Metal-CD-Review: SYMPHONITY – Voice From The Silence (2008)

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Alben-Titel: Voice From The Silence
Künstler / Band: Symphonity (mehr)
Land: Tschechische Republik
Stil / Genre: Power Metal
Label: Limb Music GmbH

Alben-Lineup:

Tomáš „Tom“ Čelechovský – Bass
Marthus – Drums
Olaf Hayer – Vocals
Ivo Hofmann – Keyboards
Libor Krivak – Guitars

Track-Liste:

1. La Morale Dell‘ Immorale 01:05
2. Give Me Your Helping Hand 05:09
3. Gates of Fantasy 06:34
4. Bring Us the Light 05:06
5. Salvation Dance 05:01
6. The Silence – Memories (Part I) 02:02
7. The Silence – In Silence Forsaken (Part II) 06:39
8. The Silence – Relief Reverie (Part III) 01:30
9. Searching You 05:19
10. Evening Star 08:41
11. Afterlife 06:01

Olaf Hayer FTW.

Zugegeben, mit seinem schnöden und irgendwie unpassenden Cover-Artwork verspricht VOICE FROM THE SILENCE nicht gerade großes. Eine junge Dame in einem offenbar angeregten Zustand, als Götterfigur in einem erleuchteten Himmel ? Das weite Meer und ein typisches mittelalterliches Schloss mittendrin ? Doch darum geht es an dieser Stelle nicht; es geht vielmehr darum was auf selbigem Album zu hören ist. Dieses profitiert dabei – und glücklicherweise – weniger von der holden Weiblichkeit im allgemeinen, sondern strotzt vor purer (aber bescheidener) Manneskraft: niemand geringer als Olaf Hayer übernimmt für SYMPHONITY des Leadgesangs-Posten. Olaf Hayer ? Genau, eben der; der auf einem mitunter legendären Album wie LUCA TURILLI’s PROPHET OF THE LAST ECLIPSE tatkräftig mitgewirkt hat. So gilt er nach wie vor als absoluter Geheimtipp in der Szene – auch, da seine Auftritte vergleichsweise rar gesät sind. Neben seiner unverkennbaren Zusammenarbeit mit LUCA TURILLI (für 3 Alben) sorgte er auch als Frontmann der nunmehr getrennten Formation DYONISUS für Furore. Wer weiß, vielleicht wird man zumindest im Zusammenhang mit MACIG KINGDOM (um die es ebenfalls still geworden ist) noch etwas von ihm hören.

Verpflichtet man einen solchen Sänger, ist die Gefahr für ein musikalisches Scheitern zumindest schon einmal verringert – erst Recht, da man sich als geneigter Power Metal-Fan kaum an einer Stimme wie der Hayer’s satthören kann. Andererseits bleibt da noch ein ansehnlicher Rest – den SYMPHONITY aber weitestgehend gut meistern. Besonders zu Beginn des Albums kann man sogar sagen: mit Bravour. Das klassisch angehauchte Intro macht (wenn auch im besseren RHAPSODY OF FIRE-Stil) ordentlich Stimmung, der Opener GIVE ME YOUR HELPING HAND strotzt nur so vor Kraft. Sehr markant ist in diesem Zusammenhang auch das Drumming von Marthus – der interessanterweise der Drummer von CRADLE OF FILTH ist, sich offenbar aber auch gerne mal in den Gefilden des Power Metals austobt. Hier stimmt einfach alles: der hymnische Anspruch, die gelungene Instrumentalkulisse, der immens starke Leadgesang, die klassischen Einflüsse. Ein Eindruck, der auch in der folgenden Nummer GATES OF FANTASY beherzt fortgesetzt wird. Hier geht es zwar etwas fröhlicher und symphonisch-verspielter zu, doch steht das in keinerlei Gegensatz zur Ernsthaftigkeit und tollen handwerklichen Arbeit der Produktion. Ein sagenhafter Refrain, wie er nur aus jenen Genre-Gefilden stammen könnte, rundet das Ganze markant ab.

Das Problem an und mit VOICES FROM THE SILENCE ist schlicht, dass das Album im weiteren Verlauf deutlich an der anfänglichen etablierten Aussagekraft und spielerischen Perfektion einbüßt. Oder anders gesagt: das Niveau kann kaum gehalten werden, erst Recht nicht mit dem sich stark an den ersten Titeln orientierendem SALVATION DANCE und dem dreiteiligen Epos THE SILENCE. Jenes ist zwar dreiteilig, doch erschließt sich diesbezüglich nicht wirklich der Sinn – haben das Vor- und Nachspiel musikalisch kaum etwas anzubieten. Lediglich der Mittelteil (IN SILENCE FORSAKEN) kann als vollwertige Nummer mit einer leichten Überlänge überzeugen. Einziger Wermutstropfen: der nur vermeintlich episch inszenierte Refrain hält das Ganze eher zurück; es fühlt sich so an als stünden SYMPHONITY hier des öfteren kurz vor einem überraschenden musikalischen Ausbruch stehen – der aber niemals stattfindet; außer eventuell im leider viel zu kurzen Soli-Part.

Selbst das fesselnde SEARCHING YOU kann nicht wirklich nachhaltig überzeugen – schlicht, da man sich nur allzu schnell daran sattgehört haben wird. Wie es eben so ist, besteht ein Lied grundsätzlich nur aus einem Refrain auf den man sich immer wieder sehr stark fokussiert. Mit EVENING STAR aber folgt dann glücklicherweise noch eine weitere, markant-starke Nummer – im Uptempo, versteht sich. Hier scheinen SYMPHONITY ihre wahren Stärken zu haben, im Bereich des Midtempos fehlt es der Band offenbar noch an Ideen. Das sie welche haben, beweisen sie aber mit dem gewagten Cover einer allseits bekannten Pop-Nummer… hier AFTERLIFE genannt. Sobald die ersten Töne erklingen, wird man erkennen, um welchen Titel es sich handelt – und zugegeben, SYMPHONITY’s Cover ist gar nicht mal schlecht. Ob Olaf Hayer nun englisch oder deutsch singt scheint beinahe egal (und auch ob es sich um Balladen oder Uptempo-Brecher handelt), und die perfekt inszenierte schwermetallische Komponente steht dem Titel sehr gut zu Gesicht, wie auch der starke Gastgesangspart.

Fazit: Allein für den Leadgesangs-Part gilt es, zahlreiche Extra-Punkte zu vergeben – die VOICES FROM THE SILENCE so automatisch zu einem anständigen Debütalbum machen. Es reicht zwar auch für mehr, das heißt für eine Platzierung im oberen Durchschnitt – doch um die Krone zu erlangen reicht es nicht. Hier verhindert der vergleichsweise schwache Mittelteil weiteres – nach dem starken Auftakt und dem fulminanten (und leicht überraschenden) Finale neigt man am ehesten, einige der Titel im Mittelfeld zu skippen. Auch ähnelt das hier dargebotene Material verdächtig an MAGIC KINGDOM’s 2004’er Output METALLIC TRAGEDY (ebenfalls über Limb Music vertreiben) – obwohl Olaf Hayer zu diesem Zeitpunkt noch nicht Mitglied in besagter Band war. Dennoch handelt es sich um ein empfehlenswertes Album, nicht zuletzt für alle Fans von eben jenem äußerst talentierten Leadsänger.

Anspieltipps: GIVE ME YOUR HELPING HAND, GATES OF FANTASY, EVENING STAR, AFTERLIFE

Vergleichsbands: DIONYSUS | STRATOVARIUS | LUCA TURILLI | RHAPSODY OF FIRE | MAGIC KINGDOM


75oo10

„Gutes, aber nicht wirklich eigenständiges Genre-Album mit starkem Leadgesang“

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