Metal-CD-Review: FREEDOM CALL – Beyond (2014)

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Alben-Titel: Beyond
Künstler / Band: Freedom Call (mehr)
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Steamhammer

Alben-Lineup:

Ilker Ersin – Bass
Chris Bay – Guitars, Vocals
Lars Rettkowitz – Guitars
Ramy Ali – Drums

Track-Liste:

1. Union of the Strong 05:02
2. Knights of Taragon 04:44
3. Heart of a Warrior 03:13
4. Come on Home 04:03
5. Beyond 07:49
6. Among the Shadows 03:45
7. Edge of the Ocean 03:37
8. Journey into Wonderland 03:59
9. Rhythm of Light 04:03
10. Dance Off the Devil 03:45
11. Paladin 04:09
12. Follow Your Heart 03:51
13. Colours of Freedom 04:15
14. Beyond Eternity 03:03

Fröhlicher geht’s nimmer ? Falsch gedacht !

Hurra, hurra; sie sind wieder da. Nachem sich Chris Bay & Co zuletzt etwas ausprobiert hatten, blasen sie auf auf ihrem neuen Studioalbum BEYOND erneut zum Marsch für Frieden, Gerechtigkeit und ganz viel Liebe. Ja, es geht noch immer um eine Veröffentlichung aus dem Power Metal-Genre, und ja; es geht um FREEDOM CALL, eine der wohl umstrittensten Metal-Bands aus jenen musikalischen Gefilden. Umstritten, respektive nicht unbedingt bei jedermann beliebt sind sie, weil sie seit jeher eine eher fröhliche Variante des Power Metals zelebrieren – die mittlerweile auch gerne als Flower- oder Happy Metal bezeichnet wird. Freunde einer härteren Gangart des Metal können also bereits an dieser Stelle aufhören zu lesen, da FREEDOM CALL auch dieses Mal jedwede finsteren Metal-Dämonen in die Flucht schlagen. Aber es soll auch einige geben, die seit den Anfangszeiten (um 1998) der Band dabei sind, was beileibe keine Schande ist – sind vor allem die ersten drei Alben der Nürnberger bis heute echte Kultwerke. Nicht nur innerhalb der eingeschworenen Fangemeinde, denn auch international wurden sie sehr gut angenommen. 

Sicher, die neueren Alben waren dagegen nicht mehr ganz so prägnant oder wegweisend. Aber immerhin mit dem letztaktuellen Werk, LAND OF THE CRIMSON DAWN (Review) schien man erneut in die richtige Richtung zu gehen – eine, die nun auf BEYOND perfektioniert wird. Nicht unbedingt, indem man etwas noch nie dagewesenes auf die Beine stellt; sondern vielmehr dadurch dass sich die Band auf ihre wahren Stärken besinnt und sich atmosphärisch ganz nah an den ersten Alben orientiert. Das bedeutet vor allem: auch auf BEYOND werden einem die Hymnen-tauglichen Nummern nur so um die Ohren geworfen. Bereits der Opener UNION OF THE STRONG (Video unten) gibt dabei die recht deutliche Marschrichtung vor: in Sachen übertriebener Fröhlichkeit und Kitschigkeit eigentlich nicht zu überbieten, nimmt man FREEDOM CALL einfach ab, was sie da von sich geben. Daran ist nicht zuletzt der sympathische Frontmann Chris Bay schuld; als augenzwinkerndes Urgestein und herrlich stimmkräftiger Barde der guten Laune macht er seine Sache nach wie vor gut – und das so gesehen konkurrenzlos.

Jener antreibende, hymnische Anspruch des Openers zieht sich so auch durch die folgenden Titel. Wer braucht da schon ein Midtempo – fast alle Nummern feuern ordentlich druckvoll und im Uptempo aus den Boxen, und reissen in einer Welle der Euphorie alles mit sich. Im besten Fall, versteht sich – doch kann man den Bandmitgliedern einfach nicht absprechen, dass sie ihr Handwerk verstehen. Sowohl bezüglich der Arbeit an den Instrumenten, den zwar kitschigen aber stets passig wirkenden Keyboard-Orgien und der Produktion gibt es rein gar nichts zu mäkeln. Auch hinsichtlich einer gewissen Abwechslung ist man bemüht, auch wenn die Bandbreite von FREEDOM CALL wahrlich nicht sehr weitreichend ist. Ob die Nürnberger auch düster klingen können, darüber kann man nur munkeln – BEYOND jedenfalls präsentiert durchgängig positiv gestimmte Klänge und eine absolute Sonnenschein-Stimmung. Die kann nach einer gewissen Zeit (die bei jedem einzelnen anders bemessen sein wird) auch mal dezent nerven, da sie vergleichsweise aufdringlich kredenzt wird – aber man soll das Album ja auch nicht in einer ständigen Dauerrotation verköstigen. Andererseits… vielleicht würde die Welt so sogar ein kleines Stückchen besser werden, wer weiss das schon…

Bleiben die Negativaspekte von BEYOND, denn auch solche gibt es – auch wenn der allgemeine Sonnenschein eigentlich keinen Platz für etwaige Schattenseiten lassen sollte. Nicht wirklich gravierend, aber nicht ganz so zweckdienlich erscheint die  schiere Anzahl der Titel – bis auf das kurze Intro und Outro bleiben noch immer 12 streng aneinandergereihte Titel ohne Verschnaufpause übrig. Viel Material auf eine CD zu pressen kann manchmal schön, manchmal frustrierend sein – in diesem Falle bewegt man sich irgendwo dazwischen. Doch auch einige einzelne Nummern scheinen FREEDOM CALL nicht ganz so gelungen. Der Beginn fällt noch durch-und-durch stimmig aus, bis mit dem Titeltrack BEYOND der erste Höhepunkt erreicht wird – mit einer Ausnahme, schließlich beläuft sich die Spieldauer hier auf knapp 8 Minuten. Entsprechende Stimmungswechsel und wahrhaft epische Momente sind hier glücklicherweise vorprogrammiert. Doch warum man einen Titel wie DANCE OF DEVIL auf die reguläre Version des Albums gepackt hat, bleibt ein Rätsel. Hier übertreiben es FREEDOM CALL dann doch noch, und inszenieren eine merkwürdige Afrika-Hymne voller Klischees und einer merkwürdigen Atmosphäre. Eine, die vielleicht zu einem spaßigen Youtube-Video über eine Afrika-Reise passen würde, aber nicht wirklich in den Zusammenhang des Albums. Dann doch lieber ein verdammt schmackiges EDGE OF THE OCEAN – die eigentliche Hymne des Albums, die mit nur einem Wort zu beschreiben ist: Wahnsinn.

Und dann, ja dann gibt es da noch eine Kleinigkeit, die sich CD Nummer 2 schimpft. Diese enthält 7 Bonusversionen von altbekannten Titeln in neuem Gewand. Genauer gesagt handelt es sich um sogenannte Unplugged-Versionen, die FREEDOM CALL mal ungewohnt bodenständig klingen lassen. Allerdings: bis auf einen interessanten, einmaligen Einblick zu vermitteln, entwickeln diese Nummern höchstens für beinharte Fans einen gewissen Reiz. Woran das liegt, ist kein Geheimnis: jene Light-Versionen einiger sonst recht schmackiger Nummern wirken nicht ohne Grund so, als ob ihnen etwas fehlt – und das lassen das eher simple Songwriting noch deutlicher blicken. Am Dann doch lieber FREEDOM CALL mit allem, was dazugehört. Aber man kann die zweite CD ja auch schlicht als das sehen, was sie ist – eine nette Dreingabe. Immerhin: bei einer noch deutlicher auf Spaß getrimmten Nummer wie POWER & GLORY funktioniert das Konzept noch am besten.

Fazit: Es erübrigt sich, allzu viele Worte über BEYOND zu verlieren. Alteingesessene FREEDOM CALL-Fans werden es zu schätzen wissen, gerade da man im Gegensatz zu den Vorgängern noch einmal deutlich anzieht. Nicht nur in Sachen Eingängigkeit, auch wenn sich das sofort bemerkbar macht – sondern auch hinsichtlich der offerierten Qualität. Das Songwriting mag unspektakulär sein, doch handwerklich und atmosphärisch (auf eine spezielle Art und Weise) macht den Jungs von FREEDOM CALL so schnell niemand etwas vor.  Sollten sich Neueinsteiger an dieses Werk herantrauen, so sind sie zumindest vorgewarnt: eine fröhlichere, kitschigere und schlicht buntere Interpretation des Power Metals wird man kaum finden können. Wer sich nicht daran stört, oder vielleicht sogar nach einer entsprechenden Band Ausschau hält – die sich trotz allem niemals der Lächerlichkeit preisgibt – der ist hier bestens beraten. Nieder mit der schlechten Laune – mit FREEDOM CALL im Gepäck kann der (Metal-)Sommer 2014 kommen.

Anspieltipps: UNION OF THE STRONG, COME ON HOME, BEYOND, EDGE OF THE OCEAN,

Vergleichsbands: GAMMA RAY | DREAMTALE | STRATOVARIUS | POWER QUEST


90oo10

„Schlechte Laune adé.“

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