die beiden noch lustig über den blassen Mann, der sich ihnen nähert – doch als er Johnny angreift und er daraufhin regungslos am Boden liegen bleibt, werden die Scherze der beiden zur bitteren Realität. Barbara flieht in Panik, während sie der unbekannte Mann verfolgt – bis sie ein offenbar verlassenes Farmhaus entdeckt und sich in diesem verschanzt. Bald darauf erscheint ein weiterer Mann, der Zuflucht sucht – und die beiden versuchen, sich das Geschehene zu erklären. Viel Zeit bleibt ihnen allerdings nicht – vor dem Haus versammeln sich bereits weitere jener blassen Kreaturen, die nur noch entfernt an Menschen erinnern. Klar ist nur, dass sie einen verbindet: der Hunger nach Menschenfleisch.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Damals; ja damals sahen die Horrorfilme noch ganz anders aus als heute – erst Recht jene, die sich in irgendeiner Art und Weise mit dem Thema Zombies auseinandersetzen. Sahen sie ? Nicht unbedingt, schaut man sich einen Filmklassiker wie George A. Romero’s DIE NACHT DER LEBENDEN TOTEN an, der im Original vor 46 Jahren veröffentlicht wurde. In Bezug auf die Entwicklung des Kinos im allgemeinen mag das eine verdammt lange Zeit sein – doch der 1968’er Film und die Ursprünge eines bis heute beliebten Subgenres des Horrorfilms machen schnell klar, dass sich im Grunde doch nicht so viel verändert hat. Auch wenn es schon weitaus früher Zombie-Filme gab, begann erst mit George A. Romeros erstem Genrefilm jener Machart eine wahre Renaissance der auf die Leinwand gebannten Untoten – auch, da es sich um den ersten anerkannten Film handelt, der einen jeglichen Kult- oder Voodoo-Hintergrund komplett ausblendete. Die Zombies der späten 60er- und frühen 70er-Jahre entstanden erstmals aus eher naturbezogenen, und somit wissenschaftlichen eruierbaren Gründen – ein Novum, welches entsprechend schockierte und die Filmlandschaft bis heute prägt.

Im Kern ist also auch DIE NACHT DER LEBENDEN TOTEN ein Film, der als durchaus typisch für das Genre angesehen werden kann – wäre er nicht einer der ersten. Was später zum filmischen Alltag wurde; nämlich ein Szenario mit einer Untoten Bedrohung auf der einen, und einer kleinen verschanzten Gruppe auf der anderen Seite – wurde hier erstmals stimmig in Szene gesetzt. Und das mit einer filmischen Wucht und Atmosphäre, die doch erstaunlich erscheint – vor allem in Bezug auf das äußert geringe Budget und die eher laienhafte Machart des Films. Die äußert sich beispielsweise in einem leicht überdrehten Schauspiel (George A. Romero setzte aus finanziellen Gründen hauptsächlich auf Bekannte und Verwandte), in eher kargen Szenenaufbauten und die Filmmusik als tragendes Element – und doch zeigt der Film eine ganz persönliche, wenn man so will schwerwiegende Wirkung. Auch die Tatsache, dass er in Schwarz-Weiss aufgenommen wurde, unterstützt dieses Gefühl. Einerseits wird dem Zuschauer so vorgegaukelt, einem Film einer ganz anderen, längst vergangenen Epoche zu sehen – und andererseits wird er ob der ihm sehr bekannt vorkommenden Elemente und der allgemeinen Zeitlosigkeit des Films überrascht.

DIE NACHT DER LEBENDEN TOTEN wird also durchaus zu recht als Kultfilm attribuiert – vor allem, da er den Weg für ein erneut erblühendes Genre ebnete und im Verhältnis zu den zur Verfügung stehenden Mitteln sehr gut gemacht ist. Allerdings sollte man neben einem markanten Aha-Effekt nicht zuviel erwarten: die Story ist eher dünn, und kann nur mit der in dieser Form erstmals hervorgehobenen Tatsache punkten; dass die Untoten aus einem ganz bestimmten Grund wieder aus ihren Gräbern kriechen. Natürlich gibt es eine Art Spannungsbogen – doch ist dieser recht vorhersehbar, und bietet generell wenig Überraschungen. Auch explizite Gore- und Splatterszenen gibt es kaum – auch, da es damals schlicht noch nichts zu überbieten galt, George A. Romero  schuf einmal mehr eine Grundlage. Interessanter wird es da schon in Bezug auf die Charaktere – aber nicht aufgrund ihrer eher kargen Porträts und Hintergrundgeschichten, sondern allein wegen ihrer Interaktionen im verbarrikadierten Haus. Über kleinere Logikfehler oder nur schwer nachzuvollziehende Handlungen kann man dabei weitestgehend hinwegsehen – die Dynamik, die aufgrund der glaubwürdig transportierten Ausnahmesituation entsteht, reicht völlig aus um den Film zu tragen.

Dies würde allerdings nur halb so gut funktionieren, wäre da nicht die (manchmal durchaus penetrante) Filmmusik – die das Ganze einstweilen wie eine Art Kammerspiel wirken lässt. Das, was tatsächlich auf der Leinwand passiert, ließe sich schnell in einigen Worten zusammenfassen – doch im Zusammenspiel mit der Musik entsteht ein weitaus reichhaltigeres Gesamtbild. Hierbei handelt es sich um ein filmisches Stilmittel, welches nach einem Film wie diesem eher in Vergessenheit geriet – zumindest im Zombiefilm-Genre. Man sollte lediglich aufpassen, welche Version man genau von einem Film wie DIE NACHT DER LEBENDEN TOTEN zu sehen bekommt, schließlich es gibt zahlreiche. Eine ungefähre Richtung sollte die Laufzeit des Films vorgeben, die 96 Minuten in der ungeschnittenen Fassung beträgt – über etwaige qualitative Probleme kann man da schon eher hinwegsehen.

Fazit: Ja, DIE NACHT DER LEBENDEN TOTEN ist ein Kultfilm, und das zu Recht. Somit erscheint es einmal mehr fraglich, warum ausgerechnet George A. Romeros 10 Jahre jüngeres Zweitwerk ZOMBIE – DAWN OF THE DEAD (auch bekannt als ZOMBIES IM KAUFHAUS, Review hier) weitaus mehr Aufmerksamkeit zugestanden wird als jenem durchaus brilliantem Erstwerk. Das Kaufhaus-Abenteuer ist nämlich nicht nur wesentlich langatmiger inszeniert, sondern strotzt auch vor grundsätzlichen unnötigen gesellschaftlichen Parallelen – die ein Film DIE NACHT DER LEBENDEN TOTEN noch nicht benötigte, um zu Zünden und regelrechte Urängste zu schüren. Denn genau darum geht es doch im Zombie-Genre. Alles, was man sonst noch hineininterpretieren möchte, sollte wahrlich dem Zuschauer selbst überlassen werden. Schlussendlich: lieber eine schöne NACHT DER LEBENDEN TOTEN in Schwarz-Weiss – als einen moderneren, aber eher biss- und herzlosen Kaufhaus-Blutrausch.

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„Ein Filmgenre wie ein Stehaufmännchen. Oder wie ein Untoter, der auch ganz ohne faulen Zauber seinem Grab entsteigt.“

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Ein Gedanke zu “Filmkritik: „Die Nacht Der Lebenden Toten“ (1968)

  1. Ich kann dir eigentlich in allen Punkten zustimmen, bis auf die Seitenhiebe auf „Dawn of the Dead“. ^^ In „Night“ hat man eher auf klassische Elemente der Angst, Beklemmung und des Unbehagens zurückggegriffen und wenn auch zu der Zeit nur mit minimalistischen Mitteln…es funktioniert sehr gut.

    Es Treffen Charaktere aufeinander, die mehr schlecht als recht zusammenarbeiten und untereinander nur noch mehr Ängste, Probleme und Misstrauen schaffen, als sie zu lösen und wie du schon schreibst ein aalglattes Kammerspiel. Eigentlich eine Situation wie aus dem Leben gegriffen, wären da nicht die Zombies. ^^ Und an manchen Stellen fragt man sich wer einem mehr Angst macht, die Untoten oder die Menschen um einen herum.

    In „Dawn“ tobte sich vor allem Special Effects Meister Tom Savini aus und lieferte die Splatterorgie, die man im „ersten Teil“ etwas vermisst…leider allerdings auf Kosten des Grusels und der Dramatik…dafür aber mit „Actionszenen“. Ansonsten sind die anderen Elemente da…ein abgeschnittenes Areal, nur mit mehr „Spielraum“ und Charaktere die gegeneinander arbeiten, hier repräsentiert durch die räuberische Rockerbande.

    Aber zurück zu „Night“…“NOTLD“ beeinflusste massiv zahlreiche Horrorfilme die danach gedreht wurden, bestes Beispiel „Tanz der Teufel“. Es gibt übrigens eine Version von „Night“ die mit neuer Musik vertont wurde…warum auch immer…und von der sollte man wohl Abstand nehmen. Und ich finde eigentlich nicht, dass „Dawn“ mehr Aufmerksamkeit zugestanden wird…ich persönlich habe schon so das Gefühl, dass beide Filme gleichermaßen als das anerkannt werden was sie sind, nämlich bahnbrechende Kultfilme. Leider verliert der Film am Schluss ein wenig von seiner Dynamik, aber das Unhappy End (heißt das so?) ist vom Feinsten und sorgt nochmal für nachträgliches Unwohlsein.

    9/10

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