Metal-CD-Review: FREEDOM CALL – The Circle Of Life (2005)

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Alben-Titel: The Circle Of Life
Künstler / Band: Freedom Call (mehr)
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Steamhammer

Alben-Lineup:

Chris Bay – Vocals, Guitars
Nils Neumann – Keyboards
Cédric „Cede“ Dupont – Guitars, Vocals (backing)
Ilker Ersin – Bass, Vocals (backing)
Dan Zimmermann – Drums, Vocals (backing)

Track-Liste:

1. Mother Earth 04:31
2. Carry On 03:30
3. The Rhythm of Life 03:41
4. Hunting High and Low 04:00
5. Starlight 03:41
6. The Gathering 01:24
7. Kings & Queens 03:48
8. Hero Nation 04:55
9. High Enough 05:48
10. Starchild 05:11
11. The Eternal Flame 04:25
12. The Circle of Life 05:56

Jeder macht mal schlechte Zeiten durch.

Mit FREEDOM CALL war das schon immer so eine Sache. Manche waren seit den Anfangszeiten der Band dabei und feiern sie entsprechend, andere dagegen wagen gar nicht erst einen expliziteren Blick auf das Schaffen der feucht-fröhlichen Power Metal-Combo aus Nürnberg. Schließlich kann ein musikalischer Anspruch wie der von FREEDOM CALL nur polarisieren – interpretierten sie den Begriff der Zugänglichkeit grundsätzlich neu, und setzten seit jeher auf eine vergleichsweise freundliche Spielart des Power Metal. Das ging vor allem beim überraschenden Debütalbum gut (Review), beim Nachfolger CRYSTAL EMPIRE verschätze man sich leicht – nur um auf dem dritten Album ETERNITY wieder zu alten Stärken zurückzufinden. Es ist ein ständiges auf und ab mit den Jungs von FREEDOM CALL – wie passend also, dass ein Album wie CIRCLE OF LIFE diese Tradition gnadenlos fortsetzt.

Denn: nach ETERNITY, dem guten letzten Studioalbum der friedliebenden Metal-Streiter; enttäuscht das nunmehr vierte Album auf der ganzen Linie. Das ist zwar schade, aber einfach nicht zu überhören – vielleicht auch, da die ersten Stutzer bereits beim Lesen der Tracklist und damit vor dem eigentlichen Hörvergnügen aufkommen. Einige, wenn nicht gar viele der hier genannten Titel werden zumindest alteingesessenen Power Metal-Fans verdächtig bekannt vorkommen – wie etwa HUNTING HIGH AND LOW (ein bekannter STRATOVARIUS-Titel), STARLIGHT (HELLOWEEN) oder HERO NATION (METALIUM); um nur drei zu nennen. Da es sich aber keinesfalls um Cover-Versionen der bekannten Titel handelt, sollte man sich die Frage stellen warum FREEDOM CALL diese Parallelen überhaupt entstehen ließen – eine Band, die ohnehin des öfteren unter dem Verdacht stand und steht, hie und da nicht besonders eigenständig zu agieren.

Handelt es sich etwa um eine Art Tributzollung, einen dezenten Hinweis auf potentielle, frühere Vorbilder der Band ? Das mag vielleicht sogar sein – doch vielleicht wären FREEDOM CALL besser beraten gewesen, hätten sie einen solchen Tribut dezenter verpackt. Und vor allem musikalisch hochwertiger: mit der einst auf dem Debütalbum und insbesondere ETERNITY etablierten Qualität hat das auf THE CIRCLE OF LIFE dargebotene Material rein gar nichts mehr zu tun. Es ist kurios, aber: FREEDOM CALL flachen hier in allen Belangen mehr als deutlich ab; und dass obwohl sie bereits gezeigt haben dass sie über genügend eigene, gute Ideen verfügen sollten.

Doch das, was man hier im Rahmen von 12 Titeln (oder 11, abzüglich eines Interludes) zusammengewürfelt hat, spottet einfach jeder Beschreibung. Sicher, etwas simpler und eingängiger ging es schon immer zu bei den Nürnberger Frohnaturen – doch zumindest immer dezent bis explizit hymnisch und mit dem ein oder anderen knackigen Überraschungseffekt. Nun aber kommt eine Ansammlung von Titeln daher, die nicht nur verdächtig simpel klingen – sondern schlicht unerträglich plump und gleichförmig. Es fällt daher schwer, auf einem Album wie diesem wirkliche Highlights auszumachen – selbst die Nummer, die dem bisherigen Werk von FREEDOM CALL vielleicht am nächsten kommt (CARRY ON) verpufft schnell in den unendlichen Sphären der Belanglosigkeit.

Besonders schlecht ist es dagegen um den Opener (MOTHER EARTH), das langatmige RHYTHYM OF LIFE oder das abgekupfterte HUNTING HIGH AND LOW bestellt. Hier zeigen sich FREEDOM CALL von ihrer bisher einfallslosesten, uninspiriertesten Seite – indem sie so gut wie keine Emotionen vermitteln, sondern schlicht langweilen. Da hilft es auch nichts, dass man noch mehr als zuvor auf Keyboardklänge und Synth-Einschübe setzt (während man die Gitarren eher zurückfährt) – jener erzwungen wirkende 80er-Jahre-Anstrich wertet das Album auch nicht auf, im Gegenteil. Überhaupt, was ist aus dem einst so ansprechenden (simplen, aber wirksamen) Songwriting geworden ? Hört man eine Nummer wie STARLIGHT, so müsste man am ehesten davon ausgehen eine ganz andere Band zu hören.

Wenn schon die bisherigen Titel nicht überzeugen konnten, so kann es vermutlich auch nicht das Interlude – was zutrifft. Man schreitet also beherzt voran zur zweiten Albenhälfte, nicht zuletzt in der Hoffnung dass FREEDOM CALLL hier doch noch die Kurve kriegen. Und tatsächlich, es scheint sich eine dezente Steigerung abzuzeichnen. KINGS & QUEENS, HIGH ENOUGH und STARCHILD klingen schon eher nach FREEDOM CALL, wenngleich selbst diese Nummern nicht wirklich mit dem Material der bisherigen drei Alben konkurrieren können. Etwas anders sieht es dann mit THE ETERNAL FLAME aus, eine Nummer in der Tradition von THE WANDERER oder FLAME IN THE NIGHT. Hier könnte man erstmals ein klein wenig Gänsehaut bekommen – und daran erinnert werden, warum FREEDOM CALL bei manchen als wahre Kultband gelten. HERO NATION und der Titeltrack dagegen sind wieder echte, schlecht geschriebene Langweiler, die keinen hinter dem Ofen hervorlocken können.

Fazit: Es ist schon faszinierend, sich mit einer Diskografie wie der von FREEDOM CALL zu beschäftigen. Zum einen, da die Band ohnehin polarisiert – und zum anderen, da die Alben enormen qualitativen Schwankungen ausgesetzt sind. Warum auch immer es so gekommen ist, THE CIRCLE OF LIFE ist zweifellos das bisher schlechteste Album der Band, gegen das selbst das extrem simple CRYSTAL EMPIRE aus dem Jahre 2001 die Nase vorn hat. Das Songwriting ist vergleichsweise miserabel, die Spielfreude ist wie der Grad der Innovation extrem zurückgefahren, selbst Leadsänger Chris Bay scheint hier nicht in bester Form zu sein – und die merkwürdige Art der Tributzollung (Titelklau bei Genrekollegen, aufgesetzter 80’s-Touch) rundet das Ganze stilsicher nach unten hin ab. In der zweiten Albenhälfte wird es dann dezent besser – doch kann dies kaum über die erste hinwegtrösten, die sich am ehesten zum Fremdschämen eignet. Sicher fällt es schwer, bei einer sympathischen Band wie dieser überhaupt von einem schlechten Album zu sprechen – doch scheint es nötig, um Differenzieren zu können. Interessierte sollten viel eher mit den früheren Alben der Band beginnen, und THE CIRCLE OF LIFE bestenfalls überspringen; so schade es auch ist.

Anspieltipps: KINGS & QUEENS, HIGH ENOUGH, STARCHILD, THE TERNAL FLAME

Vergleichsbands: GAMMA RAY | DREAMTALE | STRATOVARIUS | POWER QUEST


50oo10

„Alles andere als eine Glanzleistung.“

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