Metal-CD-Review: FREEDOM CALL – Dimensions (2007)

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Alben-Titel: Dimensions
Künstler / Band: Freedom Call (mehr)
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Steamhammer

Alben-Lineup:

Chris Bay – Vocals, Guitars, Keyboards
Lars Rettkowitz – Guitars, Vocals (backing)
Armin Donderer – Bass, Vocals (backing)
Dan Zimmermann – Drums, Vocals (backing)

Track-Liste:

1. Demons Dance 02:03
2. Innocent World 04:27
3. United Alliance 04:10
4. Mr. Evil 03:43
5. Queen of My World 04:27
6. Light Up the Sky 05:25
7. Words of Endeavour 03:52
8. Blackened Sun 04:40
9. Dimensions 03:58
10. My Dying Paradise 04:47
11. Magic Moments 04:34
12. Far Away 03:19

Auf den Abstieg folgt der… Abstieg ?

Es geht also weiter mit der mehr als spannenden Diskografie der Nürnberger Happy Metal-Recken von FREEDOM CALL. Gar nicht mal allzu lange nach dem vergleichsweise desaströsen vierten Album der Band (THE CIRCLE OF LIFE, Review) erschien 2007 DIMENSIONS – ein Album, welches im besten Fall die aus dem Vorgänger resultierende Enttäuschung wieder wettgemacht hat. Schließlich bewiesen FREEDOM CALL schon zur Genüge, dass sie einen anständigen Power Metal kreieren können – wenn sie es nur wollen, und einige bisher unbekannte Umstände entsprechend zugunsten der Band und deren Material ausfallen. Wird DIMENSIONS die Tradtion des auf-und-ab in der FREEDOM CALL-Diskografie fortsetzen und sich wieder den Status eines hochkarätigen Genrealbums sichern – oder wird auf ein eher schlechtes erneut (und somit erstmals) ein zu vernachlässigendes Album folgen ?

Eine spannende Frage, an der man jedoch nicht lange zu knabbern hat. Denn: auf DIMENSIONS machen die Nürnberger etwas klar, mit dem man eher nicht gerechnet hätte: dass ihnen die Ideen ausgehen. Und beileibe nicht nur die, sondern gleichzeitig auch die einstige Spielfreude, die irgendwo zwischen einer angenehmen Eingängigkeit und dezenten Innovation (man nenne es eine Innovation der Fröhlichkeit) hin- und herpendelte. Was auch immer nach ETERNITY (2002) passiert sein mag – es wirkt sich auf die Band und das präsentierte Material aus, und das nicht zu knapp. Bereits das eher künstlich anmutende, mit einer miesen Erzählstimme gespickte Intro lässt nichts gutes vermuten – und tatsächlich, schon der Opener INNOCENT WORLD ist eine herbe Enttäuschung. Nicht unbedingt, da es sich um eine verdammt fröhliche, kitschige Nummer handelt – dafür hatten FREEDOM CALL schon immer ein Händchen. Hatten – doch das, was hier präsentiert wird, ist selbst für jene Genreverhältnisse zuviel. Oder eben zu wenig, je nachdem wie man es betrachtet. Klar ist nur: wo man sich zuvor noch von einer entsprechenden Stimmung hat mitreissen lassen, ist aktuell nicht viel mehr als Fremdschämen angesagt. Einen peinlicheren Refrain als den in INNOCENT WORLD inszenierten hat man schlicht – selbst als erfahrener Power Metal-Konsument – wohl noch nicht gehört. Da reißt selbst der immerhin ansprechende Soli-Parts nichts mehr.

Und es wird nicht besser, im Gegenteil. Somit kann auch die Hoffnung, die auf THE CIRCLE OF LIFE hzumindest teilweise erfüllt wurde, nicht gehalten werden. DIMENSIONS überzeugt weder in der ersten, noch der zweiten Albenhälfte; oder anders gesagt: zu keinem Zeitpunkt. Es ist merkwürdig aber: das Album wirkt am ehesten so, als hätte man sich selbst parodiert. Ander sind die extrem flachen Lyrics (selbst für FREEDOM CALL-Verhältnisse) nicht zu erklären, ebensowenig wie die eindeutigen musikalischen Fehlgriffe a’la MR. EVIL. Selbst die im Anhang präsentierten Cover-Versionen und Bonus-Tracks wissen alles andere als zu glänzen, als ein besonders markantes Beispiel sei hier der Klassiker DANCING WITH TEARS IN MY EYES gennant. Da klingt das Original – selbst ohne schwermetallischen Einfluss – wesentlich besser, selbst FREEDOM CALL hatten schonmal entsprechend hochkarätig vorgelegt, und zwar mit der ähnlichen Nummern TEARS ARE FALLINg vom Debütalbum. Die einzige Ausnahme mag hier das flotte, hymnische WARRIORS OF LIGHT als quasi-Ergänzung zu früheren Nummern der Band bilden, die doch recht gut funktioniert und weitaus weniger plump klingt als alles andere auf dem Album angebotene.

Bleibt alles, was zwischen dem platten Opener und dem Bonus-Finale angesiedelt ist. Doch auch hier regiert die pure Belanglosigkeit: THE QUEEN OF MY WORLD hat bis auf den flotten Soli-Part und einen recht passablen Refrain nicht viel zu bieten, LIGHT UP THE SKY klingt über weite Strecken verdächtig künstlich und unstrukturiert, und auch die Balladen a’la WORDS OF ENDEAVOUR haben schon einmal weitaus besser funktioniert. Und was ist in BLACKENED SUN los ? Hier versuchen FREEDOM CALL ausnahmsweise mal etwas düsterer zu klingen, was an sich und in Bezug auf die Abwechslung keine schlechte Sache wäre – doch schlägt die Nummer mit ihrem absolut gezwungen wirkenden Eindruck komplett fehl. Wie wohl auch der arg kraftlose, uninspirierte Titeltrack mit seinem stumpfen Refrain – wahrlich, man kann hier von allem sprechen, nur nicht von einer Glanzleistung. MY DYING PARADISE besitzt zumindest das Zeug zu einer Hymne – schade nur, dass die eher unvorteilhafte Abmischung auch dieser Nummer zusätzlich Kraft raubt. Den aktuellen Zwiespalt von FREEDOM CALL kann man dann noch einmal besonders gut in einer Nummer wie FAR AWAY bestaunen. Eigentliche eine recht anständige, durch eine dezent hardrockige Note angenehm erfrischende Nummer; hätte man schlicht keinen schlechteren Refrain (inklusive platter Lyrics und künstlicher Dudelsack-Klänge) schreiben können.

Fazit: Wenngleich die ersten drei FREEDOM CALL-Alben sicherlich nicht bei jedermann angekommen sind, hatten sie zumindest das Potential eingefleischte Genre-Fans zu begeistern. Davon fehlt hier – bis auf ein oder zwei Einzeltitel als überzeugendes Argument – aber jede Spur. Selbst THE CIRCLE OF LIFE, eines der weniger guten Alben der Band, entwickelte einen größeren Reiz als das maue DIMENSIONS. Trotz aller Übertreibungen konnte man FREEDOM CALL – und sei es mit einem gewissen Augenzwinkern – stets abnehmen, was sie da machen. Diese Zeiten scheinen endgültig vorüber, beschäftigt man sich mit einem Album wie DIMENSIONS. So simpel, stumpf; aber eben auch unsicher und ideenlos klang die Band noch nie. Die wenigen Ideen, die man doch noch einbrachte; wirken dagegen komplett fehlgeleitet – wie etwa die Mischung aus alten und neuen Elementen in FAR AWAY, dem HELLOWEEN-Tribut MR. EVIL oder dem merkwürdigen BLACKENED SUN. Es ist schade, aber: man sollte die Hoffnung bekanntlich niemals aufgeben. Vielleicht wird es mit dem nächsten Inspirationsschub wieder angenehmer.

Anspieltipps: UNITED ALLIANCE, WARRIORS OF LIGHT

Vergleichsbands: GAMMA RAY | DREAMTALE | STRATOVARIUS | POWER QUEST


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„Der Tiefpunkt der Freedom Call-Diskografie“

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