Metal-CD-Review: FREEDOM CALL – Stairway To Fairyland (1999)

freedom-call_stairway_500

freedom-call_stairway_500

Alben-Titel: Stairway To Fairyland
Künstler / Band: Freedom Call (mehr)
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Steamhammer

Alben-Lineup:

Chris Bay – Vocals (lead), Guitars, Keyboards, Vocals (choirs)
Dan Zimmermann – Drums, Vocals (choirs)
Ilker Ersin – Bass, Vocals (choirs)
Sascha Gerstner – Guitars, Vocals (choirs)

Track-Liste:

1. Over the Rainbow 05:51
2. Tears Falling 05:37
3. Fairyland 05:28
4. Shine On 05:42
5. We Are One 04:54
6. Hymn to the Brave 03:59
7. Tears of Taragon 06:54
8. Graceland 05:34
9. Holy Knight 05:00
10. Another Day 05:51

Der Beginn einer Metal-Diktatur der Fröhlichkeit.

STAIRWAY TO FAIRYLAND ist das erste Studioalbum der nicht nur musikalischen Frohnaturen von FREEDOM CALL, die später als Vorreiter eines ganzen Genres gelten sollten. Eines Genres, welches geringschätzig auch gerne mal als Flower– oder Happy Metal bezeichnet wird – da die erzielte Wirkung eine entsprechende ist, und man sich in Sachen Tiefe oder Komplexität oftmals beabsichtigt zurückhält. Doch auch explizite Fans des Genres haben jene Bezeichnungen für sich angenommen, und machen keinen Hehl aus ihrer Vorliebe: es darf eben gerne auch mal etwas simpler, fröhlicher und vor allem eingängiger und hymnischer zugehen als bei anderen Genre-Vertretern. Solange die Qualität stimmt – denn auch innerhalb jenes von einigen verpönten Genres sollte man wie auch überall sonst qualitative Differenzierungen vornehmen. Denn: nicht jeder kann Happy Metal; erst Recht nicht wenn das Ganze aus Jux oder einer reinen Laune heraus entsteht. Glücklicherweise waren – und sind – FREEDOM CALL eine der ersten Bands, die sich seit jeher ein bestimmtes Konzept auf die Fahne geschrieben haben und dieses nicht nur beliebig ausprobieren – sondern durch und durch leben.

Und das spürt man natürlich auch beim Genuss ihrer Musik. Dabei ist STAIRWAY TO FAIRYLAND so gesehen noch das harmloseste Album der deutschen Power Metaller – zumindest wenn es um den Grad der Fröhlichkeit und die allgemeine Präsenz von Mitsing-Refrains und auflockernden Elementen geht. Dafür aber hat das Album etwas, was man auf den späteren Veröffentlichungen eher vernachlässigte: einen durchaus epischen Touch, einen gar nicht mal so unwirksamen Hang zur Theatralik. Somit schlugen FREEDOM CALL erstmals die Brücke vom stilechten europäischen Power Metal der Marke HELLOWEEN und GAMMA RAY hin zu einer ganz ähnlichen – aber irgendwie doch merklich anderen – Interpretation des Genres. Einer Interpretation, die zwar auch auf viele typische Elemente (wie Double-Bass-Gewitter, ansprechende Riffs, hoher Gesang und mehr) setzt, aber in gewisser Weise von einem kontrollierten Maß der musikalischen Übertreibung lebt. Es wird eben geklotzt, und nicht gekleckert. STAIRWAY TO FAIRYLAND beinhaltet genau das was der Titel verspricht – und noch viel mehr; geht es um jene musikalischen Inhalte, die man allgemein mit epischen Themenalben und fantastischen Metal-Welten a’la RHAPSODY OF FIRE assoziieren würde.

Das schöne am Debütalbum der Nürnberger ist, dass man sich trotz der relativen Spielfreude und einer gehörigen Portion Kitsch niemals der Lächerlichkeit preisgibt – und den Hörer über weite Strecken ernsthaft zu unterhalten vermag. Ernsthaft, aber extrem locker und beschwingt – sodass weder der musikalische Anspruch, noch die vermittelten Emotionen (irgendwo zwischen Sehnsucht und Freude) zu kurz kommen. Bereits der Opener und die Folgenummer TEARS ARE FALLING gehen sofort ins Ohr, begeistern durch die starken Refrains und gar nicht mal so simplen Arrangements – vor allem aber wirken sie zeitlos. Mit FAIRYLAND zeigen FREEDOM CALL dann sogleich auf, dass sie auch andere Stimmungen transportieren können, und sich auch im stampfenden Midtempo wohlfühlen. SHINE ON dagegen geht am ehesten als Ballade durch – zumindest zu Beginn, denn schon bald darauf wandelt sich das Ganze in einen weiteren enorm voranpreschenden Titel mit explizitem Hymnen-Charakter.

Auch in den folgenden Nummern sind FREEDOM CALL vor allem auf eines bedacht: das Album möglichst als Erlebnis zu inszenieren, und nicht als gleichförmiges Etwas ohne Höhen und Tiefen. Die musikalische Vielfalt ist entsprechend beeindruckend, auch wenn man dies eventuell kaum vermuten würde. Sicher dienen vor allem die eingängigen Refrains als absolute Aufhänger, sodass sie sich wie ein roter Faden durch das Album ziehen – was nur halb so schön wäre, würde das gesamte Drumherum nicht ebenfalls stimmen. Und das tut es, beileibe – selbst die im kleinsten Rahmen entstandenen ‚Chöre‘ wirken derart schmetternd (auch durch eine gute Abmischung), dass es eine wahre Freude ist. Von markanten Uptempo-Brechern über Midtempo-Stampfer bis hin zu balladesk anmutenden Passagen ist alles vertreten, wobei das Zusammenspiel der Instrumente stets überraschend gut funktioniert. Ob nun Dan Zimmermann an den Drums, Ilker Ersin am Bass, Sascha Gerstner an der Gitarre oder Galionsfigur Chris Bay am Mikrofon und Keyboard – STAIRWAY TO FAIRYLAND ist eines der wenigen Alben, dass so gut wie gar keinen Raum für Kritik zulässt, nicht einmal in Bezug auf die Produktion. Der einzige (potentielle) Haken an der Sache ist und bleibt also; dass ist jedoch weniger eine qualitative Frage, ob man sich auf ein vergleichsweise kitschiges Album wie dieses einlassen möchte.

Fazit: Selbst wenn man sich nicht unbedingt als beinharter Fan der Nürnberger Happy Metal-Combo bezeichnen würde, gehört zumindest das Debütalbum von FREEDOM CALL in jede gut sortierte Power Metal-Sammlung. Schließlich ist die hier offerierte musikalische Bandbreite relativ groß – vergleicht man sie mit den anderen, vielleicht nicht ganz so wandelbaren Releases innerhalb der FREEDOM CALL-Diskografie. Schlicht, da es nicht durchgängig (übertrieben) fröhlich oder gar simpel zugeht, sondern ein wahres Feuerwerk an Emotionen entstehen kann; entstehen könnte – stört man sich allgemein nicht an einem gewissen Maß an Kitschigkeit. STAIRWAY TO FAIRYLAND ist extrem hymnisch angehaucht, bietet abwechslungsreiche Strukturen, ist rundum gut produziert – mit diesem Release wird dem geneigten Genre-Fan das Herz (sofern es nicht steinhart ist) zweifelsohne aufgehen.

Anspieltipps: OVER THE RAINBOW, TEARS ARE FALLING, FAIRYLAND, SHINE ON, HYMN TO THE BRAVE

Vergleichsbands: GAMMA RAY | DREAMTALE | STRATOVARIUS | POWER QUEST


80button

„Extrem gut gelunges, vielleicht auch wegweisendes Debütalbum.“

Zögert bitte nicht, einen Kommentar zu hinterlassen.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s