Metal-CD-Review: WINTERSTORM – Cathyron (2014)

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Alben-Titel: Cathyron
Künstler / Band: Winterstorm (mehr)
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: NoiseArt Records

Alben-Lineup:

Peter Cerveny – Bass, Vocals (backing)
Michael Liewald – Guitars (lead), Vocals (backing)
Armin Haas – Guitars (lead), Vocals (backing)
Alexander Schirmer – Vocals
Sebastian Albrecht – Drums, Vocals (backing)

Track-Liste:

1. A Hero Rises 01:56
2. Cathyron 05:35
3. Far Away 04:20
4. Burning Gates 05:06
5. Windkeepers 05:16
6. Down in the Seas 06:11
7. The Maze 04:55
8. Elders of Wisdom 06:31
9. Metalavial 05:04
10. The Evocation 01:32
11. Call of Darkness 06:42
12. The Element’s Strife 02:59

Langsam aber sicher wirklich so kräftig wie ein Sturm im Winter.

WINTERSTORM sind noch nicht allzu lange im Geschäft, genauer gesagt erst seit 2008 – und dennoch erwartet den Hörer mit CATHYRON bereits das dritte Studioalbum der deutschen Power- und Melodic Metaller. Eines kann man dabei gleich vorwegnehmen: die Band hat sich zweifelsohne weiterentwickelt. Nach dem noch etwas unausgegorenem Debüt A COMING STORM (2010) und dem insgesamt soliden, aber unspektakulärem Nachfolger KINGS WILL FALL (2012, Review hier) hat man sich endlich angeschickt, alle offensichtlich vorhandenen Stärken zu einem kleinen Powerpaket zusammenzufassen. CATHYRON wirkt somit deutlich eigenständiger und stilsicherer als die beiden ersten WINTERSTORM-Alben zusammen – und profitiert von der wachsenden Erfahrung der einzelnen Mitglieder.

Dass CATHYRON so gut funktioniert liegt besonders daran, dass WINTERSTORM das auf KINGS WILL FALL präsentierte Konzept nicht wirklich fortsetzen, sondern (zumindest gefühlt) neue Wege gehen. Nicht gänzlich neue, denn selbstverständlich gibt es auch weiterhin äußerst schmackige Melodien und Rhythmen, absolute Misting-Refrains und schlicht eine riesengroße Portion guter Laune serviert. Dieses Mal jedoch fungieren jene himmelhoch-jauchzende Elemente nicht mehr als eigentliche Highlights – sondern werden geschickt in deutlich anspruchsvollere Kompositionen eingebettet. Tatsächlich wurde die allgemeine Soundkulisse dieses Mal wesentlich effektiver ausstaffiert, auch ohne die Gefahr eines musikalischen Overkills. Durch den dezenten Einsatz von Elementen des Folk, des Soundtracks und allgemein wesentlich ansprechenderen Chören verpasste man CATHYRON eine äußert wertige, wuchtige Komponente. Eine, die in Verbindung mit der schon immer gelungenen Metal-Soundkulisse erstmals vollends ihre Wirkung entfalten kann.

Um das Ganze weiter aufzulockern und der Gleichförmigkeit entgegenzuwirken setzt man hie und da gar auf progressive Elemente, was nur gut und richtig erscheint. Denn: wo die Songstrukturen zuvor nur wenig Überraschungen boten, lassen sie sich auf CATHYRON nach und nach entdecken. Die Folge ist dann beispielsweise ein (sehr gelungener) Titel wie das mannigfaltige ELDERS OF WISDOM, der verschiedene Stimmungen in sich trägt und mal wie eine Epic Metal-Hymne, mal wie eine Piratensause a’la ALESTORM klingt (wie auch DOWN IN THE SEAS – nur etwas kraftloser). Überhaupt wurde vor allem die Arbeit an den Gitarren perfektioniert: das Riffing ist prägnanter, antreibender und abwechslungsreicher als je zuvor. Um dies festzustellen, braucht man indes erst gar nicht allzu lange in die einzelnen Titel hineinzuhören – ein jeder bekam eine Art instrumentelle Einleitung spendiert, die meist langsam beginnt – und die Spannung dann ins schier unermessliche steigert.

In die Nähe der Metal-Krone aber kommen WINTERSTORM auch dieses Mal nicht – was vor allem an zwei Faktoren liegt. Zum einen klingt die Band – trotz dessen, dass man sich immer stilsicherer gibt und hie und da reichlich Eigenständigkeit beweist – noch immer etwas zu beliebig. Das heisst: potentiell inspiriert von zahlreichen anderen Genrebands, die zumindest theoretisch die Ideen für das auf CATHYRON präsentierte Material hätten abliefern können. Irgendwo zwischen CRYSTALLION, SABATON, ORDEN OGAN, DRAGONLAND und anderen Melodic Metal-Combos fühlen sich WINTERSTORM zu Hause; mit der Folge, dass nicht wenige Passagen etwas aufgesetzt wirken können – vor allem jene, in denen in genretypischer Manier episch angelegtes präsentiert wird (wie etwa in FAR AWAY). Der zweite Faktor liegt dagegen schlicht im Leadgesang von Alexander Schirmer begründet. Jenes Sprachrohr von WINTERSTORM beherrscht zwar sein Handwerk und schneidet insgesamt alles andere als schlecht ab – doch letztendlich hinterlässt er einen eher unspektakulären und gewöhnlichen Eindruck. Am ehesten ist dieses Phänomen mit einem Geschichtenerzähler vergleichbar, dem man zwar gerne zuhört – aber hauptsächlich nur, weil das Rahmenprogramm und der Inhalt selbst entsprechend stimmig ausfallen.

Fazit: CATHYRON stellt eine wesentliche Verbesserung zum Vorgänger KINGS WILL FALL dar. Schlicht, da die Band sich nun wesentlich flexibler und abwechslungsreicher gibt und das Album zu einer ganzheitlichen Erfahrung macht, wo zuvor eher einzelne Titel als Aufhänger fungierten. CATHYRON ist dabei noch immer äußerst zugänglich und in seiner Wirkung eingängig (mit Nummern wie WINDKEEERS oder der Genre-Hymne METALAVIAL als Paradebeispiel), doch lässt sich der Band spätestens jetzt nicht mehr länger unterstellen, dass sie zu simpel oder vorhersehbar agieren. Für die ein oder andere Überraschung ist das Album nämlich zweifelsohne gut – vor allem in Form von äußerst stimmigen Instrumentalabschnitten. Kein Negativkriterium; sondern eher ein Hinweis ist, dass WINTERSTORM auch dieses Mal nicht wirklich Heavy agieren – sondern sich des öfteren gängigen (Genre-)Klischees hingeben und einen flotten Melodic Metal mit guter-Laune-Garantie präsentieren. Alle Freunde einer etwas härteren Gangart werden also auch dieses Mal kaum beglückt werden – doch die werden ohnehin keine Bands wie WINTERSTORM oder FREEDOM CALL auf ihrer Liste haben.

Anspieltipps: CATHYRON, WINDKEEPERS, ELDERS OF WISDOM

Vergleichsbands: FALCONER | CRYSTALLION | SABATON | ORDEN OGAN


75oo10

„Typische Genrekost, aber ein Schritt in die richtige Richtung.“

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