Metal-CD-Review: AVANTASIA – The Metal Opera Part 2 (2002)

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Alben-Titel: The Metal Opera Pt. II
Künstler / Band: Avantasia (mehr)
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: AFM Records

Alben-Lineup:

Tobias Sammet – Vocals
Henjo Richter – Guitars
Markus Grosskopf – Bass
Alex Holzwarth – Drums

Track-Liste:

1. The Seven Angels 14:17
2. No Return 04:29
3. The Looking Glass 04:53
4. In Quest For 03:54
5. The Final Sacrifice 05:02
6. Neverland 05:00
7. Anywhere 05:29
8. Chalice of Agony 06:00
9. Memory 05:44
10. Into the Unknown 04:29

Irgendwie anders als der Vorgänger; irgendwie aber auch nicht.

Wahrlich, Tobias Sammett und Co. haben mit dem ersten AVANTASIA-Album THE METAL OPERA PART I (Review) etwas ganz großes losgetreten; und nicht zuletzt ein Album erschaffen, welches bis heute nachhallen und -wirken sollte. Doch in Wahrheit war das Metal-Oper-Projekt von vorne herein als zweiteiliges ausgelegt – sodass man erst mit THE METAL OPERA PART II ein vollständiges Paket erhält. Die Frage ist nur, ob das hier dargebotene Material tatsächlich mit der überraschenden Qualität des Vorgängers mithalten kann – oder ob es sich am ehesten um einen zu vernachlässigenden Nachfolger handelt. Was – ganz nebenbei bemerkt – reichlich fatal wäre, wird die auf dem ersten Album begonnene, groß angelegte  Geschichte hier konsequent weitergesponnen. Und mal will schließlich wissen wie sie ausgeht – wenn auch nicht zu jedem Preis.

Fakt ist, dass Mr. Sammet bei weitem nicht so viel Zeit und Mühe in den zweiten Teil des Projekts gesteckt hat. Auf den ersten potentiellen Schreck aber folgt sogleich die Erleichterung:  man merkt es dem Album kaum an. Sicher wirkt es (vor allem auf Anhieb) nicht mehr ganz so frisch, knackig und innovativ wie der Vorgänger; auch da sich viele Parallelen ergeben – aber das soll ja auch so sein. Somit stellt sich doch relativ schnell heraus, dass es sich bei dem hier dargebotenen Material hier um mehr als nur grundsolide Power Metal-Kost handelt. Vielmehr spürt man, dass noch immer eine riesengroße Portion Herzblut und Gefühl in das Album gesteckt wurde – vielleicht sogar etwas mehr als in Bezug auf den Vorgänger, da man sich nunmehr weniger mit dem eigentlichen Konzept beschäftigen musste.

Und tatsächlich: bereits der Opener THE SEVEN ANGELS weiss mit seiner Laufzeit von knapp 14 Minuten und den zahlreichen Gastsängern durchweg zu begeistern. Hier wird erneut alles aufgefahren, was AVANTASIA im Kern ausmacht, ausmachen sollte – in dem man dem, was man sich generell unter dem Begriff einer Metal-Oper vorstellen würde; entsprechend nahe kommt. Zahlreiche Sänger die ihr Handwerk mehr als verstehen (Auch wenn die Auftritte hie und da etwas forciert wirken), ansprechende Stimmungswechsel, instrumentelle Ruhepausen, energetische Soli und ein ordentlicher DRIVE machen THE SEVEN ANGELS zum ersten absoluten Anspieltipp.

Mit einem leicht faden Beigeschmack, denn: tatsächlich scheint es nicht besonders förderlich, einen Titel wie diesen gleich zum Auftakt des Albums zu präsentieren. Schlicht, da man eventuell schon zu viel vorwegnimmt; und nunmehr kaum noch auf ein großes Finale zusteuern kann. Das hat man auf dem Vorgänger noch weitaus besser gelöst: ein atmosphärisches Intro, ein wuchtiger Opener; und zum großen Finale dann ein in jeder Hinsicht epischer Titel wie THE TOWER – das erschien gelungen und sinnig. Immerhin: wenn man die beiden Alben tatsächlich im Doppelpack konsumiert, erscheint das Konzept nicht mehr ganz so abwegig – doch sollte ein Album wie THE METAL OPERA PART II im besten Fall auch unabhängig funktionieren.

Doch dann geschieht etwas, was so eigentlich kaum zu erwarten war: man startet mit den verbleibenden 9 Titeln noch einmal richtig durch. Das besondere ist, dass die Mischung aus druckvollen Uptempo-Brechern in bester europäischer Power-Metal-Manier (wie NO RETURN und CHALICE OF AGONY) und den eher balladesken Einschüben (IN QUEST FOR, ANYWHERE, INTO THE UNKNOWN) bestens funktioniert. Schlicht, da die jeweiligen Performances durch und durch glaubwürdig wirken; selbst wenn die ein oder anderen kitschigen Momente nicht ausbleiben. Doch auch für eine weiterführende Abwechslung ist gesorgt: mit expliziten Hymnen einer härteren Gangart (MEMORY, THE FINAL SACRIFICE) wird das Album zunehmend fulminanter, mitreißender und perfekter. Überhaut: was Tobias Sammet im Zusammenspiel mit David DeFeis (VIRGIN STEELE) oder Ralf Zdiarstek nicht zuletzt gesanglich abliefert, gleicht einem kleinen Meisterstück. Doch auch in den Balladen trifft er stets den richtigen Ton; verausgabt sich geradezu – wenn er dabei noch von derart stilvollen Instrumentals begleitet wird, kann man getrost darüber hinwegsehen dass es hie und da um die ein oder andere verflossene Liebe geht.

Dabei stört es nicht einmal, dass eben jener AVANTASIA-Chef einen Großteil der gesanglichen Präsenz des Albums ausmacht. Zum einen, da er schlicht der Kopf und die Galionsfigur des Projekts ist, und sich AVANTASIA noch immer genug von EDGUY differenzieren – und zum anderen, da die Gastgesangsparts so zusätzlich an Wertigkeit gewinnen, und sei es aus einem Überraschungseffekt heraus. Technisch ist auch der zweite Teil der Metal-Oper über jeden Zweifel erhaben – die Produktion klingt wunderbar sauber und druckvoll, Instrumente und Gesang sind perfekt aufeinander abgestimmt. Nicht zuletzt die handwerklichen Fähigkeiten aller beteiligten Musiker sorgen hier für den allgemein zufriedenstellenden (oder eher mehr als das) Eindruck, der keine Wünsche offen lässt.

Fazit: Es ist schwer, einem Album wie THE METAL OPERA PART 2 den ein oder anderen Favoriten zu entlocken – da das Album noch immer am besten als Ganzes funktioniert, im besten Fall mit der direkten Verbindung zum Vorgänger. Fest steht nur, dass die Qualität nicht absackt, im Gegenteil – lediglich der Überraschungseffekt ist leicht verpufft, doch wie sollte es bei einem Nachfolger wie diesem anders sein. Auch wenn man sich bis auf den Opener etwas strikter vom Konzept einer Metal-Oper entfernt, gelingt AVANTASIA somit ein wahres musikalisches Kunststück; für alle Genre-Fans und solche die es werden wollen. Mit einem Album wie diesem stehen die Chancen sicher alles andere als schlecht, sich für den Power Metal zu begeistern – der sich hier in all seinen Facetten zeigt und sowohl in den schwermetallischeren als auch balladesken Momenten keine qualitative Blöße gibt. Auf THE METAL OPERA PART II zeigt man keine stilistischen Schwächen, und serviert schon gar keine Lückenfüller – die 60 Minuten werden bestens genutzt; und zwar so intensiv, dass sogar das Vorgängeralbum geschlagen werden kann. Ja – trotz oder gerade wegen der enthaltenen Balladen. Am schönsten ist es doch, wenn für alle etwas dabei ist. So vielfältig (und immer noch glaubwürdig) kann zwar nicht jeder klingen, AVANTASIA aber können es.

Anspieltipps: ALLE

Vergleichsbands: EDGUY | STRATOVARIUS | SONATA ARCTICA | HELLOWEEN | ANGRA


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„So gut wie der erste Teil.“

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