Metal-CD-Review: GAMMA RAY – Land Of The Free (1995)

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Alben-Titel: Land Of The Free
Künstler / Band: Gamma Ray (mehr)
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Noise Records

Alben-Lineup:

Kai Hansen – Vocals, Guitars
Thomas Nack – Drums, Vocals (backing)
Jan Rubach – Bass
Dirk Schlächter – Guitars, Keyboards

Track-Liste:

1. Rebellion in Dreamland 08:44
2. Man on a Mission 05:49
3. Fairytale 00:50
4. All of the Damned 05:01
5. Rising of the Damned 00:43
6. Gods of Deliverance 05:01
7. Farewell 05:11
8. Salvation’s Calling 04:36
9. Land of the Free 04:38
10. The Saviour 00:40
11. Abyss of the Void 06:04
12. Time to Break Free 04:40
13. Afterlife 04:46 Show lyrics

Land Of The Free, oder: ein Stück Metal-Geschichte.

Es war einmal im Jahre 1995, als ein alteingesessener GAMMA RAY-Gitarrist aufbegehrte und zusätzlich zu seiner markanten Gitarrenarbeit den Leadgesangsposten der 1989 gegründeten Band übernahm. In der Tat – die Rede ist von niemand geringeren als Kai Hansen, der den für 3 Studioalben verpflichteten Ralf Scheepers ablöste und fortan noch intensiver Einfluss auf den ureigenen, wegweisenden Sound der Band nehmen konnte. Die unausweichliche Folge war ein GAMMA RAY-Album, welches bis heute nachhallt – und gleichzeitig eines der interessanten der gesamten bisherigen Diskografie der deutschen Power Metaller ist. Neben jenen früheren, ebenfalls wegweisenden Alben der sehr eng mit GAMMA RAY verbundenen Band HELLOWEEN, versteht sich.

Zwar ist es irgendwie auch schade, dass Ralf Scheepers (bis 1994 bei GAMMA RAY) nie so anerkannt wurde wie Kai Hansen; zumindest nicht in Bezug auf seine Leistungen als Leadsänger. Andererseits sollte der ohnehin später PRIMAL FEAR (s)einen eigenen Weg gehen, der ihm vielleicht auch besser zu Gesicht stand. Klar ist nur: ab 1995 wurden GAMMA RAY zu dem, was sie auch heute noch sind – eine unverkennbare, in allen Belangen starke Pionierband des Power Metals. Und das nicht nur, da sie zusammen mit HELLOWEEN den Weg für den Erfolg des in Europa noch relativ frischen Subgenres ebneten und damit eine der ersten nennenswerten Bands jener Spielart waren – sondern auch, da ihre Kompositionen stets zeitlos waren und noch immer sind. Wie viele Bands sich an potentiellen musikalischen Vorbildern wie eben HELLOWEEN oder GAMMA RAY orientier(t)en, steht in den Sternen – doch ist es immer wieder eine Erfahrung wert, zurück zu den Ursprüngen zu gehen und ein Album wie LAND OF THE FREE zu genießen.

Die Frage ist nur, ob dies auch uneingeschränkt möglich ist. Fakt ist, dass LAND OF THE FREE das wohl bekannteste, am höcshten gelobte Album der Band ist – und tatsächlich, vieles von dem hier dargebotenen klingt verdächtig nach Kult. Dennoch könnten die Meinungen auseinandergehen, wenn es darum geht den Kultstatus des Albums zu verteidigen oder eben anzufechten. Das dies überhaupt möglich ist, liegt dabei weder an den Leistungen der einzelnen Mitglieder, der Produktion (obwohl sie hie und da etwas kraftlos und leise wirkt) oder dem offensichltich vorhandenen Ideenreichtum – sondern schlicht an ein oder zwei kleineren Fehlgriffen. Zum einen äußern sich diese in Form der immerhin drei auf dem Album vertretenen Interludes, deren Sinn sich nicht wirklich erschließt (auch, da sie her schlecht als Recht in den Albenkontext passen) – und zum anderen an den nicht immer prägnant ausgeführten Ideen. Bereits der Opener REBELLION IN DREAMLAND verspricht großes, besitzt eine interessante progressive Note – doch so richtig Stimmung will bei einem eher sperrigen Titel wie diesem noch nicht aufkommen. Titel Nummer zwei, MAN ON A MISSION dagegen vertreibt dann plötzlich alle Sorgen – und glänzt mit seiner Wirkung als zeitlose, unverbrauchte, spielfreudige Hymne eines Power Metals der europäischen Spielart. Hier geben sich GAMMA RAY nicht nur äußerst flott, kräftig und hymnisch – sondern klingen vor allem auch verdammt atmosphärisch. 

Danach folgt dann allerdings der eher schwächere Teil des Albums, der zum einen aus den besagten Interludes, und zum anderen aus bestenfalls mittelprächtigen Titeln wie ALL OF THE DAMNED oder GODS OF DELIVERANCE besteht. Sicher klingen GAMMA RAY auch hier mehr als nur solide, doch kann man sich kaum des Gefühls erwehren, dass hier jeweils weitaus mehr dringewesen wäre. Die Ballade FAREWELL, die mit einem dezenten Gastgesangspart von Hansi Kürsch (BLIND GUARDIAN) aufwartet fungiert dann quasi als Vermittler zwischen der eher schwachen Entwicklung nach MAN ON A MISSION und den noch verbleibenden Nummern. Zu Beginn noch etwas behäbig, entwickelt sich der Titel mehr und mehr zu einem echten emotionalen Feuerwerk – und vielleicht auch zu einem Dauerbrenner für die etwas ruhigeren Stunden. Mit SALVATION’S CALLING gehen GAMMA RAY dann auch wieder in die Vollen, und präsentieren den zweiten markant-starken Titel des Albums, der vermehrt an die Ära der HELLOWEEN KEEPERS-Sage erinnert.

Den Vogel endgültig abschießen aber können GAMMA RAY dann aber erst mit dem Titeltrack. LAND OF THE FREE ist damit einer der wenigen Titeltracks auf einem Power Metal-Album, die diese Bezeichnung auch redlich verdient haben. Nach einem weiteren Interlude folgen dann noch drei Nummern, die das Album prägnant abschließen. Der ABYSS OF THE VOID kommt wunderbar stampfend und atmosphärisch daher, TIME TO BREAK FREE glänzt mit einer überraschenden Komplettperformance von Kollege Michael Kiske, und AFTERLIFE ist durch den Selbstmord des HELLOWEEN-Drummers Ingo Schwichtenberg 1995 (dem dieser Titel gewidmet ist) zusätzlich emotional aufgeladen.

Fazit: LAND OF THE FREE ist ein sehr gutes GAMMA RAY-Album – aber nicht unbedingt das beste. Das markante Abflauen nach einer Hymne wie MAN ON A MISSION spricht hier – ebenso wie die eher überflüssigen Interludes – Bände. Glücklicherweise geht es ab dem achten Titel wieder rund, sodass man spätestens mit der zweiten Albenhälfte gnadenlos gut bedient wird. Doch Luft nach oben, die ist noch reichlich da.

Anspieltipps: MAN ON A MISSION, SALVATION’S CALLING, LAND OF THE FREE, ABYSS OF THE VOID

Vergleichsbands: HELLOWEEN | BLIND GUARDIAN | IRON SAVIOR | PRIMAL FEAR


„Allein aufgrund des Band-internen Gesangsdebüts von Kai Hansen kultverdächtig.“

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